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St. Maria Ablass
Die Kirche St. Maria Ablass war eine dreischiffige Basilika mit westlichem Viereckturm in der nördlichen Kölner Vorstadt Niederich.
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Gegenstand und Bedeutung
St. Maria Ablass war eine dreischiffige Basilika mit westlichem Viereckturm in der nördlichen Kölner Vorstadt Niederich. Als Marienkirche wurde sie erstmals 927 erwähnt. Bis 1804 war sie die Pfarrkirche des Damenstiftes St. Ursula. Nach der Säkularisation und der Aufhebung des Stiftes wurde die Kirche 1808 abgebrochen, weil sie nicht wieder Pfarrkirche wurde.
An die ehemalige Pfarrkirche erinnert die erhaltene Maria-Ablass-Kapelle. Sie entstand als Schutzbau für ein verehrtes Marienfresko an der Außenwand der Kirche. Heute wird sie überwiegend von der russisch-orthodoxen Gemeinde Kölns als Hll.-Konstantin-und-Helena-Kirche genutzt.
Geschichte und Namensgebung
Eine Urkunde von 927 belegt, dass der Kölner Erzbischof Wichfrid die Marienkirche dem 922 in Köln gegründeten Damenstift St. Ursula schenkte. Die Kirche wurde 1172 erneut erwähnt und damals s. Marie prope virgines („St. Mariae nahe den Jungfrauen“) genannt. Anfang des 13. Jahrhunderts erscheint der Name s. Maria de campis vel avelasz („St. Maria vom Felde oder Ablass“), um 1220 eclesia beate dei genitricis Mariae („Kirche der seligen Gottesmutter Maria“). Etwa ab 1300 wurde sie eclesia s. Marie ad indulgentiam („Kirche der hl. Maria zum Ablass“) genannt.
Der Name „Ablass“ hängt mit einer mittelalterlichen Palmsonntagsprozession zusammen. Sie führte jährlich zwischen dem Kölner Dom und St. Gereon. Nach der Palmweihe in St. Gereon kehrte die Prozession in der Marienkirche ein. Dort wurde vor der Gemeinde gepredigt und später der mit der Prozession verbundene Ablass verkündet. Anschließend zog man zum feierlichen Hochamt im Dom weiter.
Die erhaltene Kapelle und ihre Überlieferungen
Um 1431 wurde an der nördlichen Seite der Pfarrkirche ein Anbau errichtet, der ein Marienfresko an der Außenwand vor Witterungseinflüssen schützen sollte. Aus diesem Anbau entstand die 1528 erstmals erwähnte Gnadenkapelle. Nach dem Abriss der Pfarrkirche 1808 blieb deren Außenwand erhalten; sie bildet heute die Südwand der Kapelle. Im letzten Joch ist dort rechts oben das Marienbild zu sehen. Das mehrfach restaurierte Gnadenbild wurde zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg von der Kölner Künstlerin Rita Paasche-Hecker (1915–1981) überarbeitet.
Die Kapelle wurde mehrfach verändert. Im 17. Jahrhundert erhielt ihre Ostseite eine zweijochige, niedrigere Sakristei. Im 19. Jahrhundert bekam die Westseite unter Leitung des Kölner Architekten Vincenz Statz eine neugotische Fassade. Deren Reste wurden nach dem Kriegsende 1945 abgerissen.
Ein Votivbild aus dem 18. Jahrhundert erinnert an die Legende des „Bruno, Ritter von Mauenheim“. Der Kreuzfahrer soll im 13. Jahrhundert in Gefangenschaft geraten und auf wundersame Weise durch die heilige Maria errettet worden sein. Nach seiner Rückkehr betete Bruno am Gnadenbild und brachte seine Fußfessel neben dem Bildnis an. Auf dem Votivbild sind neben der Gottesmutter mit ihrem Kind mehrere kleine Szenen mit erläuternden Angaben dargestellt; über dem Bild sind die Fußfesseln Brunos zu sehen.
Bau und Innenraum
Die Kapelle steht auf dem kleinen Maria-Ablass-Platz im Zentrum der Kölner Innenstadt, etwas verdeckt zwischen mächtigen Zweckgebäuden der 1950er-Jahre, darunter der IHK Köln und dem ehemaligen Concordia-Haus, sowie Grünflächen.
Das schiefergedeckte Bauwerk besitzt einen kleinen Dachreiter mit Geläut. Es handelt sich um eine dreijochige, kreuzrippengewölbte Kapelle. Die Außenflächen sind glatt und weiß verputzt. Die schmucklose Südwand ist fensterlos. An der Nordseite sorgen drei gotische Fenster für Tageslicht; kleinere Fenster an der Ostseite erhellen nur die Sakristei. In der schlichten Westfront befindet sich, über einige Stufen erhöht, das erhaltene Renaissanceportal von 1687.
Der Innenraum blieb weitgehend unverändert; nur der Altarstein wurde versetzt. Die Ausstattung wurde an den orthodoxen Ritus angepasst. Der Eingang führt ohne Vestibül unmittelbar in den Kirchenraum. Ein altes schmiedeeisernes Gitter trennt den ersten Jochabschnitt ab. Dort befinden sich Epitaphe, Devotionalien, eine vermutlich von der früheren italienischen Gemeinde hinterlassene Zeittafel und ein silberfarbenes Taufbecken. Ein alter Taufstein aus der ehemaligen Pfarrkirche wurde 1615 durch das Stift St. Gereon für die romanische Kirche Krieler Dömchen erworben und ist dort noch vorhanden.
Der zweite Abschnitt endet an der Ikonostase, einer mit Ikonen geschmückten Trennwand zwischen dem Raum der Gläubigen und dem Bereich von Altar und Allerheiligstem. Ihre mittlere königliche Tür ist eine kleine Schwingtür; rechts und links ersetzen Vorhänge die üblichen Türen. Vor der Ikonostase liegen besonders verehrte Ikonen auf schmalen Konsolen. Im letzten, abgetrennten Joch steht der ehemals in die Ostwand integrierte Altarstein. Dort befindet sich auch das mittelalterliche Gnadenbild. In den oberen Bereich der Ostwand wurden Ikonen eingefügt. Ein früher dort angebrachtes Triptychon von Bartholomäus Bruyn dem Jüngeren befindet sich heute in der Goldenen Kammer von St. Ursula.
Nutzung im 20. und 21. Jahrhundert
Die Kapelle wurde einige Jahre von der Missione Cattolica Italiana für Gottesdienste genutzt. 1965 wurde jedoch St. Mariä Himmelfahrt zur Kirche der Italiener in Köln.
Seit dem Ende der 1970er Jahre nutzt überwiegend die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde Kölns die historische Marienkapelle. Die 1973 gegründete Gemeinde gehört zur Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche und nennt sich unter Bezug auf die Kölner Geschichte Gemeinde der „Heiligen Konstantin und Helena-Kirche“.
Die staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft erhält keine Steuergelder oder sonstigen Subventionen. Sie trägt die Kosten für Pflege und Erhalt der Kapelle aus Spenden. Die Geistlichkeit betreut etwa 350 Gläubige aus Köln und dem Umland. Eigentümerin der weiterhin unter Denkmalschutz stehenden Kirche ist die Pfarrgemeinde St. Ursula.
Das Innere ist heute durch zahlreiche Ikonen und die Ikonostase geprägt. Der Fußboden ist mit Teppichen bedeckt, und es gibt keine reguläre Bestuhlung. Während des Gottesdienstes stehen die Besucher; einige Stühle sind für ältere und kranke Gläubige vorhanden.