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Toronto

Toronto (englische Aussprache [təˈɹɒn(t)oʊ̯]; regional auch [təˈɹɒnə] oder [ ˈtɹɒnoʊ̯]) ist mit 3,026 Millionen Einwohnern die größte Stadt Kanadas und die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kanadas größte Stadt und ihre Geographie
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung, Vielfalt und Politik
  4. 4. Wirtschaft, Bildung und Versorgung
  5. 5. Verkehr und Stadtstruktur
  6. 6. Kultur, Sehenswürdigkeiten und Sport

Kanadas größte Stadt und ihre Geographie

Toronto ist die Hauptstadt der Provinz Ontario, die größte Stadt Kanadas und das wichtigste Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes. Die Stadt liegt am nordwestlichen Ufer des Ontariosees im Golden Horseshoe, einer dicht besiedelten Region mit über 8,1 Millionen Menschen. Für 2021 werden 2.794.356 Einwohner im Stadtgebiet und 6.202.225 in der Metropolregion genannt; einleitend nennt der Artikel für Toronto auch 3,026 Millionen Einwohner. Das Stadtgebiet umfasst 630,18 km², die Bevölkerungsdichte beträgt 4.434,2 Einwohner je km². Seit den späten 1990er Jahren gehören auch die zuvor selbstständigen Vororte Etobicoke, Scarborough, York, East York und North York zur Stadt.

Toronto erstreckt sich über 21 Kilometer in Nord-Süd- und 43 Kilometer in Ost-West-Richtung. Die 46 Kilometer lange Küste und der Naturhafen wurden durch Ablagerungen von Sedimenten geprägt; dabei entstanden auch die Toronto Islands. Humber River, Don River, Rouge River und zahlreiche Nebenflüsse durchziehen das Gebiet. Bewaldete Schluchten beeinflussen die Straßenführung. Die Scarborough Bluffs sind bis zu 65 Meter hohe Felsklippen, die sich 14 Kilometer am Seeufer entlangziehen. Der niedrigste Punkt liegt am Ontariosee auf 75 Metern, der höchste nahe der York University auf 270 Metern über dem Meeresspiegel.

Der Ontariosee versorgt die Stadt mit Wasser. Die Verwaltung pumpt durchschnittlich 2,9 Millionen Kubikmeter täglich durch das Netz. Beim Deep Lake Water Cooling nutzt Toronto das ganzjährig vier Grad Celsius kalte Tiefenwasser des Sees zur Kühlung von Gebäuden in der Innenstadt.

Toronto besitzt ein für Kanada gemäßigtes Klima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Winter sind kalt; Schnee ist von November bis Mitte April möglich. Die tiefste gemessene Temperatur betrug am 10. Januar 1859 −32,8 °C. Die feuchten Sommer erreichen gewöhnlich 20 bis 29 °C, gelegentlich bis 35 °C; der Rekord vom 8. Juli 1936 liegt bei 40,6 °C. Im Jahr fallen durchschnittlich 782 Millimeter Niederschlag und insgesamt 133 Zentimeter Schnee. Die Stadt überprüft angesichts zunehmender Starkregenereignisse ihre Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen.

Historische Entwicklung

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung im heutigen Stadtgebiet sind etwa 11.000 Jahre alt. Vor der europäischen Besiedlung lebten dort verschiedene First Nations. Zu Beginn der Kolonisierung befanden sich in der Umgebung unter anderem Gemeinschaften der Neutralen und später der Irokesen. Französische Händler errichteten 1750 Fort Rouillé, das 1759 wieder abgerissen wurde.

1787 vereinbarten die britische Krone und die Mississaugas of the New Credit First Nation den Toronto Purchase über 101.528 Hektar Land; der Handel wurde 1805 rückgängig gemacht. Der britische Gouverneur John Graves Simcoe gründete 1793 York, das 1797 Hauptstadt Oberkanadas wurde. Während des Britisch-Amerikanischen Krieges nahmen rund 1700 US-Amerikaner York am 27. April 1813 nach einer sechsstündigen Schlacht ein, konnten den Ort aber nicht dauerhaft halten.

