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Albanische Sprache

In seinen Wortschatz hat das Albanische im Lauf der Zeit Lehnwörter aus dem Altgriechischen, danach aus dem Lateinischen übernommen; es folgten Entlehnungen aus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Verbreitung
  2. 2. Herkunft, Schrift und Wortschatz
  3. 3. Dialekte und Standardsprache
  4. 4. Alphabet, Laute und Betonung
  5. 5. Nomen, Fälle und Pronomen
  6. 6. Zahlen und Textbeispiel

Einordnung und Verbreitung

Albanisch (Eigenbezeichnungen gjuha shqipe und shqipja) ist eine balkanindogermanische Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und gehört zum Balkansprachbund. Es ist seit dem 15. Jahrhundert schriftlich belegt. Mehr als 7,6 Millionen Menschen sprechen Albanisch; im Text werden insgesamt über 7,2 Millionen genannt: etwa 2,5 Millionen in Albanien, etwa 2,6 Millionen in den übrigen Balkanländern und mehr als zwei Millionen Auswanderer weltweit.

Amtssprache ist Albanisch in Albanien, Kosovo und Nordmazedonien. In Montenegro ist es verfassungsrechtlich als Sprache in offizieller Verwendung anerkannt; in Bosnien und Herzegowina, Italien, Kroatien, Rumänien und Serbien gilt es als anerkannte Minderheiten- oder Regionalsprache. Der zusammenhängende Sprachraum umfasst Albanien, Kosovo, westliche und nordwestliche Teile Nordmazedoniens, Nordwestgriechenland sowie angrenzende Gebiete Serbiens und Montenegros. Alteingesessene Minderheiten leben außerdem in Süditalien und auf Sizilien als Arbëreshë sowie in Mittel- und Südgriechenland als Arvaniten. Kleinere Minderheiten gibt es unter anderem in Bulgarien, Rumänien und der Ukraine.

Herkunft, Schrift und Wortschatz

Die genaue Herkunft des Albanischen ist nicht eindeutig geklärt. Eine Verbindung zum Illyrischen wurde oft angenommen, lässt sich wegen der unzureichenden Belege für das Illyrische aber nicht vollständig beweisen. Als weitere Möglichkeit wird eine balkanindogermanische Zwischenstufe zusammen mit Griechisch und Armenisch erwogen. Joachim Matzinger wies erneut auf die Schwierigkeiten einer eindeutigen Zuordnung hin.

Das älteste schriftliche Zeugnis ist die altgegische Taufformel «Un’te paghesont’ pr’emenit t’Atit e t’Birit e t’Spertit Senit», die Pal Engjëlli 1462 aufschrieb. Gjon Buzukus Meshari von 1555 ist das älteste gedruckte albanische Buch. 1908 beschloss der Kongress von Monastir, Albanisch ausschließlich mit lateinischer Schrift zu schreiben. Die bis heute geltende Rechtschreibung ist streng phonetisch und verwendet als Sonderzeichen Ç/ç und Ë/ë. Die Zusammenführung der gegischen und toskischen Formen zu einer allgemeinen Schriftsprache wurde 1972 abgeschlossen.

Der Wortschatz enthält Lehnwörter aus Altgriechisch, Latein, Südslawisch, (Mittel-)Griechisch, Türkisch, Italienisch, Französisch und weiteren Sprachen; zunehmend kommen Anglizismen hinzu. Nach dem Artikel hat Albanisch mehr als 90 % seines ursprünglichen Wortschatzes zugunsten solcher Fremdwörter verloren. Besonders prägend sind lateinische und romanische Einflüsse: Mehr als 60 % des Wortschatzes hat lateinische Wurzeln. Deshalb wurde Albanisch früher fälschlicherweise oft für eine romanische Sprache gehalten.

Dialekte und Standardsprache

Die zwei großen Dialektgruppen sind Gegisch im Norden und Toskisch im Süden. Der Fluss Shkumbin trennt ihre Gebiete; entlang des Flusses liegt eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite Übergangszone. Die seit 1972 vereinheitlichte Standardsprache beruht überwiegend auf nordtoskischen Dialekten, enthält aber auch gegische Elemente. Seit einigen Jahren wird gefordert, gegische Varianten in der Sprachpolitik stärker zu berücksichtigen.

Die Gruppen unterscheiden sich in Lauten, Formenlehre und Wortschatz. Beispielsweise stehen gegisch nâna und toskisch nëna für „die Mutter“, gegisch syni und toskisch syri für „das Auge“ sowie toskisch qesh und gegisch kesh für „lachen“. Im Gegischen gibt es einen Infinitiv, der im Toskischen fehlt. Das gegische Futur wird mit dem konjugierten Verb „haben“ (me pâs) und Infinitiv gebildet; toskisch nutzt do mit einem durch të eingeleiteten Satz im Präsens, etwa unë do të shkoj („ich werde gehen“). Auch Alltagswörter können abweichen: „Milch“ heißt gegisch tâmbël, toskisch qumësht; „Dorf“ gegisch katûn, toskisch fshat.

