Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte Spartas

Die Geschichte Spartas beginnt mit der Entstehung der Siedlung zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Sie umfasst die Expansion des griechischen Staates der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Sparta im Überblick und Quellenlage
  2. 2. Mythische Ursprünge und frühe Siedlung
  3. 3. Aufstieg zur peloponnesischen Macht
  4. 4. Perserkriege, Rivalität mit Athen und Peloponnesischer Krieg
  5. 5. Verlust der Vormacht und gesellschaftliche Krise
  6. 6. Hellenistische, römische und spätere Zeit

Sparta im Überblick und Quellenlage

Sparta war der griechische Staat der Lakedaimonier im Süden der Peloponnes. Seine Geschichte beginnt mit der Entstehung einer Siedlung zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr., umfasst die Ausdehnung über Lakonien und zeitweise Messenien sowie die Rolle als führende Militärmacht in archaischer und klassischer Zeit. Nach 371 v. Chr. wurde seine Herrschaft über Lakonien zunehmend eingeschränkt. Besonders prägend war in der klassischen Zeit der Gegensatz zu Athen.

Das verbreitete Bild Spartas beruht überwiegend auf nicht-spartanischen Quellen. Es betont Militär, die Unterdrückung der Heloten durch die Elite der Spartiaten und die Agoge, das spartanische Erziehungssystem. Die moderne Forschung hinterfragt diese Einseitigkeit zunehmend, auch die Vorstellung eines eindeutigen Niedergangs direkt nach der Schlacht bei Leuktra 371 v. Chr. Für die Vor- und Frühgeschichte sind vor allem archäologische Funde wichtig; spätere Texte können Vorstellungen ihrer eigenen Zeit in die Frühzeit zurückprojizieren. Direkt aus Sparta stammen unter anderem Gedichte von Tyrtaios und Alkman aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr., deren historischer Aussagewert begrenzt ist. Wichtige auswärtige Autoren sind Herodot, Thukydides, Xenophon, Polybios und Pausanias. Viele spätere Angaben, etwa bei Strabon und Plutarch, beruhen auf verlorenen hellenistischen Werken und können anachronistisch sein, also Elemente in eine falsche Zeit übertragen.

Mythische Ursprünge und frühe Siedlung

Der Mythos nennt Lelex als ersten König der Region und eponymen Heros, also als Namensgeber, der angeblichen Landschaft Lelegia. Auf seinen Nachfahren Eurotas folgte Lakedaimon, Sohn des Zeus und der Taygete sowie Gatte der Sparte. Lakedaimon gilt als mythischer Gründer Spartas; von ihm leitet sich auch der Name Lakedaimon für Lakonien ab. Die Überlieferung verbindet anschließend die Tyndariden, Menelaos und die Atriden mit dem lakonischen Thron.

Nach dem Herakleiden-Mythos fiel Lakonien bei der Eroberung der Peloponnes an Aristodemos oder an dessen Söhne Eurysthenes und Prokles. Sie gelten als Gründer des spartanischen Staates und als Vorfahren der beiden Königshäuser: der Agiaden über Eurysthenes und der Eurypontiden über Prokles. Dieser Mythos wird als ätiologische Erzählung verstanden: Er sollte seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. den dorischen Anspruch auf Lakonien als Rückeroberung eines angeblich rechtmäßig heraklidischen Landes begründen.

Möglicherweise besiedelten Proto-Dorer das Gebiet des späteren Sparta bereits ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. Am mittleren Eurotas entstanden Kynosura, Mesoa, Limnai und Pitane; sie wurden zum Kern der Polis Sparta. Das Doppelkönigtum könnte mit dem politischen Zusammengehen dieser Siedlungen zusammenhängen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. nahmen dorische Zuwanderer vermutlich unter Teleklos Amyklai ein und gliederten es in ihren Staat ein. Amyklai war ein wichtiges vor-dorisches Zentrum; Funde aus dem Tholosgrab von Vaphio belegen seine Bedeutung in mykenischer Zeit. Die im Artikel genannte Theorie John Chadwicks, Dorer hätten bereits in der mykenischen Palastzeit in Südgriechenland gelebt, setzte sich in der Forschung nicht durch.

