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Epitheton
Epitheta) ist ein sprachlicher Zusatz in der Form eines Attributs, meist eines Adjektivs oder einer Apposition, das daneben auch als Beiname von Herrschern …
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Grundbedeutung
Ein Epitheton ist ein sprachlicher Zusatz in der Form eines Attributs. Es ist meist ein Adjektiv oder eine Apposition, also eine Beifügung zu einem Namen oder Substantiv. Epitheta können in der Sprache schmückend, charakterisierend oder unterscheidend wirken. Außerdem können sie als Beinamen von Herrschern oder Gottheiten auftreten; bei Gottheiten heißt eine solche Anrufung oder Benennung auch Epiklese.
Der Begriff wird in mehreren Bereichen verwendet: in Rhetorik und Stilistik für besondere Beiwörter, in Religion und Herrschertitulatur für feste Beinamen sowie in Teilen der biologischen Nomenklatur für Bestandteile wissenschaftlicher Namen.
Epitheta in Rhetorik und Stilistik
In Rhetorik und Stilistik bezeichnet Epitheton das Hinzufügen eines Attributs, das im Satz nicht unbedingt erforderlich ist. Ein einfaches Beispiel ist „die grüne Wiese“. Ob ein solches Beiwort wirklich nur schmückt oder eine wichtige Bedeutung trägt, hängt vom Zusammenhang ab. Wenn „die grüne Wiese“ einer „trockenen, gelben Wiese“ gegenübergestellt wird, beschreibt „grün“ eine wichtige Eigenschaft der Sache.
Wenn die Bedeutung eines Wortes durch das Attribut nicht erweitert wird, kann das Epitheton als semantisch redundantes Beiwort verstanden werden: Es wiederholt oder betont nur eine Eigenschaft, die schon im Hauptwort mitgedacht ist. Dann hat es vor allem schmückende Funktion. Dieser Typ heißt Epitheton ornans, im Plural Epitheta ornantia. Ein Beispiel ist „blinder Despotismus“, wenn Blindheit als dem Despotismus bereits innewohnende Eigenschaft dargestellt wird.
In der antiken und epischen Sprache kommen solche schmückenden Epitheta häufig vor, besonders seit Homer. Beispiele sind „die kuhäugige Hera“, „die rosenfingrige Eos“, „der listenreiche Odysseus“ und „die wolletragenden Schafe“. Solche festen Wortverbindungen hängen auch mit den Anforderungen des epischen Hexameters zusammen: Sie helfen, einen Vers klangvoll und passend zu füllen.
Zwischen rein schmückenden und sachlich unterscheidenden Beiwörtern stehen feste Epitheta, die eine Person oder Sache charakterisieren, individualisieren oder bewerten. Beispiele sind „Iwan der Schreckliche“ und „Land der tausend Seen“. Epische Epitheta, die unabhängig von der konkreten Situation eine unveränderliche Eigenschaft besonders von Personen bezeichnen, heißen Epitheton constans, also „feststehendes Beiwort“. Ein Beispiel ist „pius Aeneas“ bei Vergil, Aeneis 1,305. Solche Epitheta constantia werden von Eric A. Havelock und anderen als typisches Merkmal von Mnemotechniken präliteraler Kulturen beschrieben.
Götter- und Herrscherbeinamen
Epitheta von Gottheiten kommen in Sakraltexten vieler Religionen vor, etwa im alten Griechenland, in Rom, im vedischen Indien und in der im Avesta dargestellten zarathustrischen Religion Altirans. Bei der vedischen und der avestischen Religion gehen die ältesten Phasen und die entsprechenden Götternamen auf eine gemeinsame indoiranische Periode zurück.
Solche Beiwörter bezeichnen meist einen bestimmten Teilaspekt des Wesens und der Rolle einer Gottheit. In der Kultpraxis können sie als Epiklesen verwendet werden. Das bedeutet: Eine Gottheit wird mit einem bestimmten Beinamen angerufen, um ihren Einfluss für einen bestimmten Anlass hervorzurufen oder wirksam werden zu lassen.
Auch feste Beinamen antiker Herrscher werden Epitheta genannt. Beispiele sind „der Große“ mit den Formen megas beziehungsweise magnus, „der Wohltäter“ als euergetes, „der Städtezertrümmerer“ als poliorketes, „der Unbesiegbare“ als invictus und „der Fromme“ als pius.
Epitheton in der Biologie
In der biologischen Nomenklatur wird der wissenschaftliche Name einer Art in einer zweiteiligen, binären Form angegeben. Diese Form wurde von Carl von Linné eingeführt. Der Artikel weist darauf hin, dass der Abschnitt zur Biologie nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet ist; besonders für die Abgrenzung zwischen Botanik, Zoologie und Virologie werden keine Belege genannt.
Grundsätzlich besteht ein wissenschaftlicher Artname aus zwei Teilen. Der erste Teil bezeichnet die Gattung. Der zweite Teil spezifiziert die Art. Je nach Fachgebiet wird dieser zweite Teil unterschiedlich benannt und geregelt.
Botanik und Zoologie
In der Botanik wird der zweite Teil des wissenschaftlichen Namens allgemein als „Epitheton“ bezeichnet. Grundlage ist der Internationale Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen. Der wissenschaftliche Name besteht aus einer Gattungsbezeichnung und einem artspezifischen Epitheton, dem Epitheton specificum. Bei der Rotbuche Fagus sylvatica bezeichnet Fagus die Gattung, während sylvatica das Epitheton der Art ist. Auch Namenszusätze bei intraspezifischen Rangstufen wie Varietät, Sorte oder Cultivar werden als Epitheta bezeichnet.
In der Zoologie ist die Lage anders. Der Ausdruck „Epitheton“ wurde im englischsprachigen Nomenklaturcode ICZN Code nicht als relevanter nomenklatorischer Begriff aufgenommen und erscheint auch in der deutschsprachigen Entsprechung nicht als Terminus. Stattdessen wird der Ausdruck „Artname“ verwendet. Dieser ist im Deutschen jedoch zweideutig: Er kann den ganzen zweiteiligen Namen einer Tierart meinen, zum Beispiel Homo sapiens, oder nur den spezifizierenden zweiten Teil, also sapiens. Deshalb werden Epithetum specificum oder Epitheton specificum in der deutschsprachigen zoologischen Literatur gelegentlich informell weiterhin verwendet. Heute ist auch „Artzusatz“ gebräuchlich, um Verwechslungen zu vermeiden und ohne griechische oder lateinische Wörter auszukommen.
Virologie
In der Virologie ist das International Committee on Taxonomy of Viruses, abgekürzt ICTV, die maßgebliche Instanz für die Benennung von Virustaxa. Nach einer Ratifizierungsabstimmung des ICTV im März 2021 ist eine zweiteilige binäre Nomenklatur die Norm für die Benennung von Virusspezies. Diese Praxis wurde gelegentlich auch schon früher verwendet.
Im binären Format heißt das zweite Element Art-Epitheton, auf Englisch species epithet. Es ist in sehr freier Form wählbar. Es kann etwa als latinisiertes Wort in Kleinbuchstaben erscheinen, wie bei Vesiculovirus indiana, oder als Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen, wie bei Triavirus phi2958PVL. Diakritische Zeichen und Ligaturen sind dabei nicht erlaubt.