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Schweizer Französisch
Das Schweizer Französisch ist die Varietät der französischen Sprache, die in der französischsprachigen Schweiz geschrieben und gesprochen wird.
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Begriff und Stellung
Schweizer Französisch ist die Varietät des Französischen, die in der französischsprachigen Schweiz geschrieben und gesprochen wird. In der Deutschschweiz heißt sie auch Welsch. Sie weicht von der Standardsprache vor allem im Wortschatz und teilweise in der Aussprache ab. Deshalb können sich Romands, also französischsprachige Schweizer, und Menschen aus Frankreich problemlos verständigen.
Es ist das westschweizerische Gegenstück zum Schweizer Hochdeutsch. Anders als Schweizerdeutsch ist es für Sprecher des Standardfranzösischen in der Regel nicht schwer verständlich.
Dialekte und Sprachwandel
Früher war Patois, also ein Dialekt, in der französischsprachigen Schweiz die übliche Alltagssprache. Heute gilt er als nahezu ausgestorben. In den meisten Teilen der Romandie waren diese Mundarten frankoprovenzalisch. Im nördlichen Kanton Neuenburg, im Berner Jura und im Kanton Jura gehörten sie dagegen wie das Standardfranzösische zu den Langues d’oïl.
Der Übergang zum Standardfranzösischen begann in reformierten Gebieten und erfasste im 19. und 20. Jahrhundert auch katholische Gebiete. 1910 verlangte der Berner Nationalrat Virgile Rossel eine systematische „Französisierung“ geografischer Namen in der Romandie. Bundesrat und Landestopografie lehnten dies ab: Amtliche Karten sollten die der lokalen Bevölkerung vertrauten Namen und die Gegenwart wiedergeben, nicht sprachpolitische Ziele oder eine hypothetische Zukunft.
1990 konnten noch 2 % der frankophonen Bevölkerung der Schweiz Patois sprechen und verstehen, zusätzlich zum vorherrschenden Standardfranzösischen. Besonders erhalten blieben frankoprovenzalische Dialekte in Walliser Gemeinden wie Evolène, Savièse und Nendaz; Neuenburgerfranzösisch gilt dagegen als ausgestorben. Patois-Vereine, Sprachkurse und Lokalzeitungen wie der Walliser „Nouvelliste“ pflegen die Dialekte teilweise weiter.
Wortschatz, Zahlen und Aussprache
Das heutige Schweizer Französisch ist stark standardisiert, besitzt aber regionale Wörter. Beispiele sind gendarme couché für eine künstliche Bodenwelle statt französisch dos d’âne, boguet für Moped, cornet für Tragtasche und roille für Regenschauer oder Regenguss. In der Umgangssprache können monstre und pire „sehr“ verstärken. Staat und Verwaltung verwenden eigene Bezeichnungen: Grand Conseil bedeutet Kantonsparlament, Conseil d’Etat Kantonsregierung und votation Volksabstimmung.
Ein Teil dieser Wörter sind Germanismen, also Einflüsse aus dem Deutschen: natel statt portable für Mobiltelefon, grittibänz statt brioche de St-Nicolas für Nikolausgebäck und stewi statt étendoir für einen bestimmten Wäscheständer. Nahe der Sprachgrenze kommen etwa poutzer statt nettoyer, speck statt lard und witz statt blague vor. Auch papier-ménage für Haushaltspapier sowie attendre sur quelqu’un, quelque chose statt attendre qn./qc. gelten als deutsche Einflüsse. Andere Wörter gelangten über das Deutsche ins Schweizer Französisch, sind aber romanischen Ursprungs, etwa gymnase statt lycée und action für Sonderangebot statt promotion commerciale.
Archaismen sind ältere Bezeichnungen, die in Randgebieten des französischen Sprachraums erhalten blieben. Frühstück heißt déjeuner statt petit déjeuner, Mittagessen dîner statt déjeuner und Abendessen souper statt dîner. In manchen Kantonen bedeutet syndic „Gemeindepräsident“; in Frankreich heißt dies maire.
Für 70 und 90 werden in Genf, Waadt, Freiburg, Wallis, Neuenburg, Jura, Berner Jura und Biel/Bienne septante und nonante statt soixante-dix und quatre-vingt-dix verwendet. In Waadt, Freiburg und Wallis heißt 80 huitante statt quatre-vingts. In der Aussprache werden zudem Unterschiede von Vokalquantität und Vokalqualität bewahrt, die in Frankreich weitgehend zusammengefallen sind: patte („Pfote“) und pâte („Pastete“) werden generell verschieden ausgesprochen, regional auch achetais und acheté.
Français fédéral
Français fédéral, „Bundesfranzösisch“, ist in der Romandie eine abwertende Bezeichnung für ein erkennbar deutschschweizerisch geprägtes Französisch. Es wird besonders mit amtlichen Texten der Bundesverwaltung verbunden, die meist zuerst auf Deutsch geschrieben und danach übersetzt werden. Nach dem Dictionnaire suisse romand bezeichnet es verdeutschtes oder falsches Französisch von Zentralverwaltung oder Unternehmen mit Hauptsitz in der deutschsprachigen Schweiz; daraus abgeleitet auch solches Französisch von Deutschschweizern und schließlich Romands.
Es ist eine Form sprachlicher Interferenz, also einer Beeinflussung zwischen Sprachen in der mehrsprachigen Schweiz. Häufig entsteht sie durch eine zu wörtliche oder unaufmerksame Übersetzung aus dem Deutschen. Dann werden deutsche Satzstruktur, Argumentationsweise oder feste Wendungen ins Französische übertragen. Auch falsche Freunde verursachen Fehler: „Protokoll“ wird beispielsweise mit protocole statt mit procès-verbal übersetzt.
Satiriker der Romandie verwenden français fédéral oft pidgin-artig und mit starkem schweizerdeutschem Akzent, um Politiker aus der deutschsprachigen Schweiz zu karikieren. Damit kritisieren sie indirekt auch die Bundesbürokratie und eine Geringschätzung des Französischen durch die deutschsprachige Mehrheit.