Wichtige toskische Varietäten sind Nordtoskisch, Labisch-Toskisch, Çamisch-Toskisch, Arbëresh-Toskisch in Süditalien und Arvanitisch-Toskisch in Griechenland. Arvanitisch wird meist als Einzelsprache angesehen.

Alphabet, Laute und Betonung

Das albanische Alphabet hat 36 Buchstaben: sieben Vokale und 29 Konsonanten. Konsonantische Digraphen wie dh, gj, ll, nj, rr, sh, th, xh und zh gelten als einzelne, untrennbare Buchstaben und werden im Wörterbuch entsprechend eingeordnet.

Für deutschsprachige Lernende sind besonders einige Laute wichtig: c wird [t͡s] wie in „Zar“ gesprochen, ç [t͡ʃ] wie in „Tscheche“, sh [ʃ] wie in „Schule“ und xh [d͡ʒ] wie in „Dschungel“. dh ist [ð] wie englisch this, th [θ] wie englisch think. q ist ein stimmloser palataler Plosiv [c], nj klingt wie in „Lasagne“, rr ist ein gerolltes Zungenspitzen-r [r], während r nur ein kurzer Zungenschlag [ɾ] ist. Das Zeichen ë wird betont als [ɜ] und unbetont als [ə] gesprochen; am Wortende ist es oft kaum hörbar. y ist [y] wie deutsches ü in „grün“.

Toskisch-Albanisch hat 29 Konsonanten und sieben Vokale. Im Gegischen kommen zusätzlich Laute und Nasalvokale vor, die im Toskischen fehlen, darunter ɑ, ɒ, ɪ, ŋ, ɳ, ø, ɔ, ɹ, ʊ und ʏ. Die Betonung liegt meist auf der vorletzten Silbe.

Nomen, Fälle und Pronomen

Albanisch hat hauptsächlich zwei Genera, Maskulinum und Femininum; Neutra sind nur noch Reste. Substantive werden nach Determination flektiert: Die unbestimmte Form besteht bei Maskulina und Feminina aus dem Stamm, die bestimmte Form erhält ein Suffix, das aus dem bestimmten Artikel entstanden ist. Bei Maskulina lautet die bestimmte Endung meist -i, nach den velaren Lauten k, g oder q meist -u. Bei vielen Feminina wird aus unbestimmtem -ë in der bestimmten Form -a. Beispiele sind diell – dielli („Sonne – die Sonne“), ujk – ujku („Wolf – der Wolf“) und vajzë – vajza („Mädchen – das Mädchen“).

Die Standarddeklination besitzt fünf Fälle: Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv und Ablativ. Genitiv und Dativ haben dieselben Formen, doch nur beim Genitiv steht zusätzlich i/e/të/së. Der Vokativ wird in der Anrede umgangssprachlich und optional verwendet; manche Unterdialekte besitzen auch einen Lokativ. Kasusformen hängen von Genus und bestimmter oder unbestimmter Form ab. Die Pluralbildung ist mit etwas über 100 Endungsformen sehr vielfältig und oft unregelmäßig.

Personalpronomen unterscheiden in der zweiten Person zwischen einfacher und höflicher Anrede: ti bedeutet „du“, ju „ihr“ und Ju „Sie“. In der dritten Person wird zwischen maskulin ai („er“), ata („sie“, maskulin) und feminin ajo („sie“), ato („sie“, feminin) unterschieden. Adjektive stehen normalerweise nach dem Substantiv. Viele erhalten i beim Maskulinum und e beim Femininum, zum Beispiel qyteti i madh („die große Stadt“) und motra e madhe („die große Schwester“). Die meisten Präpositionen verlangen Ablativ oder Akkusativ; nga („aus, von“) steht mit Nominativ, während etwa për shkak të („aufgrund“) den Genitiv verlangt.

Zahlen und Textbeispiel

Die Kardinalzahlen lauten unter anderem një („eins“), dy („zwei“), tre beziehungsweise tri („drei“), katër („vier“), pesë („fünf“) und dhjetë („zehn“). Zahlwörter können ihre Bildungsweise erkennen lassen: njëmbëdhjetë bedeutet wörtlich „eins auf Zehn“, njëzetë „ein Zwanziger“, njëzetë e një „zwanzig und eins“, tridhjetë „drei Zehner“, dyzetë „zwei Zwanziger“, njëqind „ein Hunderter“ und njëmijë „ein Tausender“. Ordnungszahlen unterscheiden sich nach Genus, bestimmter und unbestimmter Form sowie im Plural, etwa i parë/e parë für „erster/erste“.

Ein Beispiel für heutigen Standardgebrauch ist der Beginn von Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Të gjithë njerëzit lindin të lirë dhe të barabartë në dinjitet dhe në të drejta.“ Das bedeutet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

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