Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Spiritual Care

Spiritual Care ist die gemeinsame Sorge von Medizin, Pflege, Psychotherapie, Seelsorge und anderen Gesundheitsberufen für die Spiritualität kranker Menschen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Begleitung Schwerkranker und Sterbender
  3. 3. Wissenschaftliche Einordnung
  4. 4. Forschung und Lehre
  5. 5. Internationale Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität

Grundidee und Bedeutung

Spiritual Care bezeichnet die gemeinsame Sorge von Medizin, Pflege, Psychotherapie, Seelsorge und anderen Gesundheitsberufen für die Spiritualität kranker Menschen. Dazu gehört auch die Aufmerksamkeit für die eigene Spiritualität der Fachkräfte. Mit Spiritualität sind im Artikel nicht nur Glaube, Religion, Konfession und Rituale gemeint, sondern auch Fragen nach Schicksal, Heimat, Identität und Selbstwertgefühl.

Spiritual Care ist wichtig, weil Krankheit, Krisen und besonders das Lebensende Menschen nicht nur körperlich belasten. Beschwerden können auch durch soziale, psychische und spirituelle Belastungen beeinflusst werden. Deshalb wird Spiritual Care als Teil einer ganzheitlichen Versorgung verstanden, die den Menschen nicht nur als Körper, sondern in mehreren Dimensionen wahrnimmt.

Begleitung Schwerkranker und Sterbender

In der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen steht Spiritual Care in engem Zusammenhang mit Palliative Care. Palliative Care ist die multiprofessionelle Umsorgung von Schwerkranken und Sterbenden. Sie wird von verschiedenen Berufsgruppen gemeinsam getragen.

Ein wichtiger Bezugspunkt ist das Total Pain-Konzept von Cicely Saunders, der Schmerztherapeutin und Begründerin der Hospizbewegung. Danach wird Schmerz von mehreren Ebenen beeinflusst: der physischen, sozialen, psychischen und spirituellen Ebene. Unerfüllte Spiritualität kann in diesem Verständnis eine Ursache oder ein Verstärker von Schmerzen und Beschwerden sein.

In der Praxis bedeutet das: Das Team tauscht sich über solche Fragen aus, zum Beispiel im gemeinsamen Gespräch oder in Supervision. Gleichzeitig wird besonders auf die Patientinnen und Patienten geachtet. Seelsorgerinnen und Seelsorger können zur Begleitung hinzugezogen werden. Spiritual Care bleibt aber nicht nur ihre Aufgabe, sondern gehört ebenso zu den Aufgaben aller Gesundheitsberufe, die schwerkranke und sterbende Menschen begleiten.

Wissenschaftliche Einordnung

Spiritual Care wird auch als wissenschaftliche Disziplin beschrieben. Sie liegt an der Grenze zwischen Medizin, Theologie und Krankenhausseelsorge. Als Hintergrundtheorie wird die Philosophische Anthropologie genannt, also eine Richtung des Denkens, die danach fragt, was den Menschen grundsätzlich ausmacht.

Die Disziplin geht über den traditionell christlichen Kontext der Krankenhausseelsorge hinaus. Sie will Spiritualität und Religiosität auch als Bedürfnis von Patientinnen und Patienten wahrnehmen und erforschen, die kirchenfern oder nichtchristlich sind.

Die WHO-Definition von Palliative Care nennt als Teil einer ganzheitlichen Betreuung schwerstkranker Patientinnen und Patienten die „Vorbeugung und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“. Daher gehören Forschung und theoretische Reflexion über Spiritualität in den medizinischen Kontext. Seit einigen Jahren ist Spiritual Care auch Inhalt der medizinischen Ausbildung. Zugleich beschränkt sich Spiritual Care nicht ausschließlich auf das Lebensende.

Forschung und Lehre

In Deutschland wurde 2010 mit finanzieller Unterstützung durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die erste Professur für Spiritual Care an der Ludwig-Maximilians-Universität München eingerichtet. Sie war in der Klinik für Palliativmedizin am Klinikum Großhadern angesiedelt und widmete sich der spirituellen Komponente von Palliative Care. Im Mittelpunkt standen existenzielle und spirituelle Fragen in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Patientinnen und Patienten, ihrer Familien sowie des medizinischen und pflegerischen Personals.

Die Professur war an der Medizinischen Fakultät in Kooperation mit der Evangelisch-Theologischen und der Katholisch-Theologischen Fakultät eingerichtet. Sie wurde ökumenisch besetzt mit Eckhard Frick, katholisch, und Traugott Roser, evangelisch. Nach Rosers Wechsel an die Universität Münster wurde dessen halbe Stelle im März 2013 mit Niels Christian Hvidt besetzt. Die auf fünf Jahre befristete Stiftungsprofessur lief am 31. Mai 2015 zunächst ersatzlos aus, wurde aber 2017 mit dem Religionspsychologen Constantin Klein wiederbesetzt. Eckhard Frick leitete zunächst die Forschungsstelle Spiritual Care an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Seit 2022 ist diese Forschungsstelle erneut eine Stiftungsprofessur.

