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Kanton Waadt

Der Kanton Waadt ist hinsichtlich der Einwohnerzahl und des Bruttoinlandproduktes nach den Kantonen Zürich und Bern der drittgrösste Schweizer Kanton. Bezüglich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Lage und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung und Verwaltung
  3. 3. Staat und politische Ordnung
  4. 4. Wirtschaft, Verkehr und Bildung
  5. 5. Geschichtliche Entwicklung
  6. 6. Kultur, Sehenswürdigkeiten und Sport

Überblick, Lage und Naturraum

Die Waadt (französisch Vaud, Kürzel VD) ist ein französischsprachiger Kanton im Westen der Schweiz. Hauptort und bevölkerungsreichste Gemeinde ist Lausanne. Die Waadt trat 1803 als selbstständiger Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Mit 3212,02 km² ist sie nach Graubünden, Bern und dem Wallis der viertgrösste Kanton; nach Einwohnerzahl und Bruttoinlandsprodukt steht sie hinter Zürich und Bern an dritter Stelle.

Der Kanton reicht vom Genfersee bis zum Neuenburgersee. Er grenzt an Frankreich sowie an die Kantone Genf, Wallis, Freiburg, Bern und Neuenburg. Der Jura prägt den Nordwesten, die Alpen den Südosten und das Mittelland den übrigen Raum. Neben Bern ist die Waadt damit der einzige Schweizer Kanton mit Anteil an allen drei Grossregionen. Der Bezirk Avenches bildet eine von Freiburg umschlossene Exklave; zugleich liegen drei Freiburger Enklaven in der Waadt und mit Céligny eine Genfer Enklave im Südwesten.

Die höchste Erhebung ist der Südwestgipfel des Sommet des Diablerets mit 3210 m ü. M.; der tiefste Bereich liegt am Genfersee. Seen bedecken 393 km² oder 12,23 Prozent der Kantonsfläche, Flüsse und Bäche 9,4 km² oder 0,29 Prozent. Wichtigstes Gewässer ist der Genfersee. Weitere Anteile besitzt der Kanton am Neuenburger- und am Murtensee; vollständig in der Waadt liegen unter anderem Lac de Joux, Lac Brenet, Lac de Bret und Lac de l’Hongrin. Bedeutende Flüsse sind Orbe, Broye, Venoge, Mentue und Aubonne.

Die Landschaft besteht aus Gebirgen, wellenförmigem Hügelland und fruchtbaren Tälern. Das Klima unterscheidet sich regional deutlich. Im Mittel liegen die Tageshöchsttemperaturen bei etwa 14,5 °C und die Tiefsttemperaturen bei 6,5 °C. Pro Jahr fallen ungefähr 1100 bis 1200 mm Niederschlag an 104 Regentagen; die mittlere Sonnenscheindauer beträgt 5,7 Stunden täglich. Das Gros de Vaud ist trotz seiner Höhenlage mild und wegen der Leelage hinter dem Hochjura mit ungefähr 900 bis 1000 mm Jahresniederschlag vergleichsweise trocken.

Bevölkerung und Verwaltung

Am 30. September 2025 lebten 859'186 Menschen im Kanton. Die Bevölkerungsdichte betrug 267 Einwohner pro km² und lag damit über dem Schweizer Durchschnitt von 220. Der Anteil der gemeldeten Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht lag bei 34,0 Prozent, gegenüber 27,6 Prozent in der ganzen Schweiz. Die Arbeitslosenquote betrug am 31. Januar 2026 4,9 Prozent; schweizweit waren es 3,2 Prozent.

Die Bevölkerung konzentriert sich auf städtische Agglomerationen. Die Agglomeration Lausanne umfasste rund 324'400 Einwohner, Vevey–Montreux 89'900, die Region Aigle 37'100 und Yverdon-les-Bains 31'600. Nyon ist stärker auf die Agglomeration Genf ausgerichtet. Seit 1850 wuchs die Kantonsbevölkerung stark: von 199'575 Einwohnern im Jahr 1850 über 640'657 im Jahr 2000 und 700'000 im Jahr 2010 auf 830'431 im Jahr 2022.

Amtssprache und wichtigste Umgangssprache ist Französisch. Bei der Volkszählung 2000 bezeichneten 81,83 Prozent Französisch als ihre bestbeherrschte Sprache, 4,75 Prozent Deutsch, 2,92 Prozent Italienisch und 0,04 Prozent Rätoromanisch; 10,46 Prozent nannten eine andere Sprache.

Auch die Religionszugehörigkeit hat sich verändert. Im Jahr 2000 waren 40,0 Prozent protestantisch und 33,6 Prozent römisch-katholisch; knapp 14 Prozent gehörten keiner Konfession an. Ende 2024 bezeichneten sich unter den Befragten ab 15 Jahren 26,0 Prozent als katholisch, 17,5 Prozent als evangelisch, 6,3 Prozent als Angehörige einer weiteren christlichen Gemeinschaft und 6,4 Prozent als muslimisch. 43,3 Prozent waren konfessionslos oder machten keine Angabe.

