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Schwedische Sprache
Komparation. Bearbeiten. Das Schwedische kennt in der Komparation die gleichen Stufen wie die deutsche Sprache, also Positiv, Komparativ und Superlativ. Den …
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Einordnung, Herkunft und Verbreitung
Schwedisch (svenska) ist eine indoeuropäische Sprache aus dem germanischen und dort aus dem nordgermanischen, ostnordischen Zweig. Es ist besonders eng mit dem Dänischen verwandt und stammt wie die übrigen nordgermanischen Sprachen vom Altnordischen ab. Schwedisch ist eine plurizentrische Sprache, weil es in Schweden und Finnland jeweils Zentren der Standardisierung gibt.
Im Artikel werden etwa 10,5 Millionen Sprecher insgesamt genannt; etwa 8,5 Millionen sprechen Schwedisch als Muttersprache. Davon leben rund 8 Millionen in Schweden und knapp 290.000 bis etwa 300.000 in Finnland. Schwedisch ist Amtssprache in Schweden sowie neben Finnisch in Finnland. Auf Åland ist es die einzige Verwaltungssprache und die einzige offizielle Sprache. Außerdem ist Schwedisch Arbeitssprache im Nordischen Rat und eine Amtssprache der Europäischen Union.
Die festlandskandinavischen Sprachen Schwedisch, Dänisch und Norwegisch ähneln sich strukturell stark; geschriebene Texte sind teilweise gegenseitig verständlich. Schwedisch und Dänisch gehören zur ostnordischen Gruppe, die sich von Färöisch, Isländisch und Norwegisch unter anderem durch jüngere Monophthonge statt älterer Diphthonge unterscheidet: Schwedisch öga entspricht etwa dem isländischen auga, und schwedisch ben dem norwegischen bein. Historische Entwicklungen, darunter Laut- und Flexionsveränderungen sowie Einflüsse des Mittel- und Hochdeutschen, führten dennoch zu eigenständigen Nationalsprachen. Die moderne schwedische Schriftsprache entstand besonders im Zusammenhang mit Buchdruck und Reformation; 1541 erschien die vollständige Gustav-Wasa-Bibel.
In Finnland wird Schwedisch vor allem in den Küstengebieten, auf den Schären und auf Åland gesprochen. In den übrigen Landesteilen ist es als zweite einheimische Sprache ein Pflichtfach in der Schule; bis 2004 war es auch Pflichtfach in der Abiturprüfung. In Schweden und Finnland gibt es zweisprachige Gemeinden und schwedische Sprachinseln. Kleinere schwedischsprachige Minderheiten leben unter anderem in Norwegen, Dänemark, Estland, den USA und Kanada. Historische schwedische Sprachgebiete in Estland verloren nach dem Zweiten Weltkrieg durch Flucht und Assimilation fast vollständig ihre Sprache.
In Schweden gilt seit dem 1. Juli 2009 ein Sprachgesetz. Staatliche Stellen müssen Schwedisch verwenden und weiterentwickeln; die Behördensprache soll gepflegt, einfach und verständlich sein. Finnisch, Jiddisch, Meänkieli, Romani und mehrere samische Sprachen sind in Schweden als Minderheitensprachen anerkannt.
Alphabet, Lautsystem und Aussprache
Das schwedische Alphabet hat 29 Buchstaben: A bis Z sowie Å, Ä und Ö. Å, Ä und Ö sind eigenständige Buchstaben und stehen am Ende des Alphabets. Das W kommt vor allem in Lehnwörtern vor und galt bis 2006 als Schreibvariante des V. Das deutsche Ü gibt es im Schwedischen nicht.
Kennzeichnend ist ein ausgeprägtes Vokalsystem mit neun Vokalphonemen. Vokallänge ist bedeutungsunterscheidend: In einer betonten Silbe ist entweder der Vokal oder der folgende Konsonant lang. Ein kurzer Vokal vor einem kurzen Konsonanten kommt im Allgemeinen nur in unbetonten Silben vor. Das Schwedische besitzt unter anderem die Mittelzungenvokale [ə], [ʉː] und [ɵ] sowie zwei ü-ähnliche Phoneme: [y] und [ʉː].
