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Recherche
Der Begriff Recherche (französisch recherche, ‚(Nach-)Forschung', ‚Suche', ‚Untersuchung'), auch Investigation (lateinisch investigatio, ‚Aufspürung', …
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Begriff und Zweck
Recherche bezeichnet die gezielte, nicht beiläufige Suche nach Informationen. Sie dient dazu, sich systematisch über ein Thema zu informieren, Zusammenhänge und Hintergründe kennenzulernen, Aussagen zu überprüfen und sich ein begründetes Bild zu machen. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, geeignete Quellen zu finden und deren Zuverlässigkeit richtig einzuschätzen.
Recherche wird in vielen Bereichen eingesetzt. Dazu gehören Wissenschaft, Journalismus, Bibliotheken, Schule, Polizei- und Detektivarbeit, Geheimdienste, Personalgewinnung, Markt- und Finanzanalyse sowie die Suche nach Patenten. Je nach Zweck unterscheiden sich die Quellen, Methoden und Anforderungen an die Qualität der Ergebnisse.
Wissenschaftliches Vorgehen
Wissenschaftliche Recherche erschließt die Grundlagen eines Themas und bezieht häufig Literatur aus einem größeren fachlichen Zusammenhang ein. Vorwissen, etwa aus Lehrveranstaltungen oder früheren Recherchen, hilft bei der Wahl des Vorgehens und geeigneter Literatur. Studenten nutzen beispielsweise Seminarpläne, Einführungen und wissenschaftliche Datenbanken.
Der Rechercheprozess lässt sich in drei Phasen gliedern:
- Vor dem Recherchieren: Das Thema wird detailliert als Problem beschrieben. Gegebenenfalls formuliert man eine Recherchethese oder Recherchefrage und erstellt eine Gliederung sowie einen Ablaufplan.
- Beim Recherchieren: Neue Informationen werden fortlaufend eingebaut. Bereits gewonnene Erkenntnisse werden überprüft; Entwürfe, Fragestellungen oder Planungen können überarbeitet und neu gefasst werden.
- Nach dem Recherchieren: Die Informationen werden ausgewertet. Ziel und Problemstellung werden endgültig festgelegt oder gewichtet und ein abschließender Ablaufplan wird erstellt.
Diese Phasen verlaufen häufig nicht nur einmal, sondern wiederholen sich während der gesamten Arbeit. Zu Beginn geht es vor allem darum, einen Themenbereich zu erschließen. Später werden einzelne Positionen und Argumente durch Nachrecherchen präzisiert. Eine Abschlussrecherche kann prüfen, ob wichtige Informationen übersehen wurden. Neben Gliederungen können Mind-Maps und verschiedene Lesestrategien helfen, Material zu ordnen und Texte zu erschließen.
Journalismus und Bibliotheken
Journalistische Recherche ist das eigenständige Beschaffen von Informationen. Sie unterscheidet sich vom bloßen Verarbeiten von Pressemitteilungen, Agenturmaterial oder Inhalten aus Pressekonferenzen. Ziel ist es, möglichst vielfältige Informationen und unterschiedliche, auch gegensätzliche Blickwinkel zu erfassen, damit eine ausgewogene Berichterstattung möglich wird. Im Idealfall wird jede verwendete Information durch Recherche abgesichert; in der Praxis ist dies wegen des hohen Aufwands nicht immer möglich.
Als Quellen dienen unter anderem Archive, Datenbanken, Fachliteratur und das Internet. Hinzu kommen Interviews mit Betroffenen, Fachleuten und Augenzeugen, offizielles Pressematerial, Anfragen an Pressestellen sowie Anträge auf Grundlage von Informationsfreiheitsgesetzen. Journalistische Recherche kann bislang unbekannte Vorgänge aufdecken, verlangt aber oft zeitaufwendige Kleinarbeit und hängt teilweise von Zufällen ab. Kritisiert wird, dass wirtschaftliche Engpässe gründliche Recherchen erschweren und Pressemeldungen deshalb häufig unkritisch übernommen werden. Als Gegenbewegung entstand 2014 der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung; seit 2016 besteht auf europäischer Ebene die European Investigative Collaboration (EIC).
Bei der Bibliotheksrecherche steht das Literaturstudium, also die Kenntnisnahme bereits veröffentlichter Arbeiten, im Mittelpunkt. Literaturbestände und Bibliographien lassen sich über Bibliothekskataloge und Bibliothekslisten ermitteln. Ein wichtiges Portal ist der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK), der auch internationale Bibliotheksbestände durchsucht. Seine Ergebnisse ermöglichen eine erste Einschätzung, ob eine Fernleihe aussichtsreich ist. Beschäftigte wissenschaftlicher Bibliotheken müssen sich laufend über Suchdienste, deren Lizenzlage und den jeweils notwendigen Bestand an Rechercheangeboten informieren.
Qualität und Bewertung von Internetquellen
Im World Wide Web kann grundsätzlich jeder Inhalte veröffentlichen; eine allgemeine Qualitätssicherung besteht kaum. Online-Informationen können unvollständig, unbelegt, argumentativ lückenhaft, veraltet, falsch oder absichtlich beeinflusst sein, etwa durch Werbung, Zensur, Propaganda oder ideologische Berichterstattung. Texte können auch ohne Zustimmung des Website-Inhabers durch Hacker verändert werden. Der Informationswert hängt zudem von der Dokumentenart ab: Werbematerial, Tagespresse, Fachzeitschriften, Bücher oder private Aufzeichnungen erfüllen unterschiedliche Zwecke und Qualitätsanforderungen. Private Webseiten enthalten häufig nicht alle Angaben, die für eine Prüfung nach wissenschaftlichen Maßstäben nötig wären.
