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Sberbank
Die Sberbank ist überwiegend in staatlichem Besitz. Sie hält fast ein Drittel des Vermögens des russischen Bankensektors und den höchsten Anteil an Spareinlagen …
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Überblick
Die Sberbank, offiziell ПАО Сбербанк России beziehungsweise PAO Sberbank Rossii, ist die größte Finanzinstitution Russlands und eine multinationale Finanzgruppe mit Sitz in Moskau. Sie ist eine Bank und wurde 1991 gegründet. 2017 hatte sie einen Umsatz von 46,3 Milliarden US-Dollar und eine Bilanzsumme von 471 Milliarden US-Dollar. Die Mitarbeiterzahl liegt bei über 250.000.
Die Sberbank ist vor allem wichtig, weil sie eine zentrale Rolle im russischen Bankensystem spielt. Sie hält fast ein Drittel des Vermögens des russischen Bankensektors, hat den höchsten Anteil an Spareinlagen in Russland und gehört zu den größten Kreditgebern der russischen Wirtschaft. Sie hat mehr als 137 Millionen Privatkunden und mehr als 1 Million Firmenkunden in 22 Ländern. In Russland verfügt sie mit mehr als 16.500 Filialen über das größte Vertriebsnetz. Ihre internationalen Aktivitäten umfassten unter anderem das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Mittel- und Osteuropa, die Türkei und weitere Länder. 2014 war sie die größte Bank Russlands und Osteuropas sowie die drittgrößte Bank Europas.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden die Sberbank und ihre europäische Tochter Sberbank Europe AG von westlichen Sanktionen betroffen. Im Juni 2022 wurde die Sberbank aus dem internationalen Finanztransaktionsnetzwerk SWIFT ausgeschlossen. Die Europäische Zentralbank warnte bereits am 28. Februar 2022, dass die europäischen Tochtergesellschaften der Sberbank wahrscheinlich zahlungsunfähig würden.
Eigentum und Leitung
Die Sberbank ist eine öffentliche Aktiengesellschaft. Eine Aktiengesellschaft ist ein Unternehmen, dessen Grundkapital in Aktien aufgeteilt ist. Die Bank Rossii, also die Zentralbank der Russischen Föderation, besitzt 50 % plus eine Aktie. Dadurch liegt die Sberbank überwiegend in staatlichem Besitz. Die übrigen Anteile werden von russischen und ausländischen Investoren gehalten.
Vorstandsvorsitzender ist seit November 2007 Herman Gref, der frühere russische Wirtschaftsminister. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Sergej M. Ignatjew. Im Jahr 2018 wurden den neun Vorstandsmitgliedern 5,488 Milliarden Rubel ausgezahlt, das entsprach rund 76 Millionen Euro.
Entstehung und internationale Expansion
Die Sberbank gilt als historische Nachfolgerin der Sparkasse, die von Zar Nikolaus I. gegründet wurde. Aus zwei kleinen Einrichtungen in Sankt Petersburg und Moskau mit zusammen 20 Mitarbeitern entwickelte sich ein ausgedehntes Netz von Sparkassen in ganz Russland. Während der Sowjetzeit wurden diese Einrichtungen Teil des staatlichen Sparkassensystems.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde aus der Sberbank eine staatliche Universalbank. Eine Universalbank ist eine Bank, die viele Arten von Bankgeschäften anbietet, zum Beispiel Einlagen, Kredite und Dienstleistungen für Privat- und Firmenkunden. Zugleich entwickelte sich die Sberbank zu einer multinationalen Gruppe, die in mehreren Ländern vertreten war.
Seit 1996 ist das Unternehmen im RTS-Index und an der London Stock Exchange über ADRs gelistet. ADR steht für American Depositary Receipt und bezeichnet ein Zertifikat, mit dem Aktien ausländischer Unternehmen an Börsen handelbar gemacht werden können. Zwischen 2006 und 2009 kaufte die Gruppe Banken in Belarus, der Ukraine und Kasachstan. 2011 erwarb die Sberbank das internationale Geschäft der Volksbank Gruppe. 2012 kaufte sie die türkische Denizbank von Dexia NV/SA. Am 22. Mai 2018 vereinbarte sie mit Emirates NBD den Verkauf von 99,85 % ihrer Denizbank-Anteile.
Sberbank Europe und Onlinegeschäft
Die Sberbank Europe AG hatte ihren Sitz in Wien und befand sich zu 100 % im Eigentum der Sberbank. Zusammen mit ihren Tochterunternehmen trat sie als Sberbank Europe Group auf. Sie war in zehn Ländern tätig: Deutschland, Bosnien und Herzegowina, Österreich, Kroatien, Serbien, Slowenien, Tschechien, Ukraine und Ungarn. Stand 30. Juni 2014 betrieb sie 282 Filialen und beschäftigte 4962 Mitarbeiter. Laut Europäischer Zentralbank hatte die Sberbank Europe AG im Jahr 2021 eine Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro.
