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Schwarze Schmach

Als „Schwarze Schmach“ (auch „Schwarze Schande“) wird eine hauptsächlich von Deutschland ausgehende, internationale rassistische Kampagne gegen den Einsatz …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Vorgeschichte
  2. 2. Koloniale Besatzungstruppen im Rheinland
  3. 3. Gründe für den Einsatz
  4. 4. Staatlich gelenkte Propaganda
  5. 5. Rechtsradikale und nationalsozialistische Deutungen
  6. 6. Nachwirkungen und Verfolgung

Begriff und Vorgeschichte

Als „Schwarze Schmach“ oder „Schwarze Schande“ wird eine hauptsächlich von Deutschland ausgehende internationale rassistische Kampagne gegen den Einsatz französischer Kolonialtruppen während der alliierten Rheinlandbesetzung und gegen die Stationierung französischer Truppen im Saargebiet bezeichnet. Den afrikanischen Soldaten wurden massenhafte Gewalttaten, insbesondere sexuelle Übergriffe auf deutsche Frauen und Kinder, unterstellt. Ihren Höhepunkt erreichte die Kampagne zwischen 1920 und 1923; sie verschwand jedoch bis 1930 nicht vollständig.

Vorläufer gab es im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Zuaven erregten wegen ihrer „exotischen“ Uniformen Aufmerksamkeit, wurden aber zunächst kaum rassistisch abgewertet, da sie überwiegend aus weißen Kolonisten oder Festlandfranzosen bestanden. Anders wurden die überwiegend aus Arabern, Berbern und Schwarzen zusammengesetzten Algerienschützen, die sogenannten Turcos, und die Spahis wahrgenommen. Die deutsche Kriegspublizistik bezeichnete diese unter meist weißen Offizieren dienenden Soldaten teilweise als „wilde Hilfsvölker“.

Im Ersten Weltkrieg setzte Frankreich rund 440.000 Kolonialsoldaten aus Algerien, Marokko, Tunesien, Französisch-Westafrika und Madagaskar auf den europäischen Kriegsschauplätzen ein. Dies löste eine intensive deutsche Propaganda aus, die ihnen Grausamkeiten zuschrieb und ein stark rassistisches Afrikanerbild verbreitete. Die Soldaten wurden unter anderem als „Teufel“, „entmenschte Wilde“, „Affen“ oder „halbtierische Völker Afrikas“ bezeichnet. Begriffe wie „schwarze Flut“, „dunkler Schlamm“ und später „schwarze Schande“ stellten ihren Einsatz als Bedrohung der europäischen Vorherrschaft und als Argument für das Ende des Kolonialsystems dar. Auch Ludendorff und Hindenburg deuteten die Kolonialtruppen in ihren Memoiren als Beleg dafür, dass die Entente ihren Sieg auf unredliche Weise errungen habe.

Koloniale Besatzungstruppen im Rheinland

Von 1919 bis 1930 gehörten zahlreiche afrikanische Kolonialsoldaten zu den französischen Besatzungstruppen im Rheinland. Von insgesamt 85.000 französischen Soldaten, die ab Januar 1920 dort stationiert waren, war in den Sommern 1920 und 1921 beinahe die Hälfte Afrikaner: Algerier, Marokkaner, Westafrikaner, Tunesier und Madegassen. Danach ging die Zahl der Kolonialtruppen zurück; die Westafrikaner wurden vollständig abgezogen.

Besonders zwischen 1920 und 1923 wurde ihr Einsatz in Deutschland und international diskutiert. Deutsche Parteien, Medien und Organisationen bezeichneten die Stationierung als besondere Erniedrigung und forderten, sie zu verhindern. Die Kampagne verwendete Schlagworte wie „Schwarze Schmach“, „Negerpest“, „Schwarzer Schrecken“ und „Schwarze Schande“. Im Mittelpunkt standen angeblich massenhafte sexuelle Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Auch ausländische Stimmen wandten sich gegen die französische Kolonialtruppenpolitik, darunter der britische Journalist Edmund Dene Morel, der italienische Innen- und Kolonialminister Francesco Saverio Nitti, Ray Beveridge, Martin Liljeblad und katholisch-konservative Völkerbundgegner in der Schweiz.

Eine breitere öffentliche Wirkung setzte nach einem Zwischenfall am 6. April 1920 in Frankfurt am Main ein. Marokkanische Soldaten töteten dort mit einem Maschinengewehr mehrere Menschen. Danach wurden die afrikanischen Besatzungstruppen in der deutschen Presse dauerhaft thematisiert und wiederholt im Parlament behandelt. Am 23. April 1920 fragten deutschnationale Abgeordnete nach den angeblichen „Greueln“ an deutschen Frauen. Am 19. Mai 1920 verurteilte die Nationalversammlung mit Unterstützung aller Fraktionen außer den Unabhängigen Sozialdemokraten den Einsatz der „Farbigen“ als Gefahr für „deutsche Frauen und Kinder“.

