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Stammbaum
In der Familienforschung (Genealogie) ist ein Stammbaum die Darstellung der namentlich bekannten Nachkommen einer (früheren) Person oder eines Paares; dabei …
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Definition und Abgrenzung
Ein Stammbaum ist im allgemeinen Sinn die baumförmige Darstellung der Abstammung von Lebewesen, Sachen oder Ideen voneinander. Ausgangspunkt ist ein Exemplar oder ein Paar an der Baumwurzel. In der Genealogie, also der Familienforschung, bezeichnet Stammbaum die Darstellung der namentlich bekannten Nachkommen einer früheren Person oder eines Paares. Diese Bezugsperson steht unten; Verbindungslinien verzweigen sich nach oben zu den Abkömmlingen und deren Nachfahren.
Davon zu unterscheiden sind mehrere Darstellungsformen:
- Eine Ahnentafel oder Vorfahrentafel zeigt die Vorfahren einer Person.
- Eine Nachkommentafel oder Nachkommenliste zeigt die Nachkommen; die Ausgangsperson steht oben oder links.
- Eine Verwandtschaftstafel verbindet die Darstellung von Eltern, weiteren Ahnen, Kindern und weiteren Nachkommen. Wegen ihrer Form wird sie auch Sanduhr-Darstellung genannt.
- Ein Genogramm stellt die Verwandtschaft einer Person oder Familie komplex und umfassend dar.
- Eine Stammlinie oder Stammliste beschränkt sich auf die männlichen, erstgeborenen Nachkommen einer Person.
Umgangssprachlich wird „Stammbaum“ teilweise fälschlich für eine solche Stammlinie oder Stammliste verwendet. Dabei wird nur die Erbfolge in der Väterlinie vom jeweils ältesten ehelichen Sohn über mehrere Generationen gezeigt. Die Vorfahren der Mütter sowie Geschwister der Erbsöhne und deren Nachkommen fehlen; Seitenlinien werden nicht dargestellt. Auch das GenWiki verwendet „Stammbaum“ in diesem Sinn, während der Duden die Bedeutung laut Artikel ebenfalls ungenau als Nachweis möglichst vieler Vorfahren beziehungsweise als Abstammungstafel beschreibt.
Aufbau und moderne Verwendung
Im genealogisch korrekten Stammbaum stehen Stammmutter und/oder Stammvater als Bezugsperson ganz unten, gleichsam als Wurzel. Darüber folgen in Ästen die Kinder und deren Nachfahren. Bei Geschwistern wird das ältere Geschwisterteil unabhängig vom Geschlecht links vom jüngeren angeordnet. Ein Stammbaum kann schematisch oder dekorativ gestaltet sein.
Traditionelle Stammbäume konzentrierten sich häufig auf eine Stammlinie mit vorwiegend männlichen Nachfahren und Erbnachfolgern sowie deren Ehefrauen. Teilweise wurden nur Personen mit demselben Familiennamen aufgenommen. Verheiratete Töchter, die den Namen ihres Ehemannes annahmen, verschwanden dadurch aus den Stammbäumen ihrer eigenen Familie.
Für die medizinische Diagnose von Erbkrankheiten sind jedoch die weibliche und die männliche biologische Abstammungslinie gleichermaßen wichtig, etwa bei der humangenetischen Beratung. Die moderne Familienforschung strebt deshalb nach umfangreichen Ahnenlisten, die sämtliche Abstammungslinien berücksichtigen, statt nur eine männliche Stammlinie zu verfolgen.
Historische Bedeutung
Bereits in der Antike wurden Darstellungen dieser Art, ausgehend von der biblischen Stelle der Wurzel Jesse (Jes. 11,1), ornamental und figürlich ausgeschmückt. Im Frühmittelalter nutzten Hochgeborene ihre Verwandtschaftsbeziehungen, um die Einmaligkeit und Heiligkeit ihrer Blutslinie darzustellen.
Vom Hochmittelalter bis zum Beginn der Neuzeit wurde der Nachweis adliger Abstammung zunehmend wichtig. Eine bestimmte Zahl freigeborener Vorfahren konnte die Berechtigung zum Ritterschlag und zur Teilnahme an Turnieren belegen. Im weiteren Sinn konnte sie auch für den Eintritt in einen Ritterorden oder in ein adliges Dom- oder Stiftskapitel erforderlich sein. Solche oft mit Wappen ausgeschmückten Darstellungen heißen Aufschwörungstafeln.
