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Schlacht von Cannae
Die Schlacht von Cannae fand am 2. August 216 v. Chr. an den Abhängen der Murge in Nähe der Mündung des Flusses Aufidus in Süditalien statt.
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Bedeutung und Einordnung
Die Schlacht von Cannae war eine Entscheidungsschlacht des Zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.) zwischen Rom und Karthago. Nach der überlieferten Datierung fand sie am 2. August 216 v. Chr. bei Cannae in Apulien statt. Das karthagische Heer unter Hannibal vernichtete trotz seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit einen Großteil des römischen Heeres, das von den Konsuln Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro geführt wurde.
Der Sieg gilt als besonders bedeutend, weil Hannibal das römische Heer durch eine Umfassung einschloss und von mehreren Seiten angriff. Eine Umfassungsschlacht ist eine Schlacht, in der gegnerische Truppen an den Flanken umgangen und schließlich eingekesselt werden. Cannae wird bis heute als klassisches Beispiel dieser Taktik behandelt. Die Redewendung „ein Cannae erleiden“ bezeichnet eine vernichtende Niederlage.
Die Quellenlage ist jedoch schwierig. Es gibt keine direkten zeitgenössischen Berichte. Der älteste ausführliche Bericht stammt von Polybios, der etwa fünfzehn Jahre nach der Schlacht geboren wurde und sein Geschichtswerk erst rund siebzig Jahre nach dem Ereignis verfasste. Deshalb sind insbesondere Ort, Zeitpunkt, Heeresstärken und Verluste teilweise umstritten.
Vorgeschichte
Zu Beginn des Zweiten Punischen Krieges führte Hannibal sein Heer mit Kriegselefanten über die Alpen nach Oberitalien. In den Schlachten an der Trebia und am Trasimenischen See fügte er Rom schwere Niederlagen zu. Danach erhielt Fabius Maximus den römischen Oberbefehl. Er vermied eine weitere offene Feldschlacht und wollte Hannibals Heer durch Nachschubprobleme allmählich schwächen. Wegen dieses vorsichtigen Vorgehens nannte ihn die römische Bevölkerung cunctator, also „der Zauderer“.
Im Jahr 216 v. Chr. wurden Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro zu Konsuln gewählt. Sie erhielten den Auftrag, Hannibal zur Entscheidungsschlacht zu stellen, da er Rom von wichtigen Getreidevorräten im Süden abgeschnitten hatte. Dafür wurde ihnen mit 16 Legionen eine Streitmacht von ungefähr doppelter konsularischer Normalstärke unterstellt. Die Konsuln wechselten sich täglich im Oberbefehl ab. Antike Berichte stellen Paullus als vorsichtig und Varro als angriffslustig dar; nach späterer Forschung könnten diese Gegensätze jedoch erfunden worden sein, um den patrizischen Paullus zu entlasten und dem aus der plebejischen Schicht stammenden Varro die Verantwortung zuzuschieben.
Am Schlachttag führte Varro den Oberbefehl. Nach heutigem Wissensstand ließ er das Heer auf dem südlichen Ufer des Aufidus, des heutigen Ofanto, antreten. Das dortige hügelige Gelände erschwerte den Einsatz der Kavallerie.
Heere und Aufstellung
Die genaue Stärke beider Heere ist unklar. Polybios berichtet, dass acht römische Bürgerlegionen eingesetzt wurden. Ihre Sollstärke sei von normalerweise 4000 auf 5000 Infanteristen und von 200 auf 300 Reiter erhöht worden. Die Bundesgenossen hätten ebenso viele Fußsoldaten und dreimal so viele Reiter gestellt. Insgesamt nennt Polybios etwas mehr als 80.000 römische Infanteristen und etwas über 6000 Reiter. Livius überliefert als abweichende Gesamtzahl 87.200 Mann. Häufig wird daher mit ungefähr 80.000 Infanteristen und 6000 Reitern gerechnet; einige Tausend Ausfälle aus früheren Kämpfen müssen möglicherweise abgezogen werden.
