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Schlacht am Trasimenischen See

Die Punischen Kriege waren Machtkämpfe um die Vorrangstellung im westlichen Mittelmeerraum. Die Kontrahenten waren das Punische Reich mit seiner Hauptstadt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und geschichtlicher Rahmen
  2. 2. Hannibals Vormarsch und die Vorbereitung des Hinterhalts
  3. 3. Der Ablauf der Schlacht
  4. 4. Heeresstärken und Verluste
  5. 5. Politische Folgen und Roms Reaktion
  6. 6. Archäologische Spuren und das Gelände

Bedeutung und geschichtlicher Rahmen

Die Schlacht am Trasimenischen See war ein karthagischer Sieg im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.). Sie fand am 24. Juni 217 v. Chr. am Trasimenischen See statt; der Artikel ordnet sie außerdem in das Frühjahr 217 v. Chr. ein. Hannibal schlug dabei zwei römische Heere vernichtend. Die wichtigsten überlieferten Berichte stammen vom römischen Geschichtsschreiber Titus Livius und vom griechischen Historiker Polybios. Karthagische Quellen zur Schlacht sind nicht bekannt.

Die Punischen Kriege waren Machtkämpfe um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum zwischen Karthago und Rom. Nach dem Ersten Punischen Krieg verlor Karthago 241 v. Chr. seine Besitzungen auf Sizilien; Sizilien, Korsika und Sardinien wurden römische Provinzen. Karthago baute anschließend seine Stellung auf der Iberischen Halbinsel aus. Als Rom die Auslieferung Hannibals wegen einer angeblichen Vertragsverletzung verlangte und Karthago dies ablehnte, erklärte Rom den Krieg.

Hannibal führte das karthagische Heer auf dem Landweg nach Italien. Sein Ziel war ein direkter Angriff auf Rom. Vor der Schlacht hatte er bereits am Ticinus im November 218 v. Chr. ein erstes Gefecht und an der Trebia im Dezember 218 v. Chr. seinen ersten großen Sieg gegen Rom errungen.

Hannibals Vormarsch und die Vorbereitung des Hinterhalts

Karthagische Kundschafter hatten den Weg durch die Iberische Halbinsel, Südfrankreich und über die Alpen erkundet. Hannibal zog mit 50.000 Mann, 9000 Reitern und 37 Kriegselefanten über die Pyrenäen zur Rhone und durch das heutige Südfrankreich. Wahrscheinlich erreichte er im späten Oktober 218 v. Chr. die Alpen und überquerte sie in 15 Tagen. Nach einer Schätzung von Nigel Bagnall bestand sein Heer danach noch aus 34.000 Mann. Ursachen waren Kämpfe, die anstrengende Alpenüberquerung, die Rücksendung von Soldaten auf die Iberische Halbinsel, Desertionen und die Besetzung von Wegposten.

Während Hannibal wegen des Winters mit der Überquerung des Apennin warten musste, stellten die Römer zwei Heere bei Ariminium (heute Rimini) und Arretium (heute Arezzo) auf. Die Konsuln Gnaeus Servilius Geminus und Gaius Flaminius wollten Hannibal zwischen ihren Heeren einschließen. Anfang 217 v. Chr. überquerte Hannibal den Apennin jedoch beim ersten Anzeichen des Frühlings, bevor die Pässe sicher waren, und nahm bei Faesulum (heute Fiesole) eine andere Route. Hochwasser und Überschwemmungen durch die Schneeschmelze schwächten sein Heer weiter; viele Soldaten und bis auf einen alle Elefanten gingen verloren. Der Marsch durch die Sümpfe des Arno dauerte unter großen Strapazen vier Tage und drei Nächte ohne ausreichende Ruhe.

Beim Durchzug durch Etrurien behandelte Hannibal zunächst die römischen Verbündeten milde. Bei Arretium ließ er jedoch Felder und Bauernhöfe plündern und verwüsten. Dies konnte der Versorgung seiner Truppen dienen, die Versorgung der Römer erschweren und Flaminius zu einem Angriff provozieren. Cortona blieb verschont und konnte den Römern als Versorgungsstation dienen. Hannibal war durch Späher über die römischen Truppenbewegungen und das Gelände gut informiert.