Am 6. März 1834 wurde York in Toronto umbenannt. William Lyon Mackenzie wurde erster Bürgermeister. Seit der Gründung der kanadischen Konföderation am 1. Juli 1867 ist Toronto die Hauptstadt Ontarios. Eisenbahn, Straßenbahn, Telegrafie und Industrialisierung beschleunigten das Wachstum: 1846 wurde von Toronto nach Hamilton Kanadas erste telegrafische Nachricht geschickt, 1856 die Bahnstrecke nach Montreal eröffnet und 1861 fuhren die ersten Straßenbahnen. Ein Großbrand zerstörte 1904 mehr als 100 Gebäude in der Innenstadt.

Die Einwohnerzahl stieg von gut 208.000 im Jahr 1901 auf über 522.000 im Jahr 1921. Zugleich prägten Spannungen und Krisen die Entwicklung. Bei den griechenfeindlichen Ausschreitungen von 1918 wurden unter anderem 20 Restaurants zerstört; etwa 50.000 Menschen waren an dreitägigen Straßenkämpfen beteiligt. Während der Weltwirtschaftskrise erreichte die Arbeitslosigkeit 1933 bis zu 30 %. Beim Brand des Passagierdampfers Noronic im Hafen starben am 17. September 1949 insgesamt 122 Menschen.

In den 1950er Jahren überschritt Toronto die Millionengrenze. Einwanderung, Suburbanisierung und der Ausbau der Verkehrswege ließen die Metropolregion wachsen. 1954 entstand Metropolitan Toronto. Seit den 1960er und 1970er Jahren verlagerten Unternehmen und nationale Einrichtungen ihren Sitz zunehmend von Montreal nach Toronto; 1976 übertraf dessen Metropolregion erstmals die Einwohnerzahl Montreals. Am 1. Januar 1998 wurden sechs zuvor getrennte Gemeinden zur heutigen Stadt Toronto zusammengeschlossen.

Bevölkerung, Vielfalt und Politik

Toronto ist stark durch internationale Einwanderung geprägt. Die Metropolregion wuchs von 1,262 Millionen Einwohnern im Jahr 1951 auf 5,583 Millionen im Jahr 2011 und 5,928 Millionen im Jahr 2016. Zwischen 2001 und 2006 kamen 447.900 Menschen aus dem Ausland in die Stadtregion. Im Jahr 2006 waren 45,7 % ihrer Einwohner im Ausland geboren. Beim Zensus 2011 bezeichneten sich 42,9 % der Stadtbevölkerung als Angehörige einer „visible minority group“; darunter waren 15,1 % südasiatischer und 9,6 % chinesischer Herkunft, 7,2 % Schwarze sowie 4,2 % Filipinos.

Englisch ist die vorherrschende Sprache. Französisch ist nur für etwa 1,4 % der Bevölkerung Muttersprache; lediglich 2,1 % beherrschen Englisch und Französisch. Daneben werden unter anderem Chinesisch, Kantonesisch, Italienisch, Panjabi, Tagalog, Portugiesisch, Spanisch, Urdu, Tamil und Polnisch gesprochen. Diese Vielfalt zeigt sich in Stadtvierteln wie Chinatown, Little Italy, Greektown und Koreatown. Nach den Zahlen von 2011 waren 30,4 % der Einwohner katholisch, 9,1 % gehörten anderen christlichen Glaubensrichtungen an, 7,7 % dem Islam, 5,9 % dem Hinduismus, 3,0 % dem Judentum, 2,9 % dem Sikhismus und 2,2 % dem Buddhismus; 21,1 % gehörten keiner Religion an.

Toronto besteht seit 1998 aus Old Toronto, North York, Scarborough, Etobicoke, York und East York sowie insgesamt 140 Stadtteilen. Wegen deren ausgeprägter Identitäten wird Toronto als „City of Neighbourhoods“ bezeichnet. Die Stadtverwaltung besteht aus der direkt gewählten Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister und dem Toronto City Council. Der Artikel nennt 44 Stadträte und eine vierjährige Wahlperiode. Olivia Chow gewann 2023 die Nachwahl und trat am 12. Juli ihr Amt an.

