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Saba-Nur Cheema
Gleichzeitigkeiten: Antimuslimischer Rassismus und islamisierter Antisemitismus – Anforderungen an die Bildungsarbeit. In: Meron Mendel, Astrid …
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Person und Arbeitsfelder
Saba-Nur Cheema (* 1987 in Frankfurt am Main) ist eine deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet in der politischen Bildung und berät die Bundesregierung zur Islamfeindlichkeit. Ihre Arbeit richtet sich besonders gegen rechte Ideologien, Diskriminierung und Rassismus. Wichtige Schwerpunkte sind Antisemitismus, also Feindschaft gegen Jüdinnen und Juden, und Islamfeindlichkeit beziehungsweise antimuslimischer Rassismus, also Abwertung von Menschen, die als Musliminnen und Muslime gesehen werden.
Cheema ist die Tochter muslimischer pakistanischer Eltern, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Sie wuchs in Frankfurt am Main auf und studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre. Dort erhielt sie ihren Diplom-Abschluss.
Bildungsarbeit und Forschung
Cheema ist Lehrbeauftragte an der Frankfurt University of Applied Sciences im Fachbereich Soziale Arbeit. 2014 wurde sie Bildungsreferentin an der Bildungsstätte Anne Frank; von 2015 bis 2021 leitete sie dort die Pädagogischen Programme. Sie entwickelte Projekte und Methoden für die historisch-politische Bildung. Damit ist Bildungsarbeit gemeint, die Geschichte und Politik verbindet, um aktuelle Formen von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu verstehen und ihnen zu begegnen.
Während der Corona-Pandemie 2020 stellte Cheema mit ihrem Team ein umfangreiches Programm mit digitalen Formaten für die politische Bildung zusammen. Seit 2021 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Projekt am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Das Projekt untersucht, wie Kinder im Vorschul- und Grundschulalter im Kindergarten und in der Grundschule in ihrer alltäglichen sozialen Praxis Bezug nehmen auf gesellschaftlich relevante Unterscheidungen nach Religion, Hautfarbe, sprachlicher, kultureller oder nationaler Differenz.
Beratung zu Muslimfeindlichkeit
Im September 2020 wurde Cheema von Bundesinnenminister Seehofer in den „Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit“ berufen. Dieses Gremium wurde als Reaktion auf rassistische und islamfeindliche Ereignisse sowie terroristische Anschläge wie den Anschlag in Hanau und weitere bekannt gewordene Anschlagsplanungen neu gegründet.
Der Expertenkreis bestand aus zwölf Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Praxis. Er sollte Muslimfeindlichkeit analysieren und prüfen, wo sie sich mit antisemitischen Haltungen sowie anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit überschneidet. Außerdem sollte das Gremium praxisorientierte Ansätze entwickeln. Der Bericht mit Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft erschien im Juni 2023 unter dem Titel „Muslimfeindlichkeit – Eine deutsche Bilanz“.
Positionen in öffentlichen Debatten
Cheema ist in öffentlichen Debatten mit Publikationen und Diskussionsveranstaltungen vertreten und wird als Expertin zu ihren Arbeitsthemen, gesellschaftlichen Entwicklungen und aktuellen Ereignissen befragt. Sie versteht ihre Bildungsarbeit als Moderation der Frage, „wie wollen wir eigentlich heute zusammenleben?“
Sie betont, dass eine plurale Gesellschaft lernen müsse, Widersprüche, Multiperspektivität und Mehrdeutigkeit auszuhalten. Nach ihrer Sicht zeigen gesellschaftliche Widerstände auch, dass People of Color und Menschen mit Migrationshintergrund sichtbarer werden.
Zum Holocaust vertritt Cheema, er sei nicht nur Teil der deutschen Geschichte, sondern Teil der Menschheitsgeschichte. Gegenwärtige antisemitische Feindbilder gebe es überall auf der Welt und in jeder Community; deshalb seien sie eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Das Existenzrecht Israels infrage zu stellen, speise sich nach Cheema aus einer antisemitischen Logik.
Beim antimuslimischen Rassismus gehe es nach Cheema um Menschen, die als Muslime gesehen werden. Zugleich hält sie es für problematisch, jede Kritik an islamisch legitimierten Verhaltensweisen als rassistisch zu bewerten. Sie setzt sich für einen „vielfältigen Islam“ ein und steht nach eigener Darstellung für Kontroverse und Debatte. 2020 erhielt sie von Instagram-Accounts, die der Verfassungsschutz der islamistischen Bewegung Hizb ut-Tahrir zuordnete, Morddrohungen und Hassbotschaften.
Publikationen und Zusammenarbeit
Cheema veröffentlicht zu Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit, politischer Bildung und gesellschaftlicher Polarisierung. Gemeinsam mit Meron Mendel schreibt sie seit Juli 2021 die Kolumne „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“ im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Cheema ist mit Meron Mendel verheiratet. Seit Dezember 2022 ist sie Mitglied im PEN Berlin.
Zu ihren Büchern gehört der 2019 mit Eva Berendsen und Meron Mendel herausgegebene Band „Trigger Warnung. Identitätspolitik zwischen Abschottung, Allianzen und Abwehr“, der 2021 in die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen wurde. Der Band versammelt Beiträge von und mit 20 Autorinnen und Autoren, setzt sich mit linker Identitätspolitik auseinander und plädiert für eine offene Streitkultur. 2022 gab sie mit Meron Mendel und Sina Arnold „Frenemies. Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen“ heraus. 2024 erschien mit Meron Mendel „Muslimisch-jüdisches Abendbrot. Das Miteinander in Zeiten der Polarisierung“.
Für 2026 ist ihr Buch „Die haben Geld und machen Kampfsport“: Wie Kinder Antisemitismus und Differenz reproduzieren beim Campus Verlag angegeben. Es basiert auf ihrer Dissertation von 2025 in Frankfurt am Main mit dem Titel „Die kindliche Re-Produktion von antisemitischem Othering. Eine qualitativ-erziehungswissenschaftliche Studie zu Differenzkonstruktionen unter jungen Kindern“.
Außerdem veröffentlichte Cheema Beiträge in Sammelwerken und Artikel, unter anderem zu antimuslimischem Rassismus, islamisiertem Antisemitismus, religiöser Vielfalt in der Bildungsarbeit, antisemitischen Narrativen in deutsch-islamistischen Milieus, Verschwörungserzählungen und politischer Bildung sowie zur Erinnerung an den Holocaust.
Auszeichnungen
Saba-Nur Cheema erhielt mehrere Auszeichnungen, teils gemeinsam mit ihrem Ehemann Meron Mendel. 2024 wurde ihr gemeinsam mit ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Am 9. März 2025 erhielten beide die Buber-Rosenzweig-Medaille. Am 11. Mai 2025 erhielt Cheema zusammen mit ihrem Ehemann den Hermann-Sinsheimer-Preis.