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Städtebund Die Hanse
Städtebund Die Hanse ; Organisationstyp, Städtebund ; Gründung, 1980 in Zwolle ; Sitz, Lübeck ; Präsident, Jan Lindenau ; Mitglieder, ca. 200 Städte und Gemeinden.
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Kernidee und Bedeutung
Der Städtebund Die Hanse, früher auch Neue Hanse und in Eigenschreibweise Städtebund DIE HANSE, ist ein 1980 in Zwolle gegründeter Zusammenschluss ehemaliger Hansestädte. Er hat seinen Sitz in Lübeck und ist mit fast 200 Mitgliedsstädten und -gemeinden die größte freiwillige Städtegemeinschaft der Welt. Präsident ist Jan Lindenau, der Bürgermeister von Lübeck.
Der Städtebund will „das gemeinsame Erbe der Hansezeit neu beleben“. Er knüpft damit an die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der mittelalterlichen Hanse an. Sein Ziel ist eine multilaterale Gemeindepartnerschaft, also eine Zusammenarbeit vieler Städte und Gemeinden über Ländergrenzen hinweg, als Beitrag zur europäischen Einigung. Dafür gibt es Projekt- und Arbeitsgruppen, zum Beispiel zu gemeinsamem Tourismusmarketing, zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele und zu fairem Umgang im traditionellen Fernhandel.
Entstehung und Entwicklung
Der Städtebund begann 1980 in der niederländischen Hansestadt Zwolle. Zum 750-jährigen Jubiläum der Stadt lud Zwolle Vertreter von 43 ehemaligen Hansestädten zu einem Hansetag ein. Danach wurde der Städtebund Die Hanse gegründet und vereinbart, jedes Jahr einen Hansetag auszurichten. Die Delegierten wollten die „Hanse als historische Lebens- und Kulturgemeinschaft in den Hansestädten“ bewahren und „die dauerhafte Friedensordnung in Europa unterstützen“.
Seit seiner Gründung vertiefte und erweiterte sich das Netzwerk auf fast 200 Städte und Gemeinden. Besonders nach dem Zusammenbruch des Ostblocks traten viele ehemalige Hansestädte aus Mittelosteuropa bei. 1992 fand der 12. Internationale Hansetag erstmals östlich des ehemaligen Eisernen Vorhangs statt, nämlich im estnischen Tallinn. In den 1990er Jahren finanzierte der Städtebund in einer Solidaritätsaktion die Restaurierung der Sankt-Nikolaus-Kathedrale im russischen Weliki Nowgorod.
Seit 1991 ist Die Hanse als Kulturroute des Europarates zertifiziert. Nach dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist sie damit die zweitälteste Kulturroute des Europarates. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine beschloss die Delegiertenversammlung 2022 einstimmig, russische und belarussische Mitgliedsstädte auf unbestimmte Zeit von den Aktivitäten des Städtebundes auszuschließen. Ein vollständiger Ausschluss wurde aber nicht beschlossen. Der Städtebund erklärte, die Kommunikation mit den Hansestädten in Russland und Belarus nicht vollständig abbrechen zu wollen.
Aufbau und Entscheidungsorgane
Der Städtebund nimmt auf Antrag Städte auf, die Mitglied der historischen Hanse waren oder Kontore beziehungsweise Niederlassungen der Hanse beherbergten. Ein Kontor war eine Handelsniederlassung. Oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung. Jede Stadt hat dort eine Stimme. Die Delegiertenversammlung ist unabhängig von der Zahl der vertretenen Städte beschlussfähig und entscheidet mit der Mehrheit der Anwesenden.
Die Delegiertenversammlung entscheidet über Satzungsänderungen, Aufnahme und Ausschluss von Städten, die Wahl des Präsidiums und die Zulassung von Projekten. Das Präsidium besteht aus dem Präsidenten und vier Vertretern, die aus mindestens drei Ländern stammen sollen. Der Präsident trägt laut Satzung den Titel Vormann und ist der Bürgermeister der Stadt Lübeck; seit 2018 ist das Jan Lindenau (SPD). 2024 waren die weiteren Vertreter Inger Harlevi für Visby, Christof Bartsch aus Brilon, Jānis Rozenbergs aus Cēsis und Peter Snijders aus Zwolle.
Die Kommission besteht aus Vertretern von fünf deutschen Städten sowie je einer Stadt aus jedem Land mit aktiven Mitgliedern des Städtebundes. Dazu gehören zurzeit Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Polen, Schottland, Schweden und das Vereinigte Königreich. Wegen des Krieges in der Ukraine sind Vertreter Russlands und Belarus’ von Kommissionssitzungen ausgeschlossen. Die Kommission bereitet die Hansetage vor und schlägt Kandidaten für das Präsidium vor. Arbeitssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Geschäftsführung liegt beim Hansebüro im Lübecker Rathaus.
