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Samadhi

In der Bhagavad Gita wird er zu Beginn des zweiten Kapitels genannt. Samadhi ist das 8. Glied (anga) des Raja Yoga (bzw. Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga) …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung
  2. 2. Hinduistische Stufen
  3. 3. Yoganandas Dreiteilung
  4. 4. Raja Yoga und Patañjali
  5. 5. Buddhistische Sammlung
  6. 6. Weitere Bedeutungen

Grundbedeutung

Samadhi ist ein Begriff aus Hinduismus, Buddhismus, Zen, Jainismus, Sikhismus und anderen indischen Lehren. Er bezeichnet einen besonderen Bewusstseinszustand der „Versenkung“ oder „Sammlung“. Gemeint ist ein Zustand, der über Wachen, Träumen und Tiefschlaf hinausgehen soll. Dabei soll das diskursive Denken, also das unterscheidende und begriffliche Denken, aufhören. Samadhi wird als völliges Aufgehen in dem Objekt beschrieben, über das meditiert wurde.

Im Yoga hat Samadhi eine zentrale Stellung: Nach Patañjali ist Samadhi das 8. Glied des Raja Yoga, auch Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga genannt. In der Bhagavad Gita wird Samadhi zu Beginn des zweiten Kapitels genannt. In den verschiedenen Traditionen wird Samadhi unterschiedlich gegliedert, aber gemeinsam ist die Vorstellung, dass der Geist gesammelt, beruhigt und auf eine tiefere Wirklichkeit oder ein Meditationsobjekt ausgerichtet wird.

Hinduistische Stufen

Im Hinduismus werden zwei Hauptarten von Samadhi unterschieden: Samprajnata und Asamprajnata. Samprajnata ist der bewusste Samadhi-Zustand und wird auch Savikalpa Samadhi genannt. In ihm bleibt eine Dualität bestehen: Es gibt weiterhin einen betrachtenden Geist und das höhere Selbst, das als Brahman oder Purusha bezeichnet wird. Die geistigen Vorgänge, besonders die Schwingungen des mentalen Bewusstseins, citta-vritti, nehmen dabei die Form des Brahman an. Die mentale Schwingung soll im Brahman zur Ruhe kommen, bleibt sich aber ihrer selbst bewusst.

Asamprajnata ist der überbewusste Samadhi-Zustand und wird auch Nirvikalpa Samadhi genannt. In ihm soll sich das geistige Bewusstsein so mit dem höchsten Selbst, dem paramatma, vereinen, dass die Unterscheidung zwischen Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem verschwindet. Der Text vergleicht dies mit Wellen, die im Wasser verschwinden, oder Schaum, der sich im Meer auflöst. Dieser Zustand unterscheidet sich vom bewussten Samadhi dadurch, dass das Bewusstsein nicht mehr in das normale mentale Ich-Bewusstsein zurückkehrt. Die Einheit mit dem inneren Erleuchtungsbewusstsein des Paramatma-Purusha bleibt bestehen. Deshalb gilt erst dieser Samadhi als wahre Erleuchtung.

Yoganandas Dreiteilung

Paramahansa Yogananda unterscheidet in seiner Bhagavad-Gita-Interpretation drei Stufen von Samadhi. Die erste Stufe heißt Jada Samadhi. Sie wird als unbewusstes kataleptisches Stadium beschrieben und gilt als spirituell nutzlos, weil sie nur vorübergehend das Bewusstsein und die Aktivität des Ego aufhebt. Jada Samadhi oder unbewusste Trance könne durch körperliche Kontrollmethoden, durch Leeren des Verstandes oder durch Druck auf bestimmte Drüsen erzeugt werden. Dadurch werde aber weder Weisheit erlangt noch Karma vernichtet.

Die zweite Stufe ist Savikalpa Samadhi. In diesem Zustand seien Aufmerksamkeit und Lebenskraft vollständig von den Sinnen abgezogen und identifizierten sich bewusst mit dem immer frohen Geist. Die Seele sei vom Ich-Bewusstsein befreit und werde sich des Geistes bewusst, in dem alles Geschaffene aufgeht. Der Körper befinde sich in einem tranceähnlichen Zustand, während das Bewusstsein für die glückselige innere Erfahrung voll aufnahmefähig bleibe.

Die dritte und fortgeschrittenste Stufe ist Nirvikalpa Samadhi. Hier erkenne sich die Seele als eins mit dem Geist. Ich-Bewusstsein, Seelenbewusstsein und der „Geistozean“ würden als zusammen existierend erkannt. In Nirvikalpa sei sich die Seele zugleich des Geistes im Inneren und der äußeren Welt bewusst. Ein göttlicher Mensch in diesem Zustand könne seinen materiellen Aufgaben und Tätigkeiten nachgehen, ohne seine Einheit mit Gott zu verlieren.

