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Since Time Is Gravity
Since Time Is Gravity ist ein Jazzalbum der Formation Natural Information Society um Joshua Abrams mit dem Gastmusiker Ari Brown. Die am 24.
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Kern des Albums
Since Time Is Gravity ist ein Jazzalbum der Formation Natural Information Society um den Komponisten und Multiinstrumentalisten Joshua Abrams, hier gemeinsam mit dem Gastmusiker Ari Brown. Die Aufnahmen entstanden am 24. August 2021 im Studio Electrical Audio in Chicago und erschienen 2023 bei Eremite Records. Das Album wurde als CD und Download veröffentlicht, umfasst 8 Titel und hat eine Gesamtlänge von 1:13:23. Die Kompositionen stammen von Joshua Abrams; produziert wurde das Album von Joshua Abrams und Michael Ehlers.
Die Musik ist stark von wiederholten Bass- und Guimbri-Figuren geprägt. Die Guimbri ist ein nordafrikanisches Saiteninstrument, das besonders mit der Gnawa-Tradition verbunden ist. Abrams spielt häufig zwei oder drei gezupfte, wiederholte Noten, die als Grundlage für eine tranceartige Wirkung dienen. Dazu treten Jazz-Improvisationen, Bläserklänge, Harmonium, Harfe und Schlagzeug. In der Rezeption wird das Album deshalb als Verbindung von Jazz, Gnawa, minimalistischer Komposition, Trance-Elementen und Einflüssen aus klassischer indischer Musik beschrieben.
Besetzung und musikalischer Hintergrund
Natural Information Society ist seit Ende der 2000er-Jahre das Projekt von Joshua Abrams. Der Kern der Gruppe besteht aus Abrams an Guimbri und Kontrabass, Lisa Alvarado am Harmonium, Mikel Patrick Avery am Schlagzeug und Jason Stein an der Bassklarinette. Für Since Time Is Gravity wird die Formation als erweitertes Natural Information Society Community Ensemble mit Ari Brown beschrieben. Beteiligt sind unter anderem Josh Berman und Ben LaMar Gay an Kornetten, Nick Mazzarella und Mai Sugimoto an Altsaxophon und Flöte, Kara Bershad an der Harfe, Hamid Drake am Schlagzeug sowie Ari Brown am Tenorsaxophon.
Ari Brown ist ein langjähriges Mitglied des AACM, einer wichtigen Chicagoer Musikervereinigung für experimentellen Jazz. Die Zusammenarbeit zwischen Brown und Abrams begann zufällig: Bei einem Auftritt auf dem African Festival of the Arts in Chicago fehlte Browns damaliger Bassist wegen eines Staus, und Abrams sprang für das ganze Set ein. Später wurden Brown und Abrams Freunde und arbeiteten auch an Filmmusiken zusammen, darunter am Soundtrack zu Bill Siegels Dokumentarfilm The Trial of Muhammad Ali von 2014 und bei einem Stück auf einem Album der Natural Information Society von 2017.
Obwohl Abrams’ Kompositionen notiert sind, hatte Brown beim Spielen weitgehend Freiheit. Brown sagte, Abrams habe ihm einige Hinweise gegeben, wie er an die Melodien herangehen solle, ihn aber im Grunde so spielen lassen, wie er es wollte. Abrams erklärte, sein ursprünglicher Plan sei gewesen, Brown durchgehend improvisieren zu lassen. Kurz vor der Aufnahme habe er jedoch gemerkt, dass einige Melodien mehr Struktur brauchten, und deshalb längere melodische Statements für Brown komponiert. Abrams sah Browns Anwesenheit außerdem als erbauliche und stabilisierende Kraft für die Gruppe.
Form und Stücke
Das Album enthält acht Stücke, auch wenn die Infobox 11 Titel nennt. Die aufgeführte Titelliste lautet: Moontide Chorus mit 6:41 Minuten, Is mit 11:39 Minuten, Murmuration mit 18:05 Minuten, Wane mit 4:31 Minuten, Stigmergy mit 13:04 Minuten, Immemorial mit 8:13 Minuten, Wax mit 3:17 Minuten und Gravity mit 7:52 Minuten.
