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Siglo de Oro
Sie führte zu einer Blüte der Kunst und Kultur. Das Siglo de Oro stellte in Spanien den Übergang von der Renaissance zum Barock dar und dauerte etwa von 1550 …
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Begriff und historische Bedeutung
Als Siglo de Oro („Goldenes Jahrhundert“) wird rückblickend das Goldene Zeitalter Spaniens bezeichnet. Gemeint ist eine Epoche besonderer politischer Macht, wirtschaftlichen Reichtums sowie einer außergewöhnlichen Blüte von Kunst und Kultur. Sie markiert den Übergang von der Renaissance zum Barock und wird meist auf etwa 1550 bis 1660 datiert. In der Literaturwissenschaft reicht die Epoche häufig vom Regierungsantritt Philipps II. im Jahr 1556 bis zum Tod Pedro Calderóns de la Barca 1681. Wegen der unterschiedlichen Entwicklungen spricht man heute auch von den Siglos de Oro („Goldene Jahrhunderte“).
Ein wichtiger Ausgangspunkt war das Jahr 1492: Mit der Eroberung Granadas endete die Reconquista, und Christoph Kolumbus entdeckte Amerika. Spanien stieg dadurch zu einer führenden politischen und wirtschaftlichen Macht Europas und der Welt auf. Edelmetalle aus der Eroberung indigener Reiche sowie die Silbervorkommen in Mexiko und Alto Perú, dem heutigen Bolivien, brachten große Geldmengen ins Land. Das Silber, das für wertbeständige Münzen besonders wichtig war, finanzierte Kriege gegen Frankreich, England, die aufständischen Niederlande und das Osmanische Reich. Seit der Union mit Portugal 1580 gehörte auch das portugiesische Kolonialreich zum Herrschaftsbereich.
Der Reichtum führte jedoch nicht zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Stärkung Spaniens. Die heimische Wirtschaft wurde vernachlässigt, der Geldzustrom verursachte Inflation und einen Anstieg der Lebenshaltungskosten. Seit 1600 häuften sich politische Krisen, militärische Niederlagen und Staatsbankrotte; außerdem wurde Spanien von der Pest heimgesucht. Die Edelmetallzuflüsse reichten schließlich nicht aus, um die politischen Ziele der Herrscher und die Sicherung des überseeischen Kolonialreichs zu finanzieren. Der politische Niedergang beendete langfristig auch Spaniens kulturelle Vormachtstellung.
Die Bezeichnung entstand im 17. Jahrhundert als rückblickende Vorstellung einer vergangenen Blütezeit. Sie bezog sich ursprünglich auf die Idee eines geschichtlichen Verlaufs vom goldenen über das silberne und bronzene bis zum eisernen Zeitalter. Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Ausdruck besonders für das literarische Schaffen der vorangegangenen beiden Jahrhunderte verwendet. Als allgemeinhistorische Bezeichnung und hinsichtlich der genauen Periodisierung blieb er jedoch unscharf. Mariano Delgado schlug ergänzend die Bezeichnung „Spanisches Jahrhundert“ für das 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts vor, um Spaniens politische Führungsrolle und sein Sendungsbewusstsein hervorzuheben.
Literatur und poetische Strömungen
Trotz der politischen Krisen setzte die kreative Erneuerung der spanischen Literatur, die Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen hatte, bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts fort. Drama, Roman und Poesie erlebten eine zuvor nicht gekannte Blüte. Die Herrschaft der spanischen Könige beeinflusste dabei die literarische Entwicklung: Karl V. (1516–1556) stand für eine weltoffene, europäisierende und optimistische Sichtweise. Unter Philipp II. (1556–1598) überwogen die Ablehnung ausländischer Einflüsse, eine antireformatorische Haltung, die Rückbesinnung auf das „typisch Spanische“ und ein Hang zur Mystik.
