Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Québec
Québec (französisch [keˈbɛk], englisch Quebec [ kwɨˈbɛk] oder [ kəˈbɛk], ursprünglich Algonkin Kebec für „wo der Fluss enger wird“; deutsche Schreibweise …
Inhalt5 Abschnitte
Lage, Bedeutung und Grunddaten
Québec ist eine kanadische Provinz im Osten des Landes. Mit 1.542.056 km² ist sie die flächenmäßig größte Provinz Kanadas; 2021 hatte sie 8.501.833 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 5,5 Einwohnern je km². Hauptstadt ist Québec, größte Stadt Montréal. Die einzige Amtssprache der Provinz ist Französisch. Québec hat innerhalb des überwiegend anglophonen Kanada den größten frankophonen Bevölkerungsanteil und bildet durch Sprache, Kultur und Institutionen eine eigenständige nationale Gemeinschaft.
Die Québécois wurden 2006 offiziell als „Nation in einem vereinten Kanada“ anerkannt. Die politische Diskussion über Frankophonie und Souveränität reicht von zusätzlichen Zuständigkeiten bis zur vollständigen Sezession. Unabhängigkeitsreferenden scheiterten 1980 und 1995. Zur indigenen Bevölkerung gehören 39 anerkannte Premières Nations, darunter irokesische Gruppen wie Mohawk und Wyandot sowie algonkinsprachige Gruppen wie Cree und Mi'kmaq, außerdem Inuit mit Inuktitut.
Naturraum, Klima und Verwaltung
Québec grenzt unter anderem an Ontario, die Hudson Bay, Neufundland und Labrador, New Brunswick, den Sankt-Lorenz-Golf, die USA und im Norden an Nunavut. Der Sankt-Lorenz-Strom verbindet die Großen Seen mit dem Atlantik und ist seit 1959 Teil des Sankt-Lorenz-Seewegs. Nordöstlich der Hauptstadt bildet er das weltweit größte Ästuar und mündet in den Sankt-Lorenz-Golf. Anticosti ist die größte Insel der Provinz.
Das dicht besiedelte Sankt-Lorenz-Tiefland reicht über Montréal, Trois-Rivières und Québec. Seine fruchtbaren Böden und das mildeste Klima der Provinz machen es zum wichtigsten Landwirtschaftsraum. Mehr als vier Fünftel Québecs liegen dagegen auf der Labrador-Halbinsel im Kanadischen Schild: ein rohstoffreiches, wasserkräftiges, aber dünn besiedeltes Gebiet. Im Norden liegt arktische Tundra, weiter südlich borealer Nadelwald. Höchster Punkt ist der Mont d’Iberville beziehungsweise Mount Caubvick an der Grenze zu Labrador: Der eigentliche 5420 Fuß hohe Gipfel liegt vollständig in Labrador; auf Québecer Seite liegt ein 5419 Fuß hoher Nebengipfel.
Im Süden und Westen herrscht feuchtes Kontinentalklima (Dfb) mit warmen, feuchten Sommern und langen, kalten Wintern. Im Zentrum überwiegt boreales Klima (Dfc), im Norden Tundrenklima (ET). Québec ist in 17 Verwaltungsregionen gegliedert. Regionale Grafschaftsgemeinden (MRC) übernehmen etwa Flächennutzungsplanung, Wasserversorgung und Abfallwirtschaft; 14 kreisfreie Städte erledigen diese Aufgaben selbst. Die unterste kommunale Ebene bilden verschiedene Gemeindeformen, darunter Städte, Gemeinden, Dörfer sowie nordische, Cree- und Naskapi-Dörfer.
Von indigenen Gesellschaften zur Provinz
Vor der europäischen Kolonisierung lebten unter anderem Inuit, Mohawks, Cree, Algonkin, Innu und Mi’kmaq im heutigen Québec. Viele Gruppen lebten als nomadische Jäger, Sammler und Fischer; die Sankt-Lorenz-Irokesen waren sesshaft und betrieben Landwirtschaft. Ab etwa 1525 kamen baskische Walfänger und Fischer an die Küste. Jacques Cartier erreichte 1534 Gaspé und befuhr 1535 den Sankt-Lorenz-Strom. Pierre Chauvin gründete 1600 in Tadoussac einen Handelsposten.
Samuel de Champlain gründete 1608 die Stadt Québec als Hauptstadt Neufrankreichs. Der Pelzhandel führte zu Handels- und Militärbündnissen mit Algonkin und Wyandot; Montréal wurde 1642 gegründet. 1627 erhielt die Compagnie de la Nouvelle-France das Pelzhandelsmonopol. Das régime seigneurial war ein halb-feudales System der Landvergabe, und Nichtkatholiken durften sich nicht ansiedeln. Ab 1663 war Neufrankreich eine königliche Kolonie. Nach der französischen Niederlage auf der Abraham-Ebene 1759 fiel Neufrankreich im Pariser Frieden 1763 an Großbritannien.
