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Stammform (Verb)
Bei den starken Verben des Germanischen ist etwa zwischen vier Stammformen zu unterscheiden: je eine für Präsens und Infinitiv, Präteritum Singular, Präteritum …
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Begriff und Funktion
Als Stammformen eines Verbs bezeichnet man im Sprachunterricht und in der Grammatik die Formen, die als Grundlage zur Bildung der Flexionsformen dienen. Flexionsformen sind die gebeugten Formen eines Verbs. Durch das Anfügen von Flexionsendungen lassen sich aus den Stammformen alle Flexionsformen ableiten. Die Stammformen zeigen daher, welche Formen der lexikalische Teil des Wortes, also der Wortstamm, annehmen kann.
Bei den starken Verben des Germanischen werden etwa vier Stammformen unterschieden: je eine Form für Präsens und Infinitiv, für das Präteritum Singular, für das Präteritum Plural und für das Partizip Perfekt.
Stammformen im Deutschen
Im Deutschen gibt es drei Stammformen:
- Infinitiv als 1. Stammform
- Präteritum als 2. Stammform
- Partizip II als 3. Stammform
Typische Beispiele sind:
- lesen – las – gelesen
- singen – sang – gesungen
- wollen – wollte – gewollt
Viele unregelmäßige Verben verändern teilweise auch ihren Präsensstamm. Dieselbe Änderung gilt dann auch für den Imperativ. Deshalb wird Lernenden empfohlen, die Stammformen als Merksatz um die 3. Person Singular zu erweitern. Diese Form kann der 1. Stammform, also dem Infinitiv, zugeordnet werden. Außerdem sollte das Partizip II zusammen mit dem zugehörigen Hilfsverb gelernt werden. Viele Lehr- und Nachschlagewerke verwenden diese erweiterten Stammformen.
Die erweiterten Beispiele lauten:
- lesen – (liest) – las – (hat) gelesen
- singen – (singt) – sang – (hat) gesungen
- wollen – (will) – wollte – (hat) gewollt
Stammformen im Englischen
Im Englischen bestehen die Stammformen aus Infinitiv, Präteritum und Partizip II. Beispiele sind:
- sing – sang – sung („singen – sang – gesungen“)
- make – made – made („machen – machte – gemacht“)
- go – went – gone („gehen – ging – gegangen“)
An diesen Beispielen zeigt sich, dass sich die drei Formen je nach Verb unterschiedlich verändern können. Bei make sind Präteritum und Partizip II gleich, während sie bei sing und go verschieden sind.
Stammformen im Lateinischen
Im Lateinischen gibt es drei oder vier Stammformen. Im deutschen Sprachraum ist folgende Reihenfolge üblich: Infinitiv – 1. Person Singular Präsens – 1. Person Singular Perfekt – Partizip Perfekt Passiv (PPP).
Beispiele sind:
- portāre – (portō) – portāvī – portātum („tragen – ich trage – ich trug – getragen“)
- monēre – (moneō) – monuī – monitum („ermahnen – ich ermahne – ich ermahnte – ermahnt“)
- dīcere – (dīcō) – dīxī – dictum („sagen – ich sage – ich sagte – gesagt“)
- ardēre – (ardeō) – arsī – [kein PPP] („brennen – ich brenne – ich brannte“)
Das PPP wird in Schulbüchern meist nur als Nominativ Singular Neutrum angegeben. Es kann jedoch wie ein Adjektiv dekliniert werden, zum Beispiel portatus/a/um oder laudatus/a/um. Das Lateinische besitzt – ähnlich wie das Deutsche – viele Verben mit unregelmäßigen Stammformen. Außerdem gibt es Verben, die kein Partizip besitzen.
Stammformen im Altgriechischen
Im Altgriechischen müssen sieben Stammformen gelernt werden. Sie stehen jeweils in der 1. Person Singular und umfassen:
- Präsens Aktiv
- Futur Aktiv
- Aorist Aktiv oder Medium
- Perfekt Aktiv
- Perfekt Medium oder Passiv
- Aorist Passiv
- Futur Passiv
Ein vollständiges Beispiel ist παιδεύω – παιδεύσω – ἐπαίδευσα – πεπαίδευκα – πεπαίδευμαι – ἐπαιδεύθην – παιδευθήσομαι („erziehen, bilden“).
Ein weiteres Beispiel lautet ἄγω – ἄξω – ἤγαγον – ἦχα – ἦγμαι – ἤχθην – ἀχθήσομαι/ἄξομαι („treiben, führen“). Bei der letzten Form werden zwei mögliche Formen angegeben.