Im Barock unterscheidet die Literaturwissenschaft besonders zwei poetische Strömungen. Der Culteranismo verwendet eine gelehrte Sprache mit zahlreichen Ausdrücken aus dem Lateinischen und Altgriechischen sowie Anspielungen auf die klassische Mythologie. Künstliche Metaphern, Neologismen und eine ungewöhnliche Wortstellung, das Hyperbaton, erschweren zusätzlich das Verständnis. Diese Literatur war daher vor allem gebildeten Schichten zugänglich und wirkte elitär. Wichtigster Vertreter war Luis de Góngora.
Der Conceptismo leitet seinen Namen vom spanischen concepto („Begriff“) ab. Gemeint sind geistreiche Verbindungen von Ideen oder Wörtern, etwa Wortspiele mit Doppeldeutigkeiten. Typische Stilmittel sind Antithese, Paradoxon, Kontrast, Parallelismus und lakonische Kürze. Als Hauptvertreter gilt Francisco de Quevedo.
Ein zentrales Werk des Siglo de Oro ist Miguel de Cervantes’ Roman Don Quijote. Cervantes griff die Vorstellung eines angstfreien und unbefangenen Umgangs der Geschlechter im Goldenen Zeitalter auf. Zugleich beschreibt der Roman Bedingungen, unter denen eine Zeit wirklich „golden“ sein könne: Der Hunger müsse gestillt sein, alle müssten uneigennützig teilen können, und die Natur solle unzerstört und menschenfreundlich sein. Reichtum und Gold haben für Don Quijote dagegen keine entscheidende Bedeutung. Seine eigene Zeit bezeichnet er als „eiserne“.
Zur Entstehungszeit des Romans befand sich Spanien bereits im Niedergang. Die Spanische Armada war besiegt, der Kampf um die Niederlande im Achtzigjährigen Krieg zeichnete sich als verloren ab, und die Edelmetalllieferungen aus Übersee gingen zurück. Die Bezeichnung „goldenes Zeitalter“ verklärt daher eine jüngere Vergangenheit, die im Vergleich zu den Krisen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als besonders glücklich erschien. Neben Cervantes, Góngora und Quevedo gehören unter anderem Lope de Vega, Tirso de Molina, Teresa von Ávila, Juan de la Cruz, Baltasar Gracián und Calderón zu den bedeutenden literarischen Vertretern.
Musik
Die spanische Musik des 15. und frühen 16. Jahrhunderts war stark von der niederländischen Vokalpolyphonie beeinflusst. Frankoflämische Sänger und Komponisten wirkten bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts am spanischen Königshof. Gleichzeitig waren spanische Sänger in der päpstlichen Kapelle in Rom tätig. Zu den bedeutendsten Komponisten der Vokalmusik zählen Cristóbal de Morales (um 1500–1553), Francisco Guerrero (1528–1599) und Tomás Luis de Victoria (um 1548–1611). Victoria arbeitete in Madrid im Monasterio de las Descalzas Reales und schrieb dort sein berühmtes Requiem. Seine Musik war stark von Palestrina beeinflusst und wurde zum Inbegriff spanischer Vokalmusik. Die Vokalpolyphonie im Stil Victorias und Palestrinas wirkte auch auf jüngere Komponisten wie Alonso Lobo und auf portugiesische Komponisten.
Eine besondere Bedeutung hatte die Instrumentalmusik für Vihuela, Gitarre, Tasteninstrumente und Harfe. Die Vihuela ist ein Saiteninstrument, für das unter anderem Luis de Narváez, Luis de Milán, Miguel de Fuenllana und Alonso Mudarra bereits in der ersten Hälfte und Mitte des 16. Jahrhunderts komplexe und virtuose Werke schrieben. Zu den Formen gehörten Variationen, Tientos, Fantasien, Pavanen, Galliarden, Romanzen und Villancicos.