Als allgemeine Aussprache-Regel gilt: Vokale werden vor einem einzelnen Konsonanten lang, vor zwei Konsonanten kurz gesprochen. Einige wichtige Lautwerte unterscheiden sich vom Deutschen:
- g wird vor e, i, y, ä und ö sowie nach l und r wie deutsches j gesprochen; sonst meist wie g.
- k klingt vor e, i, y, ä und ö ähnlich wie ch in ich; sonst wie k.
- s ist stets stimmlos.
- r wird als Zungenspitzen-r gesprochen.
- v klingt wie deutsches w.
- u liegt zwischen deutschem o und ö, langes u zwischen deutschem u und ü.
- y ähnelt kurz dem deutschen ü in Hütte und lang einem Laut zwischen i und ü.
Die Buchstabenverbindungen dj, gj, hj und lj werden wie j ausgesprochen. kj und tj ergeben einen Laut zwischen deutschem ch in ich und sch. In den Verbindungen rd, rl, rn, rs und rt verschmilzt r mit dem folgenden Konsonanten zu retroflexen Lauten. sch, sj, skj, stj sowie -sion und -tion ergeben meist [ɧ]; in manchen Regionen wird dieser Laut als [ʃ] gesprochen.
Schwedische Wörter besitzen neben dem Druckakzent einen melodischen Wortakzent. Akzent 1 hat einen fallenden Tonhöhenverlauf und kommt meist bei einsilbigen Wörtern und Lehnwörtern vor. Akzent 2 lässt die Tonhöhe gewöhnlich auf der zweiten Silbe noch einmal ansteigen und ist typisch für viele einheimische zwei- oder mehrsilbige Wörter. Der Tonhöhenakzent kann Bedeutungen unterscheiden, etwa anden „die Ente“ gegenüber anden „der Geist“. Auf Satzebene trägt die Melodie außerdem dazu bei, Frage, Aussage oder Befehl zu kennzeichnen.
Verben und Verbformen
Schwedische Verben werden nach Tempus, Modus und Diathese, also dem Verhältnis von Handlung und Beteiligten, flektiert. Die finiten Tempusformen sind Präsens und Präteritum. Perfekt, Plusquamperfekt und die Futurformen entstehen mit Hilfsverben und infiniten Verbformen. Zu den infiniten Formen gehören Infinitiv, Supinum, Partizip Präsens und Partizip Perfekt.
Es gibt vier Konjugationsklassen. Die Klassen 1 bis 3 sind schwach: Klasse 1 endet im Stamm auf unbetontes -a, etwa ropa – ropade – ropat – ropad „rufen“; Klasse 2 auf einen Konsonanten, etwa ringa – ringde – ringt – ringd oder välja – valde – valt – vald; Klasse 3 auf einen langen betonten Vokal, etwa tro – trodde – trott – trodd. Klasse 4 umfasst starke Verben mit Ablaut, zum Beispiel skriva – skrev – skrivit – skriven, äta – åt – ätit – äten und falla – föll – fallit – fallen. Daneben gibt es Mischtypen und unregelmäßige Verben wie dö – dog – dött und ha – hade – haft.
Das Präsens erhält meist -r bei vokalischem Stamm oder -ar beziehungsweise -er bei konsonantischem Stamm. Starke Verben mit konsonantischem Stamm haben grundsätzlich -er, während ein Präsens auf -ar fast immer auf regelmäßige Flexion hinweist. Bei einigen Verben auf -r oder -l fällt nur das Infinitiv-a weg, etwa hör von höra. Das Präteritum wird in Klasse 1 mit -de, in Klasse 2 mit -de oder -te, in Klasse 3 mit -dde und bei starken Verben durch Ablaut gebildet. Das Perfekt lautet ha im Präsens plus Supinum, das Plusquamperfekt ha im Präteritum plus Supinum.
Für das Futur werden unter anderem ska oder komma att mit dem Infinitiv verbunden: ska/kommer att ropa, ringa, köpa, välja, äta. Auch das Präsens mit einer Zeitangabe kann Zukünftiges ausdrücken, etwa Jag åker till Stockholm imorgon „Ich fahre morgen nach Stockholm“. Die Verbindung tänka oder ämna plus Infinitiv bezeichnet eine ausdrückliche Absicht. Das Futur II wird mit ska oder komma att, dem Infinitiv von ha und dem Supinum gebildet: ska/kommer att ha ropat.
