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Belagerung von Verdun
Die Belagerung von Verdun fand zwischen dem 29. August und dem 2. September 1792 durch alliierte Truppen während des Ersten Koalitionskrieges statt.
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Bedeutung und Ausgangslage
Die Belagerung von Verdun fand vom 29. August bis zum 2. September 1792 im Ersten Koalitionskrieg statt. Alliierte Truppen, überwiegend Preußen, belagerten die französische Festung Verdun und zwangen sie zur Übergabe. Die Belagerung endete mit einem alliierten Sieg. Der Besitz Verduns versprach einen wichtigen Übergang über die Maas und einen rückwärtigen Stützpunkt für den weiteren Vormarsch nach Frankreich.
Die Alliierten erwarteten zunächst einen schnellen Sieg. Der preußische Oberbefehlshaber Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, drohte im Manifest vom 25. Juli 1792 mit der völligen Vernichtung von Paris, falls der königlichen Familie etwas geschehen sollte. Diese Drohung verstärkte in Frankreich die revolutionäre Radikalisierung und setzte die bisherige Vorherrschaft der Girondisten unter Druck.
Nach der Einnahme der Festung Longwy am 23. August marschierten unter Braunschweig etwa 50.000 überwiegend preußische Soldaten auf Verdun zu. In der Übersicht des Artikels wird die alliierte Truppenstärke mit etwa 40.000 Mann angegeben; die Zahlenangaben weichen damit voneinander ab. Ziel war es, die Vereinigung der französischen Befehlshaber Charles-François Dumouriez und François-Christophe Kellermann zu verhindern. Weitere alliierte Bewegungen sollten den Vormarsch unterstützen: Fürst von Hohenlohe schloss Landau ein und erhielt den Auftrag, gegen Thionville vorzugehen. Etwa 15.000 Österreicher unter Graf Clerfait rückten aus Luxemburg vor, nahmen Montmédy ein, besetzten Stenay und schoben ihre Vorhut über die Maas vor.
Verdun war nach seinem Übergang an Frankreich im Jahr 1552, endgültig 1648, befestigt worden. Sébastien Le Prestre de Vauban baute Ende des 17. Jahrhunderts besonders die Zitadelle und die Stadtbefestigung aus. Die Alliierten hielten die Anlagen jedoch für nicht sehr stark. Außerdem hoffte Braunschweig, ein Vorrücken in Richtung Paris werde eine antirevolutionäre Bewegung und den Übertritt königstreuer Truppen auslösen. Johann Wolfgang von Goethe begleitete Carl August, Herzog von Sachsen-Weimar, und beobachtete die Belagerung.
Einschließung und Kapitulation
Nach dem Eintreffen der alliierten Armee wurde Verdun vollständig eingeschlossen. Die Festung war auf eine längere Verteidigung nicht vorbereitet, und ihre Anlagen befanden sich in schlechtem Zustand. Die französische Besatzung umfasste etwa 3500 Mann. Sie bestand aus drei Bataillonen Linieninfanterie, Einheiten der Nationalgarde und hastig bewaffneten Bauern. In der Übersicht des Artikels werden für Frankreich etwa 3500–4000 Mann genannt. Der Gouverneur, Colonel Nicolas-Joseph Beaurepaire, war dennoch entschlossen, möglichst lange Widerstand zu leisten.
Am 31. August forderten die Belagerer die Übergabe vergeblich. Danach stellten sie drei Artilleriebatterien auf und beschossen Verdun in der Nacht mit Brandgeschossen. Nach Goethes Bericht geriet dabei ein Stadtviertel in Brand. Am Morgen verstärkte sich das Abwehrfeuer. Am 1. September wurde die Besatzung erneut zur Kapitulation aufgefordert. Beaurepaire wollte den Widerstand fortsetzen, doch Bürger und Stadtrat widersetzten sich. Schließlich musste er einem Waffenstillstand zustimmen.
Später wurde Beaurepaire durch eine Kugel getötet aufgefunden. Ob er Selbstmord begangen hatte oder getötet wurde, blieb unklar. Die Besatzung kapitulierte am 2. September. Den französischen Truppen wurde freier Abzug gewährt; kurze Zeit später vereinigten sie sich mit anderen Einheiten.
Goethe schilderte in seiner Schrift „Campagne in Frankreich 1792“ den Tod des Gouverneurs, den er als Selbstmord auffasste, sowie den Angriff eines Soldaten auf einrückende preußische Truppen. Der Schütze sprang anschließend von einer Brücke in die Maas und wurde tot geborgen. Goethe bewertete diese Vorgänge als heroisch und als Ausdruck eines „republikanischen Charakterzugs“. Außerdem fertigte er eine Aquarellskizze der Festung an.
Auswirkungen auf den Krieg und die Revolution
Die Nachricht von der Übergabe und bereits die Furcht vor dem Fall Verduns lösten in Paris große Angst vor einer schnellen Ankunft der Alliierten aus. Georges Danton rief in einer berühmten Rede zum Kampf auf. Paris bereitete sich durch Befestigungsarbeiten und die Aufstellung von Freiwilligeneinheiten auf einen Angriff vor. Die Übergabe Verduns wurde als Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Feind gedeutet.
Die Bedrohung verstärkte den revolutionären Terror, den Jean Paul Marat und andere bereits gefordert hatten. Diese Entwicklung mündete in die Septembermorde von 1792. Damit hatte die Belagerung nicht nur militärische, sondern auch erhebliche politische Folgen für die Französische Revolution.
Entgegen den Erwartungen marschierten die Alliierten nach der Einnahme Verduns zunächst nicht direkt auf Paris zu. Erst am 11. September setzte sich Braunschweig wieder in Bewegung, um bei Grandpré durch die Ardennen vorzurücken. Die Verzögerung gab Dumouriez und Kellermann Zeit, eine starke französische Armee zusammenzuziehen. In der Kanonade von Valmy wurde der alliierte Vormarsch am 20. September beendet.
Im Oktober zogen sich die Preußen über die Reichsgrenze zurück. Frankreich nahm Verdun am 14. Oktober wieder ein. Hunderte erkrankte preußische Soldaten waren in den Lazaretten zurückgeblieben. Frankreich hatte ihnen zuvor eine unbehelligte Rückkehr nach ihrer Genesung zugesichert und hielt diese Zusage ein.