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Groove (Musik)
Der Groove gibt ein rhythmisches, oft synkopisches Grundmuster vor, das in der Folge variiert werden kann und gegen das die übrigen Musiker anspielen. Dieses …
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Grundbedeutung
Groove ist ein aus dem amerikanischen Englisch übernommener Begriff der Musik. Er bezeichnet kein einzelnes klar abgegrenztes Merkmal, sondern wird mehrfach und „mehrdimensional“ verstanden. Gemeint sein kann das schwingende Spiel und Zusammenspiel von Musikern im Bereich des Mikrotimings, also bei sehr kleinen zeitlichen Abweichungen im Rhythmus. Gemeint sein kann auch das Gefühl, das beim Zuhören durch Rhythmus, Spannung und Tempo entsteht, sowie die Wirkung, dass ein Publikum zum Mitwippen, Klatschen, Fingerschnippen oder Tanzen angeregt wird. Außerdem kann Groove die Euphorie beschreiben, die sich bei Jazzmusikern oder anderen Musikern einstellt, wenn das Zusammenspiel besonders gut funktioniert.
Groove ist deshalb wichtig, weil er Musik körperlich erfahrbar macht. Er wirkt auf Zuhörer unbewusst psychomotorisch stimulierend, also auf Körperbewegung und Bewegungsimpulse. Besonders bedeutsam ist er in Tanzmusik, etwa in Funk oder Disco, aber auch in vielen anderen Stilen.
Mikrotiming und Rhythmus
Ein zentraler Aspekt von Groove ist das Timing. Ein laid back gespielter Viervierteltakt, also ein leicht zurückgezogen oder gebremst wirkender Takt, klingt anders als ein gerade gespielter Takt. Solche feinen Unterschiede liegen im Mikrotimingbereich. Die Mittel, mit denen ein Groove-Empfinden erzeugt wird, hängen vermutlich vom jeweiligen Musikstil ab.
Experimentelle Studien zeigen zum Beispiel, dass Schlagzeug-Rhythmen das stärkste Bewegungsgefühl auslösen können, wenn das Pattern ohne mikrozeitliche Schwankungen, also quantisiert, gespielt wird. Quantisiert bedeutet hier: zeitlich exakt auf ein Raster gesetzt. Diese „Ästhetik der Exaktheit“ gilt zunächst aber nur für bestimmte Formen der Rockmusik. Insgesamt gilt die Befundlage zur Groove-Empfindung und zu mikrorhythmischen Abweichungen als gemischt. Mikrorhythmische Abweichungen können auch nur dazu dienen, einzelne Instrumente besser wahrnehmbar zu machen. Eine Untersuchung von 2016 fand beispielsweise keine Unterschiede zwischen exaktem, „quantisiertem“ Timing und bestimmten Asynchronitäten hinsichtlich der Groove-Empfindung bei zeitgenössischer Musik. Eine Arbeit von Benjamin Burkhart sieht dagegen das Zusammenspiel von Mikro- und Makrotiming im jeweiligen Kontext als relevantes Groove-Kriterium.
Metrische Muster
In Musik mit afrikanischem Erbe werden die Pulse der metrischen Struktur in einem zyklisch wiederkehrenden Muster gestreckt und gedehnt. Pulse sind die kleineren rhythmischen Einheiten innerhalb des Metrums. Im binären Metrum, zum Beispiel im 4/4-Takt, entsteht dabei Swing oder Shuffle. Typisch ist ein Lang-Kurz-Pattern: Auf einen langen Puls auf der betonten Zählzeit, dem Beat, folgt ein kurzer Puls auf der unbetonten Zählzeit, dem Offbeat.
Im ternären Metrum, zum Beispiel im 6/8-Takt, werden Viertelnoten beziehungsweise Beats in drei Pulse unterschiedlicher Länge geteilt. Beispiele sind Muster wie Lang-Mittel-Kurz oder Kurz-Mittel-Lang. In polymetrischer Musik, also Musik mit überlagerten metrischen Strukturen, werden häufig binäre und ternäre Formen kombiniert. Dadurch entsteht ein zyklisches Timing-Muster mit der Länge von sechs Pulsen.
Groove als musikalisches Grundmuster
Der Groove gibt oft ein rhythmisches, häufig synkopisches Grundmuster vor. Synkopisch bedeutet, dass Betonungen gegen die erwarteten starken Zählzeiten verschoben werden. Dieses Grundmuster kann im weiteren Verlauf variiert werden. Gleichzeitig können die übrigen Musiker gegen dieses Muster anspielen. Gerade dieses Spannungsverhältnis verleiht dem Groove seinen besonderen Reiz.
Der Artikel vergleicht den Groove im Rhythmus mit dem Riff in der Melodie. Ein Riff ist eine wiederkehrende melodische Figur. Im Gegensatz zum Riff zieht sich der Groove aber durch das ganze Musikstück. Beide gehören zum Oberbegriff Ostinato. Ostinato bezeichnet eine sich ständig wiederholende musikalische Phrase. Das Wort stammt aus dem Italienischen und geht auf das lateinische obstinatus zurück, was „hartnäckig“ oder „eigensinnig“ bedeutet.
Stile und Beispiele
Inspirierenden Groove findet man besonders in rhythmisch akzentuierter moderner Unterhaltungsmusik und in Stilrichtungen mit Wurzeln in der afro-amerikanischen Musik. Der Artikel nennt Rhythm and Blues, Funk, Jazz, Soul, Salsa, Rock, Pop und Hip-Hop. Groove ist aber nicht auf diese Musik beschränkt; er kann zum Beispiel auch in der Musik Bachs vorkommen. Manche Musikbeflissene bezeichnen Groove als subjektiven und schwer fassbaren Begriff. Unter erfahrenen Musikern besteht jedoch ein gemeinsames, intuitives und praxisbasiertes Verständnis dafür.
Ein Beispiel für die besondere Bedeutung von Groove ist die Musik James Browns der frühen 1970er Jahre. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Groove auch im weißen Mainstream-Pop wirksam wurde, ist der Popsong „Take a Chance On Me“ von ABBA. Während Agnetha und Frida die Melodiestimmen singen, skandieren Benny und Björn den Groove „Take a chance take a chance take a chance take a chance“. Die Wendung „im Groove sein“ bezeichnet schließlich eine Übereinstimmung im Handeln mehrerer Menschen, etwa beim Zusammenspiel von Musikern, oder ein Glücksgefühl, das durch psychomotorische Stimulation wie beim Tanzen entsteht.