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Sprachen in der Schweiz
Die Landessprachen und damit die Schriftsprachen der alteingesessenen Bevölkerung der Schweiz sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
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Sprachliche Vielfalt und offizieller Status
Die Schweiz hat vier Landessprachen und damit Schriftsprachen der alteingesessenen Bevölkerung: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Auf Bundesebene sind sie zugleich Amtssprachen. Rätoromanisch wird dabei nur verwendet, wenn rätoromanisch sprechende Personen mit Bundesorganen kommunizieren; sie dürfen sich beispielsweise an das Bundesgericht oder Stellen der Bundesverwaltung in ihrer Muttersprache wenden und eine rätoromanische Antwort erhalten.
Deutsch, Französisch und Italienisch sind seit der Bundesverfassung von 1848 gleichberechtigte Landessprachen; Rätoromanisch wurde 1938 vierte Landessprache. Die rechtlichen Regelungen stehen im Sprachengesetz vom 5. Oktober 2007 und in der Sprachenverordnung vom 4. Juni 2010.
Amtssprache bezeichnet den offiziellen Status einer Sprache. Verwaltungssprache meint dagegen die tatsächlich in amtlichen Dokumenten verwendete Varietät. In der Deutschschweiz wird Schweizer Hochdeutsch als nationale Standardvarietät verwendet; es hat eigene orthografische, lexikalische und stilistische Besonderheiten. Entsprechend werden Schweizer Französisch und Schweizer Italienisch im jeweiligen Sprachgebiet und auf Bundesebene als Verwaltungssprachen verwendet. Deutsch überwiegt in der Bundesverwaltung: Fast 80 % der Dokumente werden zunächst auf Deutsch verfasst und danach ins Französische und Italienische übersetzt.
Die Kantone und teils auch die Gemeinden bestimmen ihre Amtssprachen selbst. Nach dem Territorialitätsprinzip besteht bei einem Umzug in einen anderssprachigen Kanton oder eine anderssprachige Gemeinde kein Anspruch, mit den dortigen Behörden in der bisherigen Sprache zu verkehren. Graubünden ist der einzige Kanton mit drei Amtssprachen: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Dort gelten Gemeinden mit mindestens 40 % Sprechern des angestammten Idioms als amtlich einsprachig, bei mindestens 20 % als amtlich zweisprachig. Viele Schweizer beherrschen neben ihrer Muttersprache eine oder zwei weitere Landessprachen; Englisch und eine weitere Landessprache werden in der Schule als obligatorische Fremdsprachen unterrichtet.
Deutsch und Französisch
Deutsch ist die meistverbreitete Mutter- und Verkehrssprache. 2014 sprachen es 64,5 % der Einwohner und 72,9 % der Schweizer. 17 von 26 Kantonen sind einsprachig deutsch; Bern, Freiburg und Wallis sind offiziell französisch-deutsch zweisprachig. Deutsch ist zudem neben Italienisch und Rätoromanisch Amtssprache Graubündens.
Im Alltag spricht die einheimische Bevölkerung der Deutschschweiz überwiegend alemannische schweizerdeutsche Dialekte; in Samnaun wird ein südbairischer Dialekt gesprochen. Schweizer Hochdeutsch dient vorwiegend als Schriftsprache. Zwischen Standardsprache und Dialekt besteht ein Diglossieverhältnis, also kein fliessender Übergang zwischen beiden. 2014 verwendeten 87 % der Bevölkerung der Deutschschweiz im Alltag Schweizerdeutsch, 2018 sprachen es 79 % innerhalb der Familie. Ausschliesslich Hochdeutsch nutzten 2014 12 % im Alltag. Der Dialektgebrauch ist bei Schweizer Staatsbürgern mit 96 % deutlich höher als bei Bürgern anderer Staaten mit 54 %. Die Grenze zum Französischen heisst scherzhaft «Röstigraben».
Französisch wird vor allem im Westen gesprochen: 2014 von 22,7 % der Einwohner und 23,3 % der Schweizer. Der überwiegend französischsprachige Landesteil wird Romandie, Suisse romande oder Welschland genannt. Genf, Jura mit Ausnahme von Ederswiler, Neuenburg und Waadt sind einsprachig französisch; Bern, Freiburg und Wallis sind zweisprachig.
Anders als in der Deutschschweiz sind regionale Mundarten in der Romandie weitgehend zurückgedrängt. Bis ins 19. Jahrhundert wurden ausser in grossen Städten und ausser im Gebiet des heutigen Kantons Jura meist frankoprovenzalische Dialekte gesprochen. Heute sind sie fast ausgestorben oder durch regionale Formen des Hochfranzösischen ersetzt. Patois wird nur noch stellenweise, besonders im Unterwallis, von älteren Menschen gesprochen; in Evolène behauptet sich der lokale Dialekt teilweise als Umgangssprache. Die Zahl aktiver Patois-Sprecher wurde nie erhoben. Der Bundesrat beschloss am 7. Dezember 2018 die Anerkennung des Frankoprovenzalischen und des Franc-Comtois im Jura als Minderheitensprachen.
Italienisch und Rätoromanisch
Italienisch ist die Sprache des Tessins sowie der Bündner Südtäler Misox, Calancatal, Bergell und Puschlav sowie der Gemeinde Bivio. Es sprachen 2014 8,4 % der Einwohner und 6,2 % der Schweizer Italienisch. In Tessin und Graubünden ist es Amtssprache; der Bund fördert es aktiv. Die Bevölkerung des italienischsprachigen Graubündens versteht sich als Minderheit innerhalb der italienischsprachigen Schweiz, die vom Tessin dominiert wird. Ein grosser Teil der italienischsprachigen Bevölkerung sind jedoch Einwanderer aus Italien und deren Nachkommen und lebt über das ganze Land verteilt.
