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Sprachanalyse

Stilarten: Nominalstil, Verbalstil, Adjektivstil; Stilmittel (Tropen): Schlüsselwörter, Leitmotive, Bilder, Metaphern, Symbole, Chiffren, Personifikation und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und sprachwissenschaftlicher Ansatz
  2. 2. Stilmittel und sprachliche Gestaltung
  3. 3. Sprachanalyse in der Philosophie
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Psychologie und Personalwesen
  6. 6. Kundenkommunikation und typische Messgrößen

Grundbedeutung und sprachwissenschaftlicher Ansatz

Sprachanalyse bezeichnet in der Sprachwissenschaft die inhaltliche, also semantische, und die formale, also syntaktische, Untersuchung eines Textes nach dem Charakter der verwendeten Sprachmittel. Ihr Ziel ist, einen besseren Einblick in die Absichten eines Textes zu geben. Untersucht werden können Gedichte, Kurzgeschichten und andere literarische Texte ebenso wie Reden, Briefe oder andere Textsorten. Die Sprachanalyse ist ein Hauptbestandteil der Text- oder Korpusanalyse.

Nach dem Kommunikationsmodell bestimmen Textsorte und Sprachverwendung die Intention, also die Absicht, eines Textes. Deshalb muss die Analyse zeigen, wie die sprachlichen und stilistischen Mittel von dieser Absicht abhängen. Je nach Textsorte sind die verschiedenen Analyseebenen unterschiedlich wichtig.

Bei der semantischen Analyse werden vor allem Inhaltswörter untersucht. Dabei geht es um ihre Häufigkeit und ihren semantischen Gehalt. Ermittelt werden unter anderem:

  • die auffälligste und am häufigsten verwendete Wortart sowie ihre Leistung und Funktion;
  • die Herkunft des Vokabulars, etwa aus dem ethischen, politischen, handwerklichen oder alltäglichen Bereich;
  • die Art der Substantive, zum Beispiel Konkretum, Abstraktum, Fremdwort, Modewort, Schlagwort oder fachsprachlicher Terminus;
  • die Art der Adjektive, insbesondere ob sie beschreibend oder bewertend sind;
  • die Art der Verben, etwa Handlungs-, Beschreibungs-, Modal- und Hilfsverben sowie passive und aktive Verben;
  • der Ausdruckswert der Wörter, also Denotation, Konnotation und übertragene Bedeutung.

Die syntaktische Analyse untersucht die Strukturierung der Sätze und die Satzarten. Zu den Satzarten gehören Aussage-, Frage- und Befehlssätze. Bei der Satzorganisation wird zwischen Parataxe, also der Reihung von Hauptsätzen, Hypotaxe, also der Verbindung mit untergeordneten Sätzen, und Mischformen unterschieden.

Stilmittel und sprachliche Gestaltung

Die Stilanalyse ermittelt die rhetorischen und stilistischen Mittel eines Textes. Betrachtet werden zunächst Stilarten wie Nominalstil, Verbalstil und Adjektivstil.

Zu den Stilmitteln beziehungsweise Tropen gehören Schlüsselwörter, Leitmotive, Bilder, Metaphern, Symbole, Chiffren, Personifikationen, Vergleiche und Ironie. Außerdem werden rhetorische Figuren berücksichtigt:

  • lexikalische Mittel: Oxymoron, Alliteration, Hyperbel, Litotes, Euphemismus, Metonymie und Pleonasmus;
  • syntaktische Mittel: Parallelismus, Ellipse, Anakoluth, Chiasmus, Anapher, Katachrese und Zeugma;
  • kompositorische Mittel: Antithese, Klimax, Steigerung, Wiederholung, Sentenz, Zitat und Parenthese.

Weiterhin kann die Sprachanalyse die Redeform bestimmen, etwa wörtliche Rede, indirekte Rede, erlebte Rede oder inneren Monolog. Bei lyrischen Texten werden unter anderem Gedichtform, Strophenform, Versmaß und Reim untersucht.

Wichtig sind auch die Stilschicht und der Grundgestus, auch Stilfärbung genannt. Die Stilschicht kann poetisch, fachsprachlich, normalsprachlich oder umgangssprachlich sein. Der Grundgestus kann poetisch, gehoben, neutral, salopp oder vulgär wirken. Das Beispiel „sterben“ zeigt diese Abstufungen: „ewigen Frieden gefunden“ ist poetisch, „verblichen“ gehoben, „gestorben“ neutral, „die Mücke gemacht“ salopp und „abgekratzt“ vulgär.

Sprachanalyse in der Philosophie

In der Philosophie wird „Sprachanalyse“ in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Eine wichtige Bedeutung bezeichnet Forschungsprogramme, nach denen die Analyse der gebräuchlichen Alltagssprache die grundlegende Methode der Philosophie sein soll. Diese Auffassung ist besonders für die Philosophie der normalen Sprache typisch. Sie war zeitweise ein wichtiger Zweig der analytischen Philosophie und stand auch mit vielen Vertretern der linguistischen Wende in Verbindung. Gelegentlich wurde dafür die Bezeichnung „sprachanalytische Philosophie“ verwendet.

Die Gleichsetzung von analytischer Philosophie und Sprachanalyse, die sich gelegentlich in älterer Literatur findet, ist philosophiegeschichtlich verkehrt. Für die normalsprachliche Philosophie waren insbesondere Ludwig Wittgensteins Philosophische Untersuchungen wichtig. In diesem Werk werden verschiedene sprachliche Praktiken diskutiert, nicht nur die Formulierung von Aussagesätzen.

