Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Zweiter Punischer Krieg
Der Zweite Punische Krieg wurde von 218 v. Chr. bis 201 v. Chr. zwischen Rom und Karthago ausgetragen. Er war der zweite von drei Punischen Kriegen, …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Quellen
Der Zweite Punische Krieg dauerte von 218 bis 201 v. Chr. und war der zweite von drei Kriegen zwischen Rom und Karthago, den stärksten Mächten im westlichen Mittelmeerraum. Die Punier, die römische Bezeichnung für die Karthager, kämpften siebzehn Jahre um Einfluss in Italien, auf der Iberischen Halbinsel, auf Sizilien und Sardinien sowie schließlich in Nordafrika. Neben den beiden Großmächten waren Makedonien, Syrakus, numidische Königreiche sowie iberische und gallische Truppen beteiligt.
Hannibal Barkas brachte Rom in Italien zunächst mit taktisch erfolgreichen Schlachten in große Gefahr. Rom vermied später Entscheidungsschlachten, führte einen Abnutzungskrieg und band karthagische Kräfte auf weiteren Kriegsschauplätzen. Mit Scipios Sieg bei Zama 202 v. Chr. fiel die Entscheidung zugunsten Roms. Der Krieg verursachte auf beiden Seiten immense menschliche und materielle Verluste und begründete Roms endgültige Vorherrschaft im Mittelmeerraum.
Karthagische Quellen fehlen, weil Karthago 146 v. Chr. im Dritten Punischen Krieg zerstört wurde. Die wichtigsten erhaltenen Berichte stammen von Polybios, besonders aus seinen Historien, Buch 3 und 7–15. Seine Darstellung gilt nach modernem Konsens als vergleichsweise glaubwürdig, ist aber teilweise verloren. Livius behandelt den Krieg in ab urbe condita, Buch 21–30, stützte sich oft auf Polybios, wird jedoch wegen zweifelhafter Zuverlässigkeit und militärischer Unkenntnis kritisch beurteilt. Weitere Hinweise liefern unter anderem Diodorus Siculus, Plutarch, Appian, Cassius Dio, Münzen, Inschriften und archäologische Funde.
Vorgeschichte und Kriegsbeginn
Im Ersten Punischen Krieg, der 264 bis 241 v. Chr. dauerte, besiegte Rom Karthago im Streit um Messana. Karthago verlor danach Sizilien sowie später Sardinien und Korsika an Rom. Es versuchte, diese Verluste durch Expansion auf der Iberischen Halbinsel auszugleichen.
Hamilkar Barkas eroberte dort Gebiete, besonders in Westandalusien, und gründete Akra Leuke. Sein Nachfolger Hasdrubal der Schöne gründete 227 v. Chr. Carthago Nova, das heutige Cartagena. Im Ebro-Vertrag von 226 v. Chr. wurde ein Fluss namens Iber als Grenze der römischen und karthagischen Interessensphäre festgelegt. Seine Lage ist umstritten: Pedro Barceló identifiziert ihn mit dem Río Segura, die Mehrheit der Forschung und Klaus Bringmann mit dem Ebro. Nach karthagischer Rechtsauffassung band dieser Feldherrnvertrag nur Hasdrubal, nicht den karthagischen Staat oder Hannibal nach Hasdrubals Tod.
Sagunt lag südlich des Ebro und bat Rom wegen der karthagischen Expansion um Hilfe. Hannibal belagerte die Stadt; römische Gesandte forderten erfolglos, davon abzusehen. Rom unternahm während der achtmonatigen Belagerung nichts, und Sagunt fiel 219 v. Chr. Als Karthago Hannibal nicht an Rom auslieferte, erklärte Rom den Krieg. Die Motive und die rechtliche Bewertung des Konflikts sind in der Forschung nicht eindeutig: Die römische Annalistik deutete Hannibals Angriff später als Vertragsbruch, während andere Deutungen den Vertrag für Hannibal nicht als bindend ansehen.
