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Homophon

Umgekehrt wird zum Beispiel die deutsche Auslautverhärtung im südlichen Teil des deutschen Sprachraums nicht durchgeführt, so dass Grad und Grat sich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Abgrenzung zu Kurzschriften
  3. 3. Deutsch und Englisch
  4. 4. Französisch
  5. 5. Chinesisch
  6. 6. Japanisch und Koreanisch

Grundbegriff

Ein Homophon oder Homofon ist ein Wort, das genau so ausgesprochen wird wie ein anderes Wort, aber eine andere Bedeutung hat. Häufig haben Homophone auch unterschiedliche Schreibweisen, zum Beispiel „malen“ und „mahlen“. Wenn zwei Wörter gleich geschrieben werden und verschiedene Bedeutungen haben, sind sie Homographen; je nach Definition können solche Wörter ebenfalls als Homophone gelten oder nicht. Alfred Raab zählt Wörter mit gleicher Schreibweise nicht zu den Homophonen.

Homophonie gehört in den Bereich mehrdeutiger sprachlicher Formen. Verwandte Begriffe sind Homonymie, Polysemie und Homographie. Homonymie bedeutet: gleiche Form bei verschiedener Bedeutung und oft verschiedener Herkunft. Polysemie bedeutet: ein Wort hat mehrere Bedeutungen, die eine gemeinsame Wurzel oder eine abgeleitete Bedeutung haben, etwa „Läufer“ als Sportler und als Schachfigur. Homographie bedeutet: gleiche Schreibweise bei verschiedener Bedeutung und oft verschiedener Aussprache, zum Beispiel „mōdern“ im Sinn von „verwesen“ und „modérn“ im Sinn von „fortschrittlich“. Homophonie bedeutet dagegen: gleiche Aussprache bei verschiedener Bedeutung.

Man kann polyseme und homonyme Homophone unterscheiden. Wie Paronyme, also ähnlich klingende Wörter, können auch Homophone zu Verwechslungen führen. Das geschieht aber selten, weil sich der Sinn in der mündlichen Sprache meist aus dem Zusammenhang ergibt. In der Schriftsprache werden Homophone gegebenenfalls durch verschiedene Schreibweisen unterschieden.

Abgrenzung zu Kurzschriften

Homophonie darf nicht mit Kurzschriften verwechselt werden. Bei Kurzschriften werden Buchstaben, Silben, Wörter oder ganze Ausdrücke bewusst durch Symbole oder Buchstabenfolgen ersetzt. Das hat nichts damit zu tun, dass verschiedene Wörter gleich ausgesprochen werden.

Beispiele für Kurzschriften sind Stenografie, der Ersatz von Wörtern durch Buchstaben wie „ND“ für „Ende“ oder im Englischen „NRJ“ für „Energy“, sowie mathematische Symbole wie „≈“ für „ungefähr gleich“ oder „÷“ für „geteilt durch“.

Deutsch und Englisch

Im heute gebräuchlichen Hochdeutschen sind Homophone recht häufig. Dabei hängt Homophonie teilweise von der Region und von der zugrunde gelegten Aussprache ab. Die hochdeutsche Bühnensprache nach Theodor Siebs unterscheidet zum Beispiel die Langvokale ä ([ɛ:]) und e ([e:]). Regional werden sie aber oft nicht unterschieden, sodass „Ähre“ und „Ehre“ homophon werden können. Umgekehrt wird die deutsche Auslautverhärtung im südlichen Teil des deutschen Sprachraums nicht durchgeführt; deshalb unterscheiden sich dort „Grad“ und „Grat“, während sie in der an norddeutscher Aussprache orientierten Siebsschen Bühnensprache homophon sind.

Typische deutsche Beispiele sind „aß“ und „Aas“, „bis“ und „Biss“, „Boot“ und „bot“, „Ferse“, „Verse“ und „Färse“, „fiel“ und „viel“, „Grad“ und „Grat“, „Leere“ und „Lehre“, „Leib“ und „Laib“, „Lid“ und „Lied“, „Mahl“, „mal“ und „Mal“, „Meer“, „mehr“ und „Mär“, „Rad“ und „Rat“, „Saite“ und „Seite“, „seid“, „seit“ und „seiht“, „Stadt“ und „statt“, „Wahl“ und „Wal“, „wahr“ und „war“ sowie „wieder“ und „wider“.

