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Sport im Alten Ägypten
Dieser Artikel befasst sich mit dem Sport im Alten Ägypten und bezieht sich ausschließlich auf die 31 Dynastien von der Prädynastischen Epoche bis in die …
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Grundlagen und Bedeutung
Sport im Alten Ägypten umfasst hier die Leibesübungen während der 31 Dynastien von der Prädynastischen Epoche bis zur Spätzeit, also etwa von 3032–2707 v. Chr. bis 664–332 v. Chr. Ägypten besitzt die ältesten bekannten bildlichen und schriftlichen Quellen zum Sport. Besonders Grabbeigaben und Grabdarstellungen vermitteln Kenntnisse über eine systematische Körperkultur mit gymnastischer Schulung, Kampfsport und Wassersport.
Der moderne Sportbegriff lässt sich jedoch nicht unmittelbar übertragen. Das ägyptische Wort sḫmḫ-jb bedeutet „sich vergnügen“, bezeichnet aber nicht den Sport insgesamt. Wettkämpfe kamen vor, doch das Agonale, also der direkte Leistungsvergleich, war weniger wichtig als in der griechischen Antike oder in modernen Gesellschaften. Ring- und Stockfechterszenen im Totentempel Ramses’ III. sowie die Lauf-Stele des Taharqa belegen organisierte Wettkämpfe vor ausgewähltem Publikum.
Der Pharao nahm grundsätzlich nicht an einem Wettkampf zwischen gleichberechtigten Gegnern teil, weil seine als übermenschlich verstandene Überlegenheit nicht infrage gestellt werden durfte. Seine sportlichen Leistungen dienten stattdessen dazu, Stärke, Herrschaftsfähigkeit und den Schutz der Weltordnung sichtbar zu machen. Privatleute betrieben dagegen ein breites Spektrum von Sportarten als Freizeitvergnügen. Die Quellen zu ihnen stammen überwiegend aus Gräbern der Oberschicht, weil einfache Erdgräber meist nicht erhalten blieben.
Königlicher Sport und Jubiläumslauf
Der Pharao galt als Garant der Weltordnung und als unüberwindlicher Beschützer Ägyptens. Überragende körperliche Fähigkeiten sollten seine Eignung als Krieger und Herrscher unterstreichen. Besonders in der 18. Dynastie entstand unter Thutmosis III., Amenophis II. und Thutmosis IV. eine Tradition sportlicher Könige, die unter Tutanchamun und Eje II. nochmals auflebte. Amenophis II. galt als herausragender Athlet auf dem ägyptischen Thron.
Diese Entwicklung stand auch mit dem Kampf gegen die Hyksos in Verbindung. Sie hatten am Ende der 17. Dynastie große Teile des Niltals besetzt und verfügten über den leichten, zweirädrigen, von zwei Pferden gezogenen Streitwagen sowie den Kompositbogen. Seqenenre leitete den Befreiungskampf ein; seine Nachfolger stellten bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts v. Chr. die ägyptische Souveränität wieder her. Thutmosis III. führte anschließend regelmäßige Eroberungszüge durch, um einen erneuten Einfall zu verhindern.
Beim Sedfest, einem königlichen Jubiläums- und Erneuerungsfest, sollte die physische und magische Kraft des regierenden Königs erneuert werden. Es wurde ursprünglich 30 Jahre nach dem Herrschaftsantritt gefeiert und konnte danach alle drei Jahre wiederholt werden. Im Zentrum stand ein Lauf, der zugleich als erneute Inbesitznahme des Herrschaftsgebietes galt. Die Annahme, beim Sedfest könne ein alter Herrscher durch den fähigsten Prinzen ersetzt worden sein, wird nur als Vermutung genannt.
Im Hof der Stufenpyramide des Djoser aus der 3. Dynastie befindet sich eine Laufstation, die möglicherweise um 2600 v. Chr. entstand und als älteste Sportanlage der Weltgeschichte gelten könnte. Da sie zu einer Totenanlage gehörte, war sie für symbolische Sedfeste des Königs im Jenseits bestimmt. Der wirkliche Lauf führte vermutlich um halbrunde Grenzmarken; eine Runde war wohl höchstens 140 m lang.
Bogenschießen, Wagenfahren und Jagd
Das Zielschießen mit dem Bogen ist die am besten belegte ägyptische Sportart und war besonders in der 18. Dynastie eine königliche Paradedisziplin. Seine wahrscheinlich erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1501 v. Chr. Pharaonen schossen laut Inschriften auf Kupferscheiben; aus gegossenem Rohkupfer entstanden beispielsweise Platten von 60 × 40 cm Fläche und 30 kg Gewicht. Königliche Darstellungen behaupten sogar, ein Pfeil habe eine drei Finger dicke Kupferplatte durchbohrt. Normale Menschen verwendeten hölzerne Zielscheiben.