Heere und Kriegsführung
Das römische Heer bestand überwiegend aus wehrpflichtigen Bürgern. Eine Legion umfasste 4.200 Infanteristen und 300 Kavalleristen. Etwa 1.200 ärmere und jüngere Infanteristen dienten als velites: leicht bewaffnete Plänkler mit Wurfspeeren, Kurzschwert und etwa 90 Zentimeter langem Schild. Sie eröffneten die Schlacht in lockerer Formation. Die übrige Infanterie trug Panzer, große Schilde und kurze Stichschwerter und war in drei Reihen gegliedert. Ein Heer umfasste gewöhnlich zwei römische Legionen und ein ähnlich großes Legionspaar der Verbündeten; zwei jährlich gewählte Konsuln führten es.
Karthago rekrutierte bei keiner unmittelbaren Bedrohung der Stadt vor allem fremde Truppen. Nordafrikanische Kämpfer stellten schwere Infanterie, leichte Plänkler, schwere Schockkavallerie und leichte Kavallerie. Nordafrikanische Infanterie und Bürgermiliz kämpften dicht gedrängt in einer Phalanx, also einer geschlossenen Schlachtordnung. Iberische und gallische Infanterie griff oft heftig, aber nur begrenzt ausdauernd an; hinzu kam ungepanzerte Kavallerie. Balearische Schleuderer und Kriegselefanten ergänzten das Heer.
Typisch waren Garnisonsdienst, Landblockaden, Überraschungsangriffe, Hinterhalte und Kriegslisten. Die Infanterie stand meist in der Mitte, leichte Infanterie davor und Kavallerie an den Flanken. Angriffe auf die Seite oder den Rücken konnten zur Einkesselung führen. Beide Seiten besaßen große Flotten, doch kam es zu keinen großen Seegefechten. Karthago setzte seine Flotte nicht entscheidend ein; Rom behielt deshalb die Seeherrschaft.
Hannibals Feldzug in Italien
Hannibal plante den Einmarsch in Italien, weil Rom zur überlegenen Seemacht geworden war und Karthago eine Invasion per Schiff kaum durchführen konnte. Mitte 218 v. Chr. zog er von Neukarthago nach Norden, überquerte die Rhone und im Spätherbst die Alpen. Wahrscheinlich begann er den Alpenzug mit 50.000 Fußsoldaten, 9.000 Reitern und 37 Elefanten. Klima, Gelände und Angriffe einheimischer Stämme verursachten große Schwierigkeiten. Zugleich gewann er in Oberitalien keltische Verbündete.
Ende 218 v. Chr. besiegte Hannibal die Römer am Ticinus und an der Trebia. Bei der Trebia entkamen nur etwa 10.000 von 42.000 Römern. 217 v. Chr. lockte er Gaius Flaminius am Trasimenischen See in einen Talkessel: 15.000 Römer fielen, ebenso viele gerieten in Gefangenschaft; nur 6.000 brachen aus. Der Diktator Quintus Fabius Maximus Verrucosus reagierte mit der Fabianischen Strategie: Er vermied große Schlachten und wollte Hannibals Heer durch ständige kleinere Angriffe und Versorgungsprobleme zermürben.
Am 2. August 216 v. Chr. gewann Hannibal bei Cannae. Rom setzte etwa 80.000 Fußsoldaten und 6.000 Reiter ein, Hannibal etwa 40.000 Infanteristen und 10.000 Kavalleristen. Sein zurückweichendes Zentrum zog die römische Infanterie in eine halbmondförmige Falle; die karthagische Kavallerie griff von den Flanken und schließlich von hinten an. Fast 60.000 römische Legionäre fielen, darunter Konsul Lucius Aemilius Paullus. Cannae gilt als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht. Hannibal griff Rom danach nicht an, sondern wollte das römische Bündnissystem auflösen.
Capua, 216 v. Chr. die zweitgrößte Stadt Italiens, sowie Tarent und weitere Gebiete schlossen sich Hannibal an. Neapel und Nola blieben Rom jedoch treu. Die neuen karthagischen Verbündeten stellten wenige Truppen bereit und wollten meist nicht außerhalb ihrer Heimat kämpfen. Rom rekrutierte auch Sklaven, Kriminelle und sonst nicht Wehrpflichtige; die Zahl seiner Legionen stieg von mindestens zwölf Anfang 215 v. Chr. auf 22 im Jahr 213 v. Chr. 212 v. Chr. dienten knapp 100.000 Mann in römischen Legionen, dazu etwa ebenso viele verbündete Truppen. Rom eroberte viele abgefallene Städte zurück. Capua fiel 211 v. Chr.
