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Satzbau in der spanischen Sprache
Verschiedene Formen des spanischen Satzes · Subjekt – Prädikat – indirektes Objekt (Dativ) – direktes Objekt (Akkusativ) – adverbiale Bestimmung oder – …
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Grundidee und Aufbau des spanischen Satzes
Ein spanischer Satz, oración, ist eine aus einem oder mehreren Wörtern bestehende, in sich geschlossene sprachliche Einheit, mit der ein Sprechakt vollzogen wird. Semantisch gilt er als kleinste kommunikative Einheit mit vollständiger Bedeutung, morphologisch enthält er mindestens ein konjugiertes Verb und syntaktisch funktioniert er autonom. Zur Satzbildung werden ein Lexikon mit Wörtern und eine Grammatik mit Strukturmustern benötigt. Diese Muster bestimmen, wie Wörter zu Phrasen und Phrasen zu Sätzen verbunden werden.
Ein Satz umfasst normalerweise Subjekt, sujeto, und Prädikat, predicado. Die klassische Grammatik versteht unter Prädikation die Zuordnung einer Eigenschaft, eines Verbs oder einer Handlung zu einem Subjekt. Weitere Satzglieder sind insbesondere direktes und indirektes Objekt, adverbiale Bestimmung und Attribut. Das Subjekt muss im Spanischen nicht ausdrücklich genannt werden, weil die Verbform häufig Person und Numerus erkennen lässt; Spanisch ist daher eine Nullsubjekt- oder Pro-Drop-Sprache.
Grundsätzlich unterscheidet man den einfachen Satz, oración simple, und den zusammengesetzten Satz, oración compuesta. Ein Satz enthält mindestens einen Hauptsatz, oración principal; die Verbindung eines Hauptsatzes mit einem Nebensatz, oración subordinada, bildet ein Satzgefüge.
Wortstellung und zentrale Regeln
Die grundlegende Wortfolge lautet Subjekt – Verb – direktes Objekt – indirektes Objekt, also beispielsweise „Florentina escribe una carta a su amiga.“ Anders als im Deutschen steht das direkte Objekt in der Regel vor dem indirekten. Ist das direkte Objekt wesentlich umfangreicher, kann die Reihenfolge umgekehrt werden: „Florentina escribe a su amiga una carta de diez páginas y algunas fotografías.“
Die Satzglieder sind vergleichsweise frei verschiebbar. Möglich sind etwa Subjekt – Prädikat – adverbiale Bestimmung („Florentina trabaja en una discoteca“), Prädikat – Subjekt – adverbiale Bestimmung oder adverbiale Bestimmung – Prädikat – Subjekt. Besonders Adverbien und adverbiale Bestimmungen können am Anfang, nach dem Verb oder am Ende stehen. Satzadverbien, die die Meinung des Sprechers ausdrücken, werden dabei durch ein Komma abgetrennt.
Für diese Freiheit gelten wichtige Einschränkungen:
- Das Verb darf nicht erst nach Subjekt und Objekt, also nicht an dritter Stelle, stehen. SVO und VSO sind möglich, SOV und OSV dagegen nicht.
- Zusammengehörige Verbformen bleiben beieinander. Insbesondere darf zwischen dem Hilfsverb haber und dem Partizip kein anderes Wort stehen; eine deutsche Satzklammer gibt es nicht.
- Bestimmte sprachliche Elemente begünstigen die Subjektinversion, also ein Subjekt nach dem Verb.
- Ein vorangestelltes Objekt wird, abgesehen von Ausnahmen, meist durch ein Personalpronomen beim Verb wiederaufgenommen.
- Ersetzen Pronomen beide Objekte, steht zuerst das indirekte Objektpronomen me, te, se oder os und danach das direkte Objektpronomen lo, la, los oder las: „Juana me lo ha dicho.“
- Unbetonte Personalpronomen stehen vor einer konjugierten Verbform. An Infinitiv, Gerundium und bejahten Imperativ werden sie angehängt: „Juana va a explicártelo.“
- Die Verneinung steht vor dem Verb und auch vor unbetonten Personalpronomen sowie dem Reflexivpronomen se.
In Haupt- und Nebensätzen gilt grundsätzlich dieselbe Wortstellung. Anders als im Deutschen wird das Verb im spanischen Nebensatz nicht ans Ende gestellt. Zu beachten ist jedoch, ob der Nebensatz den Indikativ oder den Subjunktiv verlangt.
Satzarten und Nebensätze
Zu den Satzarten gehören Aussagesätze, Fragesätze, Aufforderungssätze, Ausrufe-Fragesätze, Relativsätze, Verneinungssätze, Bedingungssätze und die indirekte Rede. Aussagesätze können bejaht oder verneint sein und Objekte, prädikative Ergänzungen oder adverbiale Bestimmungen enthalten. Direkte Fragen erscheinen als selbstständige Frage, etwa „¿Has terminado tu jornada?“. Indirekte Fragen werden in einen übergeordneten Satz eingebettet: „Pregunta si ha terminado su trabajo.“
Nebensätze werden nach ihrer Funktion eingeteilt. Subjektsätze übernehmen die Rolle des Subjekts; direkte beziehungsweise indirekte Objektsätze die eines direkten beziehungsweise indirekten Objekts. Daneben gibt es Attributsätze, Relativsätze und Adverbialsätze. Ein Adverbialsatz steht anstelle einer adverbialen Bestimmung. Zu seinen wichtigsten Typen gehören Kausal-, Temporal-, Konsekutiv-, Final-, Konditional- und Konzessivsätze, die Grund, Zeit, Folge, Zweck, Bedingung beziehungsweise Einräumung ausdrücken.