Der Kompositbogen bestand aus hartem und weichem Holz, Horn und Tiersehnen. Die Trocknung des Leims konnte Jahre dauern. Die Bögen waren bis zu 1,40 m, meist etwa 1,10 m lang und erhielten beim Spannen ihre charakteristische Dreiecksform. Die Sehne bestand aus vierfach gedrehtem Tierdarm. Unterarmschützer aus Leder, möglicherweise auch aus Horn, schützten vor der zurückschnellenden Sehne. Im Grab Tutanchamuns wurden fast drei Dutzend Kompositbogen samt Zubehör gefunden. Nach Amenophis II. verlor das Bild des sportlichen Königs als Bogenschütze an Bedeutung und verschwand in der 19. Dynastie.
Den Streitwagen übernahmen die Ägypter um 1570 v. Chr. von den Hyksos. Seine Beherrschung erforderte das Lenken des Pferdegespanns, sicheres Stehen im schwankenden Wagenkorb, Schießen während der Fahrt und die Ausbildung der Pferde. Der Wagen wurde zum Statussymbol einer neuen Elite. Er bestand hauptsächlich aus verschiedenen Holzarten, hatte Räder von ungefähr 1 m Durchmesser und eine Spurweite von 1,50 m. Der halbkreisförmige Wagenboden war mit einem federnden Ledergeflecht versehen.
Die Jagd wandelte sich mit der Tierhaltung von einer lebensnotwendigen Tätigkeit zum sportlichen Vergnügen, obwohl die Beute weiterhin verzehrt wurde. Die Großwildjagd war dem König vorbehalten. Das Überwältigen gefährlicher, mit dem Chaos verbundener Tiere stellte ihn als mutigen Beschützer dar. Gejagt wurden unter anderem Krokodile, Nilpferde, Löwen und gelegentlich Nashörner; nur in der 18. Dynastie galt auch der Elefant als königliches Jagdtier. Verwendet wurden Harpune, Lasso, Papyrusboot und später der Streitwagen. In Soleb fand man Pfostenlöcher eines 600 × 300 m großen Jagdparks.
Die Sumpfjagd war vor allem eine gesellschaftliche Freizeitbeschäftigung der Oberschicht, an der Familien mit Frauen und Kindern teilnahmen. Zum Fischerspeeren und zur Vogeljagd mit Wurfholz oder Schlagnetz waren Geschicklichkeit und Zusammenarbeit nötig. Beim Schlagnetz gab ein Späher ein Zeichen, während mehrere Personen im richtigen Moment das schwere Netz zuzogen. Wurfhölzer sollten fliegenden Vögeln den Hals brechen; einige ähnelten Bumerangs. Beim Fischerspeeren näherte sich der Jäger lautlos im Papyrusboot, stach mit einer Hand zu und ergriff mit der anderen das Ende des Fisches.
Laufen, Springen und körperliche Spiele
Laufen war ohne aufwendige Ausrüstung fast überall möglich. Die Lauf-Stele des Königs Taharqa aus der 25. Dynastie berichtet von einem Wettlauf während seiner Regierungszeit von 690–664 v. Chr. Taharqa ließ eine ausgewählte Truppe täglich trainieren und anschließend von Memphis über eine Wüstenstraße in Richtung Fajum und zurück laufen. Die erste Hälfte wurde nachts in der Kühle zurückgelegt; nach zwei Stunden Pause begann der Rückweg. Die Strecke betrug ungefähr 100 km und wurde in etwa neun Stunden bewältigt. Der Sieger erhielt eine besondere Auszeichnung, die Spitzengruppe ein Ehrenmahl mit der königlichen Leibwache. Der König wollte die Leistungsfähigkeit der Läufer prüfen und möglicherweise eine schnelle Einsatztruppe ausbilden.
Sportliche Sprünge sind selten belegt. Zwei Darstellungen aus Gräbern in Sakkara, die vom Ende der 5. Dynastie beziehungsweise etwa 50 Jahre später stammen, zeigen ein Kinderspiel: Zwei sitzende Jungen bilden mit ausgestreckten Armen und Händen eine lebende Hürde, die ein dritter überspringt. Durch übereinandergesetzte Hände und gespreizte Finger wurde die Hürde höher. Wegen der gespreizten Beine der Sitzenden handelte es sich um eine Form des Hochweitsprungs. Das Spiel hieß wahrscheinlich „Das Zicklein im Felde“.
Sprünge gehörten außerdem zu akrobatischen Tänzen. Im Grab der Senet aus der 12. Dynastie ist eine Tänzerin beim hohen Sprung zwischen zwei klatschenden Frauen dargestellt. Zwei Gräber in Beni Hasan zeigen das Hochspringen aus dem Stand mit angezogenen Fersen in mehreren aufeinanderfolgenden Bewegungsphasen.
