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Naturkatastrophe

Eine Naturkatastrophe ist eine natürlich entstandene Veränderung der Erdoberfläche oder der Atmosphäre, die auf Lebewesen und insbesondere den Menschen und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Grenzwerte und besonders schwere Ereignisse
  3. 3. Einteilung nach Ursachen
  4. 4. Verstärkende Faktoren
  5. 5. Statistiken und Entwicklung

Definition und Bedeutung

Eine Naturkatastrophe ist eine natürlich entstandene Veränderung der Erdoberfläche oder der Atmosphäre, die verheerende Auswirkungen auf Lebewesen, insbesondere auf den Menschen und seine Lebensweise, hat. Ein spektakuläres Naturereignis allein, etwa ein Gletscherabbruch auf Grönland, ist deshalb noch keine Naturkatastrophe. Erst die Auswirkungen auf Menschen, ihre Lebensweise und ihre modernen kulturellen Gewohnheiten machen ein Naturereignis im engeren Sinn zur Katastrophe.

Der Zeitraum des Ereignisses kann sehr unterschiedlich sein: Er reicht von Sekunden, wie bei Erdbeben, bis zu Jahrzehnten, wie bei Dürren oder Klimaschwankungen. Das Ausmaß wird unter anderem anhand der Zahl der Katastrophenopfer, des volkswirtschaftlichen Schadens oder des Versicherungsschadens bestimmt.

Wenn Menschen eine Katastrophe in der Natur verursachen, spricht man von einer Umweltkatastrophe. Seuchen und Ungezieferplagen werden normalerweise nicht als Naturkatastrophen eingeordnet. Schädlingsplagen, die zunächst das Wirtschaftsleben beeinträchtigen und erst als Folge die Gesundheit gefährden, können dagegen dazugehören. Maßnahmen zur Abwehr und Begrenzung von Naturkatastrophen werden im Katastrophenschutz organisiert.

Grenzwerte und besonders schwere Ereignisse

Die Verordnung (EG) Nr. 2012/2002 definiert eine „Katastrophe größeren Ausmaßes“ beziehungsweise eine „außergewöhnliche Katastrophe hauptsächlich natürlicher Art“ als ein Ereignis, das in mindestens einem betroffenen Staat Schäden von über 3 Milliarden Euro oder von mehr als 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verursacht.

Zusätzlich wird ein natürliches Ereignis angeführt, das den größten Teil der Bevölkerung einer Region betrifft und schwere sowie dauerhafte Auswirkungen auf deren Lebensbedingungen und wirtschaftliche Stabilität hat. In Europa fielen in den letzten 100 Jahren etwa ein Dutzend Ereignisse in diese Kategorie. Als besonders verheerend nennt der Artikel die Hitzewelle von 2003 mit 70.000 Todesopfern und das Elbehochwasser von 2002 mit Schäden von etwa 18 Milliarden Euro.

Weltweit gab es in diesem Zeitraum Hunderte solcher Ereignisse. Als teuerste Katastrophen der Geschichte gelten das Erdbeben von Kōbe 1995 und Hurrikan Katrina 2005 mit bis zu 100 Milliarden US-Dollar volkswirtschaftlichem Schaden. Welche Naturkatastrophe die meisten Todesopfer forderte, lässt sich kaum eindeutig bestimmen. Genannt werden Dürren in Indien von 1965 bis 1967 mit an die 1,5 Millionen Toten sowie Überschwemmungen in Indien 1955 mit 45 Millionen Obdachlosen. Für frühe Ereignisse fehlen häufig verlässliche Opferzahlen und monetäre Schadensschätzungen.

Einteilung nach Ursachen

Naturkatastrophen lassen sich nach ihren nicht von Menschen herrührenden Ursachen einteilen. Einige Ursachen können jedoch durch menschliche Eingriffe verstärkt oder direkt mitverursacht werden, etwa Überschwemmungen durch Eindeichungen und Abholzung oder Dürren durch Überweidung.

Endogene beziehungsweise tektonische Ursachen sind Erdbeben und Seebeben, häufig mit Erdverflüssigung, sowie Vulkanausbrüche. Diese können Lavaflüsse, Ascheregen, pyroklastische Ströme, Vulkanexplosionen, Erdbeben, Wetteranomalien wie einen vulkanischen Winter, Wasserstandsanomalien wie einen Gletscherlauf oder nach Starkregen Lahare auslösen. Tsunamis können vulkanologische oder geodynamische Ursachen haben; auch Meteoriteneinschläge wären möglich, sind aber in der Menschheitsgeschichte nicht verzeichnet. Giftgasausbrüche aus vulkanischen Becken oder Seen gehören ebenfalls hierzu.

Zu den gravitativen Ursachen zählen Massenbewegungen wie Steinschlag, Erdrutsche, Bergstürze, Muren, Erdfall und Gletscherstürze. Weitere Beispiele sind Gletscherseeausbrüche, Lawinen und Lahare, also Schlammfluten nach Vulkanismus.

