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Saxophon

Das Saxophon oder Saxofon ist ein Musikinstrument aus der Gruppe der Einfachrohrblattinstrumente. Der Korpus dieses Blasinstruments ist ein relativ weites …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Instrument und Bedeutung
  2. 2. Aufbau, Bauformen und Tonlagen
  3. 3. Spieltechnik
  4. 4. Orchester, Kammermusik und klassische Musik
  5. 5. Saxophon im Jazz
  6. 6. Popularmusik und Filmmusik

Instrument und Bedeutung

Das Saxophon oder Saxofon ist ein Holzblasinstrument mit Einfach-Rohrblatt. Der Ton entsteht durch ein einzelnes schwingendes Rohrblatt am Mundstück, obwohl der Korpus meist aus versilbertem, vergoldetem oder lackiertem Messing besteht. Der Korpus ist ein weitmensuriertes, stark konisches Schallrohr: Es weitet sich vom Mundstück bis zum Schallbecher deutlich und ist je nach Bauform 64 bis 293 cm lang. Dadurch unterscheidet sich das Saxophon beispielsweise von der zylindrischen Klarinette. Das Klappensystem entspricht dem der Oboe. Der angegebene Tonumfang reicht von b0 bis fis3; höhere Töne sind mit Spezialgriffen möglich.

Adolphe Sax, eigentlich Antoine Joseph Sax, erfand das Instrument 1840. Am 21. März 1846 wurde es in Frankreich unter der Nummer 3226 patentiert. Sax wollte ein tiefes Holzblasinstrument schaffen, das klanglich zwischen dem „wärmend-biegsamen“ Klang der Klarinette und dem durchdringenden, näselnden Klang der Oboe liegt. Das erste von ihm gebaute Saxophon war ein Bassinstrument in C. Er plante jedoch eine vollständige Familie von Sopran bis Subkontrabass, abwechselnd im Quart- und Quintabstand. C- und F-Instrumente waren für das Sinfonieorchester, B- und Es-Instrumente für die Militärmusik vorgesehen. Die C- und F-Stimmungen setzten sich kaum durch; das C-Melody-Saxophon wurde noch bis in die 1950er-Jahre gebaut und besonders im Swing verwendet.

Seine größte Bedeutung gewann das Saxophon erst mit dem Aufkommen des Jazz in New Orleans. Sein variabler Klang und sein großer dynamischer Umfang machten es zu einem wichtigen Melodie- und Soloinstrument. Es ist jedoch nicht ausschließlich ein Jazzinstrument: Seit dem 20. Jahrhundert wird es unter anderem in Pop, Rock ’n’ Roll, elektronischer Musik, serieller Musik, Konzert- und Tanzmusik eingesetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde es teilweise als Instrument der „Entarteten Musik“ und „Negermusik“ bekämpft. Gleichzeitig blieb es in Tanz- und Militärmusik zugelassen; die Musikkorps der Deutschen Luftwaffe besaßen ab 1940 einen fünf Instrumente umfassenden Saxophonsatz. Viele NS-Ideologen hielten das Instrument wegen seines Klangs und seiner Verwendung in der „Negermusik“ dennoch weiterhin nicht für „gute Musik“.

Aufbau, Bauformen und Tonlagen

Ein gewöhnliches Saxophon besteht aus drei zerlegbaren Teilen:

  • Mundstück mit Rohrblatt und Blattschraube, auch Ligatur genannt
  • S-Bogen
  • Korpus

Sopranino-, Soprillo- und manche Sopransaxophone bestehen nur aus Mundstück und Korpus. Beim Spielen wird das Instrument meist mit einem Tragriemen gehalten. Für größere Instrumente ab dem Baritonsaxophon gibt es Rücken- oder Schultergurte; Basssaxophone und größere Instrumente werden wegen ihres Gewichts meist sitzend und in einem Ständer gespielt. Sopransaxophone und Sopraninosaxophone werden häufig ohne Riemen gespielt. Am verbreitetsten sind Alt- und Tenorsaxophon, danach Sopran- und Baritonsaxophon. Das Altsaxophon eignet sich wegen seiner Größe, seines Preises und seines Gewichts besonders als Anfängerinstrument für Kinder und Jugendliche.

Im Gegensatz zur Klarinette überbläst das Saxophon in die Oktave und nicht in die Duodezime. Ursache ist die konische Schallröhre. Eine Oktav- oder Überblasklappe auf der Rückseite öffnet beim Überblasen automatisch eines von zwei kleinen Tonlöchern. Grifftechnisch ist das Saxophon vor allem mit der B-Klarinette und teilweise mit der modernen Querflöte verwandt.

