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Ästhetik
Ästhetik bezeichnet dort entweder die Theorie der sinnlichen Wahrnehmung allgemein (nicht nur von Kunst) oder aber eine philosophische (oder etwa soziologische) …
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Begriff und zentrale Bedeutungen
Ästhetik ist allgemein die Lehre von Wahrnehmung, Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in Natur und Kunst. Im engeren wissenschaftlichen Sinn untersucht sie Eigenschaften, die beeinflussen, wie Menschen etwas unter dem Gesichtspunkt von Schönheit bewerten. Im weiteren Sinn geht es um alle Eigenschaften, die bestimmen, wie etwas auf Menschen wirkt.
In der Philosophie bezeichnet Ästhetik entweder die Theorie der sinnlichen Wahrnehmung allgemein oder eine philosophische beziehungsweise soziologische Theorie von Kunst und Design. Ästhetische Bewertungen betreffen nicht nur „schön“ und „hässlich“, sondern auch sinnlich, faszinierend oder langweilig. Nach Auffassungen, die Immanuel Kant folgen, ist nicht allein eine subjektive Kategorie entscheidend, sondern die Art und Weise der Sinnlichkeit oder Sinnhaftigkeit. Semiotische Theorien betonen dagegen, dass solche Bedeutungen nur innerhalb bestimmter Zeichensysteme verständlich sind.
Ästhetik ist keine geschlossene philosophische Disziplin, weil ihr Gegenstandsbereich unterschiedlich bestimmt wird. Bis zum 19. Jahrhundert galten vor allem drei Definitionen: Ästhetik als Theorie des Schönen, als Theorie der Kunst und als Theorie der sinnlichen Erkenntnis. Seit dem 19. Jahrhundert wurden diese Bestimmungen teilweise als unzureichend kritisiert, weil sie nicht alle ästhetischen Bereiche erfassen oder über die Ästhetik hinausreichen. Zur Begriffsbestimmung dienen Begriffsanalysen, lexikalische oder stipulative Definitionen, Explikationen und eigene Intuitionen. Im Alltag bedeutet „ästhetisch“ häufig schön, geschmackvoll oder ansprechend; ein Mensch mit besonderem Interesse an solchen Dingen wird als Ästhet oder Feingeist bezeichnet.
Von Baumgarten zur empirischen Ästhetik
Alexander Gottlieb Baumgarten begründete mit seinen Meditationes von 1735 die Ästhetik in Deutschland als eigenständige philosophische Disziplin. In der Aesthetica von 1750/58 definierte er sie als „die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“ (§ 1) und als „ältere Schwester“ der Logik (§ 13). Er unterschied die methodisch entwickelte Ästhetik von der „natürlichen Ästhetik“, in der sich die unteren Erkenntnisvermögen ohne methodische Ausbildung durch Übung entwickeln. Dazu zählte er sensus (Gefühl und Empfindung), imaginatio (Einbildung und Vorstellung), facultas fingendi (Vermögen zu dichten) und memoria (Gedächtnis).
Nach Baumgarten soll Ästhetik den Wissenschaften geeignetes Anschauungsmaterial liefern, wissenschaftliche Erkenntnisse für alle verständlich machen, Erkenntnis über das deutlich Erkennbare hinaus erweitern, Grundlagen für geistige Tätigkeiten und die freien Künste schaffen und im täglichen Leben Vorteile im Umgang mit anderen ermöglichen. Die traditionelle Ästhetik nahm universelle und zeitlose Kriterien für die Bewertung von Kunstwerken an. Die metaphysische Ästhetik des deutschen Idealismus, besonders mit Romantik und Genie-Begriff, wurde später als „verordnete Ästhetik“ kritisiert. Daraus entwickelten sich unter anderem die psychologische Ästhetik und Konrad Fiedlers Kunstwissenschaft.