Aufstieg zur peloponnesischen Macht

Das politische System Spartas wurde in antiken Quellen dem mythischen Lykurg und den „Lykurgischen Reformen“ zugeschrieben. Die sogenannte Rhetra entstand nach der Darstellung jedoch nicht auf einmal, sondern schrittweise und sollte den inneren Frieden zwischen Gruppen der Spartiaten sichern.

Die Messenischen Kriege von 735–715 und 650–620 v. Chr. endeten mit der Unterwerfung Messeniens. Die dort verbliebene Bevölkerung wurde zu Heloten herabgedrückt: Sie galten als „öffentliche Sklaven“ oder als Bevölkerung zwischen Freiheit und Sklaverei. Die dauernde Beherrschung der Heloten und militärische Gefahren förderten die Militarisierung der Spartiaten. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Hoplitenordnung eingeführt. Hopliten waren schwer bewaffnete Fußsoldaten; nur wer als solcher dienen konnte, zählte als „Gleicher“ beziehungsweise Homoios und damit als spartanischer Vollbürger.

Nach langen Kriegen mit Arkadien setzte Sparta um 550 v. Chr. seine Hegemonie, also politische und militärische Vormacht, gegen Tegea durch. Sie erstreckte sich bereits über den größten Teil der Peloponnes. Argos blieb trotz seiner Niederlage gegen spartanische Hopliten 546 v. Chr. Rivale. Sparta gründete nur wenige Kolonien, darunter Taras, und konzentrierte sich auf den um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. gebildeten Peloponnesischen Bund. Es unterstützte vor allem Oligarchien, Herrschaften weniger Bürger, und trat gegen Tyrannenherrschaften auf.

Perserkriege, Rivalität mit Athen und Peloponnesischer Krieg

In den Perserkriegen rückte Sparta als Militärmacht hervor. Beim persischen Feldzug Dareios’ I. 490 v. Chr. kam ein spartanisches Hilfsheer wegen eines religiösen Festes erst nach der Schlacht bei Marathon an. 481 v. Chr. schlossen mehrere Poleis den Hellenenbund. Beim Einfall Xerxes’ I. verteidigte König Leonidas mit 300 Spartanern und 7000 Griechen die Thermopylen, unterlag aber nach sieben Tagen. Danach wurden die Perser bei Salamis zur See und 479 v. Chr. bei Plataiai zu Lande besiegt. Die Spartaner überließen die weitere Kriegführung den Athenern und festigten ihre Herrschaft auf der Peloponnes. Der 477 v. Chr. gegründete Delisch-Attische Seebund machte Athen zu einem gefährlichen Rivalen.

Die Pentekontaetie bezeichnet die fast fünfzig Jahre von 479 bis 431 v. Chr. Athen baute seine Seemacht und seinen Bund aus, schränkte die Autonomie von Mitgliedsstädten ein und schlug Revolten von Naxos und Thasos nieder. Athen brach 461 mit Sparta; ein fünfjähriger Waffenstillstand von 451 und der dreißigjährige Friedensvertrag von 446/445 verhinderten den Konflikt nur vorübergehend. Die Einmischung Athens in den Streit Korinths um Epidamnos führte schließlich zum Peloponnesischen Krieg.

Der Krieg dauerte 431–404 v. Chr. Im Archidamischen Krieg 431–421 verwüstete Sparta Attika, während Athen seine Flotte und die Stadtmauern nutzte. Eine schwere Seuche in Athen kostete viele Menschenleben, darunter 429 Perikles. Nach der Gefangennahme von 120 Spartiaten bei Sphakteria 425 blieb Athen dennoch kriegsbereit. Sparta gewann unter Brasidas in Thrakien Erfolge; nach der athenischen Niederlage bei Amphipolis 422 schlossen beide Seiten 421 den auf fünfzig Jahre angelegten Nikiasfrieden.

