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Traugott Roser
August 1964 in Pappenheim) ist ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Hochschullehrer. Er war Seelsorger in der Palliativmedizin am LMU Klinikum in …
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Person und Bedeutung
Traugott Roser, geboren am 21. August 1964 in Pappenheim, ist ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Hochschullehrer. Er ist besonders wichtig für die Verbindung von Praktischer Theologie, Seelsorge, Palliativmedizin und Spiritual Care. Spiritual Care bedeutet hier die Sorge um spirituelle Fragen und Bedürfnisse kranker Menschen, besonders im Krankenhaus und am Lebensende.
Roser war Seelsorger in der Palliativmedizin am LMU Klinikum in München. Gemeinsam mit Eckhard Frick hatte er dort die erste Professur für Spiritual Care in Deutschland inne. Seit 2013 ist er Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster. Praktische Theologie beschäftigt sich mit religiöser Praxis, zum Beispiel Seelsorge, Predigt, kirchlichem Handeln und Lebensdeutung.
Ausbildung und beruflicher Weg
Roser ist der Sohn des evangelischen Pfarrers und CSU-Politikers Hans Roser. Er studierte evangelische Theologie an den Universitäten Erlangen und München sowie am Lutheran Theological Seminary at Gettysburg in Pennsylvania. Dort erwarb er den Abschluss Master of Arts in Religion (M.A.R.). Danach war er Vikar in Dorfen in Oberbayern.
1996 promovierte Roser bei Trutz Rendtorff in München und arbeitete auch als dessen Assistent. Anschließend war er drei Jahre Gemeindepfarrer in München, Wissenschaftlicher Assistent bei Michael Schibilsky und bis 2004 teilzeitlich Leiter der Koordinationsstelle Medizinethik der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Medizinethik befasst sich mit moralischen Fragen in Medizin und Gesundheitswesen.
Danach übernahm er gemeinsam mit Thomas Hagen das Projekt „Seelsorge in der Palliativmedizin“ am Universitätsklinikum der LMU München. Palliativmedizin ist medizinische Versorgung für schwerkranke und sterbende Menschen, bei der Linderung von Beschwerden und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen. Forschungs- und Auslandsaufenthalte führten Roser an das Center for Clinical Bioethics der Georgetown University in den USA und an die McGill University in Montreal.
2010 wurde Roser gemeinsam mit Eckhard Frick auf die Stiftungsprofessur für Spiritual Care an die Medizinische Fakultät der LMU München berufen. Die Professur wurde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft bewilligt und war die erste Professur dieser Art im deutschen Sprachraum. Sie entstand in Kooperation mit der Evangelisch-Theologischen und der Katholisch-Theologischen Fakultät. Nach Rosers Wechsel 2013 an die Universität Münster wurde seine halbe Stelle mit Niels Christian Hvidt besetzt.
Tätigkeit in Münster und persönliche Bezüge
Von 2010 bis 2013 arbeitete Roser außerdem im Augustinum München-Neufriedenheim als Seelsorger und als Beauftragter für die Implementierung von Palliativversorgung an den Wohnstiften der Augustinum-Gruppe. Seit dem 1. März 2013 ist er W3-Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster. Seit dem 3. Juli 2013 ist er dort auch Universitätsprediger.
Als Studiengangsverantwortlicher initiierte Roser den deutschlandweit ersten Masterstudiengang Spiritual Care M.A., der im Wintersemester 2024/25 startete. Damit wurde Spiritual Care auch als eigener akademischer Studiengang sichtbar.
Der Artikel nennt auch persönliche Erfahrungen, die mit seinen Themen Trauer, Krankheit und Partnerschaft verbunden sind. Rosers erster Lebenspartner starb 1993 an AIDS. Von 2002 bis 2006 lebte er bis zum Tod seines damaligen Partners in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. 2009 ging er erneut eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. 2019 unternahm er während eines Forschungsfreisemesters eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und verfasste dazu einen Pilgerbericht.