Trotz seines Rufs als sichere Großstadt hat Toronto soziale Probleme. Im Jahr 2003 lebten rund 552.300 Haushalte unterhalb der Armutsgrenze; stark steigende Mieten verschärften Wohnungsnot und Obdachlosigkeit. Die Stadt reagierte unter anderem mit öffentlich gefördertem Wohnungsbau. Die Rate der Tötungsdelikte lag 1999 bei 1,9 je 100.000 Menschen und damit deutlich unter den Vergleichswerten vieler anderer nordamerikanischer Großstädte.

Wirtschaft, Bildung und Versorgung

Toronto ist seit ungefähr den 1970er Jahren Kanadas führendes Wirtschafts- und Finanzzentrum und einer der bedeutendsten Finanzplätze der Welt. Im Finanzdistrikt an der Bay Street sitzen die fünf größten Banken Kanadas sowie Niederlassungen von mehr als 40 ausländischen Banken. Die Toronto Stock Exchange ist nach Marktkapitalisierung die achtgrößte Börse weltweit und die drittgrößte Nordamerikas. Weitere wichtige Bereiche sind Medien, Verlagswesen, Telekommunikation, Informationstechnik, Filmproduktion, Handel und Industrie. Insgesamt haben über 80.000 Unternehmen ihren Sitz in der Stadt; rund 8000 Fabriken unterstreichen auch die Bedeutung des produzierenden Gewerbes. Der Sankt-Lorenz-Seeweg verbindet Toronto seit 1959 mit dem Atlantik.

Der Tourismus ist ebenfalls wichtig. 2016 besuchten knapp 4,5 Millionen ausländische Gäste die Stadt und brachten Einnahmen von 2,2 Milliarden US-Dollar. Viele kamen aus den USA und Asien. Toronto ist zudem ein bedeutender Medien- und Filmstandort und wird als „Hollywood des Nordens“ bezeichnet. Im Jahr 2007 gaben Produktionsgesellschaften 791 Millionen Dollar für Dreharbeiten in Toronto aus.

Zu den Hochschulen gehören die 1827 gegründete University of Toronto, die York University, die Ryerson University, das Ontario College of Art & Design und die University of Guelph-Humber. Die University of Toronto ist die größte Universität Ontarios und verfügt über das drittgrößte Bibliothekssystem Nordamerikas. Das Toronto District School Board unterhält 558 öffentliche Schulen, darunter 451 Grundschulen und 102 Schulen der Sekundarstufe. Die Toronto Public Library ist mit 99 Zweigstellen und mehr als elf Millionen Medien die größte Bibliothek Kanadas.

Mehr als 20 Krankenhäuser versorgen die Bevölkerung; das 1812 gegründete Toronto General Hospital ist das Hauptkrankenhaus der Universitätskliniken. Die Toronto Fire Services beschäftigen rund 3100 Einsatzkräfte an 81 Stationen und sind die größte Feuerwehr Kanadas. Der Toronto Police Service umfasst 5710 Polizisten in 17 Einheiten.

Verkehr und Stadtstruktur

Toronto ist ein zentraler Verkehrsknoten im Québec-Windsor-Korridor. Der Toronto Pearson International Airport ist der größte Flughafen Kanadas und wickelt ein Drittel des kanadischen Luftverkehrs ab. Er liegt etwa 20 Kilometer vom Zentrum entfernt, überwiegend in Mississauga. Kleinere Flughäfen sind der Toronto-City Airport auf den Toronto Islands und der vor allem von Bombardier Aerospace genutzte Toronto/Downsview Airport.

Die Toronto Transit Commission betreibt laut Artikel drei U-Bahn-Linien, elf Straßenbahnlinien und etwa 170 Buslinien. Das System ist nach New York City und Mexiko-Stadt das drittgrößte öffentliche Nahverkehrssystem Nordamerikas. GO Transit verbindet die Union Station über sieben Bahnlinien und Busse mit dem Umland. Seit dem 6. Juni 2015 fährt der Union Pearson Express alle 15 Minuten in 25 Minuten zwischen Flughafen und Union Station.