Ringen, Stockfechten und Faustkampf
Zu den drei belegten ägyptischen Kampfsportarten gehören Ringen, Stockfechten und Faustkampf. Das Ringen besitzt die meisten Bild- und Schriftquellen. Sie reichen vom Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. bis zum Ende des Neuen Reiches im 11. Jahrhundert v. Chr. Darstellungen aus dem Grab des Ptahhotep um 2450 v. Chr. zeigen, dass Griffe am ganzen Körper erlaubt waren. Zu sehen sind unter anderem Nacken- und Kopfzug, Würgegriffe, Bein- und Fußgriffe, Schwünge und Niederwürfe. Dadurch ähnelt die Technik dem modernen Freistilringen.
Besonders ausführlich sind die Darstellungen in vier Gräbern von Beni Hasan. Sie zeigen das Anlegen eines Gürtels, das Abtasten, Griffversuche sowie zahlreiche Hebe-, Schleuder- und Wurftechniken. Nur zwei Prozent der Szenen stellen Bodenkampf dar, der daher wahrscheinlich eine geringe Rolle spielte. Trotz des reichen Materials sind konkrete Regeln und die Bedingungen für einen Sieg unbekannt. Ein Schiedsrichter mit Trompete in Darstellungen aus Medinet Habu deutet jedoch auf feste Regeln hin. Wahrscheinlich gehörte Ringen zur Ausbildung von Soldaten; im Neuen Reich trugen die Kämpfer statt völliger Nacktheit einen kurzen Soldatenschurz. Bei Festen traten auch Ägypter gegen als „Ausländer“ bezeichnete Gegner an.
Stockfechten war besonders im Neuen Reich verbreitet und vermutlich eng mit der militärischen Ausbildung verbunden. Die ungefähr 1 m langen Stöcke besaßen teilweise einen Querast als Griffschutz, eine Metallverstärkung oder einen Korb für die Finger. Ein am Unterarm befestigtes Holzbrett und ein Band um Kinn und Stirn dienten als Schutz. Manche Kämpfer führten in jeder Hand eine Waffe. Vor Schaukämpfen verneigten sie sich vor dem Publikum und kreuzten die Waffen; anschließend folgten Schläge, Paraden und Täuschungen nach dem Prinzip des Hiebfechtens. Manche Vorführungen hatten eher einen tänzerischen Charakter.
Der Faustkampf ist erst seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. und nur durch wenige Quellen belegt. Im Grab des Cheriuf aus der 18. Dynastie erscheinen sechs Boxergruppen in unterschiedlichen Kampfstellungen. Die Fäuste tragen keine Waffen; bei manchen Kämpfern hängt ein Arm herab, während der andere über Kopfhöhe angewinkelt ist. Eine Inschrift des Dorokleidas aus Thera weist auf die Verletzungsgefahr hin: „Blutig ist der Sieg für die Faustkämpfer“.
Schwimmen, Rudern und Fischerstechen
Die wasserreiche Landschaft des Niltals begünstigte Schwimmen und Rudern. Beide Tätigkeiten sind gut belegt, wurden aber nicht oder kaum als Wettkampf betrieben. Schwimmen brachte höheres Ansehen und war besonders für Fischer und Schiffer überlebenswichtig. Frühe Krugverschlüsse und Hieroglyphen zeigen Schwimmende mit einem Wechselarmzug, der an Kraulschwimmen erinnert. Der Gaufürst Cheti berichtete gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr., er sei gemeinsam mit Königskindern im Schwimmen unterrichtet worden. Schwimmen gehörte demnach zum Erziehungsprogramm der königlichen und adligen Jugend. Ein realer Schwimmwettkampf ist nicht bekannt; in der Erzählung von Horus und Seth findet jedoch ein Tauchwettkampf statt. Das Tauchen ist auch bildlich belegt.
Beim Rudern wechselten die Ruderer während jedes Zuges zyklisch zwischen Stehen und Sitzen. Der Zug begann im Stehen, danach setzte sich der Ruderer, führte das Blatt aus dem Wasser und stand beim Rückführen des Ruders wieder auf. Die Schurze waren mit Leder verstärkt, weil sie sonst schnell durchgesessen worden wären. Pharaonen der 18. Dynastie konnten besonders leistungsfähige Ruderer durch Beförderungen belohnen.
Das Fischer- oder Schifferstechen war vor allem im Alten Reich ein beliebtes, wahrscheinlich improvisiertes Kampfspiel. Zwei bis vier Gruppen fuhren in einfachen Papyrusbooten, die meist mit drei oder vier, ausnahmsweise bis zu sechs Männern besetzt waren. Die Bootsleute verwendeten ihre langen Stangen als Waffen: Personen am Heck hielten Kurs und Gleichgewicht, während die Männer am Bug versuchten, Gegner ins Wasser zu stoßen. Bei geringer Entfernung ging der Kampf teilweise in Ziehen, Schieben und ringkampfartige Auseinandersetzungen über. Vermutlich sollte die gegnerische Mannschaft ins Wasser befördert werden. Verbindliche Regeln sind nicht erkennbar; Absprachen konnten von Fall zu Fall wechseln. Außerhalb Ägyptens ist dieses Spiel nach dem Artikel in keiner antiken Kultur belegt.