Präteritum und Perfekt werden anders als im Deutschen verwendet. Bei einer eindeutigen vergangenen Zeitangabe wie „gestern“ steht grundsätzlich das Präteritum: Igår köpte jag en banan „Gestern kaufte ich eine Banane“.
Das Schwedische kennt die Modi Indikativ, Imperativ und Konjunktiv. Der Imperativ entspricht bei Präsensformen auf -ar oder -r dem Infinitiv, bei Formen auf -er dem Stamm: ropa, tro, gå beziehungsweise ring, köp, välj, ät. Der Präsenskonjunktiv kommt heute vor allem in festen Wendungen und in der Kirchensprache vor. Als Präteritumkonjunktiv ist fast nur vore „wäre“ gebräuchlich; sonst verwendet man den Indikativ Präteritum oder skulle plus Infinitiv.
Das Passiv wird meist durch die Endung -s gebildet, seltener mit bli(va) „werden“. Vara plus Partizip Perfekt hebt eher das Ergebnis hervor, bli(va) plus Partizip Perfekt den Ablauf. Die s-Form kann außerdem reflexive oder gegenseitige Bedeutung haben, etwa upprepas „sich wiederholen“ und träffas „sich treffen“. Deponentia wie andas „atmen“, hoppas „hoffen“ und finnas „vorhanden sein; es gibt“ treten ausschließlich in der s-Form auf.
Substantive, Pronomen und Adjektive
Substantive haben zwei Genera: Utrum bei en-Wörtern und Neutrum bei ett-Wörtern, etwa en båt „ein Boot“ und ett hus „ein Haus“. Die Zuordnung ist meistens nicht aus dem natürlichen Geschlecht oder der Wortendung ableitbar. Als Faustregel gilt, dass ein einzelnes lebendes Individuum meist Utrum ist; Sammelbegriffe können Neutrum sein, etwa en häst gegenüber ett djur.
Die bestimmte Form wird nicht mit einem vorangestellten Artikel, sondern mit einem Suffix gebildet: båten „das Boot“, huset „das Haus“. Bei en lärare entsteht läraren, bei ett piano pianot. Pluralformen folgen fünf Hauptgruppen, unter anderem en lampa – lampor, en pojke – pojkar, en gäst – gäster, ett land – länder, ett ställe – ställen und ett hus – hus. Die bestimmte Pluralform erhält meist -na oder -en, etwa lamporna, gästerna und husen. Es gibt Ausnahmen wie en man – män – männen. Bei en-Wörtern auf unbetontes -el, -en oder -er fällt in anderen Formen das e aus: en cykel – cykeln – cyklar.
Der Genitiv wird durch -s gebildet; nach einem Substantiv auf -s entfällt die zusätzliche Endung. Das folgende Substantiv steht in der unbestimmten Form: Lars son „Lars’ Sohn“. Andere Kasusformen gibt es bei Substantiven nicht.
Personalpronomen haben eine Nominativ- und eine Objektform. In der dritten Person gibt es nichtreflexive Objektformen und die reflexive Form sig. Im Singular stehen unter anderem jag–mig, du–dig, han–honom, hon–henne und den/det–den/det; im Plural vi–oss, ni–er und de–dem. Dom ist die umgangssprachliche Form für de und dem. Das geschlechtsneutrale Pronomen hen wurde 1966 vorgeschlagen, etablierte sich in den 2010er Jahren und wurde 2015 in einen Gesetzestext und das Standardwörterbuch aufgenommen.
Possessivpronomen richten sich nach dem Genus und der Zahl des Bezugsworts: min bil, mitt hus, mina bilar. Hans, hennes, hens, dess und deras werden nicht verändert. Für die dritte Person gibt es außerdem sin, sitt, sina, wenn der Besitzer zugleich Subjekt ist: Han kommer med sin son „Er kommt mit seinem eigenen Sohn“, aber Han kommer med hans son „Er kommt mit seinem Sohn“, also dem eines anderen.
