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Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus ; Rechtsform, Stiftung ; Gründung, 1990 ; Gründer, Sigi Feigel ; Sitz, Zürich ; Schwerpunkt, Prävention von Rassismus und …
Inhalt6 Abschnitte
Stiftung, Zweck und Grundsätze
Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) ist eine 1990 gegründete Schweizer Stiftung mit Sitz in Zürich. Ihr Aktionsraum ist die Schweiz, ihr Schwerpunkt die Prävention von Rassismus und Antisemitismus. Stifter und erster Präsident war der Rechtsanwalt Sigi Feigel. Von 2017 bis 2023 war Pascal Pernet Präsident; seit 2024 hat Dr. Zsolt Balkanyi-Guery dieses Amt inne.
Die GRA unterstützt Personen und Institutionen, die sich für Toleranz und Verständnis gegenüber den historisch mit der Schweiz verbundenen Minderheiten einsetzen. Dabei bekämpft sie Diskriminierung im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen. Sie tritt für die Menschenrechte und die Erhaltung der Demokratie Schweizer Prägung ein.
Die Stiftung arbeitet interkonfessionell, also über Religionsgemeinschaften hinweg, und überparteilich, also unabhängig von einzelnen politischen Parteien. Ihr Ziel ist ein friedliches und respektvolles Zusammenleben von Mehrheit und Minderheiten sowie eine bessere gegenseitige Verständigung.
Arbeitsbereiche und Bildungsarbeit
Die GRA betreibt Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich in Bildung und Erziehung sowie in politischen und rechtlichen Fragen. Sie arbeitet eng mit der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) und der Stiftung Erziehung zur Toleranz (SET) zusammen.
Sie unterstützt Projekte der SET, die gemeinsam mit dem Pestalozzianum Zürich Bildungsmedien erstellt. Diese Lehrmittel sollen Eltern und Lehrpersonen dabei helfen, die interkulturellen Kompetenzen junger Menschen zu fördern. Gemeint ist die Fähigkeit, Menschen aus anderen Kulturen und Lebensbereichen respektvoll zu begegnen. Junge Menschen sollen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen und lernen, in gegenseitiger Wertschätzung friedlich zusammenzuleben.
Daneben fördert die GRA Arbeitskreise und Gruppen, die sich für eine humane Behandlung ausländischer Gruppen während ihres Aufenthalts in der Schweiz einsetzen. Sie unterstützt außerdem das Anliegen, Asylsuchende nicht zurückzusenden, solange ihnen in ihrem Herkunftsland Gefahr droht.
Informationsangebote und rechtlicher Konflikt
Auf ihrer Website bietet die GRA ein Glossar zu historisch belasteten Begriffen an. Außerdem führt sie eine Chronologie rassistischer Vorfälle in der Schweiz. Diese Übersicht wird monatlich aktualisiert und jährlich in einer Zusammenfassung veröffentlicht.
Ein Eintrag in der Chronologie führte 2009 zu einem Rechtsstreit. Die GRA ordnete eine Rede von Benjamin Kasper, damals Präsident der Jungen SVP Thurgau, dem verbalen Rassismus zu. Kasper hatte sich im Zusammenhang mit der Minarettverbots-Initiative für eine Schweizer Leitkultur und gegen die Ausbreitung des Islams in der Schweiz ausgesprochen. Er klagte wegen Persönlichkeitsverletzung.
Das Bezirksgericht Kreuzlingen entschied zunächst zugunsten der GRA und vertrat die Auffassung, Befürworter des Minarettverbots müssten damit rechnen, als Rassisten bezeichnet zu werden. Kasper und sein Anwalt Hermann Lei zogen das Urteil vor das Obergericht und erhielten dort Recht. Daraufhin wandte sich die Stiftung an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Dieser entschied, die Schweiz habe die Meinungsäußerungsfreiheit der GRA verletzt, und sprach der Stiftung eine Entschädigung von 5000 Euro zu. Die Entscheidung trägt die Nummer 18597/13 und stammt vom 9. Januar 2018.
Kampagnen und öffentliche Projekte
Mit mehreren Projekten bezieht die GRA besonders Jugendliche, Schulen, Medien und den Sport in die Auseinandersetzung mit Diskriminierung ein.
• Für „Spot it! Stop it!“ lud sie 2007 Jugendliche und Lehrpersonen dazu ein, ein Storyboard oder ein kurzes Drehbuch für einen Fernseh- oder Kinospot über Rassismus, Antisemitismus oder Behinderung zu entwickeln. Ein Storyboard stellt den geplanten Ablauf eines Films in einzelnen Bildern dar. Die vier besten Ideen wurden von einem professionellen Filmteam des Schweizer Fernsehens umgesetzt und im Fernsehen, in Kinos und auf elektronischen Werbetafeln in der ganzen Schweiz gezeigt.
• Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 koordinierte die GRA die Kampagne „Vereint gegen Rassismus“. Sie wurde von Football Against Racism in Europe (FARE) gemeinsam mit der UEFA durchgeführt und von der internationalen Spielervereinigung FIFPro unterstützt.
• 2009/2010 veranstaltete die GRA zusammen mit der Eidgenössischen Fachstelle für Rassismusbekämpfung den Videowettbewerb „Lève-toi!“. Aus den eingereichten Beiträgen entstand ein Musikvideo zum Lied „La peur de l’autre“ des Lausanner Musikers Stress.
Antisemitismusberichte und beobachtete Entwicklungen
Gemeinsam mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) veröffentlicht die GRA jährlich einen Antisemitismusbericht. Dieser erfasst und beschreibt antisemitische Vorfälle und Entwicklungen.
Für 2019 blieb die Zahl der außerhalb des Internets registrierten Vorfälle in der Deutschschweiz stabil. Dazu zählten Gewalt, Beschimpfungen, Sachbeschädigungen und Schmierereien. Tätlichkeiten gegen Jüdinnen und Juden oder Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen wurden dort nicht registriert. In der Westschweiz nahmen dagegen Gewalttätigkeiten gegen Personen zu. Die Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation (CICAD) verzeichnete mehr körperliche und verbale Übergriffe; zudem wurden mehrere Synagogen Ziel von Vandalismus. In der gesamten Schweiz ereigneten sich die meisten erfassten antisemitischen Vorfälle im Internet, besonders in sozialen Medien.
In den Jahren 2020 und 2021 behandelte der Bericht auch antisemitische Aussagen von Corona-Leugnern, die angeblich „mächtigen Juden“ einen Profit aus der Pandemie unterstellten. Laut Bericht stieg die Zahl der Vorfälle während der Pandemie stark an. Im Bericht für 2022 galt Corona nicht mehr als das große Thema, doch die Verschwörungstheorien bestanden fort. Die betreffende Subkultur war im Internet vor allem auf Telegram aktiv. Als besorgniserregend für Schweizer Jüdinnen und Juden wurde beschrieben, dass in diesen Kanälen mahnende Gegenstimmen fehlten.
Um eine antisemitische Haltung zu vermitteln und zugleich einer Strafverfolgung zu entgehen, verwendeten Mitglieder dieser Subkultur sogenannte Hundepfeifen-Codes. Das sind verschlüsselte Begriffe oder Zeichen, deren Bedeutung für Außenstehende nicht ohne Weiteres erkennbar ist, von Eingeweihten aber verstanden wird. Als Beispiel nennt der Artikel die Achtundachtzig; laut dem Analysten Cyril Lilienfeld wurde auch der Ausdruck „Chasaren“ häufig gebraucht. Vor der Corona-Zeit seien Vorfälle eher durch einzelne aktuelle Ereignisse ausgelöst worden. Seit Beginn der Pandemie seien sie dagegen kontinuierlicher aufgetreten.
Auszeichnungen
Mit verschiedenen Preisen würdigt die GRA Menschen und Institutionen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass oder für Menschlichkeit einsetzen.
Den Nanny und Erich Fischhof-Preis vergibt sie gemeinsam mit der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz alle zwei Jahre. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich um die Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus in der Schweiz verdient gemacht haben.
Der Max und Erika Gideon Schulpreis wird ebenfalls alle zwei Jahre verliehen, und zwar in Zusammenarbeit mit der Stiftung Erziehung zur Toleranz. Er richtet sich an Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen, die sich besonders im Kampf gegen Fremdenhass und Antisemitismus engagiert haben.
Bei besonderen Gelegenheiten verleiht die GRA außerdem den Preis für Menschlichkeit an Personen mit allgemeinen humanitären Verdiensten oder den Medienpreis an Journalistinnen und Journalisten, die sich öffentlich für Humanität und Menschlichkeit einsetzen. Genannte Auszeichnungen sind die Medienpreise für Klara Obermüller (1992), Regula Heusser Markun und Hans-Peter Meng (1994) sowie Hans Stutz (2005). Den Preis für Menschlichkeit erhielten Heidi und Peter Zuber (1995) für ihre Flüchtlingshilfe und Peter Arbenz (1997), der Delegierter des Bundesrates für das Flüchtlingswesen war.