Von der normalsprachlichen Philosophie zu unterscheiden ist die Philosophie der idealen Sprache. Sie verfolgt in Teilen der analytischen Philosophie das Anliegen, für die philosophische Diskussion und für die Rekonstruktion des Gehalts sprachlicher Äußerungen formale Sprachen zugrunde zu legen.

Geschichtliche Entwicklung

Die Analyse der Alltagssprache und der unter Fachphilosophen gebräuchlichen speziellen Ausdrucksweisen wurde bereits von Philosophen der griechischen Antike betrieben, beispielsweise von Sokrates und Platon.

Besonders prägend war die Rekonstruktion des Gehalts und der Referenzen beziehungsweise Wahrmacher von Aussagen mithilfe sprachphilosophischer und logischer Begriffe des Aristoteles. Ein bereits in der Antike behandeltes Thema der Sprachanalyse war die Frage, unter welchen Bedingungen bestimmte Arten sprachlicher Äußerungen als wahr oder falsch beurteilt werden können. Diese Eigenschaft wird als Wahrheitsfähigkeit bezeichnet und betrifft insbesondere Aussagesätze.

Psychologie und Personalwesen

In der Psychologie wird Sprachanalyse vor allem zur Persönlichkeitsanalyse eingesetzt. Aus sprachlichen Eigenheiten eines Textes soll auf die Persönlichkeit, die Stimmung oder psychische Erkrankungen des Verfassers geschlossen werden, beispielsweise auf eine Depression. Als Vorreiter auf diesem Gebiet gilt James Pennebaker.

Einige Anbieter erstellen aus einer Sprachanalyse ein Persönlichkeitsprofil und verwenden es als Grundlage für Personalauswahl oder Personalentwicklung. Aus wissenschaftlicher Sicht sind solche Verfahren aktuell als unseriös einzustufen, weil ihre Behauptungen empirisch nicht solide belegt sind. Der Zusammenhang zwischen Sprache beziehungsweise Stimme und Persönlichkeit wird als minimal beschrieben; ein Zusammenhang mit Berufserfolg ist nicht belegt. Solche Instrumente gelten damit zumindest derzeit nicht als seriöse Instrumente.

Trotzdem sind Software-Produkte auf dem Markt, die entsprechende Versprechungen machen. Die Precire Technologies GmbH in Aachen erhielt 2019 den Negativpreis BigBrotherAward „für ihre wissenschaftlich zweifelhafte, wahrscheinlich rechtswidrige und gefährliche Sprachanalyse“. Precire wird zur Vorauswahl von Bewerberinnen und zur Emotionsanalyse von Menschen eingesetzt, die eine Hotline anrufen.

Kundenkommunikation und typische Messgrößen

In der Kundenkommunikation ermöglicht Sprachanalyse die kategoriale Auswertung aufgezeichneter Telefongespräche zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Sie soll Informationen aus Kundenanrufen gewinnen, die für Strategie-, Produkt-, Prozess- und operative Fragen genutzt werden können. Außerdem lassen sich Bereiche erkennen, in denen Kontaktcenter-Agenten zusätzliches Training oder Coaching benötigen, und der Kundenservice kann automatisch überwacht werden. Anbieter verwenden dafür Verarbeitungsmodule von Drittanbietern oder eigene Module.

Innerhalb eines bestimmten Zeitraums können die am häufigsten verwendeten Wörter und Ausdrücke isoliert werden. Zusätzlich lässt sich feststellen, ob ihre Verwendung einen Aufwärts- oder Abwärtstrend zeigt. Diese Informationen helfen Supervisoren, Analysten und anderen Funktionsträgern, Veränderungen im Kundenverhalten zu erkennen, Maßnahmen zur Verringerung des Anrufvolumens einzuleiten und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Sie sollen Einblick in die Denkprozesse der Kunden geben und Unternehmen ermöglichen, Korrekturen vorzunehmen.

Im Callcenter geht es dabei weniger um stilistische Analysen, kulturelle Entwicklungen oder philosophische Auslegungen. Untersucht werden vielmehr Tabuphrasen, Sollphrasen, Schlagworte und Weichmacher, also Vokabeln, die ein professionelles Kundengespräch positiv oder negativ beeinflussen können. Analysiert wird, ob bestimmte Begriffe von wem und in welchem Zusammenhang verwendet werden. Ein möglicher Ablauf besteht darin, Gespräche aufzuzeichnen und die Voicefiles anschließend zu verschriften.

Typische Messgrößen sind:

  • Tabuphrasen: Bestimmte Wörter oder Phrasen sind durch Regeln des professionellen Dialogs oder durch Projektvorgaben ausgeschlossen. Beispiele sind „dafür bin ich nicht zuständig“, „da müssten Sie bitte erstmal“ und „kann ich ihnen nicht helfen“. Auch Namen von Konkurrenzunternehmen oder Beschimpfungen können als Tabuphrasen gelten. Die Analyse ermöglicht das Tracking und anschließende Coaching der Agenten.
  • Sollphrasen: Freundlichkeit und Serviceorientierung werden anhand von Formulierungen wie „sehr gerne“, „ich kümmere mich“ oder „vielen Dank“ überprüft. So lässt sich feststellen, welche Agenten diese Haltung nach außen repräsentieren.
  • Weichmacher: In der Vertriebstelefonie sollen Ausdrücke wie „eigentlich“, „vielleicht“, „eventuell“ und generell Konjunktive wegen der gewünschten Verbindlichkeit vermieden werden. Sie können in Gesprächsaufzeichnungen gefunden und zusammen mit den passenden Voicefiles zur Schulung verwendet werden.

Neben dem Inhalt des Gesagten wird zunehmend auch die Emotion anhand von Akustik und Phonetik ausgewertet, um die Kundenzufriedenheit zu bewerten.

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