Jugendorganisation und Kulturroute
Die Youth Hansa ist die Jugendorganisation des Städtebunds. Sie besteht seit 1998 und will „junge Menschen für das hansische Erbe sensibilisieren und einen internationalen und interkulturellen Austausch zwischen ihnen ermöglichen“. Teilnehmen können laut Satzung junge Menschen von 15 bis 26 Jahren. Die Kommunikation innerhalb der Youth Hansa findet auf Englisch statt.
Zu jedem Internationalen Hansetag entsendet die Youth Hansa in Absprache mit den Mitgliedsstädten Delegierte. Sie besitzt eine eigene Satzung und eigene Organe. Ihre Delegiertenversammlung kommt einmal jährlich beim Internationalen Hansetag zusammen und entscheidet mit einfacher Mehrheit; Satzungsänderungen benötigen eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Außerdem gibt es eine fünfköpfige Kommission, die die Youth Hansa koordiniert und nach außen vertritt. Ihr Sprecher war mit Stand 14. Mai 2024 Rachid Hamdaoui aus Neuss.
Die Kulturroute Die Hanse gehört zu den Kulturrouten des Europarates. Der Europarat zertifiziert seit 1987 reale oder virtuelle Verbindungen zwischen Orten in Europa als Kulturrouten. Sie sollen Menschen und Orte über gemeinsame Geschichte und gemeinsames Erbe verbinden, den interkulturellen Dialog fördern und transnationalen Tourismus stärken. Rechtlicher Träger der Kulturroute Die Hanse ist der HanseVerein e. V., weil der Städtebund selbst nicht rechtsfähig ist.
Veranstaltungen
Der Internationale Hansetag der Neuzeit ist die wichtigste regelmäßige Veranstaltung des Städtebundes. Er orientiert sich an den Hansetagen beziehungsweise Tagfahrten der mittelalterlichen Hanse und findet jedes Jahr in einer anderen Hansestadt statt. Organisiert wird er von der jeweiligen Ausrichterstadt mit Unterstützung des Hansebüros in Lübeck. Der Hansetag kann sehr groß sein: Beim 34. Hansetag 2014 in Lübeck gab es bis zu 500.000 Besucher.
Das Programm umfasst je nach Jahr zahlreiche Aktivitäten, Märkte und Ausstellungen. Viele Hansestädte sind auf dem Hansemarkt mit eigenen Ständen vertreten und werben dort für lokale Speisen, Produkte und Reiseangebote. Auch Musik sowie Tanz- und Musikgruppen aus den Hansestädten treten auf. Wegen der Coronapandemie mussten die Hansetage 2020 in Brilon und 2021 in Riga überwiegend digital stattfinden. Beim Internationalen Hansetag treffen sich auch die Gremien des Städtebundes und fassen gemeinsame Beschlüsse.
Daneben gibt es jedes Jahr am dritten Wochenende im Mai den Tag der Hanse. Er wird dezentral in den Mitgliedsstädten gefeiert. Die Städte gestalten ihre Programme eigenständig, zum Beispiel mit historischen Stadtführungen, Ausstellungen, Musikveranstaltungen oder Bastelworkshops. Nicht alle Mitgliedsstädte bieten dabei eigene Veranstaltungen an. Anders als beim Internationalen Hansetag treten die Gremien des Städtebundes am Tag der Hanse nicht zusammen und fassen keine Beschlüsse für den gesamten Städtebund.
Mitgliedsstädte
Zum Städtebund gehören fast 200 Städte und Gemeinden aus vielen europäischen Ländern. Mitglied können ehemalige Hansestädte oder Orte mit früheren Kontoren oder Niederlassungen der Hanse sein. Die Mitgliedschaft zeigt, dass die Hanse heute nicht nur als historisches Thema verstanden wird, sondern als Netzwerk von Städten, die ihr gemeinsames Erbe für Zusammenarbeit, Kultur und Austausch nutzen.
Die Mitgliedsstädte liegen unter anderem in Belarus, Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Besonders viele deutsche Städte sind vertreten, darunter Lübeck, Hamburg, Bremen, Köln, Dortmund, Rostock, Stralsund und Wismar. Auch bekannte frühere Hansestädte wie Brügge, Tallinn, Riga, Danzig, Bergen, Visby und King’s Lynn gehören dazu oder werden genannt.
Der Artikel weist auf Einschränkungen durch den Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 hin: Die beiden belarussischen Städte Polazk und Wizebsk sowie alle russischen Mitgliedsstädte sind seitdem von allen Aktivitäten ausgeschlossen. Bei Riga ist der Status im Artikel als gegenwärtig unklar angegeben.