In Österreich war sie Mitglied der Einlagensicherung der Banken & Bankiers GmbH. Dadurch bestand eine Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro. Diese Sicherung wurde bei der Insolvenz 2022 relevant. 2012 wurde Siegfried Wolf Aufsichtsratsvorsitzender der Sberbank Europe AG. Die Europäische Zentralbank informierte er über seinen Rückzug aus dieser Funktion mit Ablauf der Funktionsperiode am 22. März 2022.
Sberbank Direct
Sberbank Direct war die Online-Marke der Sberbank Europe AG und richtete sich an Privatkunden. Sie arbeitete mit einem mobilen TAN-Verfahren und einer TÜV-zertifizierten Online-Banking-Software. TAN steht für Transaktionsnummer und dient im Onlinebanking zur Bestätigung von Aufträgen.
Die Sberbank Europe expandierte auch nach Deutschland. Über ihre Niederlassung in Frankfurt bot sie deutschen Sparern das Sberbank Direct Tagesgeld an. Seit dem 28. Juli 2014 war die Sberbank mit einer Niederlassung in Frankfurt am Main vertreten und Mitglied im Bundesverband Deutscher Banken. In Deutschland bot sie ausschließlich Onlineprodukte an, darunter ein Tagesgeldkonto und voll digitale Sofortkredite. Wegen der Quasi-Insolvenz musste der Betrieb der Sberbank Direct am 1. März 2022 eingestellt werden.
Sanktionen und Abwicklung
Der Mutterkonzern Sberbank stand wegen restriktiver Maßnahmen im Zusammenhang mit Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisierten, auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Die Sberbank Europe AG war zunächst nicht direkt betroffen. Mitte 2014 brach das Geschäft jedoch dramatisch ein, weil Investoren rund 22 Milliarden US-Dollar Kapital abzogen. Das Embargo betraf nach dem Artikel nicht das Einlagengeschäft oder den Zahlungsverkehr mit dem Institut, sondern das Platzieren von Anleihen oder ähnlichen Finanzprodukten am Binnenmarkt, wenn deren Laufzeit mehr als 90 Tage betrug. Weitere betroffene Banken waren unter anderem VTB, Gazprombank, Vnesheconombank (VEB) und Rosselkhozbank.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 schnitt die US-Regierung die Sberbank von ihrem Teil des internationalen Zahlungsverkehrs ab. Esko Aho trat aus dem Verwaltungsrat zurück. Am 27. Februar 2022 veröffentlichte die Georgian Hackers Society über Twitter Daten von Sberbank-Kunden. In Russland und mehreren EU-Ländern bildeten sich lange Schlangen vor Sberbank-Filialen, weil Kunden ihre Ersparnisse abheben wollten.
Am 28. Februar 2022 warnte die Europäische Zentralbank, die Sberbank Europe AG werde wahrscheinlich zahlungsunfähig. Daraufhin verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht ein Zahlungsmoratorium. Die Bank durfte mindestens bis einschließlich 1. März 2022 keine Auszahlungen, Überweisungen oder anderen Transaktionen durchführen. Eine Ausnahme galt für Einleger, die zur Sicherung des nötigsten täglichen Bedarfs höchstens 100 Euro pro Tag abheben durften. Gleichzeitig wurde betont, dass Einlagen bis 100.000 Euro durch das europäische Einlagensicherungssystem geschützt seien. Am 1. März 2022 untersagte die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde der Sberbank Europe AG mit sofortiger Wirkung die Fortführung des Geschäftsbetriebs. Kunden hatten damit keinen Zugriff mehr auf ihre Konten.
Die Sberbank (Switzerland) AG mit Sitz in Zürich war nur eine indirekte Tochter der russischen Sberbank und hatte keine Verbindung zur Sberbank Europe AG. Sie war auf Finanzierungen im Rohstoffhandel spezialisiert und betreute rund siebzig Geschäfts-, aber keine Privatkunden. Am 4. März 2022 ordnete die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Schutzmaßnahmen an, die einem weitgehenden Auszahlungs- und Transaktionsverbot gleichkamen. Am gleichen Tag wurde die Bank, ebenso wie die Gazprombank Schweiz, von der Schweizerischen Bankiervereinigung ausgeschlossen.
Durch die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt vom 3. Juni 2022, Verordnung 2022/879 des Rates, wurde die Sberbank mit Wirkung vom 14. Juni 2022 aus dem internationalen Finanztransaktionssystem SWIFT ausgeschlossen. Die Sberbank Europe AG wurde liquidiert; ihre Bankkonzession erlosch am 15. Dezember 2022. Die Sberbank (Switzerland) AG wurde im selben Jahr an die Genfer m3 Groupe Holding SA verkauft und als Tradexbank AG, Eigenschreibweise TradeXBank AG, weitergeführt. Präsident der Tradexbank wurde der ehemalige FDP-Nationalrat Christian Lüscher.