Forschung und Ämter
Rosers Forschungsschwerpunkte liegen vor allem bei Spiritual Care und Seelsorge; seine Habilitation von 2006 behandelte Spiritual Care. Weitere Schwerpunkte sind Palliative Care und Hospizbewegung, Trauer, Sexualität und Trauer, Gender und Trauer, Praktische Theologie als Deutekunst, Queere Praktische Theologie, Pilgern als spirituelle Praxis, Religion und Film sowie Lebenskunst. Das DFG-Projekt „Queer im Pfarrhaus“ lief von 2021 bis 2024. Außerdem arbeitet er im Leitungskreis des DFG-Netzwerks Theologische Lebenskunst mit und ist an dem Projekt der Deutschen Bibelgesellschaft „Exegese für die Predigt“ beteiligt, das von Eve-Marie Becker geleitet wird.
Roser ist oder war in verschiedenen Fachgremien und kirchlichen Funktionen tätig. Dazu gehören unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, die Internationale Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität (IGGS), deren Gründungsmitglied er ist, die Ständige Kommission für Seelsorge beim Rat der EKD seit 2010, die Liturgische Konferenz der EKD, der Theologische Ausschuss der Union Evangelischer Kirchen seit 2017, das Forschungsnetzwerk European Research Institute for Chaplaincy in Healthcare und die Ethikkommission der Landesärztekammer Westfalen-Lippe.
Von 2020 bis 2023 war Roser Mitglied des Bayerischen Ethikrats. Von 2009 bis 2014 war er stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Bayerischen Stiftung Hospiz. 2015 vertrat er den Lutherischen Weltbund bei einer Konferenz in Rom anlässlich der Charta der Weltreligionen für das Recht von Kindern auf Palliativversorgung. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Sonderpreis des Wichernpreises 2021 und der Anerkennungs- und Förderpreis für Ambulante Palliativversorgung 2014.
Publikationen und Medienarbeit
Roser veröffentlichte Bücher, Aufsätze, Beiträge in Sammelwerken, Lexikonartikel, Predigten und Medienbeiträge. Seine Dissertation erschien unter dem Titel „Protestantismus und soziale Marktwirtschaft. Eine Studie am Beispiel Franz Böhms“ 1998. Seine Habilitationsschrift erschien als „Spiritual care. Ethische, organisationale und spirituelle Aspekte der Krankenhausseelsorge. Ein praktisch-theologischer Zugang“; die zweite, erweiterte und aktualisierte Auflage stammt von 2017.
Zu seinen weiteren Buchpublikationen gehören gemeinsam mit Eckhard Frick der Sammelband „Spiritualität und Medizin. Gemeinsame Sorge um den kranken Menschen“, außerdem „Sexualität in Zeiten der Trauer. Wenn die Sehnsucht bleibt“ von 2014, gemeinsam mit Margit Gratz „Spiritual Care in Qualifizierungskursen für nicht-seelsorgliche Berufe“ von 2019, der Pilgerbericht „¡Hola! bei Kilometer 410. Mit allen Sinnen auf dem Jakobsweg“ von 2021 und gemeinsam mit Norbert Mucksch „Männer trauern als Männer. Praxisbuch für eine genderbewusste Trauerbegleitung“ von 2023.
Roser war an Fachzeitschriften wie „Zeitschrift für Palliativmedizin“, „Spiritual Care“ und „Zeitschrift für Pastoraltheologie“ beteiligt. Seine Beiträge behandeln Themen wie Krankenhausseelsorge, Transplantationsmedizin, Patientenverfügung, Gentechnik aus theologischer Sicht, Seelsorge an Lebensgrenzen, assistierten Suizid, Trost, Berufsidentität im Pfarramt und gleichgeschlechtliche Partnerschaft. In Rundfunk, Fernsehen und Zeitschriften äußerte er sich ebenfalls häufig zu medizinethischen und palliativmedizinischen Themen, unter anderem im Kirchenfunk des Bayerischen Rundfunks und in einer ZDF-Dokumentation zur Ausstellung „Körperwelten“.