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Phylogenetischer Stammbaum - Interpretation eines Kladogramms [Biologie, Oberstufe]

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  1. [musik] In diesem Video geht es um die Phyogenie, also um die
  2. entwicklungsgeschichtlichen Verwandtschaftsbeziehung von Organismen. Wir werden in diesem Video klären, wie
  3. man phylogenetische Stammbäume liest und interpretiert, was ursprüngliche und abgeleitete Merkmale sind und in diesem
  4. Zusammenhang klären, inwiefern man Rückschlüsse in Bezug auf eine konvergente oder divergente Entwicklung
  5. ziehen kann. und was es mit den Begriffen monophyletisch, paraphyletisch und polyphyletisch auf sich hat. Die
  6. Analyse und Interpretation von Stambbäumen ist zudem immer wieder Gegenstand von Abiturprüfung im
  7. Fachbiologie. Aus diesem Grund werden konkrete Abiaufgaben dazu in einem weiteren Video vorgestellt.
  8. Um die Abstammungsgeschichte von Arten zu rekonstruieren und darzustellen, nutzt man Busch bzw. Also baumähnliche
  9. Diagramme, die man auch phylogenetische Bäume oder vielleicht auch geläufiger evolutionäre Stammbäume nennt. So ein
  10. Stammbaum kann theoretisch die Entwicklungsgeschichte aller Lebensformen darstellen, der Stammbaum
  11. des Lebens sozusagen. Aber auch die großen Entwicklungslinien z.B. von den Insekten oder aber die Geschichte
  12. einzelner Individuen oder Populationen innerhalb einer Art. Ein Beispiel hierfür sind Stammbäume einzelner
  13. Familie des Menschen, die im Kontext der Humangenetik bei der Analyse von potenziell auftretenden Erbkrankheiten
  14. eine wichtige Rolle spielen, wie ihr wahrscheinlich noch im Unterricht thematisieren werdet. Ein Stammbaum muss
  15. nicht zwangsweise die Stammesgeschichte von Arten abbilden. Er kann auch für die Stammesgeschichte von beispielsweise
