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Smoot-Hawley-Zollgesetz
Das Smoot-Hawley-Zollgesetz (englisch Smoot–Hawley Tariff Act) war ein am 17. Juni 1930 erlassenes Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, …
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Kern und Ziel des Gesetzes
Das Smoot-Hawley-Zollgesetz (englisch Smoot–Hawley Tariff Act) war ein Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, das am 17. Juni 1930 in Kraft trat. Es erhöhte die US-Zölle für mehr als 20.000 Produkte auf ein Rekordniveau. Zölle sind Abgaben auf eingeführte Waren, durch die ausländische Produkte im Inland teurer werden.
Das Gesetz war protektionistisch: Es sollte die Wirtschaft der USA vor ausländischer Konkurrenz schützen. Tatsächlich trug es jedoch erheblich zum Rückgang des amerikanischen und internationalen Handels bei und gilt als ein Faktor, der die Weltwirtschaftskrise deutlich verschärfte.
Beschluss und Inkraftsetzung
Initiatoren des Gesetzes waren der republikanische Senator Reed Smoot aus Utah und Willis C. Hawley, Mitglied des Repräsentantenhauses aus Oregon.
Das Repräsentantenhaus nahm das Gesetz am 28. Mai 1929 mit 264 gegen 147 Stimmen an. Dafür stimmten 244 Republikaner und 20 Demokraten. Im Senat fiel die Entscheidung mit 44 zu 42 Stimmen knapp aus; 39 Republikaner und fünf Demokraten unterstützten das Gesetz. Präsident Herbert Hoover setzte es am 17. Juni 1930 in Kraft.
Folgen für Handel und Landwirtschaft
Zwischen 1929 und 1933 sanken die Importe der USA um 66 %, von 4,4 Milliarden Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Exporte gingen um 61 % zurück, von 5,4 Milliarden Dollar auf 2,1 Milliarden Dollar. Besonders stark brach der Handel mit Europa ein: Die Einfuhren aus Europa fielen von 1,334 Milliarden Dollar im Jahr 1929 auf 390 Millionen Dollar im Jahr 1932; die Ausfuhren nach Europa sanken von 2,341 Milliarden Dollar auf 784 Millionen Dollar.
Das Gesetz verstärkte weltweit den Protektionismus. Zahlreiche Staaten erhöhten ebenfalls ihre Zölle oder strebten nach Autarkie, also nach möglichst großer wirtschaftlicher Unabhängigkeit vom Ausland. Handelsverträge wurden zunehmend bilateral, das heißt zwischen jeweils zwei Staaten, abgeschlossen. Multilaterale Instrumente wie die Meistbegünstigungsklausel kamen außer Gebrauch. Diese Klausel sorgt grundsätzlich dafür, dass Handelsvorteile, die einem Staat gewährt werden, auch anderen Vertragspartnern zugutekommen.
Bis 1933 schrumpfte der Welthandel um etwa 60 %. Die sinkenden Exportmöglichkeiten erschwerten es den europäischen Schuldnern der USA, sowohl private Schulden bei amerikanischen Banken als auch die während des Ersten Weltkriegs aufgenommenen interalliierten Kriegsschulden zurückzuzahlen.
Auch die amerikanische Landwirtschaft, die durch die Zölle geschützt werden sollte, wurde schwer getroffen. Bereits ein Jahr nach der Verabschiedung konnten amerikanische Farmer nur noch ein Zehntel ihrer Ernte absetzen. Es folgte eine schwere Agrarkrise mit dem Bankrott zahlreicher Familienbetriebe und Zwangsversteigerungen.
Politische Folgen und Ablösung
Reed Smoot und Willis C. Hawley verpassten 1932 beide die Wiederwahl in den Kongress. Der Ausdruck „Smoot-Hawley“ wurde zu einem Synonym für katastrophale Politikgestaltung.
Nach Massenarbeitslosigkeit und der Verelendung breiter Bevölkerungsschichten leitete Präsident Franklin D. Roosevelt mit seinem New Deal einen politischen Kurswechsel ein. Roosevelt hatte sich bereits im Präsidentschaftswahlkampf von 1932 gegen das Zollgesetz ausgesprochen. 1934 unterzeichnete er den Reciprocal Tariff Act, das Gesetz über gegenseitige Zölle, das das Smoot-Hawley-Zollgesetz ablöste und eine Senkung der Zölle bewirkte.
Neue Aufmerksamkeit erhielt das Gesetz durch die von Präsident Donald Trump am 2. April 2025 angekündigten Zölle, die das Zollniveau möglicherweise über die Sätze der Smoot-Hawley-Zölle hinaus erhöhen könnten.
Zeitgenössische und spätere Kritik
Das Gesetz stieß schon vor seinem Inkrafttreten auf breite Kritik. Henry Ford bezeichnete es als „ökonomische Dummheit“, Thomas W. Lamont als „blödsinnig“. Im Mai 1930 unterzeichneten 1028 Wirtschaftswissenschaftler eine Petition gegen den Smoot-Hawley Tariff Act. Sie wurde von Paul Douglas, Irving Fisher, James TFG Wood, Frank Graham, Ernest Patterson, Henry Seager, Frank Taussig und Clair Wilcox organisiert.
Die mehr als 1000 Ökonomen sagten einen Zollkrieg voraus und warnten: „Ein Zollkrieg liefert keinen guten Nährboden für die Entwicklung des Weltfriedens“. Über 30 ausländische Regierungen protestierten formell gegen das Gesetz. Hans-Werner Sinn bewertet die Warnung rückblickend als zutreffend und verweist darauf, dass 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen und der 1939 folgende Krieg die gesamte Weltwirtschaft aus den Angeln hob.
Die Historikerin Jill Lepore beschreibt das Gesetz mit dem Bild, dadurch sei „die letzte finanzielle Zugbrücke“ hochgezogen worden, über die noch Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa möglich gewesen seien.