Gustav Theodor Fechner unterschied im 19. Jahrhundert zwischen einer „Ästhetik von oben“ und einer „Ästhetik von unten“. Die Ästhetik von oben betrachtete Schönheit vor allem im Zusammenhang mit Kunst. Die Ästhetik von unten wollte Schönheitserleben als alltägliches psychologisches Phänomen empirisch untersuchen, auch bei Landschaften, Gebrauchsgegenständen oder wissenschaftlichen Theorien. In den 1870er-Jahren begründete Fechner eine experimentelle Herangehensweise an Fragen der Schönheit und gilt als Wegbereiter der experimentellen Ästhetik. Neuere Ansätze versuchen, beide Richtungen zu verbinden.
Außereuropäische Traditionen
Die Forschung zu außereuropäischen Entwicklungen ist bisher vergleichsweise wenig umfangreich, weil sie sich lange stark auf Europa konzentrierte. Mario Perniola ordnete internationale ästhetische Reflexionen in vier Felder: Leben, Form, Wissen und Handlung. Seine Untersuchung behandelt außerdem ästhetisches Denken in Japan, China, Indien, im Islam, in Brasilien, Südkorea und Südostasien.
In China sind Hinweise auf ästhetische Erziehung seit Konfuzius (551–478 v. Chr.) bekannt. Konfuzius betonte besonders Musik und Dichtkunst, weil sie die menschliche Natur erweitern und Riten und Etikette unterstützen sollten. Mozi widersprach und hielt Musik und Kunst für aufwendig und vor allem für privilegierte Klassen nützlich. In Lüshi chunqiu wurde der gesellschaftlich positive Einfluss der Musik systematisch begründet; Harmonie und Frieden galten als Maßstäbe.
Chinesische Ästhetik beschäftigte sich früh mit Zielen der Kunst, Malerei, Dichtung, Kalligraphie, Gartenkunst und Theater. Wang Chong (1. Jahrhundert) erklärte mit dem Grundelement qi die materielle Welt und auch die Vorstellungen von Schönem und Hässlichem. Cao Pi bezog neben dem Inhalt die Form ein. Xie He (479–502) formulierte sechs Prinzipien der Malerei: Ausdruck des Wesens der Lebenserscheinungen, die Kunst des Pinsels, passende Farbverwendung, Komposition, Übereinstimmung der Form mit den realen Dingen und Nachahmung der besten Beispiele der Vergangenheit. Su Shi (1036–1101) betonte Inspiration und Talent. Sikong Tus 24 Gedichte bildeten einen Standard der Dichtungskritik; in der modernen Forschung ist jedoch umstritten, ob er der tatsächliche Autor war.
Kunqu entwickelte sich seit der Ming-Dynastie zu einer bedeutenden Bühnenkunstform. Ji Cheng verfasste das erste Werk über chinesische Gartenkunst. Landschaftsmalerei und Gartengestaltung standen in China eng miteinander in Verbindung und beeinflussten auch Architektur, Dichtung, Dramatik, Kalligraphie und Bildhauerei. Wang Guowei entwickelte im 20. Jahrhundert eine Theorie der drei Ebenen der Gedankenwelt und verband chinesische Poesiekritik mit westlichen Einflüssen. Chen Yinke betonte die gegenseitige Bestätigung von Gedichten und Geschichte, während Qian Zhongshu eine Gleichsetzung von Literatur und Geschichtswissenschaft kritisierte. Shen Congwen untersuchte erstmals Kleidung als Gegenstand ästhetischer Forschung. Moderne Künstler wie Gu Wenda und Xu Bing beschäftigten sich mit Kunst und Sprache.
Der zentrale Begriff der klassischen indischen Ästhetik ist Rasa. Gemeint ist ein nicht in Worte zu fassender Zustand von Freude und Erfüllung beim Erleben eines gelungenen Kunstwerks. Die früheste bekannte ästhetische Schrift stammt etwa aus dem 1. Jahrhundert und enthält vor allem Regeln für die Schauspielerausbildung. Spätere Schriften behandelten Baukunst, Tempel, Skulpturen, poetischen Stil und den verborgenen Gehalt der Kunst. Abhinavagupta verband ästhetische Wahrnehmung mit der Erfassung der Realität. Die Musiktheorie Gandharva-Veda enthält viele Grundlagen der klassischen indischen Musik.
