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Public School (Vereinigtes Königreich)

Sie werden seit dem 18. Jahrhundert als „Public“ School bezeichnet, da sie für alle frei sind, die die Schulgebühren bezahlen können. Ihr historischer Gegenpart …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und heutige Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Reform im 18. und 19. Jahrhundert
  3. 3. Das Organisationsedikt von 1868
  4. 4. Soziale und psychische Auswirkungen

Begriff und heutige Bedeutung

Eine Public School oder Independent School ist im Vereinigten Königreich eine Privatschule, die nicht durch staatliche Stellen finanziert wird. Ihre Einnahmen stammen vor allem aus Schulgebühren, Spenden und Vermächtnissen. Der Begriff „Public School“ wird seit dem 18. Jahrhundert verwendet, weil die Schulen grundsätzlich allen offenstanden, die die Gebühren bezahlen konnten. Sie sind daher nicht mit staatlich finanzierten öffentlichen Schulen, den State-funded schools, zu verwechseln.

Die Schulen entstanden teilweise aus wohltätigen Stiftungen, verlangen aber Gebühren für Unterricht und Unterbringung. Wegen der teilweise sehr hohen jährlichen Kosten bewahren sie ein relativ geschlossenes, gehobenes soziales Milieu und besitzen einen ausgeprägten Elitecharakter. Viele sind zugleich Internate, sogenannte Boarding Schools. Zu den bekannten Beispielen gehören Eton College und Winchester College.

Bis heute schicken im Vereinigten Königreich besonders die sogenannten „herrschenden Klassen“ ihre Kinder bevorzugt auf alte und renommierte Public Schools. Noch 2019 waren zwei Drittel der britischen Kabinettsminister und mehr als die Hälfte der Abgeordneten des House of Lords Absolventen einer Public School. Die Bezeichnung Independent School soll Missverständnisse mit staatlichen Schulen vermeiden.

Entstehung und Reform im 18. und 19. Jahrhundert

Als älteste noch auf Stiftungen beruhende Public Schools gelten das 1382 gegründete Winchester College, das 1440 gegründete Eton College und die 1509 gegründete St. Paul’s School. Sie standen unter der Patronage der Hocharistokratie und wurden vor allem von Angehörigen des Adels, der Gentry und wenigen wohlhabenden Bürgern besucht. Im 18. Jahrhundert blieb diese soziale Begrenzung bestehen.

Gleichzeitig geriet der traditionelle Lehrplan zunehmend in die Kritik, weil er selbst für die beiden aufnehmenden Universitäten als unzureichend galt. Die Schülerzahlen gingen zurück, und es kam zu Schüleraufständen gegen die überlieferten Strukturen. Einen ersten Reformversuch unternahm der Geistliche Samuel Butler 1798 an der Shrewsbury School. Nach einem Niedergang im frühen 19. Jahrhundert setzte Thomas Arnold mit der Übernahme der Rugby School im Jahr 1828 neue Impulse. Sein Erziehungsideal war der christliche Gentleman.

Zu den Reformen gehörten eine geringere Bedeutung der alten Sprachen und eine höhere Wertschätzung des Sports als Mittel der Charakterbildung. In dieser Zeit entstanden zahlreiche neue Schulen, die auch für die Mittelschicht erschwinglich wurden. Dazu zählen Cheltenham College (1841), Marlborough College (1843), Rossall School (1844), Radley College (1847), Wellington College (1853), Epsom College (1855), Bradfield College (1859), Haileybury und Clifton College (beide 1862), Malvern School (1863) sowie Bath College (1867).

Auch in Wales, besonders im Raum Cardiff, und in Schottland entstanden meist seit dem 19. Jahrhundert Independent Schools. Genannt werden unter anderem The Cathedral School Llandaff, Howell’s School Llandaff, St. John’s College in Cardiff, Gordonstoun, die High School of Glasgow, Hutchesons’ Grammar School, Edinburgh Academy und Fettes College in Edinburgh. Das Atlantic College bei Cardiff ist international ein Anziehungspunkt.

Das Organisationsedikt von 1868

Im engeren Sinn bezeichnet Public School eine Schule, die nach dem Public Schools Act von 1868 geführt wird. Das britische Parlament verabschiedete dieses Gesetz auf Grundlage der Untersuchungen der Clarendon Commission aus den Jahren 1861 bis 1864. Es sollte neun Schulen reformieren und regulieren.

Die betroffenen Schulen standen ausschließlich Jungen offen und waren ursprünglich als Stiftungen gegründet worden. Das Gesetz verlieh ihnen Unabhängigkeit von der Krone, der Schulgesetzgebung und der Kirche. An ihre Stelle trat jeweils ein Board of Governors, das die Schule reguliert.

Zu den neun Schulen gehörten Charterhouse School, Eton College, Harrow School, Merchant Taylors’ School, Rugby School, Shrewsbury School, St Paul’s School, Westminster School und Winchester College.

Soziale und psychische Auswirkungen

Das öffentliche Bild der Public Schools wird einerseits durch ihren elitären Charakter und durch die vielen herausragenden Persönlichkeiten geprägt, die aus ihnen hervorgingen und dem British Empire in vielfältiger Weise dienten.

Andererseits wird ihnen ein ausgeprägtes Klassenbewusstsein zugeschrieben, das in England besonders deutlich bemerkbar sei. Zudem wird die Isolation in reinen Jungeninternaten skeptisch beurteilt. Diese Internate waren auch von Gewalt und Missbrauch geprägt. Damit stehen dem traditionellen positiven Bild der Public Schools erhebliche soziale und psychische Kritikpunkte gegenüber.

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