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Pro-Drop-Sprache

Pro-Drop-Sprache (von engl. pro-drop kurz für pronoun dropping, „Auslassen eines Pronomens“) oder Nullsubjektsprache bezeichnet in der Linguistik Sprachen, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Romanische Sprachen und Deutsch
  3. 3. Verbformen und Pronomen
  4. 4. Slawische Sprachen
  5. 5. Arabisch

Grundidee

Eine Pro-Drop-Sprache oder Nullsubjektsprache ist eine Sprache, in der Personalpronomina systematisch weggelassen werden können, besonders als Subjekt finiter Sätze. Ein finiter Satz enthält ein Verb, das nach Person, Numerus oder Tempus bestimmt ist. Die Bezeichnung kommt von englisch pronoun dropping, also „Auslassen eines Pronomens“.

In der Generativen Grammatik wird angenommen, dass die Subjektposition trotzdem besetzt ist: durch ein unsichtbares, phonetisch leeres Pronomen namens „pro“. Dieses „pro“ wird klein geschrieben und steht im Gegensatz zu „PRO“, dem unsichtbaren Subjekt von Infinitivsätzen.

Romanische Sprachen und Deutsch

In den meisten romanischen Sprachen wird ein Subjektpronomen in der Regel nicht ausgesprochen. Ausgenommen sind zum Beispiel das Französische, viele oberitalienische Dialekte einschließlich des Venetischen sowie alle rätoromanischen Idiome wie Friaulisch, Ladinisch und Bündnerromanisch.

Beispiele zeigen, dass die Verbform oft schon verrät, wer handelt: Spanisch „Lo veo“ bedeutet „Ich sehe es“, weil „veo“ die 1. Person Singular ausdrückt. Italienisch „Lo conosco“ bedeutet „Ich kenne ihn“. Lateinisch „me amat“ bedeutet „Er, sie oder es liebt mich“, weil die Verbform 3. Person Singular ist.

Die heutigen germanischen Sprachen sind dagegen normalerweise keine Pro-Drop-Sprachen. Im Deutschen muss die Subjektposition meist gefüllt sein, etwa durch „ich“. Ausnahmen gibt es im unpersönlichen Passiv wie „weil gearbeitet wird“, außerdem in Umgangssprache und Telegrammstil bei der 1. und 2. Person Singular: „Bin bis Ende der Woche verreist“ oder „Hallo, komme morgen früh um 8 Uhr am Flughafen an“. In einem Sonderfall kommt dies auch in kaufmännischer Sprache vor, wenn ein „ich“ am Briefanfang vermieden werden soll.

Verbformen und Pronomen

Viele Pro-Drop-Sprachen können Pronomen weglassen, weil die Flexionsmorphologie am Verb Hinweise auf Person und Numerus gibt. Flexionsmorphologie bedeutet hier: Die Verbform verändert sich je nach grammatischer Person und Zahl. Grundsätzlich neigt eine Sprache mit besonders reicher Verbflexion eher dazu, eine Pro-Drop-Sprache zu sein.

Es gibt aber keine notwendige Gleichsetzung zwischen Verbflexion und Pro-Drop. Auch im Deutschen flektiert das Verb nach ähnlichen Kategorien wie im Spanischen, trotzdem ist Deutsch keine Pro-Drop-Sprache. Im Deutschen sind außerdem nicht alle Formen klar verschieden: Im Präsens sind 1. und 3. Person Plural stets identisch, und bei regelmäßigen Verben auf „-sen“ sind auch 2. und 3. Person Singular gleich. Neuere Beschreibungen sprechen deshalb teilweise von Semi-Pro-Drop-Sprachen, etwa bei „dass [pro] gelacht wurde“, wo ein inhaltsloses Subjekt ausgelassen wird.

Das Französische zeigt eine Entwicklung in die andere Richtung: Weil früh Auslaute verstummten, klingen beim Verb „parler“ vier der sechs Formen heute gleich, nämlich [parlə]. Daher wurden Subjektpronomen nötig, um die Personen wieder zu unterscheiden. Umgekehrt gibt es romanische Sprachen und Dialekte, die trotz ausgeprägter Verbflexion obligatorische Subjektpronomen setzen, sogar neben einem nominalen Subjekt, etwa friaulisch „il pari al cjante“ = „der Vater (er) singt“. Dort entsteht eine dreifache Subjektmarkierung durch Substantiv, Pronomen und Flexionsendung.

Slawische Sprachen

Die meisten slawischen Sprachen sind ebenfalls Pro-Drop-Sprachen. Im Artikel wird dies damit verbunden, dass sie innerhalb der indogermanischen Sprachen beim Abbau der Flexionsmorphologie besonders konservativ sind.

Beispiele sind Tschechisch und Slowenisch: Tschechisch „Jsem student“ bedeutet „Ich bin Student“, wobei „jsem“ die 1. Person Singular ausdrückt. Slowenisch „Bom delal“ bedeutet „Ich werde arbeiten“, wobei „bom“ ebenfalls die 1. Person Singular markiert.

Arabisch

Im Arabischen hängt die Verbkonjugation im Präsens von Präfixen und Suffixen ab, im Perfekt nur von Suffixen. Diese Endungen oder Vorsilben geben aber nicht immer nur ein Personalpronomen wieder. Sie können auch Numerus, Genus, Modus oder orthografische Regeln anzeigen. Zum Beispiel wird bei der Endung der 2. und 3. Person Maskulinum Plural „-ū“ ein stummes Alif eingefügt, damit das „و“ nicht als „wa“ = „und“ gelesen wird; es heißt arabisch „الألف الفارقة“, DMG „Alif al-fāriqa“.

Nicht alle Formen sind eindeutig. Besonders die 2. Person Singular maskulin und die 3. Person Singular feminin sind gleich: „ta-schrabu“ kann „du (m.) trinkst“ oder „sie trinkt“ bedeuten. Trotzdem kommt es durch Unterscheidbarkeit innerhalb der Formen und durch hohe Wiedererkennung zum Pro-Drop. Grammatisch wird bei solchen Verben das Subjekt als „latent“ مستتر beschrieben: Es wird mitgedacht und aus dem Kontext erschlossen.

Beispiele: Aus „schariba l-waladu l-ma'a“ = „der Junge trank das Wasser“ kann „schariba l-ma'a“ werden, also „trank (er) das Wasser“. „schariba“ ist die 3. Person Singular maskulin und zugleich die Zitierform des Verbs, weil sie keine Prä- oder Suffixe enthält. Aus „Ya-schrab-ūna ḍ-ḍuyūfu l-ma'a“ = „die Gäste trinken das Wasser“ kann „Ya-schrab-ūna l-ma'a“ werden, also „trinken (sie) das Wasser“. Dabei steht „YA“ für das Präfix der 3. Person maskulin Präsens, „Ū“ für das Pluralsuffix und „NA“ für das Indikativsuffix.

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