Unterordnende Konjunktionen, conjunciones subordinantes, verbinden Haupt- und Nebensatz. Ist ein Nebensatz einem Hauptsatz direkt untergeordnet, spricht man von Hypotaxe; der Nebensatz kann dann auch als Gliedsatz des Hauptsatzes bezeichnet werden. Im zusammengesetzten Satz „El niño que me saludó me odia“ ist „que me saludó“ ein Relativsatz.
Phrasen, Kategorien und Satzanalyse
Die Syntax ist der Teil der Grammatik, dessen Regeln Wörter und Phrasen zu Sätzen verbinden. Eine Konstituente, constituyente sintáctico, ist eine Gruppe von Wörtern, die durch eine syntaktische Regel als Einheit behandelt wird; sie kann auch nur aus einem Wort bestehen. In einem Konstituentenbaum heißen die Verzweigungspunkte Knoten. Jeder Knoten dominiert ein Wort oder eine Wortgruppe.
Eine Phrase ist eine abgeschlossene syntaktische Einheit und damit ein besonderer Typ von Konstituente. Ihr Kopf oder Nukleus, núcleo sintáctico, bestimmt die grammatischen Merkmale und die syntaktische Kategorie der ganzen Phrase. Ein Nomen als Kopf erzeugt eine Nominalphrase, ein Verb eine Verbalphrase. Der Kopf ist das regierende Element; ein von ihm abhängiges Element heißt Dependens.
Syntaktische Kategorie und syntaktische Funktion dürfen nicht gleichgesetzt werden. Eine Kategorie bezeichnet die grammatische Art eines Ausdrucks, beispielsweise Nomen, Adverb oder Nominalphrase. Eine Funktion beschreibt seine Aufgabe im Satz, beispielsweise Subjekt, Objekt, Attribut oder adverbiale Bestimmung. Dieselbe Nominalphrase kann verschiedene Funktionen übernehmen; umgekehrt kann beispielsweise ein Objekt durch eine Nominalphrase, eine Präpositionalphrase oder einen Nebensatz realisiert werden.
Eine Nominalphrase, sintagma nominal (SN), enthält obligatorisch ein Nomen oder kann aus einem betonten Pronomen bestehen. Sie kann durch vorangestellte Determinanten wie Artikel, Possessiva, Demonstrativa, Numeralia, Indefinit- oder Interrogativpronomen sowie durch nachgestellte Adjektive, Appositionen und Präpositionalphrasen erweitert werden.
Eine Verbalphrase, sintagma verbal (SV), hat ein Verb als Kopf und entspricht in der klassischen Grammatik dem Prädikat. Zahl und Art ihrer obligatorischen Ergänzungen hängen von der Valenz des Verbs ab; daneben können freie Angaben auftreten.
Bei der Dependenzgrammatik stehen die Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Wörtern im Vordergrund. Jedes Wort entspricht genau einem Knoten, hat höchstens ein übergeordnetes Regens und kann mehrere Dependentien besitzen. Die Konstituentengrammatik gliedert den Satz dagegen in hierarchische Wortgruppen. Am Beispiel „El gato come un pez“ unterscheidet die klassische Funktionsanalyse Subjekt, Prädikat und direktes Objekt; die Kategorienanalyse erkennt die Nominalphrase „El gato“, die Verbalphrase „come“ und die Nominalphrase „un pez“.
Kongruenz und typische Beispiele
Kongruenz, concordancia gramatical, ist die formale Übereinstimmung grammatischer Merkmale verschiedener Elemente innerhalb eines Satzes oder einer Konstituente. Im Spanischen stimmen das finite Verb und sein Subjekt obligatorisch in Person und Numerus überein. Artikel und attributive Adjektive stimmen mit ihrem Bezugsnomen in Numerus und Genus überein; ein prädikatives Adjektiv richtet sich ebenfalls nach Numerus und Genus des Subjekts. Genuskongruenz ist in bestimmten Prädikatkonstruktionen wichtig, etwa im Passiv und in Partizipialperiphrasen.
Der Unterschied im Numerus zeigt sich in „Me gusta el coche“ gegenüber „Me gustan los coches“: Das Verb steht beim einzelnen Auto im Singular und bei mehreren Autos im Plural. Bei Kollektivbezeichnungen kann die grammatische Kongruenz zugunsten des Sinnes variieren. Da „la mayoría“ grammatisch Singular ist, inhaltlich aber eine Mehrzahl bezeichnet, sind sowohl „La mayoría comió sin decir nada“ als auch „La mayoría comieron sin decir nada“ möglich.
Ein typischer vollständiger Satz ist „Juana escribe una carta a su padre en la calle“: Juana ist das Subjekt, escribe das Prädikat, una carta das direkte Objekt, a su padre das indirekte Objekt und en la calle die adverbiale Bestimmung. Prädikative Ergänzungen zum Subjekt stehen unmittelbar nach dem Verb, etwa „Juana es muy apañada“. Bezieht sich eine Ergänzung auf das direkte Objekt, folgt sie diesem: „Juana escribe un diario muy interesante“.