Verwandtschaftsbeziehungen spielten damals außerdem im Ehe- und Erbrecht eine wichtige Rolle. Das Streben, möglichst weit zurückliegende prominente oder sagenhafte Vorfahren nachzuweisen, führte gelegentlich zu unbegründeten und widersinnigen Abstammungsbehauptungen. Ein im Artikel gezeigtes Beispiel ist ein Stammbaum aus dem Arboretvm genealogicvm von 1635, der den Versuch unternimmt, fast alle europäischen Herrscherdynastien auf die Nachkommenschaft Rudolfs von Habsburg zurückzuführen.
Genealogische Recherche
Die Erstellung eines Stammbaums erfordert eine zeitaufwändige Recherche nach den genauen Daten aller Vorfahren und gegebenenfalls auch der Nachfahren. Die Informationsbeschaffung kann sich über viele Jahre erstrecken. Erst wenn der ursprüngliche „Spitzenahn“, also die Stammmutter oder der Stammvater, erreicht ist, kann die gesammelte Verwandtschaftsinformation vollständig grafisch dargestellt werden.
Als erste Quellen kommen vorhandene Familienstammbücher sowie Unterlagen der Eltern oder Großeltern infrage. Danach folgen Standesämter mit ihren Personenstandsregistern und Pfarreien mit ihren Kirchenbüchern. Ein Ortsfamilienbuch kann bereits eine umfangreiche Zusammenstellung enthalten. Ergänzend können Suchanfragen bei der Ahnenstammkartei des deutschen Volkes und der Ahnenlistensammlung verwendet werden; dabei ist es möglich, dass die zugrunde liegenden Quellen nicht selbst eingesehen werden.
Bei genealogischen Recherchen entsteht früher oder später ein „toter Punkt“. Wenn Kirchenbuchaufzeichnungen enden oder bei ihrem geschichtlichen Beginn, müssen andere Quellen herangezogen werden, beispielsweise alte Steuerlisten. Die Online-Recherche im Internet spart Zeit, darf nach dem Artikel aber nur mit größter Vorsicht und zur Unterstützung der Quellenarbeit genutzt werden. Genealogie-Foren stellen häufig GEDCOM-Dateien aus privaten Recherchen zum Herunterladen bereit.
Anwendungen außerhalb der Familienforschung
Stammbäume werden auch für Tiere und Pflanzen sowie übertragen für Objekte und Ideen verwendet. In der Tierzucht, etwa bei Rassehunden oder Nutztieren, geben Zuchtbücher einen Überblick über alle Zuchttiere einer Rasse. Sie enthalten die Vorfahren und Nachkommen der eingetragenen Tiere und gegebenenfalls besondere Eigenschaften. Jungtiere erhalten Zuchtpapiere; bei Pferden heißen diese Abstammungsnachweis. Die Ahnentafel eines Pferdes wird häufig auch Pedigree genannt.
In der Genetik gibt es Stammbaumanalysen und in der Archäogenetik den molekularen Stammbaum. In Bioinformatik und Evolutionsbiologie beginnt der Stammbaum der Evolution mit einem hypothetischen gemeinsamen Vorfahren aller bekannten biologischen Arten auf der Erde und verzweigt sich nach den Verwandtschaftsbeziehungen. Eine Abbildung „Stammbaum des Menschen“ stammt im Artikel von dem Zoologen Ernst Haeckel aus dem Jahr 1874.
Weitere übertragene Anwendungen sind der Stammbaum der Wissenschaften in Erkenntnistheorien, die Stammbaumtheorie der Sprachwissenschaft zur Entwicklung von Sprachen aus vermuteten Ursprachen, der bis um 1900 Bedeutung hatte, sowie ein Stemma in der literaturwissenschaftlichen Textkritik. Dort zeigt der Stammbaum, welche Handschriften voneinander abgeschrieben wurden. In der Informatik gibt es außerdem einen Stammbaum der Programmiersprachen, der im Artikel 1843 mit den ersten Programmiertätigkeiten der britischen Adligen Ada Lovelace beginnt; nach ihr wurde in den 1970er Jahren die Programmiersprache Ada benannt. Akademische Stammbäume stellen wissenschaftliche Schulen, Traditionen und Entwicklungen innerhalb einer Disziplin dar.
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