Wichtig waren außerdem glosas und glosados. Glosas sind Verzierungen und Umspielungen des eigentlichen kontrapunktischen Stimmgewebes; glosados sind stark verzierte oder variierte Fassungen bereits vorhandener Stücke. Antonio de Cabezón schuf bedeutende Werke für Cembalo, Virginal, Clavichord, Orgel und Harfe. Aus dieser Tradition entwickelte sich eine eigenständige iberische Tastenmusik. Ihre wichtigste Gattung war das Tiento, das sich vom Vorspiel und Ricercar zu einer virtuoseren Form entwickelte und verschiedene Untergattungen hervorbrachte.
Die spanische Instrumentalmusik wurde in der spanischen Tabulatur notiert. Ein bedeutendes gedrucktes Werk ist das 1557 von Luis Venegas de Henestrosa herausgegebene Libro de cifra nueva („Buch der neuen Ziffern“) für Tasteninstrumente, Harfe oder Vihuela. Zu den wichtigen späteren Tastenkomponisten zählen Francisco Correa de Arauxo, Pablo Bruna und Juan Bautista Cabanilles. Im 17. Jahrhundert geriet die iberische Musik jedoch zunehmend ins Abseits, weil sie lange an den Idealen der Renaissance festhielt.
Malerei und Bildhauerei
In der Malerei verlagerte sich das Kunstschaffen unter Philipp IV. infolge der Zentralisierungsbestrebungen allmählich aus Zentren wie Toledo, Sevilla und Valladolid nach Madrid. Sevilla blieb jedoch auch im 17. Jahrhundert neben Madrid ein bedeutendes Kunstzentrum. Die spanische Malerei konzentrierte sich vor allem auf religiöse Darstellungen und Porträts. Daneben entstanden Stillleben, die als bodegón bezeichnet werden, sowie in geringerer Zahl Historienbilder, mythologische Szenen und Genrebilder.
Für den spanischen Hochbarock ab etwa 1630 sind ein ausgeprägter Naturalismus und zugleich ein starker Hang zum Mystischen kennzeichnend. Einflussreich war besonders der italienische Frühbarock mit dem Tenebrismus Caravaggios und seiner Nachfolger. Dieser Einfluss wurde unter anderem durch Jusepe de Ribera und andere neapolitanische Maler vermittelt. In Madrid entstand eine eigene Richtung, die Madrider Schule. Ihre lockere, duftige Pinselführung konnte beinahe impressionistische Wirkungen erzeugen und orientierte sich außerdem am mittleren und späten Tizian, an Correggio, Van Dyck und Rubens. Zu ihr zählen unter anderem Diego Velázquez, Juan Carreño de Miranda, Francisco Rizi, Francisco de Herrera der Jüngere, José Antolínez, Mateo Cerezo und Claudio Coello. El Greco, der aus Kreta stammte, gilt zwar oft als typischer Künstler des spanischen Siglo de Oro, war tatsächlich aber eine stilistische Ausnahmeerscheinung.
Zu den bedeutenden Malern gehören außerdem Francisco de Zurbarán, Alonso Cano und Bartolomé Esteban Murillo. In der Bildhauerei wirkten unter anderem Alonso Berruguete, Juan de Juni, Diego de Siloé, Gregorio Fernández, Juan Martínez Montañés und Pedro de Mena. Die künstlerische Entwicklung zeigt insgesamt, wie religiöse Themen, naturalistische Darstellung und mystische Ausdrucksformen im Übergang von Renaissance zu Barock verbunden wurden.
Religiöse und gesellschaftliche Verhältnisse
Nach 1492 galten die Muslime als endgültig aus Spanien vertrieben. Die verbliebenen Muslime mussten als zwangskonvertierte Moriscos unter ständiger Kontrolle leben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden auch sie aus Spanien vertrieben und nach Nordafrika gebracht.
Juden mussten zum Katholizismus übertreten, wenn sie in Spanien bleiben wollten. Konvertierte Juden wurden jedoch von den sogenannten Altchristen weiterhin mit großem Misstrauen behandelt. Diese religiösen Zwangsmaßnahmen und die Kontrolle gesellschaftlicher Gruppen bildeten einen wichtigen Bestandteil der spanischen Verhältnisse während des Siglo de Oro.