International gibt es besonders im jüdischen Kontext zahlreiche Forschungsprojekte und Ausbildungsverbände, etwa Kashrout in Israel und die National Association of Jewish Chaplains in den USA, die auch die Zeitschrift Jewish Spiritual Care publiziert. Seit 1993 bieten buddhistische Rigpa-Zentren weltweit Studien- und Trainingsprogramme zur Spiritual Care an. In Irland wird Spiritual Care für Menschen in Krisen sowie für kranke und sterbende Menschen angeboten. Das erste buddhistische Zentrum für Spiritual Care in Deutschland wurde 2016 in Bad Saarow am Scharmützelsee eröffnet und trägt den Namen Sukhavati.

An der Universität Zürich wurde im Herbst 2015 an der Theologischen Fakultät eine Professur ad personam für Spiritual Care eingerichtet und mit Simon Peng-Keller besetzt. Dort bestehen in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät ein interdisziplinäres Lehrangebot und ein Forschungsauftrag. Die Medizinische Fakultät der Universität Basel bietet außerdem einen berufsbegleitenden interdisziplinären Weiterbildungsstudiengang „Master of Advanced Studies (MAS) in Spiritual Care“ an.

Internationale Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität

Die Internationale Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität, abgekürzt IGGS, wurde 2011 von Eckhard Frick und anderen gegründet. Sie ist ein gemeinnütziger, international tätiger Verein. Ihr Ziel ist die Förderung von Forschung, Lehre und Implementierung von Spiritual Care in allen Bereichen des Gesundheitswesens. Dazu zählen Medizin, Pflege und sonstige Gesundheitsberufe, soziale Arbeit, Krankenhausseelsorge, Kunst- und Musiktherapie sowie Psychotherapie.

Der Verein fördert die wissenschaftliche Erforschung von Spiritualität im Gesundheitswesen, die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Zeitschrift Spiritual Care im Verlag Walter de Gruyter. Editor-in-Chief sind Eckhard Frick und Simon Peng-Keller; zu den Herausgebern gehören unter anderem Arndt Büssing, Traugott Roser und Michael Utsch.

Die IGGS arbeitet wissenschaftlich und fachlich mit Leistungserbringern und Institutionen im Gesundheitswesen zusammen. Sie will europäische und deutschsprachige Besonderheiten von Spiritualität erforschen und Spiritualität, ausdrücklich nicht Esoterik, im Gesundheitswesen verankern. Außerdem soll das Thema interdisziplinär über Palliative Care hinaus verbreitet werden, also auch für kritische Lebenssituationen wie Chronifizierung, schwere Erkrankung, Behinderung und Akutereignisse, die den Lebensentwurf in Frage stellen.

Zum Vereinszweck gehören auch ethische Fragen in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die Vernetzung bestehender Einrichtungen und Initiativen sowie der Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerks zum Austausch von Informationen und Kenntnissen. Genannt werden außerdem wissenschaftliche Untersuchungen zu Spiritual Care, Beratung und Unterstützung von Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und weiteren Berufsgruppen sowie Völkerverständigung, interreligiöser und interkultureller Dialog.

Weiterlesen

Spiritualität „Plastikwörter“ seien, so Poensgen, dadurch gekennzeichnet, dass „sich die Konnotationen bei weitem gegenüber der Denotation durchsetzen“. Identität Männlichkeit und nationale Identität erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist oftmals auch das Ergebnis von Erziehung und äußeren Zwängen; der Ausbruch aus der bisherigen Identität kann ein Akt der Emanzipation sein. Glaube (Religion) Grundlage des Glaubens ist die Heilige Schrift der Bibel, die als von Gott inspiriert angesehen wird. Biblische Texte sind interpretationsbedürftig. Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Konfession Als Konfession (lateinisch confessio ‚Geständnis', ‚Bekenntnis', ‚Beichte') wird im heutigen Sprachgebrauch eine Untergruppe innerhalb einer Religion … Theologie Theologie in anderen Religionen · Judentum · Islam · Hinduismus · Wicca und Neopaganismus. Ökumenische Bewegung Die ökumenische Bewegung (von Ökumene, griechisch oikoumene, „Erdkreis, die ganze bewohnte Erde“) ist eine Bewegung innerhalb des Christentums, die eine … Traugott Roser August 1964 in Pappenheim) ist ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Hochschullehrer. Er war Seelsorger in der Palliativmedizin am LMU Klinikum in … Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Musiktherapie Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung psychischer und körperlicher Gesundheit. Interreligiöser Dialog Der interreligiöse Dialog kann mehrere Religionen gleichzeitig einbeziehen, häufiger sind jedoch Begegnungen zwischen zwei Religionen. Die Religionstheologie …