In einer Beschreibung werden die Stücke in drei Gruppen eingeteilt. Zwei relativ kurze Stücke, Wane und Wax, sind Solo-Gimbri-Stücke von Abrams. Drei längere Stücke stellen Ari Brown mit dem größeren Ensemble in den Vordergrund. Die übrigen drei Stücke zeigen verschiedene Besetzungsformen des Ensembles. Murmuration ist mit 18:05 Minuten der längste Titel und wird als besonders geeignet beschrieben, die anhaltende, tranceartige Kraft der Musik zu entfalten. Stigmergy hebt sich stärker von der Gnawa-Grundlage ab, weil es eher an klassische indische Musik erinnert.
Rezeption und Einordnung
In den Kritiken wird Since Time Is Gravity vor allem als hypnotisches, rhythmisch geprägtes und zugleich jazznahes Album eingeordnet. Jonathan Williger schrieb in Pitchfork Media, die Musik der Natural Information Society sei zwar nicht ausdrücklich spirituell, greife aber auf Praktiken aus verschiedenen Teilen der Welt zurück, die transzendente Erfahrungen ermöglichen: Gnawa aus Nordafrika, klassische Musik aus Hindustan und ekstatischer Jazz. Diese Traditionen arbeiteten oft mit langen Formen, Improvisationen und der Erweiterung einer zentralen Tonleiter oder eines zentralen Motivs. Abrams verbinde solche Klänge mit einer postmodernen Sensibilität minimalistischer Komposition. Wiederholungen, rhythmisches Zusammenspiel und summende Drones seien Mittel, durch die die Musik Zeitwahrnehmung verändere.
Thom Jurek gab dem Album in Allmusic vier Sterne. Er betonte, dass Abrams’ Musik tief von marokkanischer Gnawa-Heilmusik inspiriert sei, aber auch andere Musikrichtungen aufnehme. Bei früheren Arbeiten habe diese Vielfalt den Jazz manchmal in den Hintergrund treten lassen; bei Since Time Is Gravity sei der Jazzzusammenhang wegen der vielen Holz-, Blas- und Blechbläser deutlicher. Das Ensemble kehre zu seinen Wurzeln in Rhythmus und Obertönen zurück, schaffe aber mehr Raum für Jazzharmonik, rhythmische Sensibilität und Solisten.
Danen Jobe hob in All About Jazz die hypnotische Wirkung hervor. In Gravity tauchten dissonante Töne und kurzzeitig lautere Passagen auf, ohne dass sich die Musik weit vom tranceartigen Erlebnis entferne. Zugleich merkte er an, dass wenige Rhythmuswechsel das rituelle Gefühl verstärkten, das Album dadurch aber länger wirken könne und sich das Schema etwas abnutze. Am Ende stehe mit dem experimentelleren Gravity und einem starken Solo von Ari Brown dennoch ein wichtiger Höhepunkt.
Ari Brown und zentrale Eindrücke
Mehrere Kritiken stellen Ari Brown als entscheidende Stimme des Albums heraus. James Toth schrieb bei Daily Bandcamp, eines der ersten auffälligen Elemente sei Browns aufsteigendes Tenorsaxophon. Die Gruppe um Joshua Abrams habe in den letzten zwei Jahrzehnten eine einzigartige und hypnotische Mischung aus tantrischem Post-Jazz-Minimalismus entwickelt, die zugleich frei und diszipliniert wirke. Brown erscheine darin wie eine Stimme, die sich zeitweise von der kollektiven Formation löse und dann wieder zu ihr zurückkehre. Auf drei der acht Stücke würden seine Improvisationen und sein starker, dynamischer Ton fast die Hauptrolle übernehmen.
Auch andere Besprechungen beschreiben Browns Spiel als Verbindung von persönlichem Ausdruck und Jazzgeschichte. In Milliken heißt es, Brown beziehe sich in seinen Improvisationen zu Moontide Chorus, Is und Gravity auf frühere Erfahrungen mit AACM-Musikern wie Malachi Thompson, Famoudou Don Moye und Kahil El’Zabar, bewahre aber eine deutlich individuelle Sensibilität. Seine modalen Melodien bewegten sich zwischen mystischer Mehrdeutigkeit und vertrauter Gesprächsnähe. Gary Whitehouse nannte Murmuration seinen Favoriten und beschrieb das Stück als hypnotisierenden, 18-minütigen Ambient-Jazz. Insgesamt sah er Since Time Is Gravity als eines der komplexeren und nuancierteren Alben der letzten Jahre, besonders interessant für Hörerinnen und Hörer von modernem Jazz, Ambient-Jazz, Trance und modaler Weltmusik.