Das Englische ist besonders reich an Homophonen, also an Wörtern, die gleich ausgesprochen werden, aber völlig verschiedene Bedeutungen haben. Robert Bridges zählte 1919 in einem klassischen Aufsatz 1.775 Homophone, die im allgemeinen englischen Sprachgebrauch geläufig waren. Er sah diesen Reichtum nicht als Zierde, sondern als Makel der englischen Sprache. Beispiele sind „air“, „err“ und „heir“, „ate“ und „eight“, „be“ und „bee“, „blew“ und „blue“, „buy“, „by“ und „bye“, „flour“ und „flower“, „hear“ und „here“, „knight“ und „night“, „right“ und „write“, „son“ und „sun“, „their“, „there“ und „they’re“, „to“, „too“ und „two“ sowie „your“ und „you’re“.

Französisch

Auch im Französischen entstand im Lauf der Sprachgeschichte eine hohe Anzahl von Homophonen. Eine unterschiedliche Bedeutung entspricht dabei meist einer unterschiedlichen, historisierenden Schreibweise. Das heißt: Die Wörter klingen gleich oder sehr ähnlich, werden aber aufgrund ihrer Herkunft und Bedeutung verschieden geschrieben.

Beispiele sind „ou“ („oder“), „où“ („wo“) und „houx“ („Stechpalme“); „mer“ („Meer“), „mère“ („Mutter“) und „maire“ („Bürgermeister“); „mètre“ („Meter“), „mettre“ („setzen, stellen, legen“) und „maître“ („Meister“); außerdem „sot“, „saut“, „sceau“ und „seau“ sowie „verre“, „vair“, „ver“, „vers“ und „vert“. Bei „cinq“ („fünf“) gilt die homophone Aussprache in der angegebenen Liste bei einem nachfolgenden Wort, das mit einem Konsonanten oder mit „h aspiré“ beginnt.

Chinesisch

In Tonsprachen spielt der Ton eine wichtige Rolle für Homophonie. Ein Tonem ist ein bedeutungsunterscheidender Ton. In den chinesischen Sprachen gelten Wörter oder Schriftzeichen dann als homophon, wenn Anlaut, Auslaut und Ton identisch ausgesprochen werden. Wörter aus derselben Silbe, aber mit verschiedenem Ton, werden nur in wenigen Fällen als Homophone gezählt, etwa in der Informationsverarbeitung.

Die phonetische Entwicklung und die Erweiterung des Wortschatzes erhöhen die Zahl der Homophone in den chinesischen Sprachen. Im Hochchinesischen ist die Wahrscheinlichkeit von Homophonie besonders hoch. Ein bekanntes Beispiel ist das Gedicht „Löwen-essender Dichter in der Steinhöhle“ von Zhao Yuanren. Es besteht nur aus der phonetischen Silbe „shi“ und unterscheidet sich in der Aussprache nur durch Tonwerte. Für Chinesen ist es deshalb nur anhand der Schriftzeichen verständlich. In anderen, silbenreicheren chinesischen Dialekten wird das Gedicht wieder akustisch verständlich. Besonders das Kantonesische wird genannt, weil es alte Lesungen besonders gut bewahrt hat.

Japanisch und Koreanisch

Japanisch und Koreanisch sind im Gegensatz zu den chinesischen Sprachen keine Tonsprachen. Trotzdem gibt es in beiden Sprachen viele Homophone. Ein wichtiger Grund ist, dass mit der Schrift auch viele chinesische Begriffe ins Japanische und Koreanische übernommen wurden; beim Japanischen wird dabei auf die On-Lesung verwiesen.

Durch das Fehlen von Tönen und die relative Schlichtheit der Silben entstehen besonders viele gleich klingende Wörter. Im Koreanischen können Homophone zum Beispiel mit denselben Hangeul-Zeichen geschrieben werden und sich nur durch unterschiedliche chinesische Hanja-Schriftzeichen unterscheiden lassen, die ebenfalls im Koreanischen verwendet werden.

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