Die wichtigsten Bauformen und ihre Stimmungen sind:

  • Soprillo: B; klingender Umfang as1 bis d4
  • Sopranino: Es; des1 bis as3
  • Sopran: B; as0 bis es3 beziehungsweise e3
  • Alt: Es; des0 bis as2 beziehungsweise a2
  • C-Melody: C; B bis f2
  • Tenor: B; As bis es2 beziehungsweise e2
  • Bariton: Es; Des bis a1
  • Bass: B; As1 bis e1
  • Kontrabass: Es; Des1 bis a0
  • Subkontrabass: B; As2 bis e0

Das Soprillo ist seit Anfang des 21. Jahrhunderts als besonders kleines, gerades Saxophon in B-Stimmung verbreitet; seine Schallröhre ist 30 cm lang, und die obere Oktavklappe sitzt im Mundstück. Kontrabass- und Subkontrabasssaxophone werden durch ein zusätzlich gebogenes Hauptrohr kompakter gebaut. Die als Tubax bezeichnete modernisierte Bauform wird in Deutschland von Benedikt Eppelsheim hergestellt; sie verwendet kleinere Mundstücke und eine engere Mensur, wodurch Ansprache und Luftverbrauch verbessert werden.

Zu den weiteren Sonderformen gehören das Conn-O-Sax von etwa 1928 mit bauchigem Schallstück und F-Stimmung, das Saxello als zurückgebogenes B-Sopransaxophon sowie Saxophone aus Holz oder Kunststoff. Holzbauformen sind schwer herzustellen und haben starke Intonationsprobleme. Kunststoffsaxophone wurden in den 1950er-Jahren von Grafton in kleiner Serie gebaut; seit 2010 wird das Konzept mit dem Vibratosax erneut verwendet. Bei 99 % aller Saxophone bestehen die Klappenpolster weiterhin aus lederbezogenem Material. Das zwischen 1938 und 1941 von Selmer USA und Buescher entwickelte „padless saxophone“ ohne Klappenpolster verschwand wegen anfälliger Dichtungsringe wieder vom Markt. Beim Vibratosax bestehen die Polster aus flexiblem Silikon und sind selbstnivellierend. Das Taschensaxophon gilt wegen seines Namens und Klangs als saxophonähnlich, besitzt aber nicht die charakteristischen Eigenschaften des Instruments und liegt eher zwischen Klarinette und Flöte.

Spieltechnik

Beim klassischen, geschlossenen Ansatz liegen die oberen Schneidezähne auf der schrägen Fläche des Mundstücks. Die Unterlippe wird leicht über die unteren Zähne nach innen gezogen und gegen das Blatt gedrückt. Beim modernen, offenen Ansatz wird die Unterlippe nach außen gewölbt; die Zähne dürfen das Blatt nicht berühren. Dadurch entsteht eine härtere Klangfarbe. Vor dem Spielen wird das Rohrblatt beidseitig befeuchtet, damit es leichter anspricht.

Die linke Hand bedient überwiegend die oberen, die rechte Hand überwiegend die unteren Klappen. Die Daumen halten das Instrument an Daumenplatten beziehungsweise Daumengriffen; der linke Daumen kann zusätzlich die Oktavklappe betätigen. Zeige-, Mittel- und Ringfinger jeder Hand bedienen jeweils eine Klappe. Der Zeigefinger der oberen Hand bedient außerdem die kleine B-Klappe und die Flageolett-Klappe. Die kleinen Finger bedienen links zwei und rechts vier Klappen. Rollenverbindungen erleichtern dabei den Wechsel zwischen den Klappen. Fingersatztabellen gibt es sowohl für den normalen Tonbereich als auch für den Altissimo-Bereich, also die besonders hohen Töne.

Orchester, Kammermusik und klassische Musik

In Blasorchestern besitzt das Saxophon die längste Tradition und eine wichtige klangliche Funktion. Es verbindet das Holzregister mit dem Blechregister: Es ist beweglich wie ein Holzblasinstrument, erreicht aber nahezu die Lautstärke eines Blechblasinstruments.

In der klassischen Musik wird das Saxophon vor allem solistisch, im Saxophonquartett und in Kammermusikbesetzungen eingesetzt. Im Sinfonieorchester kommt es seltener vor, ist in der zeitgenössischen Orchesterliteratur aber inzwischen kein ungewöhnlicher Gast mehr. Als Beispiele für Orchesterwerke mit Saxophon nennt der Artikel unter anderem Bizets L’Arlésienne, Gershwins Rhapsody in Blue und Ein Amerikaner in Paris, Ravels Boléro, Bergs Violinkonzert und Lulu sowie Strauss’ Sinfonia domestica. Häufig übernimmt ein Klarinettist den Saxophonpart als Nebeninstrument. Eines der frühesten Saxophonkonzerte ist Glasunows Altsaxophonkonzert in Es-Dur op. 109, das 1934 uraufgeführt wurde. Debussys Rhapsodie für Altsaxophon und Orchester entstand früher, wurde aber erst postum uraufgeführt. In jüngerer Zeit setzten unter anderem Luciano Berio, Pierre Boulez und Péter Eötvös das Instrument im Orchester ein.