Seit 2008 ist die Waadt in zehn Bezirke gegliedert, die zugleich den Wahlkreisen entsprechen. Zuvor bestanden 19 Bezirke und 60 Kreise. Zu den grössten Gemeinden gehören Lausanne mit 145'596 Einwohnern, Yverdon-les-Bains mit 30'590, Montreux mit 27'182 und Nyon mit 23'768 Einwohnern, jeweils per 31. Dezember 2025.

Staat und politische Ordnung

Die heutige Kantonsverfassung trat am 14. April 2003 in Kraft, genau 200 Jahre nach der Kantonsgründung. Sie verkleinerte den Grossen Rat von 180 auf 150 Mitglieder und verlängerte die Legislatur von vier auf fünf Jahre. Das Kantonsgericht wurde zugleich Verfassungsgericht, ein Rechnungshof wurde geschaffen und niedergelassene Ausländer erhielten auf Gemeindeebene das Stimm- und Wahlrecht. Die evangelisch-reformierte Kirche wurde deutlicher vom Staat getrennt, blieb aber wie die römisch-katholische Kirche öffentlich-rechtlich anerkannte Landeskirche. In der Abstimmung vom 22. September 2002 nahmen 55,9 Prozent die Verfassung an; die Beteiligung betrug 44,4 Prozent.

Die Legislative, also die gesetzgebende Gewalt, ist der Grosse Rat. Seine 150 Mitglieder werden für fünf Jahre im Proporzwahlverfahren gewählt, bei dem die Sitze entsprechend den Stimmenanteilen verteilt werden. Bei den Wahlen 2022 erhielt die FDP 50 Sitze, die SP 33, die Grünen 25, die SVP 23 und die GLP 11; weitere Parteien besetzten die übrigen Sitze.

Die Exekutive, also die ausführende Gewalt, bildet der siebenköpfige Staatsrat. Seine Mitglieder werden für fünf Jahre im Majorzwahlverfahren gewählt, bei dem die Kandidierenden mit den meisten Stimmen gewinnen. Jedes Mitglied leitet ein Departement. Der Staatsratspräsident wird aus dem Kreis der sieben Mitglieder für die gesamte fünfjährige Legislatur bestimmt.

In der Judikative entscheiden in erster Instanz die Kreisgerichte und in zweiter Instanz das Kantonsgericht. Friedensgerichte wirken in Zivilsachen als Schlichtungsbehörden. Hinzu kommen Spezialgerichte, etwa Miet- und Arbeitsgerichte. Das Kantonsgericht ist auch kantonales Verfassungsgericht. In Lausanne befindet sich ausserdem das Schweizerische Bundesgericht als oberste richterliche Instanz der Schweiz.

Die direkte Demokratie ermöglicht Volksinitiativen und Referenden. Für den Erlass, die Änderung oder Aufhebung eines Gesetzes oder eine Teilrevision der Verfassung braucht eine Initiative 12'000 Unterschriften innerhalb von vier Monaten; für eine Totalrevision der Verfassung sind 18'000 nötig. Verfassungsrevisionen und bestimmte weitere Beschlüsse unterstehen zwingend dem obligatorischen Referendum. Gegen Gesetze, Dekrete und gesetzesändernde Verträge kann mit 12'000 Unterschriften innerhalb von 60 Tagen ein fakultatives Referendum verlangt werden.

Auf Bundesebene stellt die Waadt 19 Mitglieder des Nationalrates und wie alle historischen Vollkantone zwei Mitglieder des Ständerates. Regional arbeitet sie unter anderem im Conseil du Léman und in der internationalen Kommission zum Schutz des Genfersees mit.

Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Das Bruttoinlandsprodukt der Waadt betrug 2022 64,5 Milliarden Franken, Rang 3 unter den 26 Kantonen. Das BIP pro Kopf lag bei 78'021 Franken und damit auf Rang 12. Fast 80 Prozent aller Arbeitsplätze gehören zum Dienstleistungssektor; Lausanne ist das wirtschaftliche Zentrum. Wichtige Industriezweige sind Mikromechanik, Elektronik, Uhrenindustrie, Medizintechnik sowie Informations- und Biotechnologie. Zu den international bekannten Unternehmen mit Sitz im Kanton zählen Nestlé, Logitech, Philip Morris International und Kudelski. 20 Prozent der Produktion werden exportiert, davon gehen 66 Prozent nach Europa. Im Jahr 2020 bewirtschafteten 374 Betriebe 11 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch.

Der Tourismus gliedert sich in die Regionen «Städte – Seen», «Jura», «Auf dem Lande» und «Alpen». Besonders beliebt ist die Waadtländer Riviera zwischen Lausanne und Montreux mit dem Weinbaugebiet Lavaux. 2002 brachte der Tourismus 4,56 Milliarden Franken ein und beschäftigte über 22'510 Personen, entsprechend 8,6 Prozent aller Arbeitsplätze. Thermalbäder befinden sich in Lavey und Yverdon-les-Bains.