Hasdrubal, Hannibals Bruder, überschritt 207 v. Chr. mit 30.000 Mann die Alpen, um sich mit ihm zu vereinen. Römische Truppen besiegten ihn jedoch am Metaurus; Hasdrubal fiel. Damit war die römische Vorherrschaft in Italien gesichert. Hannibal wurde auf Bruttium im äußersten Süden zurückgedrängt. Mago, ein weiterer Bruder Hannibals, landete 205 v. Chr. bei Genua, wurde aber 203 v. Chr. in Insubrien besiegt.
Weitere Kriegsschauplätze
In Hispania verhinderten römische Truppen, dass Karthago Hannibal dauerhaft wirksam unterstützen konnte. Gnaeus Cornelius Scipio landete 218 v. Chr. bei Emporion nördlich des Ebro, besiegte Hanno und gewann iberische Stämme. Die Brüder Gnaeus und Publius Scipio erlitten 211 v. Chr. nach der Teilung ihrer Heere Niederlagen und fielen beide. Ihr Nachfolger Publius Cornelius Scipio, später Africanus genannt, eroberte 209 v. Chr. Neu-Karthago. Er besiegte Hasdrubal bei Baecula und siegte 206 v. Chr. bei Ilipa über Mago. Dort standen 48.000 Römer 54.500 Karthagern und 32 Elefanten gegenüber. Nach Ilipa war Hispania für Karthago nicht mehr zu halten.
Hannibal schloss 215 v. Chr. ein Bündnis mit Makedoniens König Philipp V. aus, das den Ersten Makedonischen Krieg auslöste, aber wenig wirksam blieb. Der Krieg endete 205 v. Chr. durch Frieden. Auf Sardinien erlitt Karthago 213 v. Chr. eine schwere Niederlage. Auf Sizilien fiel Syrakus 212 v. Chr. an Rom; Archimedes kam dabei ums Leben. 210 v. Chr. nahm Rom Agrigentum und anschließend die übrigen karthagischen Stützpunkte auf der Insel ein.
In Nordafrika wechselten die numidischen Herrscher ihre Bündnisse. Syphax verbündete sich 213 v. Chr. mit Rom, während Massinissa zunächst Karthago unterstützte, später aber zu Rom übertrat. Scipio landete 204 v. Chr. in Nordafrika. Mit Massinissa besiegte er karthagische und numidische Streitkräfte bei den Großen Feldern und bei Cirta. Karthago rief daraufhin Hannibal zurück. Von dessen 15.000–20.000 Veteranen erreichten nur 12.000 Karthago; Mago starb auf der Überfahrt.
Zama und Friedensordnung
202 v. Chr. trafen Scipio und Hannibal bei Zama aufeinander. Karthago hatte mehr Infanterie, aber nach Massinissas Übertritt nicht mehr die Kavallerie, die Hannibals frühere Siege ermöglicht hatte. Die Karthager verloren; damit endete ihre Rolle als Großmacht.
Der Friedensvertrag von 201 v. Chr. war ein römisches Friedensdiktat. Karthago musste seine Kriegsflotte bis auf zehn Trieren und alle Kriegselefanten ausliefern, alle Besitzungen außerhalb Nordafrikas aufgeben und innerhalb von 50 Jahren 10.000 Talente Silber, also 360 t Silber, zahlen. Es durfte seine vor dem Krieg punischen Städte behalten. Besonders folgenreich war das Verbot, ohne Erlaubnis Roms Krieg zu führen. Karthago musste außerdem die Unabhängigkeit Numidiens unter Massinissa anerkennen, mit Rom ein Bündnis schließen und gegebenenfalls Kriegshilfe leisten. Es verlor damit seine außenpolitische Souveränität und blieb nur noch eine Mittelmacht. Fünfundfünfzig Jahre später endete der karthagische Staat im Dritten Punischen Krieg.