Dieser Frieden zerbrach. Die athenische Sizilische Expedition endete 413 mit der Niederlage bei Syrakus und Asinaros. Auf Alkibiades’ Rat besetzte Sparta 413 Dekeleia in Attika. Im Dekeleisch-Ionischen Krieg brachten Feldherr Lysander und persische Finanzhilfe Sparta den Sieg. 404 nahm Sparta Athen ein, verschonte die Stadt aber vor der von Theben und Korinth verlangten Zerstörung. Athen musste seine Mauern niederreißen, die Flotte bis auf zwölf Schiffe abgeben, Sparta Heeresfolge leisten und die Herrschaft der Dreißig akzeptieren.

Verlust der Vormacht und gesellschaftliche Krise

Nach 404 v. Chr. wurde Sparta durch Beute, Tribute und neue Einflüsse reich, zugleich aber von Korruption und inneren Konflikten geprägt. Lysander verkörperte eine stärker imperialistische Richtung; König Pausanias stand für eine konservative, verfassungstreue Gegenbewegung. Sparta konnte seine Zusagen von Freiheit, Autonomie und Sicherheit für die Griechenstädte nicht erfüllen. König Agesilaos II. führte 399–360 v. Chr. Unternehmungen gegen Elis und Persien. Im Korinthischen Krieg 395–386 gab es keinen eindeutigen Sieger; der persische Großkönig erzwang den Königsfrieden, der Sparta nochmals als Hegemonial- und Ordnungsmacht anerkannte, zugleich aber die kleinasiatischen Griechenstädte Persien überließ.

Spartas Eingriffe in andere Poleis beschädigten seinen Ruf. Die Besetzung der thebanischen Kadmeia durch Phoibidas 382 v. Chr. leitete den Verlust der Vorherrschaft ein. Der Zweite Attische Seebund wurde 377 v. Chr. ausdrücklich gegen Sparta gegründet. Bei Leuktra besiegte Epaminondas 371 v. Chr. ein spartanisches Bündnisheer. Die Niederlage war eine wichtige Zäsur, soll aber nicht als alleiniger „Anfang vom Ende“ überbetont werden. Theben beendete Spartas Hegemonie über den Peloponnesischen Bund, befreite Messenien und nahm Sparta 369 v. Chr. etwa ein Drittel seines Staatsgebietes.

Die Zahl der Vollbürger und Hopliten sank; soziale Ungleichheit, Verarmung sowie Unruhen von Hypomeiones und Mothakes nahmen zu. Periöken, politisch kaum berechtigte, aber wehrpflichtige Bewohner, bildeten bei Leuktra einen großen Teil des Heeres und verloren teils ihre Loyalität. Heloten wurde Freiheit durch Wehrdienst angeboten. Nach weiteren Konflikten, unter anderem bei Mantineia 362 v. Chr., blieb der Süden Griechenlands geschwächt. Philipp II. von Makedonien besiegte 338 v. Chr. Theben und Athen bei Chaironeia und beschränkte Spartas Gebiet stark. Agis III. versuchte 331 gegen Makedonien vorzugehen, unterlag jedoch und fiel.

Der gesellschaftliche Wandel setzte schon früher ein: Vermögensgleichheit zerfiel unter anderem, weil das Gesetz des Ephoren Epitadeus Schenkung und Vererbung von Ackerlosen erlaubte. Zur Zeit des Aristoteles gab es laut Artikel nicht viel über 1.000 Hopliten.

Hellenistische, römische und spätere Zeit

Im Hellenismus wurde selbstständige Politik für Sparta immer schwieriger. Agis III. scheiterte 331 v. Chr. bei Megalopolis; antike Quellen nennen neben ihm 5.300 gefallene Spartaner. 317 v. Chr. erhielt Sparta eine Stadtmauer. Kriege mit Demetrios I. Poliorketes, Pyrrhos I. und Makedonien folgten. Unter Agis IV. war die Zahl der Vollbürger 245/244 bis 241 v. Chr. auf 700 gesunken. Seine Reformversuche und die Kleomenes’ III. — Agoge und Syssitien, Schuldenerlass, Landverteilung und Vermehrung der Vollbürger — scheiterten.

