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Steffen Mau
Seit dem 1. Oktober 2025 ist er Direktor des Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. ... zu den Themen soziale Ungleichheit, …
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Person und akademischer Weg
Steffen Mau (*31. Oktober 1968 in Rostock) ist ein deutscher Soziologe. Er ist Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und gehört seit 2021 dem Sachverständigenrat für Integration und Migration an. Seit dem 1. Oktober 2025 ist er Direktor des Max-Planck-Instituts für Politik- und Sozialwissenschaft.
Mau wuchs in der Rostocker Neubausiedlung Lütten Klein auf. Vor der Wende absolvierte er eine Lehre als Elektronikfachkraft beim VEB Schiffselektronik Rostock. Ein Studium der Mathematik und Physik, zu dem er 1988 delegiert wurde, trat er nicht an. Von 1991 bis 1997 studierte er Soziologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Von 1998 bis 2001 promovierte er als erster ostdeutscher Doktorand am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Thema Wohlfahrtsstaat.
Danach arbeitete er an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Bremen. Dort erhielt er 2003 eine Juniorprofessur und 2005 eine Professur für politische Soziologie. Seit 2015 hat er die Professur für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin inne.
Themen und öffentliche Aufgaben
Maus Forschung befasst sich unter anderem mit sozialer Ungleichheit, Transnationalisierung, europäischer Integration und Migration. Transnationalisierung bezeichnet dabei die zunehmende Überschreitung nationaler Grenzen durch soziale Beziehungen und Lebenswelten. Seine wissenschaftlichen Themen verbinden gesellschaftliche Strukturen mit politischen und sozialen Veränderungen.
Mit Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft (2019) untersuchte Mau die Transformationsgeschichte des Rostocker Stadtteils im Zuge des Zusammenbruchs der DDR. Das Buch stand auf der Spiegel-Bestsellerliste. Im Wintersemester 2020/21 war er Mercator Senior Fellow der Stiftung Mercator.
Im Januar 2021 berief ihn die Bundesregierung in den Sachverständigenrat für Integration und Migration. Von 2022 bis 2023 war er außerdem Mitglied der Jury für den Standortwettbewerb für das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation. Sein Buch Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt erreichte im Sommer 2024 vordere Plätze auf den Bestsellerlisten und führte zu breiter publizistischer Wahrnehmung.
Zum 1. Oktober 2025 übernahm Mau die Leitung des Max-Planck-Instituts zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen. Im März 2026 wurde das Institut in Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft umbenannt. Seine neuen Schwerpunkte sind Ungleichheit, Transformation und Konflikt. Seit April 2026 ist Mau Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik.
Forschung zur gesellschaftlichen Spaltung
Ein zentrales Forschungsthema ist die Frage, ob Deutschland in einer gespaltenen Gesellschaft lebt. Auf Grundlage empirischer Forschung vertritt Mau die Position, dass die deutsche Gesellschaft nicht in dem Sinne gespalten sei, dass sich zwei Großgruppen gegenüberstünden.
Stattdessen beobachtet er eine Radikalisierung der politischen Ränder. Besonders der rechte Rand wirke mit einer zunehmend durch Emotionalisierung gesteuerten Politik bis weit in die Mitte des politischen Spektrums hinein. Mau bezeichnet diese Form der Politik als „Affektpolitik“. Seine Analyse unterscheidet damit zwischen einer klaren Zweiteilung der Gesellschaft und einer politischen Verschärfung, die von den Rändern ausgeht und die gesellschaftliche Mitte beeinflusst.
Auszeichnungen und zentrale Publikationen
Zu den im Artikel genannten Auszeichnungen gehören der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis (2021), die Mitgliedschaft in der Academia Europaea (2021), der Schader-Preis (2023), der Communicator-Preis (2023) sowie der Bayerische Buchpreis (2024) für Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt.
Maus Veröffentlichungen behandeln vor allem Wohlfahrtsstaaten, soziale Ungleichheit, gesellschaftliche Grenzen, Mittelschichten, Migration und politische Polarisierung. Zu den wichtigen Arbeiten gehören:
- Ungleichheits- und Gerechtigkeitsorientierungen in modernen Wohlfahrtsstaaten (1997), ein Vergleich von Schweden, Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland.
- The Moral Economy of Welfare States. Britain and Germany Compared (2001), seine Dissertation.
- Transnationale Vergesellschaftung: Die Entgrenzung sozialer Lebenswelten (2007) sowie Social Transnationalism. Lifeworlds beyond the Nation State (2012).
- Mit Roland Verwiebe: Die Sozialstruktur Europas (2009).
- Lebenschancen: Wohin driftet die Mittelschicht? (2012) und Inequality, Marketization and the Majority Class. Why did the European Middle Classes accept Neoliberalism? (2015).
- Das metrische Wir: Über die Quantifizierung des Sozialen (2017), dessen englische Übersetzung The Metric Society: On the Quantification of the Social 2019 erschien. Das Buch behandelt die Quantifizierung des Sozialen, also die Bewertung gesellschaftlicher Sachverhalte durch messbare Größen.
- Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft (2019).
- Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert (2021), mit der englischen Übersetzung Sorting Machines. The Reinvention of the Border in the 21st Century (2022).
- Mit Thomas Lux und Linus Westheuser: Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft (2023), englisch Trigger Points. Inequality and Political Polarization in Contemporary Society (2026, Open Access).
- Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt (2024).
- Mit Ricarda Lang: Der große Umbruch. Ein Gespräch über Krisen, Konflikte und Kompromisse (2025).