Außenminister Adolf Köster erklärte zwar, die Regierung wolle sich nicht an einer „Rassenhetze“ beteiligen. Zugleich bezeichnete er die Verpflanzung von ungefähr 50.000 „schwarzen, fremdrassigen Truppen und Menschen“ nach Europa als „ein Vergehen an Gesamteuropa“. Eine Resolution des Evangelischen Bundes vom Juni 1920 behauptete ebenfalls, deutsche Frauen und Kinder würden geschändet und misshandelt. Solche Aussagen zeigen, dass auch staatliche und kirchliche Stimmen rassistische Vorstellungen über die Kolonialsoldaten verbreiteten.

Gründe für den Einsatz

Der französische Historiker Nicolas Beaupré nennt drei hauptsächliche Gründe für den Einsatz der Kolonialtruppen im Rheinland:

  • Die Regimenter des französischen Mutterlandes konnten schneller demobilisiert werden.
  • Die Kolonialtruppen sollten für ihren Beitrag geehrt werden und am Sieg teilhaben.
  • Deutschland sollte erkennen, dass Frankreich nicht nur eine benachbarte europäische Macht war, sondern über eine weltweite Machtbasis verfügte.

Beaupré schließt außerdem nicht aus, dass der Einsatz auch als Demütigung des besiegten Gegners gedacht war. Dafür hätte die zeitgenössische Vorstellung eine Rolle spielen können, Kolonialtruppen seien „minderwertig“. Damit gab es neben praktischen und machtpolitischen Motiven möglicherweise auch ein bewusst erniedrigendes Element.

Staatlich gelenkte Propaganda

Der Propagandafeldzug bestand aus einem offiziellen beziehungsweise offiziösen und einem inoffiziellen, vor allem rechtsradikalen Teil. Der offizielle und offiziöse Teil wurde vom Auswärtigen Amt und vom Reichsministerium des Innern gesteuert, ohne sich überall offen als staatliche Kampagne erkennen zu geben. Beide Ministerien arbeiteten mit Organisationen wie der „Rheinischen Frauenliga“ und der „Rheinischen Volkspflege“ zusammen und versorgten die Presse im In- und Ausland mit geeignetem Material.

Die tatsächliche Lage entsprach jedoch offenbar nicht der Gräuelpropaganda. Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete berichtete am 6. Mai 1920, die schwarzen und gelben Truppen seien „nicht so schlimm“, wie es den Anschein habe, und an der Belästigung deutscher Frauen weniger beteiligt als die weißen französischen Truppen. Auch das Verhältnis der Bevölkerung zu den Kolonialsoldaten scheint in der Besatzungszone nicht schlechter gewesen zu sein als zu anderen französischen Truppen. Eine ausschließlich auf die Kolonialsoldaten bezogene besondere Furcht oder Verachtung lässt sich in den Quellen vor Ort nicht nachweisen.

Die staatliche Kampagne sollte vor allem das Ausland auf die Zustände im Rheinland aufmerksam machen. Besonders die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten sollte gegen die Kolonialtruppen aufgebracht und zu politischem Druck auf die US-Regierung bewegt werden. Zugleich sollte Frankreich von seinen europäischen Verbündeten isoliert werden. Die Propaganda nutzte dabei die Stereotype der damaligen kolonialistischen Zivilisationsideologie. Romane wie Artur Landsbergers Elisabeth und Magda Trotts Freiwild am Rhein aus dem Jahr 1922 griffen die Kampagne auf.

Ab 1923 nahm die Propaganda ab. Einerseits hatte sich Frankreich durch die Ruhrbesetzung in deutscher Wahrnehmung so deutlich als Aggressor dargestellt, dass der Topos der Kolonialtruppen für antifranzösische Angriffe weniger benötigt wurde. Andererseits zogen die Vereinigten Staaten aus Protest gegen die Ruhrbesetzung ihr gesamtes Besatzungskontingent ab und verloren damit als Adressat der Rheinlandpropaganda an Bedeutung. Ein Redeentwurf für Reichspräsident Friedrich Ebert vom 13. Februar 1923 enthielt zwar eine scharfe Klage über farbige Truppen, doch das Originalmanuskript lässt bezweifeln, dass Ebert ihn selbst verfasst hatte; zeitgenössische Zeitungsberichte geben für seine Rede einen anderen Wortlaut an. Bis zum Abzug der letzten französischen Besatzungstruppen 1930 erschien das Thema nur noch sporadisch in den Medien.