Adjektive erhalten bei Utrum Singular meist keine Endung, bei Neutrum Singular gewöhnlich -t und im Plural -a: en stor bil, ett stort hus, stora hus. In der bestimmten Form steht -a; bei männlichen Personen oder Tieren ist im Singular auch -e möglich. Nach Possessiv- und Genitivformen steht ebenfalls -a. Unregelmäßig sind unter anderem liten – litet – små und gammal – gammalt – gamla. Im adverbiellen Gebrauch wird das Adjektiv ebenfalls flektiert: Lena svarar vänligt „Lena antwortet freundlich“.
Die Komparation hat Positiv, Komparativ und Superlativ. Die häufigste Bildung lautet -are und -ast, etwa glad – gladare – gladast. Adjektive auf -el, -en und -er verlieren im Komparativ und Superlativ das unbetonte e. Einige Formen bilden Komparativ und Superlativ mit -re und -st oder durch Umlaut; andere sind unregelmäßig, etwa gammal – äldre – äldst und god – bättre – bäst. Mehrsilbige Adjektive werden mit mer und mest gesteigert. Der bestimmte Superlativ endet auf -e, bei unregelmäßigen Formen der Gruppen C und D auf -a.
Satzbau, Zahlen und Sprachgebrauch
Die Grundwortstellung ist Subjekt–Prädikat–Objekt. Im Hauptsatz gilt zusätzlich die Verbzweit-Regel: Ein beliebiger Satzteil kann an erster Stelle stehen, das finite Verb folgt an zweiter Stelle. Das Feldermodell beschreibt die Reihenfolge als Fundament, Verb 1, Subjekt, Satzadverbial, Verb 2, Objekt und Angaben zu Art und Weise, Ort und Zeit. Beispiel: Idag ska jag inte läsa en bok „Heute werde ich kein Buch lesen“.
In Nebensätzen steht das Satzadverbial unmittelbar nach dem Subjekt und vor dem Verb: Alla vet att jag inte heter Sven „Alle wissen, dass ich nicht Sven heiße“. Die Negation inte steht daher im Hauptsatz nach dem finiten Verb, im Nebensatz davor. Ja-Nein-Fragen sind Verb-Erst-Sätze: Har du inte läst tidningen idag? Bei W-Fragen steht das Fragewort im Fundament: Vad har du läst idag?
Das Schwedische verwendet kurze Wörter und Sätze; Zusammensetzungen sind möglich. In der gesprochenen Sprache und teilweise auch schriftlich treten Verkürzungen auf: o für och „und“, ska für skall, sen für sedan, kung für konung und nån, nåt, nåra für någon, något, några. Weitere verbreitete Kurzformen sind far, mor, bror und stan sowie dra, ta, ge und bli. Bei kommer att kann att in der gesprochenen Sprache entfallen, in der Schriftsprache gilt dies bislang nicht als korrekt.
Zur besonderen Hervorhebung kann die bestimmte Form verdoppelt werden, indem den, det oder de vor das bereits bestimmte Substantiv tritt: Det är det huset „Das ist genau das Haus“.
Die Grundzahlen lauten unter anderem noll, ett, två, tre, fyra, fem, sex, sju, åtta, nio, tio, elva und tolv. Ab 20 wird die Einerstelle ohne Leerzeichen angefügt: tjugoett, trettiotvå, femtiosju. Ordinalzahlen sind första und andra; weitere Formen lauten etwa tredje, fjärde, femte, tionde, tjugonde und hundrade. Stückzahlen sind ett dussin „zwölf Stück“, ett tjog „zwanzig Stück“, ett gross „144 Stück“ und ett ris „500 Blatt Papier“.
Traditionell werden sechs große Dialektgebiete unterschieden: Norrländska mål, Sveamål, Gotländska mål, Östsvenska mål, Götamål und Sydsvenska mål. Die Dialekte in Dalarna und Jämtland zeigen teilweise Ähnlichkeiten mit norwegischen Dialekten; das Finnlandschwedische gehört zu den ostschwedischen Dialekten. Im Beispieltext aus Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte lautet der Beginn: „Alla människor är födda fria och lika i värdighet och rättigheter.“