Antike, Mittelalter und Renaissance
In Griechenland entwickelte sich Ästhetik im Zusammenhang mit Kunst, Mythologie, Mathematik und Naturwissenschaften. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. lag ihre Blütezeit, zunächst besonders in Kolonistenstädten Kleinasiens, Siziliens und Italiens, später in Athen. Homer sprach von Schönheit und Harmonie, ohne sie theoretisch zu bestimmen; Hesiod verband das Maß mit bäuerlicher Arbeit. Heraklit erklärte das Schöne aus materiellen Eigenschaften und Einklang aus Entgegengesetztem. Demokrit sah es in sinnlicher Ordnung, Symmetrie und Harmonie; die Pythagoreer betonten Zahlen und Proportionen.
Für Sokrates fielen schön und gut zusammen. Platon verstand Schönheit als übersinnliche Idee und bewertete Kunst als Nachahmung eines bloßen Abbilds der Ideen kritisch. Aristoteles entwickelte die griechische Ästhetik weiter. Künstlerische Nachbildung richtet sich bei ihm nicht auf das einzelne auffällige Objekt, sondern auf dessen Wesen, Gesetz und natürliche Tendenz. Kunst darf den Gegenstand gemäß seinem Charakter idealisieren. Schönheit beruht außerdem auf Proportion, Ordnung und Bestimmtheit. Kunst kann Gefühle anregen und durch Katharsis reinigen; Mimesis ist eine nachahmende Darstellung des handelnden Menschen und zeigt, wie etwas sein könnte, nicht nur, wie es tatsächlich ist.
In der Spätantike prägte der Neuplatonismus Plotins Ästhetik. Aus dem Geistig-Göttlichen entsteht stufenweise die materielle Welt, die als zunehmend unvollkommen gilt. Die Seele soll sich durch Erkenntnis und Tugend von der bloßen Sinnlichkeit lösen. Kunst besitzt bei Plotin dennoch einen höheren Stellenwert, weil sie durch die Idee Schönheit in der Materie hervorbringen kann. Römische Denker fassten antike Vorstellungen zusammen und untersuchten das Verhältnis von Natur und Kunst, unter anderem in Architektur, Städtebau und Dichtung.
Die mittelalterliche Ästhetik ordnete Malerei, Bildhauerei und Handwerke den artes mechanicae zu. Kunst galt als Fertigkeit, Materie zu bearbeiten und einen Zweck zu erfüllen. Dieser Zweck bestand häufig darin, eine absolute Wirklichkeit bildlich oder metaphorisch darzustellen und starke Gefühle auszulösen. Die christliche Ästhetik verstand sichtbare Dinge als unähnlich ähnliche Abbilder göttlicher Wahrheiten. Schönheit galt als objektive Eigenschaft des Seins, wurde mit Wahrheit und Gutem verbunden und als Vollkommenheit aufgefasst. Kunst sollte zur übersinnlichen Wahrheit führen, die Weltordnung erklären und als Erinnerung an vergangene Ereignisse dienen. Besonders wichtig war die Lichtmetaphysik: Materielles Licht, Gold, Farben, Edelsteine und farbige Kirchenfenster galten als Abbilder geistigen Lichts. Thomas von Aquin bestimmte das Schöne durch claritas, perfectio und proportio; Schönheit beruht auf Klarheit, Vollkommenheit und Ordnung.
Die Renaissance stellte Realität, Natur und das praktisch tätige Individuum in den Mittelpunkt. Künstler und Theoretiker wie Leon Battista Alberti, Leonardo da Vinci, Dürer und Michelangelo verbanden Kunst mit Technik, Wissenschaft und gesellschaftlicher Vervollkommnung. Leonardo sah die Malerei auf Farbe, Gestalt, Licht und Form der sichtbaren Welt gerichtet. Nachahmung sollte Ähnlichkeit erreichen, aber durch Imagination und invenzione die Natur auch vervollkommnen. Traktate über Perspektive, Proportion und Anatomie stärkten die lehrbaren Seiten der Kunst und begründeten die Hierarchie der Gattungen sowie den Rangstreit der Künste. Zugleich war die Renaissance von humanistischen, esoterischen und elitären Widersprüchen geprägt.