  16. Genen oder Proteinen genutzt werden. Während lange Zeit phylogenetische Stammbäume anhand von anatomischen
  17. Merkmalen und Verhaltensweisen erstellt wurden, legen inzwischen für immer mehr Organismen Teilsequenzen oder ganze
  18. Genomsequenzen, also die gesamte DNA Sequenz des Organismus vor. Dieses Biologen ermöglichen, die Geschichte des
  19. Lebens- und Verwandtschaftsverhältnisse sehr viel detaillierter zu rekonstruieren, als es noch vor wenigen
  20. Jahrzehnten möglich war. Evolutionäre Stammbäume sind ein äußerst wichtiges Hilfsmittel in der Evolutionsbiologie.
  21. Wenn man sich mit Evolution beschäftigt, ist es wichtig, das Prinzip phylogenetischer Bäume zu verstehen. Die
  22. Rekonstruktion eines Stammbaums geschieht wie folgt. Nehmen wir an, es handelt sich um eine Art.
  23. Aus einer Art zu einem Zeitpunkt wird im Zeitverlauf eine Abstammungslinie. Diese Linie lässt sich bis zu einer
  24. Aufgabelung verfolgen. Zu dieser kommt es, wenn sich die Stammlinie in zwei Abstammungslinien aufspaltet und jede
  25. dieser Linien sich unabhängig weiterentwickelt und dabei unterschiedliche Merkmale entstehen,
  26. dargestellt durch die roten Punkte. Durch eine weitere Aufspaltung der Linien. Dann also, wenn sich innerhalb
  27. einer Art Population abermals getrennt voneinander entwickeln, entsteht ein evolutionärer Stammbaum. Hier
  28. exemplarisch der Stammbaum der Wirbeltiere. In dieser Darstellung wird der Verlauf der Zeit von links am
  29. weitesten zurückliegend nach rechts bis zur Gegenwart dargestellt. Es gibt aber auch abweichende Darstellungsform. Wie
  30. liest man einen solchen Stammbaum? Der gemeinsame Vorfahre einer dargestellten Gruppe findet sich immer
  31. an der Wurzel bzw. also dem Ursprung des Stammbaums. In diesem Fall ganz links. Alle Arten im dargestellten Stammbaum
  32. haben gemeinsam, dass sie ausgehend vom Vorfahre links sich weiterentwickelt haben. Es ist der gemeinsame Vorfahre
  33. aller Arten des abgebildeten Stammbaums. An den Verzweigungspunkten, an denen sich die Äste aufgabeln, hat sich eine
  34. Abstammungslinie in zwei Linien aufgespalten. Zu dem Zeitpunkt, wo sich eine Abstammungslinie in zwei Linien
  35. aufspaltet, hat ein Artbildungsereignis stattgefunden. Zumindest dann, wenn es sich bei diesem Stammbaum um Arten
  36. handelt. Ein solches Ereignis kann in einem Stammbaum durch einen jeweiligen Verzweigungspunkt dargestellt werden.
  37. Die sich aus der Stammlinie getrennt entwickelnden Linien, getrennt, weil beispielsweise eine geographische
  38. Barriere beide Populationen voneinander trennt, führt irgendwann dazu, dass sich die Populationen nicht mehr miteinander
  39. fortpflanzen können. sagt, dass sie reproduktiv voneinander isoliert sind und daher zwei neue Arten bilden. Wobei
  40. der Artbegriff wieder durchaus komplexer ist, Video verlinke ich euch mal an dieser Stelle. Da in beiden neuen
  41. Abstammungslinien Evolution stattfindet, evolvieren in ihnen auch neue Merkmale. Die entscheidende Information eines
  42. Stammbaums ist die Reihenfolge der Verzweigung im zeitlichen Verlauf der Evolution, denn sie gibt an, wer mit wem
  43. näher verwandt ist, wie nachfolgend am Beispiel eines Stammbaums der Wirbeltiere noch erläutert. In einem
  44. Stammbaum wie diesen, den ihr hier abgebildet seht und der in manchen Schulbüchern auch als Cladogramm
  45. bezeichnet wird, weil er auf der Evolution von Merkmalen basiert, werden Verwandtschaftsgruppen sogenannte Taxa
  46. geordnet. Jede Gruppe von Arten, der ein Name zugeordnet ist, bezeichnet man als Taxon bzw. im Plural als Taxa. In diesem
  47. Stammbaum stellen z.B. Mensch, Säugetiere, Landwirbeltiere und Wirbeltiere jeweils Taxad.
  48. Dabei gehört das Taxon Mensch zum nächsten umfangreicheren Taxon der Säugetiere. Dieses ist wiederum Teil des
  49. noch umfassender Taxons der Landwirbeltiere und schließlich der Wirbeltiere.