Besonders in der Neuen Musik wird das Saxophon als Soloinstrument genutzt. Dabei werden avantgardistische Klang- und Spielmöglichkeiten eingesetzt, etwa Multiphonics, Flageoletttechniken, Klappengeräusche, Glissando und Tremolo. Konzertwerke gibt es für Sopran-, Alt- und Baritonsaxophon sowie für Saxophon und Orchester oder Streicher. Ein Konzert für Baritonsaxophon und Orchester von Georg Friedrich Haas wurde am 3. Mai 2008 vom WDR-Sinfonieorchester Köln unter Emilio Pomarico mit Marcus Weiss als Solisten uraufgeführt.

In der Kammermusik wird das Saxophon mit Gesang, Geige, Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott, Trompete, Posaune oder Schlagzeug verbunden. Besonders häufig ist die Kombination mit Klavier; außerdem gibt es Besetzungen mit Orgel, Akkordeon, Harfe, Kontrabass und Gitarre.

Die klassische Standardbesetzung des Saxophonquartetts lautet Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Ein Saxophonquintett besteht meist aus Sopran, zwei Alten, Tenor und Bariton. Die von Jean-Marie Londeix eingeführte Standardbesetzung eines größeren Saxophonensembles umfasst ein Sopranino-, zwei Sopran-, drei Alt-, drei Tenor-, zwei Bariton- und ein Basssaxophon. Saxophonorchester können dagegen Stimmen mehrfach besetzen und beispielsweise von einem fünfstimmigen Satz aus Sopran, zwei Alten, Tenor und Bariton ausgehen.

Saxophon im Jazz

Seit der Swing-Ära gilt der Jazz als stark vom Saxophon geprägt. In vielen Jazzensembles übernimmt es eine wichtige Solistenrolle. Häufig ist die Quartettbesetzung aus Rhythmusgruppe und Saxophon. Bei der davon abgeleiteten Triobesetzung fehlt das Harmonieinstrument, also Gitarre oder Klavier.

Reine Saxophonensembles sind seltener, werden aber wegen der nahezu unbegrenzten Klangmöglichkeiten auch in Grenzbereichen des Jazz eingesetzt. In einer Bigband besteht der Saxophonsatz gewöhnlich aus erstem und zweitem Altsaxophon, erstem und zweitem Tenorsaxophon sowie einem Baritonsaxophon.

Für die individuelle Klangfarbe ist neben dem Instrument die Wahl des Equipments, also der Zubehörausstattung, entscheidend. Das Material und die Form des Mundstücks – meist Metall oder Ebonit – sowie die Bauart der Ligatur beeinflussen den Klang. Mundstücke werden nicht selten nachträglich in ihrer Form angepasst; dieser Vorgang wird „refaced“ genannt.

Popularmusik und Filmmusik

Im klassischen Rock ’n’ Roll, besonders im Twist, spielte ein „röhrendes“ Saxophon eine tragende Rolle. Große Bedeutung hatte es außerdem in der afroamerikanischen Musik, vor allem in Soul und Blues. Im jamaikanischen Ska gehörte es häufig zu den Bläsersektionen; Ähnliches gilt für Dancehall-Musik der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre. In der Rockmusik, besonders im New Wave und im wiederbelebten Two-Tone-Ska der 1980er-Jahre, war das Saxophon als Soloinstrument und als Bestandteil eines Bläsersatzes besonders populär.

In Afrika verbreitete sich das Saxophon zunächst in fünf populären Regionalstilen: ab den 1920er-Jahren im Highlife Westafrikas, vor allem in Ghana und Nigeria, sowie im südafrikanischen Marabi; ab den 1930er-Jahren im Soukous am Kongo; ab den 1950er-Jahren im Makossa in Kamerun und im Bulawayo Jazz in Rhodesien, dem heutigen Zimbabwe.

Ein bekanntes Beispiel aus der Filmmusik ist das von Henry Mancini komponierte und mit einem Oscar ausgezeichnete The Pink Panther Theme aus der Pink-Panther-Reihe. Es enthält ein markantes Saxophonsolo.

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