Von der Union Station verkehren Fernzüge unter anderem nach Montreal, Quebec, Ottawa, Windsor, New York und Vancouver. Fähren verbinden das Festland mit dem Inselflughafen und den Toronto Islands. Die 2004 eröffnete Schnellfähre nach Rochester wurde wegen geringer Auslastung im Januar 2006 eingestellt.

Für den Autoverkehr sind besonders Highway 401, Gardiner Expressway, Don Valley Parkway, Highway 407 ETR und Highway 427 wichtig. Highway 401 weist abschnittsweise die höchste Verkehrsdichte Nordamerikas auf. Das Straßennetz der Innenstadt ist überwiegend schachbrettförmig angelegt; die Yonge Street dient als wichtige Nord-Süd-Achse.

Unter der Innenstadt verbindet das über 28 Kilometer lange Fußgängertunnelnetz PATH Bürogebäude, Verkehrsstationen sowie mehr als 1200 Geschäfte und Ämter. Toronto besitzt fast 2000 Gebäude mit mehr als 30 Metern Höhe und über 100 Wolkenkratzer, die höher als 100 Meter sind. Höchster Wolkenkratzer ist der 298 Meter hohe First Canadian Place.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Sport

Toronto zählt zu den drei größten Kulturzentren Kanadas. Sein bekanntestes Wahrzeichen ist der 1976 fertiggestellte CN Tower. Mit 553 Metern war er bis Mai 2009 der höchste Fernsehturm der Welt und bis zum 12. September 2007 das höchste freistehende Bauwerk der Erde. Aussichtsplattformen liegen auf 342, 346 und 447 Metern Höhe; jährlich kommen rund zwei Millionen Besucher. Weitere prägende Bauwerke sind das Rathaus, das Rogers Centre mit vollständig zurückfahrbarem Dach, die Scotiabank Arena, Casa Loma und das 1929 eröffnete Fairmont Royal York.

Bedeutende Museen sind die Art Gallery of Ontario, das Royal Ontario Museum und das Ontario Science Centre. Das Royal Ontario Museum ist das größte Museum Kanadas und behandelt Naturwissenschaft, Archäologie, Kunst, Kulturgeschichte und die First Nations. Toronto besitzt außerdem eine große Musik-, Opern- und Theaterszene. Zu wichtigen Einrichtungen gehören Roy Thomson Hall, Massey Hall, Royal Alexandra Theatre und das Four Seasons Centre. Nach London und New York gilt die Theaterszene als drittgrößte im englischsprachigen Raum.

Mehr als 200 Parks und Gärten bieten über 90 Kilometer Spazierwege. Der High Park umfasst 161 Hektar. Der 287 Hektar große Toronto Zoo beherbergt rund 5000 Tiere aus 460 Arten. Auch die autofreien Toronto Islands mit Stränden, Wegen und Sportanlagen sind ein wichtiges Erholungsgebiet.

Toronto ist in fast allen großen nordamerikanischen Profisportligen vertreten. Zu den wichtigsten Mannschaften gehören die Toronto Maple Leafs im Eishockey, die Toronto Raptors im Basketball, die Toronto Blue Jays im Baseball, die Toronto Argonauts im Canadian Football und der Toronto FC im Fußball. Maple Leafs und Raptors spielen in der Scotiabank Arena, Blue Jays und Argonauts im Rogers Centre. Toronto war unter anderem Austragungsort der Paralympischen Sommerspiele 1976, der Special Olympics World Winter Games 1997 und der Panamerikanischen Spiele 2015.

Zu den regelmäßigen Großveranstaltungen zählen das seit 1976 bestehende Toronto International Film Festival, die Pride Week mit bis zu über einer Million Teilnehmern, das Beaches International Jazz Festival, Taste of the Danforth und die seit 1879 veranstaltete Canadian National Exhibition. Die seit 1905 stattfindende Toronto Santa Claus Parade zieht jährlich mehr als eine halbe Million Zuschauer an.

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