  50. Ein Taxon wie z.B. Die Säugetiere, das einen gemeinsamen Vorfahren und sämtliche von ihm abstammende Arten
  51. umfasst, nennt man eine monophyletische Gruppe oder ein Monophylung. Mit einem einzigen Schnitt kann eine
  52. monophyletische Gruppe aus einem Stammbaum, z.B. die der Säugetiere, die exemplarisch hier Maus und Mensch
  53. umfassen, entfernt werden. Es ist nämlich ein vollständiger Zweig am Stammbaum des Lebens. Manchmal reichen
  54. phylogenetische Daten nicht aus, um ausschließlich monophyletische Taxa zu beschreiben. Eine Gruppe, die nicht alle
  55. Nachkommen des gemeinsamen Vorfahren, manchmal auch als Stammart bezeichnet umfasst, bezeichnet man als
  56. paraphyletisch. Wie ihr sehen könnt, umfasst eine paraaphyletische Gruppe den letzten
  57. gemeinsamen Vorfahren dieser Gruppe und einige, aber nicht alle seiner Nachkommen. Wenn eine Gruppe nicht den
  58. letzten gemeinsamen Vorfahren der Gruppe umfasst, nennt man sie polyphyletisch. Die hier grün unterlegte Gruppe ist eine
  59. polyphyletische Gruppe, weil sie nicht den gemeinsamen Vorfahren der Gruppe umfasst. Dieser befindet sich nämlich
  60. recht weit in Richtung Ursprung des hier abgebildeten Stammbaums. Heutzutage herrscht Einigkeit darüber,
  61. dass sich Poli und paraphyletische Gruppen nicht eignen, um stammesgeschichtliche
  62. Verwandtschaftsverhältnisse wiederzuspiegeln. Dennoch existieren diese Gruppen bis heute noch, weil
  63. manche Organismen bisher nicht ausreichend phylogenetisch untersucht wurden. Je mehr phylogenetische Daten
  64. vorliegen, desto mehr polyphyletische und paraphyletische Gruppen können aus dem Stammbaurm eliminiert werden.
  65. Andererseits gibt es manche nichtmonophyletische Gruppen, die die Stammesgeschichte nicht korrekt
  66. darstellen, aber allgemein so bekannt sind, dass man sie nicht aufgeben möchte. Dazu zählt z.B. die Gruppe der
  67. Reptilien. Reptilien sind eine paraphyletische Gruppe, weil sie die Vögel ausschließen, die jedoch von den
  68. Dinosauriern abstammen. Wahrscheinlich würden viele von euch Vögel ungerne als Reptilien bezeichnen. Ein gemeinsamer
  69. Gruppenname existiert übrigens und lautet Sauropsin. Doch wer kennt diesen Namen schon? In phylogenetischen
  70. Untersuchung bezeichnet man die Organismengruppe, die im Mittelpunkt der Analyse steht als Innengruppe. Um ihre
  71. Merkmale einordnen zu können, wird sie mit einer Außengruppe verglichen. Dabei handelt es sich um eine möglichst nah
  72. verwandte Art bzw. Gruppe, die jedoch nicht zur Innengruppe gehört, widmen wir uns ein wenig genauer den in den
  73. Stammbäumen auftretenden Merkmalen. Biologen unterscheiden hinsichtlich der Evolution dieser Merkmale zwischen
  74. ursprünglichen und abgeleiteten Merkmalen. Jedes Merkmal eines Organismus entwickelt sich aus einem
  75. ursprünglichen Zustand. Dieses wird als ursprünglich oder pläiomorphes Merkmal bzw. als Pläomorphie bezeichnet.
  76. Im Laufe der Evolution kann daraus eine veränderte Form entstehen, das sogenannte abgeleitete oder apomorphe
  77. neu entstandene Merkmal. Abgeleitete Merkmale, die bei allen Vertretern einer bestimmten Organismengruppe auftreten
  78. und als Hinweis auf ihre gemeinsame Abstammung gelten, nennt man gemeinsam abgeleitete Merkmale oder Synapomorphin.
  79. Die Wirbelsäule als Merkmal ist z.B. wie eine Synapomorphie ein gemeinsam abgeleitetes
  80. neu entstandenes Merkmal aller Wirbeltiere. Für die Säugetiere ist die Wirbelsäule
  81. ein ursprüngliches pläiomorphes Merkmal, weil sie schon vor den Säugetieren existierte. Ihr seht also, ein
  82. bestimmtes Merkmal kann ursprünglich oder abgeleitet sein, abhängig vom jeweiligen Bezugspunkt, den man
  83. betrachtet. Die im schulischen Kontext relevantere Frage im Kontext der Evolution von
  84. Merkmalen ist, inwiefern beobachtete Ähnlichkeiten verschiedener Arten durch konvergente oder divergente Entwicklung
  85. entstanden sind. Weil diese Frage in Abiturklausuren eine wichtige Rolle spielt, wird sie im nächsten Video
  86. anhand von konkreten Abiaufgaben besprochen. So viel sei aber an dieser Stelle erwähnt. Nur gemeinsam
  87. abgeleitete Merkmale Synapomorphin, die sich in einer ganzen Gruppe von Organismen finden, können als Anzeichen
  88. für eine gemeinsame Abstammung dieser Gruppe gesehen werden. Merkmale, die zwei oder mehr Arten von einem
  89. gemeinsamen Vorfahren geerbt haben, bezeichnet man als homologe Merkmale bzw. Homologie. Alle rezent lebende
  90. sowie fossile ausgestorbene Wirbeltiere besitzen eine Wirbelsäule mit ähnlichen Merkmalen. Die Wirbelsäule von
  91. unterschiedlichen Wirbeltieren kann als Homolog bezeichnet werden und ist ein Beleg für die gemeinsame Verwandtschaft.