Von Manierismus bis Romantik
Nach der Renaissance wurde Ästhetik durch Absolutismus, höfische Gesellschaft, Reformation und Gegenreformation, Frühkapitalismus, Revolutionen, Wissenschaft und Rationalismus geprägt. Der Manierismus stellte Vorstellungskraft, Invention, Gelehrsamkeit und das innere Bild des Künstlers über die Naturnachahmung. Dadurch wurden Subjektivismus, Form- und Farbphantasie sowie gesteigerter Ausdruck gefördert.
Die Reformation setzte zunächst stärker auf Wort und Schrift als auf Bilder. Gleichzeitig wuchs die Aufmerksamkeit für Sinne, Erfahrung und Affekte. Die Gegenreformation nutzte die bildliche Didaktik und die sinnliche Wirkung von Kunst. Theoretiker untersuchten Schein und Sein, Wahrheit und Wahrscheinlichkeit sowie rhetorische Mittel der Persuasione, also der Überredung. In der klassizistischen Kunsttheorie Italiens und Frankreichs wurden Regeln, antike Vorbilder und mathematisch geordnete Formen betont. Die französischen Debatten über das Verhältnis von Alten und Modernen sowie über Zeichnung und Farbe stellten die Gültigkeit ästhetischer Normen infrage. Die Rubenisten setzten sich schließlich gegenüber den Poussinisten durch; Roger de Piles und Abbé Du Bos stärkten Sensualismus, individuellen Geschmack und die rührende Funktion der Kunst. In England erklärte Francis Bacon Schönheit als objektive Eigenschaft der Natur und betonte die „Ungewöhnlichkeit der Proportionen“.
In der Aufklärung verband Shaftesbury Schönes, Gutes, Wahres, Ordnung und Proportionalität. Montesquieu definierte Geschmack als Fähigkeit, Art und Ausmaß des Genusses eines Gegenstands rasch und genau zu bestimmen; er verband psychologische Beobachtungen mit gesellschaftlichen Bedingungen. Diderot erklärte die Wahrnehmung von Verhältnissen zur Grundlage des Schönen und die alltägliche Natur zum ersten Modell der Kunst. Rousseau kritisierte die Abhängigkeit der Kunst von Hof, Kirche und Mäzenen und forderte eine natürliche, einfache und volksnahe Kunst. Kant verstand in der Kritik der reinen Vernunft von 1787 die transzendentale Ästhetik als Lehre der a priori gegebenen Prinzipien der Wahrnehmung: Raum und Zeit sind notwendige Voraussetzungen der Erfahrung. Die Theorie des Schönen und Erhabenen behandelte er in der Kritik der Urteilskraft. Edmund Burke führte 1757 das Erhabene als ästhetische Kategorie neben dem Schönen ein.
Die deutsche Aufklärung betonte teilweise die sittliche Wirkung von Kunst. Winckelmann verband die Größe der griechischen Kunst mit Freiheit. Herder verstand Kunst als Bild des Lebens und schöne Form als wesenhafte Form der Sache. Goethe nannte Kunst ein „Bild des Lebens“ und eine geistig-sinnliche Aneignung der Wirklichkeit; ein Kunstwerk soll für Sinne und Geist fasslich, bildend und erhebend sein. Hegel sah Kunst als Wissen in sinnlicher und objektiver Form, unterhalb von Religion und Philosophie. Schiller unterschied Realschönheit und Idealschönheit. Die schmelzende Schönheit soll Sinnlichkeit und Vernunft verbinden, die energische Schönheit, das Erhabene, beide stabilisieren. Im ästhetischen Spiel kann der Mensch einen Zustand größerer Freiheit erreichen.
Die Romantik erhob Einbildungskraft, Phantasie, Gefühl und Ahnung zu wichtigen Erkenntnisorganen. Gegen die Rationalität des Alltags setzte sie das Poetische. Kunst erschien als Refugium menschlicher Identität und als Möglichkeit, den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis zu überwinden. Seit etwa 1830 wurden zentrale moderne Streitfragen sichtbar: Kunstautonomie oder soziale Verpflichtung, Sensualismus oder Askese, Modernität, individuelle Selbstverwirklichung, soziale Emanzipation und Realismus.
