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Pharao

Pharao war ein seit dem Neuen Reich verwendeter Titel für den König von Ober- und Unterägypten. Der Begriff geht auf das ägyptische Wort Per aa („großes …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Verwendung des Titels
  2. 2. Königsamt und göttliche Legitimation
  3. 3. Kartuschen und Namensschreibung
  4. 4. Die königlichen Namen und Titel
  5. 5. Insignien des Königs
  6. 6. Frauen in der Alleinherrschaft

Bedeutung und Verwendung des Titels

„Pharao“ war seit dem Neuen Reich eine Bezeichnung für den König von Ober- und Unterägypten. Das ägyptische Per aa bedeutet „Großes Haus“ und bezeichnete ursprünglich den königlichen Hof oder Palast, nicht den Herrscher selbst. Erst ab Thutmosis III. konnte es die Person des Königs meinen; auch danach war dies selten Teil des offiziellen Protokolls. Siamun war der erste Herrscher, der Per aa als Königstitel trug.

In der Bibel und häufig auch in der Ägyptologie werden rückblickend alle Könige des Alten Ägypten „Pharao“ genannt. Die altägyptischen Quellen verwenden daneben zahlreiche Herrscherbezeichnungen, etwa „vollkommener Gott“, „Herr der Kronen“, „Herr der beiden Länder“ oder „Herr der Sedfeste“. Auch Lokalkönige der Zweiten und Dritten Zwischenzeit können als Pharaonen gelten, weil sie meist eine vollständige Königstitulatur führten. Im weiteren Sinn gehören auch römische Kaiser dazu, soweit sie über Ägypten herrschten und dort hieroglyphisch belegt sind.

Königsamt und göttliche Legitimation

Seit der frühdynastischen Zeit verstand sich der König als Sohn der Himmelsgottheiten und als ihr Bevollmächtigter, Abgesandter, Partner und Nachfolger auf Erden. Er stand dabei nicht mit den Göttern gleich, sondern auf einer eigenen Ebene zwischen göttlichem Himmel und Menschenwelt. Bei der Krönung erhielt er das Amt des „göttlichen Horus“; dies zeigte der Horusname. Seit der 4. Dynastie galt er zusätzlich als „Sohn des Re“.

Der Begriff Gottkönigtum meint in der Ägyptologie daher vor allem das göttlich beauftragte Amt, nicht die persönliche Gleichsetzung des Königs mit einer Gottheit. Als „göttlicher Vermittler“ sollte der König den Willen der Himmelsgötter an die Menschen weitergeben. Nach seinem Tod stieg er nach dieser Vorstellung in den Himmel auf und übte dort als vergöttlichter König unter Göttern und Ahnen weiter sein Amt aus.

Die Götter übergaben dem König nach der Krönung symbolisch Throne, lange Regierungsjahre und Ägypten. Seine Aufgabe war es, die Weltordnung Maat zu erhalten, Recht zu sprechen, die Götter zufriedenzustellen, Wahrheit entstehen zu lassen, Sünde zu vernichten und das Land gegen Eroberer zu schützen. Ramses II. verwendete zusätzlich den Titel „Großer Gott“ und versuchte damit, das irdische Königsamt gegenüber den Göttern aufzuwerten; diese Bemühungen setzten sich nicht durch.

Kartuschen und Namensschreibung

Eine Kartusche, auch Königsring, umschließt königliche Namen. Sie entwickelte sich wahrscheinlich aus dem Schen-Ring, einer Seilschleife mit überlappenden Enden. Diese steht für Ewigkeit, Unendlichkeit und Schutz. Die Kartusche besteht in detaillierten Darstellungen aus einer doppelten Schnur mit Knoten; sie kann senkrecht oder waagerecht geschrieben werden. Die Hieroglyphen beginnen auf der dem Knoten gegenüberliegenden Seite.