Die lokalen Mundarten im Tessin und in den Bündner Südtälern gehören zum Lombardischen. Dieses wird dem Galloitalischen zugerechnet und linguistisch als eigene Sprache eingestuft, ist aber weder schweizweit noch in Tessin und Graubünden gesetzlich als Sprache anerkannt. Bei der Volkszählung 2000 verwendete im italienischsprachigen Gebiet etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Familie ausschliesslich oder teilweise die lokale Mundart.
Rätoromanisch ist ursprünglich in Graubünden verbreitet, wird durch Abwanderung aber auch in vielen Gemeinden der Deutschschweiz gesprochen. 2014 nannten es 0,5 % der Bevölkerung und 0,7 % der Schweizer. Die meisten Rätoromanen sind mindestens zweisprachig und sprechen zusätzlich Bündnerdeutsch und Hochdeutsch. Zwar kann Rätoromanisch in Graubünden Verwaltungs- und Schulsprache sein, doch dominiert in vielen offiziell romanischsprachigen Gemeinden im Alltag Schweizerdeutsch.
Weitere Sprachen und Migration
Zur sprachlichen Vielfalt gehören drei Gebärdensprachen: Deutschschweizer Gebärdensprache, Langue des signes Suisse romande und Lingua dei segni della Svizzera italiana. Mehr als 10'000 Personen in der Schweiz beherrschen sie mehr oder weniger. Sie werden von Gehörlosen als Erst- oder Zweitsprache sowie von Dolmetschern, Angehörigen und anderen als Zweitsprache verwendet. Der Bund erkennt Gebärdensprache nicht an; auf Kantonsebene ist sie nur in Genf und Zürich anerkannt.
Jenisch ist eine interne Gruppensprache der Jenischen. Sie basiert auf Deutsch beziehungsweise Schweizer Mundarten und enthält besonders Wortschatz aus Jiddisch und Romani. Sie wird nicht im Verkehr mit der übrigen Bevölkerung benutzt. Die Schweiz erkannte Jenisch 1997 als territorial nicht gebundene Sprache an. Die Zahl der Sprecher wird nicht erhoben; die Zahl der Jenischen wird auf 30'000–35'000 geschätzt. Fördermassnahmen sind umstritten, weil viele Jenische den geheimsprachlichen Charakter bewahren möchten. Westjiddisch hatte seit dem 18. Jahrhundert in Lengnau und Endingen eine Tradition, die in den 1990er Jahren mit dem Tod der letzten Sprecher des Surbtaler Dialekts endete. Ostjiddisch wird in Zürich von einem Teil der ultraorthodoxen Gemeinde gesprochen.
Englisch ist für die meisten Schweizer neben Französisch oder Deutsch die erste oder zweite Fremdsprache. In der lateinischen Schweiz ist Deutsch, in westlichen deutschsprachigen Kantonen Französisch und in mittleren sowie östlichen deutschsprachigen Kantonen Englisch die erste Fremdsprache. Deutschsprachige Jugendliche in Graubünden lernen wegen der Dreisprachigkeit zuerst Italienisch.
Die Sprachen von Zugewanderten erreichen zusammen einen zweistelligen Bevölkerungsanteil und sind weiter verbreitet als Italienisch und Rätoromanisch. Wichtige Gruppen sind Portugiesisch, Albanisch, Spanisch, Serbisch-Kroatisch-Bosnisch-Montenegrinisch und Türkisch. Sie konzentrieren sich in grösseren Städten, kommen aber im ganzen Land vor. Aramäisch wird von etwa 10'000 christlichen Assyrern (Suryoye) gesprochen.
Zahlen und Entwicklungen
Die Sprachanteile haben sich langfristig verändert. Nach einem Anstieg während der Weltkriege und bis in die 1970er Jahre verlor Deutsch zuletzt leicht an Anteil, Französisch gewann leicht hinzu, Rätoromanisch verlor und Italienisch blieb im Wesentlichen konstant. Die Deutsch-Französisch-Sprachgrenze verschob sich leicht nach Osten. Besonders in Graubünden verdrängt Deutsch das Rätoromanische zunehmend. Der markanteste Trend ist jedoch der Anstieg der Nichtlandessprachen: 2014 betrugen sie 20,8 % bei der Wohnbevölkerung, gegenüber 9,7 % bei Schweizern.
Die Erhebung 2020 bis 2022 berücksichtigte bei Personen über 15 Jahren in Privathaushalten bis zu drei Hauptsprachen. Deshalb übersteigt die Summe von 8'643'255 Sprachangaben die 7'246'363 befragten Personen um 19,28 %. Die häufigsten Sprachen waren Deutsch mit 62,03 % beziehungsweise 4'495'179 Sprechern, Französisch mit 22,63 % beziehungsweise 1'639'719, Italienisch mit 8,19 % beziehungsweise 593'568, Englisch mit 6,85 % beziehungsweise 496'383 und Rätoromanisch mit 0,50 % beziehungsweise 35'887.
Unter den häufigsten Nichtlandessprachen lagen Portugiesisch bei 3,49 % (253'195), Albanisch bei 2,88 % (208'811), Spanisch bei 2,48 % (179'848), Serbisch/Kroatisch/Bosnisch/Montenegrinisch bei 2,32 % (168'419) und Türkisch bei 1,06 % (76'956).