Klimatische Ursachen umfassen Wetter- und Wasserstandsanomalien, etwa Unwetter, Extremwetterereignisse, Hochwasser an Binnengewässern und Sturmfluten an Küsten. Windanomalien sind unter anderem Stürme, Orkane, Trogorkane, Tornados, Hurrikane und Taifune. Niederschlagsanomalien reichen von plötzlichem Starkregen und Dauerregen bis zu Schneechaos, Hagel, Glatteis und Eisregen. Mögliche Folgen sind Hochwasser, Lawinen, Schneedruck, Muren und Lahare. Hinzu kommen Hitzeanomalien, Jahrhundertsommer, Dürren, winterliches Tauwetter, Extremwinter, ausgefallene Sommer, sommerliche Schneeeinbrüche, Gezeitenanomalien und Smog.

Biologische Ursachen sind Schädlingsplagen wie Heuschreckeneinfälle. Zu den extraterrestrischen Ursachen zählen Meteoriteneinschläge und Weltraumwetter, beispielsweise Sonnenwinde und kosmische Strahlung.

Verstärkende Faktoren

Die Folgen von Naturkatastrophen hängen nicht nur vom Naturereignis selbst, sondern auch von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen ab.

  • Die Weltbevölkerung wächst exponentiell: 1804 lebte eine Milliarde Menschen auf der Erde, 2022 waren es bereits über acht Milliarden.
  • Der insgesamt steigende Lebensstandard führt zu größeren Wertbeständen, die bei Katastrophen beschädigt werden können. Dadurch steigen besonders die Versicherungsschäden. Schadenssummen begünstigen in ihrer Bewertung Industriestaaten, während Folgeschäden wie Hungersnöte und Seuchen bei höherem Lebensstandard stark zurückgehen.
  • Bevölkerung und Sachwerte konzentrieren sich in Großstadträumen. Zahlreiche Megastädte entstehen auch in gefährdeten Regionen; Tokio hatte beispielsweise 35 Millionen Einwohner.
  • Küsten, Flussniederungen und andere stark exponierte Gebiete werden besiedelt und industrialisiert. Auch Tourismus in Gefahrenzonen, etwa in Florida, sowie die zunehmende Flächenversiegelung erhöhen die Risiken.
  • Moderne Gesellschaften und Technologien sind anfällig. Dazu gehören Bautechnik, Geräte, Netzwerke und Probleme bei Zulieferern und Lieferketten.
  • Weltweite Veränderungen der Umweltbedingungen, darunter Klimawandel, Wasserverknappung und der Verlust der Artenvielfalt, beeinflussen ebenfalls die Gefährdung.

Statistiken und Entwicklung

Die Weltbank veröffentlichte 2005 im Bericht „Natural Disaster Hotspots: A Global Risk Analysis“ Karten zur weltweiten Verteilung von Naturkatastrophenrisiken. Nach einem 2016 erschienenen Weltbankbericht waren in der Dekade 2005 bis 2014 durchschnittlich 17 Millionen Menschen pro Jahr von Naturkatastrophen betroffen; in der Dekade 1976 bis 1985 waren es noch 60 Millionen. Gleichzeitig verzehnfachten sich die jährlichen Kosten von 14 auf mehr als 140 Milliarden US-Dollar.

Für die Zukunft nennt der Artikel Modellangaben: Ohne Schutzmaßnahmen wie Klimaschutz und Anpassung an die globale Erwärmung könnten bis 2050 etwa 1,3 Milliarden Menschen durch Naturkatastrophen bedroht sein. Die bis dahin entstehenden Kosten könnten 158 Billionen US-Dollar erreichen, etwa das Doppelte des damaligen Weltsozialprodukts. In besonders betroffenen Küstenstädten könnten die Schadenskosten von 6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf eine Billion US-Dollar im Jahr 2070 steigen.

Die EM-DAT OFDA/CRED International Disasters Database dokumentiert weltweite Katastrophen seit 1888. Für den Zeitraum bis 2003 werden 9195 größere Katastrophen mit jeweils mindestens 10 Toten genannt. Wetterkatastrophen hatten mit 57 Prozent den größten Anteil; weniger als 20 Prozent waren geologischen Ursprungs, darunter Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis. Der Rest entfiel auf biologische Katastrophen.

Zwischen 1994 und 2013 starben jährlich durchschnittlich knapp 70.000 Menschen durch Naturkatastrophen. Die Zahl der Todesfälle ging vom frühen 20. bis zum frühen 21. Jahrhundert deutlich zurück, während die wirtschaftlichen Schäden stark zunahmen, auch wegen der höheren Wirtschaftsleistung. Die Todesrate pro 100.000 Einwohner betrug in den 1900er-Jahren 8,99, in den 1990er-Jahren 0,77, in den 2010er-Jahren 0,64 und von 2020 bis 2022 0,48. Die ökonomischen Schäden lagen bei 0,10 Prozent des BIP in den 1960er-Jahren, 0,24 Prozent in den 1990er-Jahren, 0,22 Prozent in den 2010er-Jahren und 0,23 Prozent von 2020 bis 2022.

Die fünf größten Naturkatastrophen nach Todesopfern von 1991 bis 2022 waren: das Erdbeben im Indischen Ozean 2004 mit mehr als 225.000 Toten, das Erdbeben in Haiti 2010 mit mehr als 222.000 Toten, der Bangladesch-Zyklon von 1991 mit mehr als 138.000 Toten, Zyklon Nargis 2008 mit mehr als 138.000 Toten und das Erdbeben in Sichuan 2008 mit mehr als 87.000 Toten.

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