Am Trasimenischen See nutzte er einen stark bewaldeten Höhenzug, der den See vom Tiber trennte und nur einen schmalen Uferstreifen für den Durchzug ließ. Entlang des nordöstlichen Ufers versteckte er sein Heer auf etwa zehn Kilometern. Flaminius schlug am nördlichen Ufer ein Nachtlager auf und marschierte am nächsten Morgen nach der Versorgung in Cortona weiter. Er glaubte, Hannibal befinde sich weit vor ihm auf dem Weg nach Rom.

Der Ablauf der Schlacht

Am frühen Morgen brachen die Römer ihr Lager ab und zogen am Seeufer in Richtung Tiber. Livius und Polybios berichten von ungewöhnlich dichtem Nebel; möglicherweise diente diese Erklärung auch dazu, die römische Niederlage zu entschuldigen. Sicher war, dass der schmale Uferstreifen die Römer zu einem langen, hintereinander marschierenden Zug zwang. Hannibal wartete, bis sich die gesamte römische Truppe im Bereich des Hinterhalts befand. Dann versperrten seine Soldaten Zugang und Ausgang.

Die karthagischen Truppen griffen gleichzeitig von den bewaldeten Höhen und über die gesamte Länge des römischen Zuges an. Die Römer waren nicht auf eine Schlacht vorbereitet und hielten ihre Waffen nicht griffbereit. Nach den Berichten der Hauptquellen konnten die Offiziere wegen des Nebels, des Lärms und des Durcheinanders nicht rechtzeitig Befehle erteilen. Viele Soldaten wurden deshalb schon in den ersten Minuten ohne ausreichende Gegenwehr getötet.

Andere Römer flohen zum See. Ein Teil versuchte trotz der Rüstung zu schwimmen und ertrank; andere wurden von der karthagischen Reiterei gestellt und getötet oder gefangen genommen. Eine Vorhut von 6000 Römern konnte zunächst entkommen. Maharbal, der mit seiner Kavallerie den Ausgang gesichert hatte, verfolgte sie und nahm sie bald gefangen.

Auch die zweite römische Armee unter Servilius wurde geschwächt. Als Servilius von Flaminius’ Gefecht erfuhr, schickte er 4000 Reiter zur Unterstützung. Hannibal ließ diese Reiter durch Maharbal und dessen Kavallerie abfangen. 2000 römische Reiter starben, die übrigen 2000 gerieten in Gefangenschaft.

Heeresstärken und Verluste

Die Zahlen zur Truppenstärke und zu den Verlusten unterscheiden sich je nach Quelle und Forschung. Die Angaben der Übersicht nennen für Rom 40.000 Mann, davon 36.000 Infanteristen und 4000 Reiter, und für Karthago 30.000 Mann, davon 22.000 Infanteristen und 8000 Reiter. Historiker schätzen die römische Gesamtstärke dagegen auf 25.000 bis 30.000 Mann und Hannibals Heer auf 37.000 bis 55.000 Mann, darunter 10.000 Reiter.

Von den etwa 25.000 Soldaten des Heeres von Flaminius starben 15.000. 6000 wurden gefangen genommen, 4000 zerstreuten sich auf der Flucht. Das Heer des Konsuls, der selbst fiel, war damit vollständig aufgerieben. Servilius verlor seine gesamte Kavallerie von 4000 Mann und damit seinen stärksten beweglichen Truppenteil.

