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Fusion (Musik)
Fusion, auch Jazzrock oder Jazzfusion genannt, ist ein Musikstil, der sich seit Beginn der 1960er Jahre ausbildete und in dem sich die Raffinesse des Jazz …
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Grundidee und Bedeutung
Fusion, auch Jazzrock oder Jazzfusion, ist ein Musikstil, der sich seit Beginn der 1960er Jahre ausbildete. Er verbindet die Raffinesse des Jazz mit der rhythmischen Intensität des Funk und der Kraft der Rockmusik. Besonders populär war Fusion in den 1970er Jahren.
Im Rückblick gilt Fusion als historische Stilrichtung, die die weitere Entwicklung des Jazz stark beeinflusste. Sie erschloss Jazzmusikern zusätzliche Aufführungsorte und begeisterte in den 1970er Jahren ein großes Publikum. Zugleich wirkte sie auf Rock, Funk und Jazz zurück: Viele beteiligte Musiker hatten eine grundlegende Jazzausbildung. Dadurch konnten sie etwa swingende Jazz- und treibende Rockrhythmen verbinden, virtuos-freie Saxophonsoli und soulhaltige Riffs spielen oder lärmende Gitarrensounds mit harmonischen Jazzakkorden kombinieren.
Musikwissenschaftler wie Scott DeVeaux und Steven Pond halten den Begriff „Fusion“ für angemessener als „Jazz-Rock“. Er betont das Eklektische, Hybride und Pluralistische, also die Verbindung vieler Stile, statt nur einen Gegensatz zwischen Jazz und Rock anzunehmen. Auch Musiker, die später wieder akustisch spielten, hielten zum Teil am Fusionkonzept fest.
Entstehung und musikalische Merkmale
Frühe Ansätze entstanden in den USA ab 1962: In New York City formierte sich Jeremy and the Satyrs um den Jazz-Flötisten Jeremy Steig. 1965 verband Blues Project Folk Rock, Bluesrock und Jazz; die Gruppe nutzte Orgel, elektrische Gitarre und Bassgitarre und arbeitete mit Vokalisten. Ebenfalls 1965 gründeten Larry Coryell und Jim Pepper Free Spirits. An der Westküste experimentierten Musiker im Umfeld von John Handy von 1965 bis 1967 mit Rockelementen und elektrisch verstärkter Gitarre oder Violine.
Ab 1967 erschienen Rockacts auch auf großen Jazzfestivals; in Europa zeigte sich ein ähnlicher Trend. Dort entstand zudem früh und teilweise unabhängig eine Jazzrock-Bewegung. The Graham Bond Organization führte das Mellotron ein, verstärkte die Hammond-Orgel zusätzlich und gab der Bassgitarre melodische Funktionen. Der Dave Pike Set förderte seit 1968 in Mitteleuropa die Verbindung von Rock und Jazz.
Eine zentrale Rolle für die Anerkennung durch die Musikindustrie spielten Miles Davis’ Alben In a Silent Way und besonders Bitches Brew, an denen Joe Zawinul wesentlich beteiligt war. Neben akustischen Instrumenten wurden E-Gitarre, E-Piano, E-Violine und Synthesizer eingesetzt. Miles Davis verfremdete beispielsweise auf Dark Magus (1974) sein Trompetenspiel mit Effektgeräten für E-Gitarren. Auch das Schlagzeug wurde zum vollwertigen Soloinstrument.
Im Rockjazz sind die Musiker weitgehend gleichberechtigt; diese Mehrstimmigkeit wird Polyphonie genannt. Bassist und Schlagzeuger sind nicht nur Begleitung, sondern erhalten Raum für eigene musikalische Beiträge. In den 1970er Jahren unterschied man davon den damals der Rockmusik zugerechneten Jazzrock: Dort hatten Bass und Schlagzeug überwiegend Begleitfunktion und orientierten sich stärker am Rock. Brass Rock Bands ergänzten eine herkömmliche Rockbesetzung um Bläser; bekannte Beispiele sind Blood, Sweat & Tears und Chicago.
Prägende Phase und spätere Entwicklung
Die erste kreative Phase der Fusion lag in der ersten Hälfte der 1970er Jahre. Als Klassiker gelten Alben von Miles Davis, Herbie Hancock und John McLaughlin sowie von Weather Report, Chick Coreas Return to Forever und Nucleus um Ian Carr. Herbie Hancocks Head Hunters verkaufte sich millionenfach; auch John McLaughlin und besonders Weather Report erreichten ein großes Publikum.
Wichtige stilprägende Gruppen waren Chick Coreas Return To Forever, John McLaughlins Mahavishnu Orchestra und Joe Zawinuls Weather Report. Die Gründer dieser Gruppen wirkten alle an Miles Davis’ Bitches Brew mit. Stanley Clarke nahm unter den Bassisten eine führende Rolle bei der Entwicklung der Fusion ein. Auch europäische Musiker und Gruppen wie Jean-Luc Ponty, Volker Kriegel, Wolfgang Dauner, Ian Carr und Nucleus, Joachim Kühn, Association P.C. oder Jasper van’t Hof mit Pork Pie veröffentlichten wichtige Alben. Einige Werke, darunter Frank Zappas Hot Rats (1969), Waka/Jawaka (1972) und The Grand Wazoo (1972), entstanden teilweise unabhängig von Miles Davis’ Fusionkonzept.
Um 1975 war Jazzfunk als weitere Untergattung neben Rockjazz und Jazzrock anerkannt. Schlagzeuger wie Jack DeJohnette, Alphonse Mouzon, Billy Cobham und später Ronald Shannon Jackson prägten eine Musik, die trotz komplizierter Metren und Taktwechsel tanzbar blieb und instrumentale Improvisation verlangte. Gegen Ende der 1990er Jahre bezogen sich Musiker wie Dave Douglas sowie Medeski, Martin & Wood wieder deutlich auf die Wurzeln der Fusion.