Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
People of Color
Anne Broden, Paul Mecheril: Rassismus bildet: bildungswissenschaftliche Beiträge zu Normalisierung und Subjektivierung in der Migrationsgesellschaft. · Grada …
Inhalt4 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
People of Color (Singular: Person of Color; wörtlich „Menschen von Farbe“) ist ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Raum. Er bezeichnet Personen oder Gruppen, die unterschiedlichen Formen von Rassismus ausgesetzt sind. Gemeinsam ist ihnen die Erfahrung, aufgrund körperlicher und kultureller Fremdzuschreibungen durch die weiße Mehrheitsgesellschaft als „anders“ und „unzugehörig“ definiert zu werden. Diese Erfahrung ist nicht für alle gleich, sondern tritt in verschiedenen Formen auf und wird unterschiedlich erlebt.
Die Abkürzung lautet PoC. BPoC steht für Black and People of Color, BIPoC für Black, Indigenous, and other People of Color. Mit BIPoC sollen insbesondere die spezifischen Erfahrungen schwarzer und indigener Menschen hervorgehoben werden. Der Begriff beschreibt daher keine einheitliche Gruppe mit identischen Lebensbedingungen, sondern eine politische und gesellschaftliche Gemeinsamkeit durch Rassismuserfahrungen und Fremdzuschreibungen.
Herkunft und Entwicklung
Der Ausdruck people of color wurde erstmals 1781 verwendet und durch die kolonialzeitliche Bezeichnung free people of color vorgeprägt. Damit waren freigelassene Sklaven gemeint. In den USA bezeichnete der Ausdruck damals eine ungewöhnliche gesellschaftliche Konstellation, zu der schwarze Land- und Sklavenbesitzer gehörten. Auch die gens de couleur libres in den französischen Kolonien besaßen teilweise großen gesellschaftlichen Einfluss sowie Land- und Sklavenbesitz. Gegenüber der weißen Oberschicht waren sie jedoch weiterhin „rechtlich unterprivilegiert“.
Für Louisiana beschrieb Alice Dunbar-Nelson 1917, dass people of color, ursprünglich gens de couleur, damals ausschließlich für gemischte Nachkommen weißer Siedler und schwarzer Sklaven verwendet wurde. Für Schwarze selbst war die Bezeichnung demnach nicht üblich.
Martin Luther King verwendete 1963 den Ausdruck citizens of color. Größere politische Bedeutung erhielt people of color später in der Black-Power-Bewegung und im Umfeld der Gründung der Black Panther Party in den USA. Unter dem Einfluss von Theoretikern wie Frantz Fanon nutzten Aktivisten den Begriff besonders in den späten 1970er und 1980er Jahren. Er stand auch im Zusammenhang mit den amerikanischen Sundown towns, also Städten, die sich als „komplett weiß“ rühmten.
Verwendung in Deutschland
In Deutschland wird Person of Color von einigen politischen Gruppen und Aktivisten sowie in postkolonialen sozialwissenschaftlichen Diskursen verwendet. Eine direkte deutsche Übersetzung gibt es nicht. Übersetzungen wie „Farbiger“ sind wegen ihrer rassistischen Geschichte problematisch. Deshalb wird Person of Color auch im Deutschen zunehmend als Selbstbezeichnung verwendet.
Vereinzelt entstehen außerdem Neubildungen nach dem Muster „Substantiv + of Color“, zum Beispiel „Studierende of Color“.
Rezeption und Kritik
Unter Schwarzen Menschen in Nordamerika ist die Beurteilung des Ausdrucks gemischt. In den USA wurden Fragen der „Rasse“ (race) traditionell vor allem über den Gegensatz schwarz–weiß geordnet. Dadurch wurden andere Gruppen, etwa Latinos aus Mexiko, zeitweise dazu gedrängt, sich entweder als schwarz oder als weiß zu bezeichnen. Einige Afroamerikaner sehen in People of Color eine Möglichkeit, dass sich unterdrückte Gruppen miteinander solidarisieren. Andere lehnen den Ausdruck als Selbstbezeichnung ab.
Ein wichtiger Kritikpunkt lautet, dass Schwarze Menschen durch die umfassendere Kategorie und eine neue Dichotomie nicht mehr ausreichend mit ihren spezifischen Erfahrungen wahrgenommen würden. Diese Erfahrungen seien teilweise erheblich schlimmer als die anderer marginalisierter Gruppen. Die Bezeichnung könne daher den schwarzen Erfahrungshorizont unbeabsichtigt verharmlosen („unintentionally trivializes the black ethos“).
Die US-amerikanische Juristin Meera E. Deo empfiehlt in den USA people of color statt BIPoC. Ihrer Einschätzung nach fördere BIPoC nicht unbedingt die Solidarisierung, sondern rücke erneut Indigene und Schwarze als zwei Gruppen in den Mittelpunkt. Dadurch könne eine Hierarchisierung entstehen, die als „oppression olympics“ kritisiert wird. Außerdem könnten genau diese Gruppen unsichtbar gemacht werden: Wenn etwa über die besonderen Folgen der COVID-19-Pandemie oder von Polizeigewalt für BIPoC berichtet wird, könne dies verdecken, dass eigentlich die Auswirkungen auf Schwarze Menschen gemeint sind. Zur indigenen Bevölkerung lägen zudem nahezu keine Daten vor. Sie werde dadurch zwar erwähnt, inhaltlich aber möglicherweise ignoriert. Kritisiert wird auch, dass viele Menschen die Abkürzung BIPoC nicht verstehen.