Kartuschen sind ein wichtiges Kennzeichen königlicher Namen, aber kein völlig eindeutiger Nachweis für einen Herrscher: Seit dem Ende der 12. Dynastie tragen auch Namen von Königinnen und später regelmäßig auch von Prinzessinnen Kartuschen. Umgekehrt sind manche nur auf Skarabäen bekannten Herrscher der 16. Dynastie ohne Kartusche belegt, aber durch Titel wie Netjer-nefer („vollkommener Gott“) und Sa Ra („Sohn des Re“) als Herrscher erkennbar.

Die Reihenfolge der Hieroglyphen kann aus Respekt von der gesprochenen Namensreihenfolge abweichen. Im Thronnamen Thutmosis’ III. wird Re vorangestellt: Die Zeichenfolge lautet Rˁ-mn-ḫpr, obwohl der Name Men-cheper-Re, „Bleibend/Beständig ist die Erscheinung(sform) des Re“, gelesen wird.

Die königlichen Namen und Titel

Ein König führte insgesamt fünf wichtige Namen beziehungsweise Titel. Horus-, Thron- und Eigenname erscheinen besonders häufig auf Denkmälern; Nebti- und Goldname sind seltener überliefert. In der Frühdynastischen Periode war der Horusname der wichtigste Name, später wurde der Thronname gebräuchlicher.

Der Horusname ist der älteste belegte Königstitel und erscheint schon kurz vor der 1. Dynastie. Er steht ursprünglich in einem Serech: einem Rechteck mit Palastfassade im unteren Teil, über dem ein Horusfalke thront. Der Nebtiname bezieht sich auf Nechbet für Oberägypten und Wadjet für Unterägypten; beide Göttinnen sitzen auf Körben mit dem Zeichen neb, „Herr“. Der Goldhorusname zeigt einen Falken auf dem Zeichen für Gold, nebu (nbw), und wurde erstmals unter Djoser als offizielle Zusatztitulatur verwendet.

Der Thronname kann mit Nesut-biti eingeleitet werden. Nesut beziehungsweise Nisut bedeutet „der von der Binse“ und steht für Oberägypten, Biti, „der von der Biene“, für Unterägypten; zusammen bezeichnen sie den Herrscher beider Länder. Der Eigen- oder Geburtsname wird seit der 5. Dynastie durch Sa Ra, „Sohn des Re“, ergänzt. Ein Prinz trug dagegen die Bezeichnung „Sohn des Königs, von seinem Leibe“ und seinen Namen nicht in einer Kartusche.

Insignien des Königs

Königliche Insignien machten Herrschaft sichtbar. Die Weiße Krone stand für Oberägypten, die Rote Krone für Unterägypten; gemeinsam bildeten sie die Doppelkrone Pschent. Weitere Kopfbedeckungen waren der Chepresch und das Nemes-Kopftuch.

Geier und Uräus verkörperten die Göttinnen Nechbet und Wadjet sowie Ober- und Unterägypten. Krummstab und Flagellum, auch Wedel oder Geißel genannt, standen ebenfalls für beide Landesteile. Zu offiziellen Anlässen trugen Könige außerdem einen langen, geflochtenen künstlichen Zeremonial- oder Pharaonenbart.

Frauen in der Alleinherrschaft

Vier Frauen übten nachweislich die Alleinherrschaft über Ägypten aus: Nofrusobek am Ende der 12. Dynastie, Hatschepsut, Tausret am Ende der 19. Dynastie und Kleopatra. Nofrusobek war die erste Königin mit vollständiger königlicher Titulatur. Hatschepsut war zunächst Vormund ihres Stiefsohns Thutmosis III. und übernahm später selbst die Regentschaft.

Davon zu unterscheiden sind Frauen, die für männliche Herrscher regierten, ohne eine Königstitulatur zu tragen. Anchenespepi II. regierte für ihren unmündigen Sohn Pepi II. Teje nahm während der Herrschaft Amenophis’ III. Regierungsaufgaben wahr und vermutlich später auch für ihren Sohn Echnaton. Die These, Neferneferuaton sei Echnatons Große königliche Gemahlin Nofretete gewesen, wird von mehreren Ägyptologen unterstützt, bleibt im Artikel jedoch als Theorie bezeichnet.

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