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Schneerose
Die Blüte erreicht einen Durchmesser zwischen 5 und 10 Zentimetern. Die weiße oder rötliche Blütenhülle (Perigon) setzt sich aus fünf eiförmigen …
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Merkmale und Blüte
Die Schneerose oder Christrose (Helleborus niger) ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze aus der Gattung Nieswurz (Helleborus) und der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Bekannt ist sie vor allem wegen ihrer sehr frühen Blütezeit sowie wegen weiß blühender Gartensorten. Sie wird 10 bis 30 Zentimeter hoch und kann an geeigneten Standorten bis zu 25 Jahre alt werden.
Sie besitzt ein schwarzes Rhizom, also einen unterirdischen, meist waagerecht wachsenden Spross, und schwarze Wurzeln. Die grundständigen, lang gestielten Laubblätter sind fußförmig in sieben bis neun lanzettliche Abschnitte gegliedert. Ihre Ränder sind ganzrandig oder gezähnt; die Blätter sind ledrig und tiefgrün. Am Stängel sitzen ein bis zwei, selten drei, blasse ovale Hochblätter. Die Blätter sind frostempfindlich und werden am natürlichen Standort durch Schnee geschützt.
Die Hauptblütezeit liegt zwischen Februar und April. Abhängig von Schnee- und Höhenlage kann sie bereits im November beginnen oder bis Mai dauern. Die endständigen Blüten stehen meist einzeln an einem überwiegend unverzweigten Stängel und erreichen 5 bis 10 Zentimeter Durchmesser. Die weiße oder rötliche Blütenhülle besteht aus fünf eiförmigen Kelchblättern, die wie Kronblätter wirken. Beim Verblühen werden sie grünlich oder durch Anthocyane rötlich; sie bleiben lange erhalten.
Die eigentlichen Kronblätter sind zu gelben bis gelbgrünen, tütenförmigen Nektarblättern umgebildet. Sie geben reichlich Nektar ab und duften stärker als die Blütenhülle. Viele gelbe Staubblätter sitzen spiralig auf einer verlängerten Blütenachse. Aus drei bis acht nur an der Basis verwachsenen Fruchtblättern entstehen Balgfrüchte mit vielen Samen. Diese reifen im Frühsommer und tragen einen Ölkörper, das Elaiosom. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.
Bestäubung und Ausbreitung
Die Schwarze Nieswurz ist ein Hemikryptophyt: Ihre Überdauerungsknospen liegen während ungünstiger Jahreszeiten nahe an der Erdoberfläche. Ihre Blüten sind vorweiblich, auch protogyn genannt. Das bedeutet, dass die weiblichen Blütenteile früher empfängnisbereit sind als die männlichen Pollen abgeben; dies kann Selbstbestäubung zunächst erschweren.
Bestäubt wird die Pflanze vor allem durch Bienen, Hummeln, Falter und pollenfressende Insekten. Die Nektarblätter absorbieren UV-Licht, während die Blütenhülle dies nicht tut. Für UV-sichtige Insekten, besonders Bienen und Hummeln, sind die Nektarblätter dadurch auffällig. Weil die Schneerose so früh blüht, stehen jedoch nicht immer genügend bestäubende Insekten zur Verfügung. Deshalb bleiben ihre Narben lange befruchtbar und können im ungünstigsten Fall eigenen Pollen aufnehmen; diese Selbstbestäubung heißt Autogamie.
Beim Aufblühen sterben die alten Laubblätter ab. Nach einer erfolgreichen Befruchtung bilden die erhalten bleibenden Blütenhüllblätter Chloroplasten und übernehmen die Photosynthese. Ihre Leistung kann ein Drittel der ausgewachsenen Laubblätter erreichen und unterstützt die Fruchtbildung. Neue Laubblätter wachsen erst nach der Fruchtreife. Die Samen werden besonders durch Ameisen verbreitet, weil diese das fettreiche Elaiosom nutzen; diese Ausbreitungsweise heißt Myrmekochorie. Auch Schnecken tragen zur Ausbreitung bei.
Verbreitung und Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Schneerose umfasst die östlichen Nord- und Südalpen bis westlich nach Vorarlberg, außerdem den Apennin und den nördlichen Balkan. Sie wächst von Tallagen bis 1900 Meter Höhe; in den Berchtesgadener Alpen steigt sie bis 1560 Meter. In Deutschland ist sie nur in Bayern heimisch und in den Allgäuer Alpen nicht urwüchsig. In Österreich kommt sie häufig vor, ausgenommen Wien und Burgenland. In Slowenien wächst sie in den Julischen Alpen rund um den Triglav.