Rechtsradikale und nationalsozialistische Deutungen

Rechte republikfeindliche Gruppen nutzten die Anwesenheit afrikanischer Besatzungstruppen für mehrere politische Ziele: Sie agitierten gegen den Versailler Friedensvertrag, verbreiteten rassistische Vorstellungen und griffen die Weimarer Republik sowie ihre Vertreter als „Novemberverbrecher“ an. Der Münchner Ingenieur Heinrich Distler gründete den „Deutschen Notbund gegen die Schwarze Schmach“ und gab die Zeitschrift Die Schmach am Rhein heraus. Die deutschen Behörden lehnten sie wegen ihrer besonders rassistischen Tendenz als kontraproduktiv ab; wegen geringer Nachfrage erschien sie nur wenige Male.

Distler war außerdem an dem heute verschollenen Film Die Schwarze Schmach von 1921 beteiligt. Der Film arbeitete mit sexuellem Sensationalismus und wurde zunächst von der Interalliierten Rheinlandkommission in den besetzten Gebieten, später wegen zahlreicher faktischer Fehler auch im gesamten Deutschen Reich verboten. Der im Auftrag der „Rheinischen Frauenliga“ produzierte Film Die schwarze Pest, der eugenisch argumentierte, wurde ebenfalls zensiert.

Die rechtsradikale Propaganda verband offenen biologistischen Rassismus mit Nationalismus und antisemitischen Verschwörungsphantasien. Plakate, Karikaturen und eine Medaille von Karl Goetz aus dem Jahr 1920 stellten afrikanische Soldaten als sexuell bedrohliche, tierische oder menschenaffenähnliche Wesen dar. Das Plakat „Jumbo“ zeigte einen riesigen Afrikaner, der deutsche Frauen an seinen Unterleib presste. Adolf Hitler behauptete in Reden der frühen 1920er Jahre, deutsche Frauen und Töchter würden im Rheinland von „tierischen Schwarzen“ geschändet.

Während die offizielle Propaganda vor allem angebliche sexuelle Übergriffe und eine Zunahme von Geschlechtskrankheiten behauptete, stellte die inoffizielle Propaganda zusätzlich die „Rassenmischung“ als Gefahr dar. Joseph Lang behauptete 1921, mehr als 60 v. H. der Kinder, die durch die farbige Besatzung geboren würden, seien bereits mit Syphilis behaftet, und Mischlingskinder übernähmen fast immer die schlechten Eigenschaften ihrer Eltern. Diese Angaben werden im Artikel als Bestandteil der rassistischen Propaganda dargestellt.

Die entstehende nationalsozialistische Bewegung verband den Kolonialrassismus mit Antisemitismus und radikalem Revisionismus. Der Völkische Beobachter und Hitler machten angebliche „jüdische Ententefreimaurer“, „Pariser Börsenjuden“ oder die „Weisen von Zion“ für die Anwesenheit der Kolonialsoldaten und die ihnen zugeschriebenen Verbrechen verantwortlich. Auch Mein Kampf verknüpfte die Behauptung einer „Bastardisierung“ Europas mit der Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung.

Nachwirkungen und Verfolgung

Beim Abzug der letzten französischen Besatzungstruppen 1930 griff die NS-Presse die „Schwarze Schmach“ erneut auf. Der Stürmer behauptete, 15.000 Kinder schwarzer und weißer Franzosen sowie deutscher Frauen blieben im Rheinland zurück, und bezeichnete sie als „Bastarde“ und Gefahr für das „deutsche Blut“. In den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ erschienen Heimatromane und auch Mädchenliteratur, in denen die Kolonialtruppenstationierung als Höhepunkt der deutschen Demütigung nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt wurde.

Zur Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 wurde eine Medaille verbreitet, die auf der Vorderseite die Umrisse des Rheinlandes und ein Hakenkreuz zeigte und auf der Rückseite einen schwarzen Soldaten bei einem Angriff auf eine weiße Frau. Bereits 1933 begann die Erfassung und anthropologische Untersuchung der sogenannten „Mischlingskinder“ im Rheinland. Insgesamt wurden 385 Kinder erfasst; ihre Gesamtzahl wurde jedoch auf 500 bis 800 geschätzt. Verschiedene Stellen forderten ihre Sterilisierung. Im Sommer 1937 begann unter strengster Geheimhaltung die Sterilisierung dieser Kinder.

Nach dem deutschen Angriff auf Frankreich im Frühjahr 1940 wurde die Propaganda gegen afrikanische Soldaten erneut aufgegriffen, da Frankreich sich auch mit kolonialen Einheiten verteidigte. Viele afrikanische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft und wurden in eigens eingerichteten Lagern interniert. Einige wurden unmittelbar ermordet. Die Gesamtzahl der Opfer dieser Massaker wird auf mehrere Tausend geschätzt.

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