Für die eigentliche Schlacht wird auch eine römische Stärke von 55.000 Mann schwerer Infanterie, 8000 bis 9000 Mann leichter Infanterie und 6000 Reitern angenommen, weil etwa 10.000 Soldaten das größere Lager bewachten und weitere Kräfte im kleineren Lager geblieben sein dürften. Hannibals Heer umfasste nach Polybios und Livius ungefähr 40.000 Infanteristen und 10.000 Reiter. Andere Angaben reichen bei der Infanterie von 37.000 bis 45.000 Mann und bei der Kavallerie von ungefähr 10.000 bis 11.000 Mann. Vermutlich bewachten mindestens 3000 bis 5000 karthagische Infanteristen das Feldlager.
Die Römer stellten ihre Infanterie im Zentrum und die Kavallerie auf den Flügeln auf. Das Fußvolk wurde ungewöhnlich tief gestaffelt, sodass seine Front kaum breiter war als die der zahlenmäßig schwächeren karthagischen Infanterie. Es sollte Hannibals Mitte rasch durchbrechen und die Stärke der Legionäre im Nahkampf ausnutzen. Die zahlenmäßig schwache römische Reiterei bildete dabei den entscheidenden Schwachpunkt. Lucius Aemilius Paullus befehligte die Reiter auf dem rechten, Gaius Terentius Varro diejenigen auf dem linken Flügel. Im Zentrum führten Marcus Atilius Regulus und Gnaeus Servilius Geminus die Infanterie.
Hannibal ließ Iberer und Kelten in einer vorspringenden, leicht sichelförmigen Formation im Zentrum antreten. Die schwere nordafrikanische Infanterie stand an den Seiten beziehungsweise rückte nach anderer Darstellung erst später dorthin. Auf seinem linken Flügel konzentrierte Hannibal die spanische und keltische Kavallerie für den entscheidenden Angriff; die numidischen Reiter auf dem rechten Flügel sollten zunächst defensiv handeln und die gegnerische Kavallerie binden. Hasdrubal führte die Reiter des linken Flügels, Hanno beziehungsweise Maharbal diejenigen des rechten. Hannibal und sein Bruder Mago befehligten das Zentrum.
Verlauf und Verluste
Als die römischen Legionen angriffen, ließ Hannibal das zunächst vorgewölbte Zentrum aus iberischen und keltischen Fußsoldaten kontrolliert zurückweichen. Die Römer drangen vor, wurden dabei aber immer stärker zusammengedrängt. Die nordafrikanischen Truppen an den Seiten griffen ihre Flanken an. So verwandelte sich Hannibals vorgewölbte Mitte schrittweise in eine Einbuchtung, in die das römische Heer hineinmarschierte.
Gleichzeitig besiegten die iberischen, keltischen und karthagischen Reiter auf Hannibals linkem Flügel die römische Kavallerie des rechten Flügels. Danach unterstützten sie die Numider auf der anderen Seite und griffen die zahlenmäßig unterlegene bundesgenössische Reiterei von hinten an. Nachdem auch diese vertrieben worden war, kehrten Teile der karthagischen Kavallerie zurück und fielen den Legionen in den Rücken. Das römische Heer war nun von Infanterie und Kavallerie eingeschlossen.
Die tiefe römische Formation wurde dabei zum Nachteil. Die Legionäre standen in bis zu 26 Reihen hintereinander. Viele konnten zunächst nicht kämpfen, weil die vorderen Reihen den Zugang zum Gegner versperrten. Statt sich auf dem Schlachtfeld auszubreiten, wurden sie immer enger zusammengedrängt. Verwirrung brach aus, und die Karthager kämpften den eingekesselten Gegner von außen nach innen nieder.