Die kalkstete Pflanze bevorzugt buschige Hänge, lichte Buchen- und Buchenmischwälder, Fichtenwälder sowie im Süden Flaum-Eichen-Wälder. Sie kann bis in die Krummholzzone vordringen. In der Schweiz lauten ihre Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich) und Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Besonders typisch ist sie für den Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum) und andere Buchenwälder der Ostalpen. Außerdem kommt sie in Schneeheide-Kiefernwäldern (Erico-Pinion) gemeinsam mit der Schneeheide (Erica carnea) sowie in wärmegebundenen Eichenmischwäldern (Quercetalia pubescenti-petraeae) vor.
Gartenpflanze, Unterarten und Schutz
Als Gartenstaude benötigt die Schneerose einen sorgfältig gewählten Standort, etwa am Gehölzsaum oder in Steingärten. Sie bevorzugt Halbschatten sowie humosen, durchlässigen, alkalischen Boden und braucht bis Juni genügend Feuchtigkeit. Empfohlen werden acht Pflanzen pro Quadratmeter. Vermehrung ist durch Aussaat oder durch Teilung älterer Pflanzen im Herbst oder nach der Blüte möglich. Junge Triebe werden von Schnecken gefressen. Erst nach einigen Jahren bildet die Pflanze schöne, dichtbuschige Bestände.
Seit dem 16. Jahrhundert wird sie in mitteleuropäischen Gärten kultiviert. Conrad Gessner beschrieb 1561 eine rosablütige Form. Im 19. Jahrhundert entstanden Sorten mit größeren Blüten und reicherem Blütenansatz als bei der Wildart. Bunte Sorten entstanden durch Einkreuzung der in der Türkei beheimateten Orientalischen Nieswurz. Es gibt auch Sorten mit gesprenkelten oder gepunkteten Blütenblättern. Kultivierte Sorten verwildern selten.
Es gibt zwei durch Übergänge verbundene Unterarten. Helleborus niger subsp. niger ist die häufigere Nominatform und kommt im gesamten Verbreitungsgebiet vor. Sie hat glänzende, dunkelgrüne Blätter mit vorn am breitesten Abschnitten und nach vorn gekrümmten Zähnen. Helleborus niger subsp. macranthus (Freyn) Schiffner besitzt matte, bläulichgrüne Blätter. Deren Abschnitte sind in der Mitte am breitesten und fein seitlich gezähnt; ihr kleines Verbreitungsgebiet reicht von Südtirol bis Slowenien und in den Kanton Tessin.
Die Schneerose ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und in der Roten Liste Deutschland als gefährdet (3) eingestuft. Wichtigste Gefährdungsfaktoren sind Ausgraben und Sammeln. In Österreich gilt sie in den Westalpen und im Gebiet der böhmischen Masse als gefährdet. In Oberösterreich ist sie nach Oö. NSchG 2001 teilweise geschützt; in Kärnten begründet die Kennzeichnung „H“ in Anhang III der Pflanzenartenschutzverordnung einen teilweisen Schutz.
Giftigkeit und frühere medizinische Nutzung
Alle Pflanzenteile der Schneerose sind stark giftig. Sie enthalten vor allem Saponine und Protoanemonin. In der Gattung Helleborus kommen außerdem Helleborin und besonders das stark herzwirksame Steroidsaponin Hellebrin vor. Hellebrin wirkt ähnlich wie Herzglykoside der Fingerhüte (Digitalis) und reizt Schleimhäute. Die höchste Helleborin-Konzentration befindet sich im Wurzelstock. Vergiftungen von Menschen sind dennoch eher selten. Typische Symptome sind Schwindel, Durchfall und Kollaps; sie ähneln einer Herzglykosid-Vergiftung.
Historisch wurde die „Schwarze Nieswurz“ als Niesmittel, Abführmittel, harntreibendes Mittel und Herzmittel verwendet. Die in antiken Texten beschriebene Pflanze ist aus heutiger Sicht allerdings nicht sicher mit der Schneerose gleichzusetzen. Hinweise aus dem antiken Griechenland beziehen sich mit großer Sicherheit auf die Rundblättrige Nieswurz (Helleborus cyclophyllus), möglicherweise auch auf die Orientalische Nieswurz (Helleborus orientalis), da die Schneerose dort nicht verbreitet ist.
Seit dem 15. Jahrhundert war die Wurzel als Radix hellebori nigri offizinell; erst im 18. Jahrhundert wurde die Schneerose ausdrücklich als Lieferant festgelegt. Schon Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts warnten vor ihrer Giftigkeit und Überdosierung: „Drei Tropfen machen rot, 10 Tropfen machen tot“. Heute wird die Schwarze Nieswurz nicht mehr als Phytotherapeutikum verwendet, sondern nur noch in der Homöopathie. Wegen des gemeinsamen Vorkommens von Hellebrin, Protoanemonin und Saponinen gilt die Pflanze medizinisch als nicht nutzbar; nur isoliertes Hellebrin lässt sich verwenden.