Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Smooth Jazz
Smooth Jazz ist eine Spielart des Jazz. Ihm wird meist instrumental orientierte Musik zugeordnet, die Elemente aus Popmusik, Blues, Soul und Jazz …
Inhalt4 Abschnitte
Definition und musikalische Merkmale
Smooth Jazz ist eine Spielart des Jazz, die überwiegend instrumental ausgerichtet ist. Sie verbindet Elemente aus Popmusik, Blues, Soul und Jazz. Dabei ist der Einfluss der Popmusik meist stark ausgeprägt, während typische Jazzelemente eher zurückhaltend eingesetzt werden. Kennzeichnend sind eingängige Hooklines, also leicht wiedererkennbare melodische Motive, abwechselnde instrumentale Soloparts und ein entspannter Groove.
Charles D. Carson beschreibt Smooth Jazz als Mischung aus Jazz-Instrumentierung, Pop-Produktion und R&B-Ästhetik. Die Instrumentalisten stehen ähnlich im Mittelpunkt wie Sängerinnen und Sänger in der Popmusik. Anders als im traditionellen Jazz beruht die Musik weniger auf der Improvisation über die Form und die Harmonien eines Stücks. Solos dienen eher dazu, das vorgegebene Thema zu verzieren und auszuschmücken.
Auch die Herstellung unterscheidet sich häufig vom traditionellen Jazz: Im Mittelpunkt steht weniger das direkte Zusammenspiel einer festen Musikergruppe, sondern ein an der Popmusik orientierter Produktionsprozess mit Studiotechniken und Studiomusikern. Heute wird Smooth Jazz nicht selten mithilfe moderner Computertechnik und Synthesizern produziert. Akustische Lead-Instrumente, meistens Gitarre oder Saxophon, werden dabei über ein Arrangement aus computerproduzierten Beats und Synthesizerklängen eingespielt.
Bezeichnung und umstrittene Einordnung
Die Bezeichnung „Smooth Jazz“ entstand 1989 durch eine Marketingstudie des Consulting-Unternehmens Broadcast Architecture für einen Radiosender in Chicago. Die Teilnehmer der Studie wurden nach Beschreibungen der Musik von Kenny G gefragt. Zuvor waren für einen ähnlichen Sound unter anderem die Namen Pop Jazz, Jazz-lite, Lite Jazz, Crossover und Contemporary Jazz gebräuchlich. Zeitweise kamen auch abwertende Bezeichnungen wie Hot Tub Jazz, Happy Jazz und Fuzak vor.
Als Vorläufer des entsprechenden Radioformats gelten Beautiful Music und Quiet Storm. Der Ausdruck Quiet Storm wurde 1976 erstmals vom Sender WHUR in Washington, DC verwendet und geht auf den Albumtitel „A Quiet Storm“ von Smokey Robinson zurück.
Die Musik selbst ist deutlich älter als die 1989 entstandene Bezeichnung. Deshalb lässt sich Smooth Jazz historisch und stilistisch nur schwer eindeutig abgrenzen. In der Jazzliteratur wurde das Genre lange weitgehend ignoriert. Auch die Frage, ob Smooth Jazz überhaupt zum Jazz gehört, ist umstritten; in der Jazz-Community wird diese Einordnung größtenteils abgelehnt.
Verbreitung und gesellschaftliche Funktion
Besonders in den USA ist Smooth Jazz stark verbreitet. Einen wichtigen Anteil daran haben Formatradiostationen, deren Programme auf eine klar festgelegte musikalische Ausrichtung zugeschnitten sind. Radioberater grenzen das Genre allerdings zunehmend enger ein, sodass im Radiomarkt immer weniger Innovationen vorkommen. Laut Artikel führt diese Entwicklung tendenziell zu geringeren Verkaufszahlen.
Smooth Jazz wird in den USA auch live gespielt. Dort besteht eine ausgeprägte Szene mit zahlreichen Veranstaltungen, vor allem im Raum Los Angeles. George Blake zeigt am Beispiel von Cleveland, dass die scheinbare Trennung zwischen dem künstlerischen Anspruch des Jazz und der Kommerzialität des Smooth Jazz in der Praxis weniger eindeutig sein kann. Zwischen der „ernsthaften“ Jazzszene und der Smooth-Jazz-Szene bestehen große Überschneidungen beim Personal und beim Repertoire. In diesem Umfeld wird häufig einfach von „Jazz“ gesprochen, ohne den Zusatz „smooth“. Die Musik erfüllt dabei auch eine soziale und identitätsbildende Funktion.
In Europa ist die Unterstützung durch Radiosender schwächer. Dennoch gibt es Festivals, beispielsweise an der Algarve und auf Mallorca, sowie sogenannte Smooth-Jazz-Cruise-Ferien. Gleichzeitig vermischen Musiker und Labels den Stil zunehmend mit anderen Richtungen wie Urban, R&B, Lounge, Chill Out und Hip-Hop.
Nutzung und typische Interpreten
Smooth Jazz ist häufig als Hintergrundmusik in Kaufhäusern und Fahrstühlen zu hören und wird deshalb gelegentlich abwertend als „Kaufhausmusik“ oder „Fahrstuhlmusik“ bezeichnet. Er dient außerdem als Untermalung in Fernsehdokumentationen, Wetterberichten und US-amerikanischen Fernsehserien wie „Monk“ und „Sex And The City“.
Sade Adu wurde nach ihrem Auftritt mit „Smooth Operator“ beim Montreux Jazz Festival 1984 zu einer bedeutenden Stimme des Genres. Als typische Vertreterinnen und Vertreter nennt der Artikel außerdem Mindi Abair, George Benson, Rick Braun, Richard Elliot, Kenny G, Bob James, Gregg Karukas, Rohn Lawrence, Marcus Miller, Nelson Rangell, Lee Ritenour, David Sanborn, Tom Scott, Spyro Gyra, Grover Washington, Jr. und Dave Koz.