König Nabis regierte 207–192 v. Chr. und wollte Sparta gegenüber dem Achaiischen Bund stärken. Antike Autoren zeichneten ihn oft als Tyrannen, doch der Artikel nennt auch Reformen nach hellenistischem Vorbild: bessere Wasserversorgung, stärkere Münzprägung, eine neue Stadtmauer, Ausbau des Militärs sowie Förderung von Handel und regionaler Produktion. Nach seiner Ermordung 192 v. Chr. zwang Philopoimen Sparta in den Achaiischen Bund. 188 ließ er die Mauern niederreißen, entzog Sparta Gebiete, hob Nabis’ Reformen auf und schaffte unter anderem Agoge und Syssitien ab.

146 v. Chr. wurde Sparta nach der Unterwerfung Griechenlands Teil des Römischen Reiches. Der von Augustus 21 v. Chr. so genannte Bund der Eleutherolakonen bedeutete für lakonische Städte nominelle Unabhängigkeit unter römischer Herrschaft. Sparta war bis ins 3. Jahrhundert nominell eine civitas libera. Traditionelle Institutionen wie Ephorat und Gerusia bestanden neben neuen lokalen Ämtern fort; sportliche und musische Wettkämpfe wurden zu Touristenattraktionen. Christliche Verbote verdrängten diese Bräuche schrittweise. Lykurgische Einrichtungen bestanden noch bis ins 5./6. Jahrhundert; Plünderungen erfolgten unter anderem 395 durch Goten unter Alarich I. und 581 durch Awaren. Im späten Mittelalter entstand auf dem Gebiet Spartas Mistra. Nach dessen Zerstörungen im Griechischen Unabhängigkeitskrieg wurde 1836 im Süden des antiken Stadtgebiets das moderne Sparta gegründet.

Lernvideos zu Geschichte Spartas

Weiterlesen

Archaik Der Begriff der Archaik bezeichnet eine Epoche in der politischen und kulturellen Entwicklung im antiken Griechenland. Die Archaik beginnt etwa 800 v. Sparta Die fragmentarische antike Überlieferungslage und dominante Sparta-Bilder in der Populärkultur erschweren einen differenzierten Blick auf das antike Sparta. Athen Mit der attische Demokratie wurde in Athen eine auf den Prinzipien der Volkssouveränität und der Mehrheitsentscheidung aufbauende politischen Ordnung begründet. Spartiaten Die Spartiaten waren Vollbürger Spartas und erhielten eine besondere militärische Ausbildung. Sie bezeichneten sich selbst als Ὅμοιοι (Homoioi), … Agoge Als die Agoge (altgriechisch ἀγωγή agogé „Leitung, Führung, Erziehung“) wird das durch seine Strenge bekannte Erziehungssystem Spartas bezeichnet, … Herodot Auf das Ganze gesehen behandelte Herodot eine Vielzahl von Themen unterschiedlichster Art (beispielsweise Geographie, Völker, Kulte und bedeutende Herrscher) … Polis In der Forschung ist umstritten, ob die Wurzeln der Polis in der mykenischen Kultur der späten Bronzezeit liegen, ob sie während des „Dunklen Zeitalters“ um 900 … Peloponnesischer Krieg Der Peloponnesische Krieg zwischen dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter seiner Führungsmacht Sparta dauerte, … Aristoteles Das Organon · Bedeutungstheorie · Prädikate und Eigenschaften · Deduktion und Induktion: Argumenttypen und Erkenntnismittel · Dialektik: Theorie der Argumentation. Hegemonie In der Geschichte finden sich viele Beispiele von hegemonialen Herrschaftsstrukturen, in der Antike beispielsweise Athen und Sparta, Makedonien unter Philipp II … Olympische Spiele der Antike Nach offizieller Zeitrechnung wurden Olympische Spiele (auch elische Olympien genannt) von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. abgehalten. Archäologisch nachweisen … Griechenland ist ein Staat in Südosteuropa und ein Mittelmeeranrainerstaat. Das griechische Staatsgebiet grenzt an Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien und die Türkei.