Realismus, 19. bis 21. Jahrhundert
Im Realismus wurde der Wirklichkeitsbezug der Dichtung mit dem Begriff der Mimesis diskutiert. Platon hielt Dichtung für eine Nachahmung zweiter Ordnung und damit für weit von wahrer Erkenntnis entfernt. Aristoteles sah dagegen in der Dichtung ein Medium, das ideale, aber in der Wirklichkeit nicht immer verwirklichte Bildungsprinzipien erfassen kann. Die Programmatik des Realismus schloss sich laut Artikel jedoch eher an Platons Kritik der Nachahmung an: Literatur soll keine vorgegebene Wirklichkeit kopieren, sondern eine neue Wirklichkeit schaffen. Das Reale wird „ästhetisch umcodiert“ und in ein eigenständiges, von der Wirklichkeit unabhängiges ästhetisches Konstrukt verwandelt.
Im 19. Jahrhundert zerfielen die klassischen ästhetischen Systeme. Schopenhauers pessimistische Lehre von der Welt als Wille und Vorstellung wurde populär; Kierkegaard stellte den Einzelnen über die Allgemeinheit. Nietzsche setzte gegen Schopenhauers Pessimismus einen dionysischen Aktivismus und forderte den großen Stil, in dem „das Schöne den Sieg über das Ungeheure“ davonträgt. Der Neukantianismus beeinflusste ästhetische Werttheorien, Formalismus und Symboltheorien. Ernst Cassirer wirkte mit seiner Auffassung des Menschen als Produzent von Zeichen und Symbolen auf die Ikonologie ein.
Im 20. Jahrhundert verlagerte sich das Interesse von der ursprünglichen Frage nach Schönheit stärker auf die gesellschaftliche Funktion von Kunst, Stil und Ästhetik. Die Kritische Theorie untersuchte das revolutionäre Potential der Kunst; Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno widmeten dem Thema zentrale Werke. Behandelt wurden außerdem technische Reproduzierbarkeit, die Auflösung traditioneller Stilgrenzen, das Verhältnis von Populär- und Hochkultur, Medienspezifik und gesellschaftliche Produktionsbedingungen. Sozialwissenschaftliche Ansätze untersuchen die Ästhetisierung des Alltags in Design, Architektur, politischer Kultur und Wissenschaft.
Empirische und naturwissenschaftliche Ansätze knüpften an Fechner an. Die Informationsästhetik verband ästhetische Urteile mit Informationsverarbeitung im Gehirn. Daniel Berlyne zufolge gefallen Objekte mit einer gewissen, aber nicht zu großen Komplexität, weil sie stimulieren und Musterbildung anregen, ohne zu überfordern. Semiotische Ansätze untersuchen ästhetische Prozesse als Zeichenprozesse und fragen nach den Beziehungen zwischen Zeichen und Bezeichnetem sowie nach dem Paradox der Hässlichkeit. Die evolutionäre Ästhetik erklärt Vorlieben für Farben, Formen, Landschaften oder Gesichter mit evolutionspsychologischen Anpassungen. Neurowissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass es kein isoliertes „Schönheitszentrum“ gibt; beteiligt sind mehrere Hirnareale, darunter der Nucleus accumbens und der orbitofrontale Cortex.
Im 21. Jahrhundert wird Ästhetik auf Konsumkultur, Design, Architektur, Lebensstil und die Inszenierung von Identität bezogen. Der vorgeschlagene Begriff „Ästhethik“ verbindet ästhetische mit ethischen und ökologischen Wertvorstellungen. Film, Fernsehen, Serien und digitale Spiele gelten als zentrale Orte ästhetischer Erfahrung. Digitalisierung, soziale Netzwerke, algorithmische Kuratierung und die massenhafte Verbreitung digitaler Bilder verändern die Bedingungen ästhetischer Wahrnehmung und schaffen neue visuelle und audiovisuelle Gestaltungsformen.