  92. Nicht alle ähnlichen Merkmale sind jedoch ein Anzeichen für Verwandtschaft. Wenn sich in verschiedenen
  93. Abstammungslinien unabhängig voneinander oberflächlich ähnliche Merkmale entwickeln, ist dies ein Anzeichen für
  94. eine konvergente Entwicklung. Die Flügelknochen von Vögel und Fledermäuse sind homologe Strukturen, weil sie von
  95. einem gemeinsamen Vorfahren vererbt wurden. Die Flügel jedoch sind nicht homolog, weil sie unabhängig voneinander
  96. aus den Vordergliedmaßen zweier nicht flugfähiger Stammarten evolvierten. Allgemein formuliert, ein Merkmal, das
  97. bei einem gemeinsamen Vorfahren entstanden ist und an dessen Nachfahren weitergegeben wird, ist für sie homolog.
  98. tritt ein ähnliches Merkmal jedoch bei entfernt verwandten Arten auf, ohne dass es auf denselben gemeinsamen Ursprung
  99. zurückgeht, dann ist es unabhängig entstanden, meist aufgrund ähnlicher Selektionsdrücke und damit analog bzw.
  100. hat sich konvergent wie gesagt im nächsten Video mehr. Denkt in diesem Zusammenhang daran, dass eine
  101. polyphyletische Gruppe nicht den letzten gemeinsamen Vorfahren der Gruppe umfasst. Betrachten wir diejenigen
  102. Gruppen, die das Merkmal Flügel teilen, betrachten wir eine polyphyletische Gruppe.
  103. Aber nicht nur die Frage, ob stammesgeschichtliche Verwandtschaft zwischen Arten vorliegt, sondern auch,
  104. wie eng diese Verwandtschaft ist, lässt sich anhand eines phylogenetischen Stammbaums ableiten. Mäuse und Menschen.
  105. Die beiden [musik] einzigen verglichenen Tiere mit Fell und Milchdrüsen haben einen gemeinsamen Vorfahren, der jünger
  106. ist als der letzte gemeinsame Vorfahrer von Mäusen mit Tauben und Krokodil. Anders formuliert: Maus und Mensch sind
  107. untereinander näher verwandt als jeweils mit Taube oder Krokodil. Anderenfalls müsste man nämlich annehmen, dass auch
  108. die Vorfahren von Tauben und Krokodilen ursprünglich Fell und Milchdrüsen besaßen und diese Merkmale im Laufe der
  109. Evolution wieder verloren haben. Für eine solche zusätzliche Annahme gibt es jedoch weder eine Notwendigkeit noch
  110. wissenschaftliche Belege. Aus diesem Grund ist die einfachere und besser gestützte Erklärung, dass Fell und
  111. Milchdrüsen gemeinsam abgeleitete Merkmale von Maus und Mensch sind. Dieses Prinzip, die einfachste Erklärung
  112. für beobachtete Daten heranzuziehen, wird bei der Rekonstruktion von Phylogenien angewendet und nennt sich
  113. Pasimonieprinzip oder Sparsamkeitsprinzip. เ

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