Informationskompetenz ist die Fähigkeit, benötigte Informationen zu finden, zu verstehen und ihre Qualität angemessen zu beurteilen. Gerade Menschen ohne Vorwissen können Funde oft nicht zuverlässig einordnen. In einer Studie des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention konnten Anwender Ergebnisse zu gesundheitlichen Fragen aus dem Web nicht kritisch und zuverlässig beurteilen. Die Bewertung neuer Hinweise setzt daher häufig Fachkenntnisse voraus.
Ein Anhaltspunkt für höherwertige Informationen ist eine redaktionelle Prüfung oder eine Kontrolle nach wissenschaftlichen Regeln. Dazu gehört beispielsweise das doppelblinde Peer-Review: Dabei prüfen Fachleute eine wissenschaftliche Arbeit, ohne dass Autoren und Gutachter gegenseitig ihre Identität kennen. Marktführende Suchmaschinen und Webverzeichnisse unterscheiden bei Nachweis und Bewertung jedoch nicht grundsätzlich zwischen populärwissenschaftlichen und wissenschaftlichen Webseiten. Ein hoher Rang in einer Trefferliste ist deshalb kein sicherer Qualitätsbeleg.
Suchwerkzeuge und Grenzen
Nach dem Informationswissenschaftler Wolfgang G. Stock lassen sich zwei Bereiche digitaler Informationen unterscheiden. Das Oberflächenweb umfasst Inhalte, die mit Suchmaschinen, Webkatalogen, Metasuchmaschinen und Webportalen recherchiert werden können. Das Deep Web enthält unter anderem Datenbanken und Angebote von Hosts. Links zwischen beiden Bereichen heißen Querweltein-Ergänzungen; ein Beispiel sind Brückenseiten. Hybrid-Systeme durchsuchen mehrere dieser Internetwelten.
Suchmaschinen durchsuchen bei einer Anfrage nicht unmittelbar das gesamte World Wide Web, sondern ihre eigenen Datenbanken. Darin speichern sie unter anderem Zeichenfolgen als Stichwörter und Linktexte; sie verfügen nicht über einen vollständig inhaltlich erschlossenen Volltextindex aller Webseiten. Webcrawler durchsuchen das Web fortlaufend, wodurch sich die Datenbanken ständig verändern. Bei einer Untersuchung von 1999 indexierte die beste Suchmaschine nur etwa 16 % der Inhalte des World Wide Webs; alle untersuchten Suchmaschinen zusammen erreichten 42 %.
Webinhalte sind flüchtig: Seiten werden verändert oder gelöscht, und dieselbe Suchanfrage kann an aufeinanderfolgenden Tagen unterschiedliche Ergebnisse liefern. Nicht mehr vorhandene Seiten lassen sich mit Glück über die Wayback Machine aufrufen. Die Halbwertszeit von Hyperlinks betrug 2002 etwa 55 Monate; die Lebenszeit eines Dokuments im WWW lag 2003 bei 2,5 Monaten.
Zwischen der Veröffentlichung einer Webseite und ihrer Aufnahme in einen Suchmaschinenindex können Wochen oder Monate liegen. Neue Inhalte sind deshalb nicht sofort auffindbar, und für neue Seiten fehlt zunächst ein sinnvolles Ranking. Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinen-Spam, Linkfarmen und erkaufte Platzierungen können die Reihenfolge der Treffer beeinflussen. Die Sortierung ist daher kaum vollständig nachvollziehbar, wird aber häufig als Hinweis auf Relevanz verstanden und nur selten auf Neutralität geprüft.
Fachinformationszentren stellen besonders aufbereitete Quellen bereit. Sie sammeln, erschließen und klassifizieren mit staatlicher oder privater Förderung Literatur eines Fachgebiets und bieten sie in Datenbanken oder spezialisierten Suchmaschinen an. Genannt werden die WTI-Frankfurt eG, hervorgegangen aus dem staatlich geförderten FIZ-Technik, das FIZ Chemie in Berlin, das FIZ Karlsruhe und die Technische Informationsbibliothek in Hannover. Professionelle Information-Broker und andere Recherchedienstleister verwenden häufig kostenpflichtige Quellen; auch Bibliotheken nehmen Rechercheaufträge an. Daneben existieren Webseiten, auf denen Privatpersonen Fragen beantworten, beispielsweise Meta-re-search.
Weitere Anwendungsfelder
Detektive und Detekteien stellen Nachforschungen an, während die Polizei kriminalistische Untersuchungen durchführt und Geheimdienste Informationen durch Spionage gewinnen. Dabei kommen teilweise auch illegale Methoden wie das Abhören zum Einsatz. Personaldienstleister verwenden Research zur Personalgewinnung. Marktforschungsinstitute untersuchen Konsumenten und Märkte; andere Dienste sind auf Gebiete wie die Patentrecherche spezialisiert.
In der Schule gehört Recherche meist zu den Arbeitsformen der Freiarbeit: Schülerinnen und Schüler beschaffen und prüfen Informationen zu einem Arbeitsvorhaben selbstständig. Systematische Untersuchungen der finanziellen Lage von Personen und Unternehmen sowie von Finanzprodukten oder Märkten heißen auf Deutsch Finanzanalysen und im Fachjargon ebenfalls Research.