Auch die Verlustzahlen widersprechen sich. Nach Polybios wurden ungefähr 70.000 Römer getötet und etwa 10.000 Infanteristen sowie 2000 Reiter gefangen genommen; ungefähr 3000 Infanteristen und 370 Reiter seien entkommen. Unter den Toten waren Lucius Aemilius Paullus und Gnaeus Servilius Geminus. Livius nennt 45.500 gefallene Infanteristen und 2700 gefallene Reiter sowie zunächst etwa 4500 Gefangene. Weitere Soldaten, die in die Lager oder nach Cannae geflohen waren, gerieten später größtenteils ebenfalls in Gefangenschaft. Andere Schätzungen gehen von rund 50.000 Toten und 25.000 Überlebenden aus. Zu den Entkommenen gehörten Varro und Scipio Africanus, der Hannibal vierzehn Jahre später bei Zama besiegte.
Hannibals Verluste betrugen laut Polybios ungefähr 4000 Kelten, 1500 Spanier und Nordafrikaner sowie 200 Reiter. Livius nennt insgesamt 8000 Tote; eine moderne Schätzung liegt bei 6000 bis 8000 Mann. Die römischen Überlebenden sollen nach herrschender Auffassung in den legiones Cannenses zusammengefasst worden sein, deren Existenz allerdings vereinzelt bestritten wird.
Folgen, Erinnerung und Streitfragen
Hannibal ließ Goldschmuck von den Körpern der gefallenen Römer sammeln und als Siegesbeweis nach Karthago schicken. Livius zufolge wurde die vor dem karthagischen Senat ausgeschüttete Sammlung auf „drei und ein halbes Maß“, also 6048 Stück, geschätzt. Goldringe kennzeichneten die Zugehörigkeit zu den oberen Schichten der römischen Gesellschaft und verdeutlichten daher auch die sozialen Folgen der hohen Verluste.
Trotz des gewaltigen Sieges gewann Karthago keinen entscheidenden strategischen Vorteil. Zunächst lösten sich nur süditalienische Gebiete in Apulien, Samnium, Lukanien und Bruttium von Rom. Später folgten im Winter 216/215 v. Chr. Capua, 214 v. Chr. Syrakus sowie 212 v. Chr. Tarent, Metapont und Thurii. Das römische Bündnissystem in Mittelitalien blieb jedoch im Kern bestehen.
Hannibals Heer war zu klein und besaß nicht genügend Belagerungsmaterial, um Rom selbst anzugreifen. Er bot Friedensverhandlungen zu maßvollen Bedingungen an, doch der römische Senat lehnte ab. Rom stellte stattdessen eine neue Armee zur Verteidigung Italiens und eine weitere für den Angriff auf die karthagischen Besitzungen in Spanien auf. Die Schlacht blieb deshalb trotz der außergewöhnlich hohen römischen Verluste ohne unmittelbare entscheidende politische oder militärische Folgen.
Die überlieferte Taktik Hannibals prägte das militärische Denken späterer Zeiten. Anders als bei neuzeitlichen Umfassungen, die Gegner vor allem vom Nachschub abschneiden sollen, diente die Einkesselung bei Cannae dazu, die zentrale Masse des Gegners bewegungsunfähig zu machen und von außen nach innen zu vernichten.
Auch Ort und Datum sind nicht völlig gesichert. Der römische Kalender könnte dem astronomischen damals um etwa anderthalb Monate voraus gewesen sein. Der kalendarische 2. August 216 v. Chr. könnte daher nach heutiger Berechnung im Juni gelegen haben. Das Gebiet bei Barletta wird als „Canne della Battaglia“ mit der Schlacht verbunden, doch dort gefundene Massengräber stammen aus dem Mittelalter und liefern keinen archäologischen Beweis. Giuseppe De Marco vermutete den Schauplatz weiter nördlich am Fluss Fortore bei Carlantino; Mario Izzo schlug eine Stelle bei Castelluccio Valmaggiore am sogenannten „Lago di Sangue“ vor.