Der Quebec Act von 1774 erkannte französisches Recht, Religionsfreiheit sowie französische Sprache und Kultur an. 1791 wurde die Kolonie in französischsprachiges Niederkanada und englischsprachiges Oberkanada geteilt. Nach den Rebellionen von 1837 wurden beide 1840 zur Provinz Kanada vereinigt; 1848 erhielt diese Selbstverwaltung. Mit dem British North America Act entstand am 1. Juli 1867 das Dominion Kanada; aus Niederkanada wurde die Provinz Québec. Gebietserweiterungen erfolgten 1898 bis zur James Bay und 1912 durch den Ungava-Distrikt. 1927 musste Québec nach einer Grenzentscheidung einen Gebietsstreifen an Neufundland abtreten.
Ab 1960 modernisierte die Regierung Jean Lesages die Provinz in der Stillen Revolution. Sie verringerte den Einfluss der katholischen Kirche und verstaatlichte Hydro-Québec. Separatistische Bewegungen entstanden; die militante FLQ verübte von 1963 bis 1970 mehr als 200 Bombenanschläge und Banküberfälle. Die friedlich ausgerichtete Parti Québécois strebte Unabhängigkeit an. Französisch wurde 1974 alleinige Amtssprache, und die Charta der französischen Sprache von 1977 stärkte das Französische im Alltag. Im Referendum 1980 stimmten 59,6 % gegen die Loslösung; 1995 scheiterte sie mit 50,58 % Nein gegen 49,42 % Ja. Der Oberste Gerichtshof Kanadas entschied 1998, dass eine Provinz nicht einseitig unabhängig werden kann.
Bevölkerung, Sprachen und Religion
Die Bevölkerung wuchs von 892.061 Einwohnern 1851 auf 8.501.833 im Jahr 2021. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer betrug 2021 1,58, gegenüber 1,43 in Kanada insgesamt und unter der Reproduktionsziffer von 2,1. 2020 lagen Geburtenziffer und Sterbeziffer bei 9,6 ‰ beziehungsweise 7,9 ‰. Die Lebenserwartung betrug 80,61 Jahre für Männer und 84,05 Jahre für Frauen.
Bei der Volkszählung 2001 nannten 79,0 % Französisch als Muttersprache, 7,7 % Englisch. 40,8 % bezeichneten sich als fließend französisch-englisch zweisprachig. Allophone, also Menschen mit einer anderen Muttersprache als Französisch oder Englisch, stellten 11,9 %; am häufigsten waren Italienisch (1,8 %), Arabisch (1,6 %) und Spanisch (1,5 %). 2011 sprachen 43.665 Personen, entsprechend 0,6 %, eine indigene Sprache. Das Québec-Französische unterscheidet sich je nach Ort, sozialer Schicht und Sprechsituation; „Joual“ bezeichnet stark beeinflusste, für Fremde teils kaum verständliche Dialekte.
2001 bezeichneten sich 90,2 % als Christen, darunter 83,4 % Katholiken. Muslime stellten 1,5 %, Juden 1,3 %, Buddhisten 0,6 % und Hindus 0,3 %. Schutzpatron Québecs ist Johannes der Täufer. Montréal war 2016 mit 1.704.694 Einwohnern die größte Stadt, vor Québec mit 531.902, Laval mit 422.993, Gatineau mit 276.245 und Longueuil mit 239.700 Einwohnern.
Staatliche Ordnung und Wirtschaft
Québec folgt dem Westminster-System. Die Nationalversammlung ist ein Einkammerparlament mit 125 Abgeordneten, die in 125 Wahlkreisen nach dem Mehrheitswahlsystem gewählt werden. Der Vizegouverneur kann in Absprache mit dem Premierminister das Parlament spätestens nach fünf Jahren auflösen. Québec entsendet 78 Abgeordnete in das kanadische Unterhaus und hat 24 Sitze im Senat. Die Darstellung nennt Manon Jeannotte als Vizegouverneurin. Beim Amt des Premierministers enthalten die Angaben unterschiedliche Stände: In den Basisdaten steht Christine Fréchette (CAQ), im Politikabschnitt François Legault seit dem 18. Oktober 2018.
Wasserkraft ist ein zentraler Wirtschaftszweig. Seit 1971 wird das Baie-James-Wasserkraftprojekt vor allem am 893 km langen La-Grande durch das staatliche Unternehmen Hydro-Québec ausgebaut; die Anlagen erzeugen über 83 Terawattstunden jährlich. Wichtig sind außerdem Papier- und Holzindustrie sowie weitere Rohstoffnutzung. Im fruchtbaren Sankt-Lorenz-Tal werden Obst, Gemüse und Getreide angebaut; Québec ist wichtigster Lieferant von Ahornsirup und betreibt Viehzucht. Bedeutende Industrien in den großen Städten sind Luft- und Raumfahrt, Informationstechnologie, Software und Multimedia.
Der Tourismus zählte 2011 etwa 28 Millionen Besucher. Von ihm hingen 400.000 Arbeitsplätze direkt und rund 48.000 indirekt ab. Es gibt Schutzgebiete auf Bundes- und Provinzebene, darunter den Parc marin du Saguenay–Saint-Laurent mit 1246 km². Québec verfügt zudem über 18 Hochschulen und Universitäten mit staatlich anerkannten Bachelor-, Master- und Promotionsabschlüssen. Große Hochschulen sind die Universität Montreal mit rund 55.000 Studierenden, die Concordia University mit 43.000 und die Université du Québec à Montréal mit über 40.000; international bedeutsam ist auch die englischsprachige McGill University.