Raja Yoga und Patañjali

Der Raja Yoga beschreibt einen Stufenpfad zur Erleuchtung. Ein erster Höhepunkt ist der Ishvara-Samadhi. Er gilt als spiritueller Bewusstseinszustand in einem Körper, der zuvor durch Meditation vorbereitet wurde. Der gereinigte Körper stehe unter der Kontrolle des Geistes und erfahre im Samadhi tiefe Ruhe und Entspannung. Auf den Ishvara-Samadhi, die Stufe 8 des Raja Yoga, folgen Savikalpa-Samadhi und Nirvikalpa Samadhi. Diese werden mit wahrer Erleuchtung, der Vereinigung mit dem höchsten Atman, dem Paramatma-Purusha, und dem Verlöschen des Ich-Gefühls verbunden. Erfahrungen inneren Lichtes habe der Schüler schon auf mittleren Stufen des Raja Yoga; erst höhere Samadhi-Stufen seien mit Erfahrungen kosmischen Bewusstseins verbunden.

Patañjali fasste das Yoga-Wissen seiner Zeit in konzentrierten Versen zwischen 200 vor und 400 nach Christus zusammen. Im Yogasutra wird Samadhi als erster und höchster Schritt, prathamah samadhi padah, des aus 8 Gliedern, anga, bestehenden Yoga, ashtanga yoga, genannt. Aussagen zu Samadhi finden sich im Yogasutra 1,7–23 und 3,3. In Yogasutra 1,17 heißt es, dass das Zur-Ruhe-Kommen der geistigen Bewegungen, vritti-nirodha, mit Hilfe von logischem Denken, prüfender Überlegung, Seligkeit oder Ichbewusstsein zu verschiedenen Arten der Versenkung, samadhi, führt, die mit Erkenntnis verbunden ist, samprajnata. Yogasutra 1,20 nennt Glauben, Mut, Erinnerung, Sammlung und Weisheit als Wege, durch die andere verkörperte Wesen eine Art von Samadhi erreichen. Yogasutra 1,22 sagt, dass sich aufgrund schwacher, mittlerer oder höchster Intensität Unterschiede in der Versenkung ergeben.

Buddhistische Sammlung

Im Buddhismus wird Samadhi auch als „Einspitzigkeit des Geistes“, „Sammlung“, „Konzentration“ oder „Einigung des Herzgeistes“ bezeichnet. Zusammen mit Weisheit, prajna, und Tugend, sila, gehört Samadhi zum achtfachen Pfad. Der Bereich Konzentration besteht aus rechter Achtsamkeit, samma sati, und rechter Sammlung, sammā samādhi. Rechte Sammlung richtet sich an den ersten vier Versenkungsstufen, jhana, aus.

Die rechte Sammlung kann weiter unterschieden werden in angrenzende Sammlung, upacāra, ohne eine der Versenkungsstufen, und volle Sammlung, appanā, mit einer der Versenkungsstufen. Bei rechter Sammlung lässt die Unruhe nach, der Herzgeist ist geeint und beruhigt sich, und die Hemmnisse, nivarana, sind abwesend. In traditionellen buddhistischen Meditationstechniken wird die Achtsamkeit zum Beispiel auf ein Meditationsobjekt wie den Atem gerichtet, um den Geist zu sammeln und die Versenkungen mit Körper und Geist zu erreichen.

Die vier Vertiefungen werden im Majjhima Nikāya 39 beschrieben. In der ersten Vertiefung hat der Übende die fünf Hindernisse überwunden und ist abgeschieden von Sinnesvergnügen und unheilsamen Geisteszuständen; sie ist von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet und enthält Verzückung und Glückseligkeit aus der Abgeschiedenheit. In der zweiten Vertiefung kommen innere Beruhigung und Einheit des Herzens ohne diese anfängliche und anhaltende Hinwendung hinzu; Verzückung und Glückseligkeit entstehen aus Konzentration. In der dritten Vertiefung verblasst die Verzückung, der Übende verweilt in Gleichmut, achtsam und wissensklar, mit körperlich erlebter Glückseligkeit. In der vierten Vertiefung sind Glück und Schmerz sowie Freude und Trauer überwunden; sie enthält aufgrund von Gleichmut Weder-Schmerzhaftes-noch-Angenehmes und Reinheit der Achtsamkeit.

Weitere Bedeutungen

Mahasamadhi, „großer Samadhi“, ist das Hindi-Wort für das bewusste Verlassen des physischen Körpers eines Yogi bei seinem Tod. Der Begriff Samadhi kann außerdem die Grabstätte eines Yogis bezeichnen.

Als „Samadhi“ wurde auch die Praxis des Lebendigbegrabenlassens bezeichnet, verstanden als Zeichen der Loyalität zu einem Guru oder einer ähnlichen Person. Auf Veranlassung britischer Gesandter, die diese Praxis nicht mit ihren puritanischen Moralvorstellungen vereinbaren konnten, erließen Herrscher einzelner Fürstenstaaten ab Ende der 1840er Jahre Gesetze, die eine Bestrafung Beteiligter vorsahen. Tatsächlich umgesetzt wurden diese Gesetze erst nach 1860, als auch die jeweiligen Feudalherren, jagir, mitbestraft wurden, in deren Dörfern so etwas geschah.

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