Polybios nennt ungefähr 15.000 gefallene Römer. Nach seiner Darstellung konnten sich zunächst 6000 retten, wurden später aber gefangen genommen; insgesamt gerieten 15.000 Römer in Gefangenschaft. Livius nennt ebenfalls 15.000 Gefallene und 6000 zunächst Entkommene, weist jedoch auf unterschiedliche Angaben seiner Quellen hin. John Warry schätzt 15.000 Gefallene und 10.000 Gefangene, Peter Connolly etwa 15.000 Gefallene und ebenso viele Gefangene. Die Übersicht fasst die römischen Verluste mit 15.000 Toten, 15.000 Gefangenen und 10.000 Überlebenden zusammen, die sich nach Rom zurückzogen.

Für Hannibals Heer nennt Polybios ungefähr 1500 Tote, hauptsächlich Kelten. Livius gibt 2500 Tote an und berichtet zusätzlich von zahlreichen Verwundeten, die später auf beiden Seiten starben. Warry schätzt Hannibals Verluste auf 1400 bis 2500 Mann; Connolly folgt der niedrigeren Angabe des Polybios.

Politische Folgen und Roms Reaktion

Hannibal wollte den militärischen Sieg politisch nutzen. Gefangene aus den mit Rom verbündeten Ländern ließ er ohne Lösegeld frei, um die römischen Bündnisse zu schwächen. Rom fürchtete deshalb, dass Verbündete abfallen könnten. Tatsächlich öffnete jedoch keine Stadt in den betroffenen Gebieten Umbrien und Etrurien freiwillig ihre Tore für Hannibal. Seine weiteren Verwüstungen von Feldern und Höfen, mit denen er die Versorgung seiner Gegner beeinträchtigen wollte, trafen auch römische Bündnispartner und machten ihn bei ihnen unbeliebt.

In Rom löste die Nachricht von der Niederlage große Angst und Verwirrung aus. Ein Konsul war tot, der andere zunächst nicht erreichbar, die Hälfte des römischen Heeres war vernichtet und Hannibal bedrohte Rom. Der Senat erklärte die Republik zum Staatsnotstand. Die Volksversammlung ernannte Quintus Fabius Maximus zum Diktator, einem Alleinherrscher für die Dauer der Krise. Fabius ließ die Sibyllinischen Bücher befragen, gelobte Götteropfer, ordnete ein Bittfest an und bereitete die Verteidigung vor. Unbefestigte Städte wurden evakuiert, Brücken abgebrochen und Landstriche vorsorglich niedergebrannt. Hannibal griff Rom jedoch nicht unmittelbar an; die nächste große Schlacht folgte erst 216 v. Chr. bei Cannae.

Die spätere Beurteilung stellte die Niederlage häufig als Folge von Flaminius’ Übermut dar. Livius beschrieb, wie Flaminius angebliche Warnzeichen wie ein nicht aus dem Boden lösbares Feldzeichen und den Sturz seines Reitpferdes missachtete. Der Artikel weist jedoch darauf hin, dass dieses Bild stark von den politischen Gegnern des Flaminius geprägt war. Flaminius hatte als Volkstribun eine plebejische Politik vertreten, das Ackergesetz von 232 v. Chr. unterstützt und den Bau der Via Flaminia gefördert. Seine Gegner konnten ihn nach seinem Tod zum alleinigen Schuldigen machen und dadurch vom eigenen Versagen bei der frühen Bekämpfung Hannibals ablenken.

Archäologische Spuren und das Gelände

Bei Ausgrabungen am Nordufer des Trasimenischen Sees nahe Perugia in Umbrien wurden Massengräber mit Waffen entdeckt, die in das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Außerdem fand man Brandgräber, wie sie auch vom Schlachtfeld von Cannae bekannt sind.

Das heutige Seeufer entspricht wegen einer deutlichen Absenkung des Wasserspiegels nicht mehr dem Zustand vor über 2200 Jahren. Besonders das Anlegen eines Kanals im 15. Jahrhundert veränderte den Uferverlauf. Auf etwa drei Kilometern ist der Uferweg jedoch weiterhin unmittelbar von Hügeln begrenzt; diese Geländesituation veranschaulicht die Bedeutung des schmalen Durchgangs für Hannibals Hinterhalt.

Lernvideos zu Schlacht am Trasimenischen See

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