Das Verkehrsnetz verbindet den Kanton regional, national und international. Die Strecke Genf–Lausanne, heute Teil der A1, war die erste Autobahn der Schweiz. Der Bahnhof Lausanne ist ein wichtiger Eisenbahnknoten; Schiffe verbinden Orte am Genfersee auch mit französischen Gemeinden. Seit 2008 besitzt Lausanne mit der vollautomatischen Linie M2 ein in der Schweiz einzigartiges U-Bahn-System. Hinzu kommen dichte Bus- und Trolleybusnetze, zwei Regionalflugplätze und der nahe internationale Flughafen Genf. 2025 kamen 511,1 Personenwagen auf 1'000 Einwohner.

Bedeutende Bildungseinrichtungen sind die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) und die 1537 gegründete Universität Lausanne (UNIL). Zusammen bilden sie den Campus Lausanne, den grössten Campus der Schweiz. Die Hotelfachschule Lausanne gilt als ältestes und renommiertestes Bildungsinstitut im Hotelgewerbe. Berufsausbildungen sind in mehr als 200 Fachbereichen möglich; jährlich werden ungefähr 13'000 Jugendliche ausgebildet.

Geschichtliche Entwicklung

Nach dem Rückgang der eiszeitlichen Gletscher besiedelten um 13'500 v. Chr. Jäger und Sammler das Gebiet. Um 5'500 v. Chr. wurden Menschen an den Seeufern sesshaft; um 2'000 v. Chr. führten Metallgewinnung und erste Rodungen zu weiteren Veränderungen.

58 v. Chr. verhinderte Julius Cäsar in der Schlacht bei Bibracte die Auswanderung der Helvetier nach Gallien und unterstellte sie dem Römischen Reich. Römische Bautechnik, die lateinische Sprache sowie Handel und Gewerbe förderten die Entwicklung. Im 5. Jahrhundert liessen sich Burgunder neben den Helvetiern nieder. Danach herrschten während fünf Jahrhunderten fränkische Könige; rund 150 Jahre gehörte das Gebiet zum Königreich Burgund.

Um 1000 wurde das Gebiet dem Bischof von Lausanne zugesprochen. Im 13. Jahrhundert entstand unter den Grafen von Savoyen mit Moudon als Hauptort ein Kleinstaat, jedoch ohne das Bistum Lausanne. Die Waadt war 1475 bis 1476 ein Hauptschauplatz der Burgunderkriege. 1536 eroberte Bern das Gebiet, führte die Reformation zwangsweise ein und regierte 262 Jahre. Ein Aufstand unter Major Davel scheiterte; er wurde am 24. April 1723 hingerichtet. Vom Spätmittelalter bis zum 18. Jahrhundert fielen in der Waadt 1700 bis 2000 Menschen der Hexenverfolgung zum Opfer.

Am 24. Januar 1798 wurde in Lausanne die Unabhängigkeit der Lemanischen Republik ausgerufen. Kurz darauf wurde die Waadt als Kanton Léman Teil der Helvetischen Republik. Durch Napoleons Mediationsakte vom 19. Februar 1803 entstand der eigenständige Kanton Waadt. Am 14. April 1803 trat der Grosse Rat erstmals zusammen; dieses Datum ist heute kantonaler Feiertag. 1831 wurde das allgemeine Stimm- und Wahlrecht eingeführt. 1959 führte die Waadt als erster Schweizer Kanton das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene ein.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Sport

Typische Speisen sind regionale Saucissons wie Boutefas und Saucisse aux choux vaudoise, der Laucheintopf Papet Vaudois, Kabissuppe, Fondue, Speckkartoffeln, Zwetschgenkuchen und der Käse L’Etivaz. Mit mehr als 3882 Hektaren Rebfläche ist die Waadt nach dem Wallis der zweitgrösste Weinproduzent der Schweiz. Das Weinbaugebiet Lavaux am Genfersee gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zu den wichtigen historischen Sehenswürdigkeiten zählen das Kloster Romainmôtier und Schloss Chillon. Dieses ist mit 300'000 Besuchern jährlich das meistbesuchte historische Gebäude der Schweiz. Weitere Ziele sind die Thermalorte Yverdon-les-Bains und Lavey, das Charlie-Chaplin-Museum in Corsier-sur-Vevey und die Freddie-Mercury-Statue in Montreux. Bedeutende Veranstaltungen sind das Montreux Jazz Festival, das Paléo Festival Nyon, das Tulpenfest in Morges und die seit 1889 ungefähr alle 25 Jahre veranstaltete Fête des Vignerons in Vevey.

Lausanne ist seit der Niederlassung des Internationalen Olympischen Komitees im Jahr 1915 die «olympische Hauptstadt». Im Kanton befinden sich 26 internationale Sportverbände und 20 internationale Sportorganisationen, darunter die UEFA in Nyon und der Internationale Radsportverband in Aigle. Zu den Grossveranstaltungen gehören die Athletissima, der Prix de Lausanne und der Lausanne-Marathon.

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