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Sünde wider den Heiligen Geist
Römisch-katholisches Verständnis · Vermessene Hoffnung auf Heil (praesumptio) · Verzweiflung am Heil (desperatio) · Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit ( …
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Bedeutung und biblische Grundlage
Die Sünde wider den Heiligen Geist, auch „Lästerung des Geistes“, bezeichnet im christlichen Verständnis, dass ein offenkundiges Wirken des Heiligen Geistes dem Bösen oder dem Teufel zugeschrieben wird. Sie ist wichtig, weil Jesus im Neuen Testament erklärt, dass diese Lästerung nicht vergeben werde.
Der Anlass sind Dämonenaustreibungen Jesu: Pharisäer beziehungsweise Schriftgelehrte behaupten, Jesus treibe böse Geister durch Beelzebub, den Obersten der Dämonen, aus (Mt 12,24; Mk 3,22; Lk 11,15). Jesus antwortet, Satans Herrschaft müsse durch einen Stärkeren besiegt sein, bevor Dämonen ausgetrieben werden könnten (Mk 3,23–27; Mt 12,29; Lk 11,21–22). Er selbst wirke durch den „Geist Gottes“ (Mt 12,28) beziehungsweise den „Finger Gottes“ (Lk 11,20); dadurch komme das Reich Gottes zu den Menschen.
Bei Markus und Matthäus heißt es anschließend, alle Sünden und Lästerungen könnten vergeben werden, nicht aber die Lästerung des Heiligen Geistes (Mk 3,29; Mt 12,31–32). Ein entsprechendes Logion steht auch in Lk 12,9–10.
Römisch-katholische Deutung
Die Kirchenväter und die scholastische Dogmatik fassten die Sünde wider den Heiligen Geist weiter. Dazu zählten sie: vermessene Hoffnung auf Heil (praesumptio), Verzweiflung am Heil (desperatio), Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit (impugnatio veritatis agnitae), Neid auf die Gnadengabe eines anderen (invidentia fraternae gratiae), Verstockung in den Sünden (obstinatio) und Unbußfertigkeit bis zum Tod (impoenitentia). Diese Sünden sind nicht mit den sieben Hauptsünden gleichzusetzen.
Der Katechismus der Katholischen Kirche von 1992 nennt keine Einzelsünden. Nach Nr. 1864 weist jemand, der sich absichtlich weigert, durch Reue Gottes Erbarmen anzunehmen, damit die Vergebung der Sünden und das vom Heiligen Geist angebotene Heil zurück. Eine solche Verhärtung kann zur Unbußfertigkeit bis zum Tod und zum ewigen Verderben führen.
Protestantische Deutung
Die reformatorische Erlösungslehre stellt den Glauben allein (sola fide) als Voraussetzung des Heils heraus. Protestantische Ausleger betonen deshalb die alles vergebende Gnade, die Jesus im Zusammenhang der Lästerung gegen den Heiligen Geist ausspricht (Mk 3,28). Vergebung setzt jedoch voraus, dass Menschen sie suchen oder wenigstens nicht bewusst zurückweisen.
Als Sünde wider den Heiligen Geist gilt in diesem Verständnis nur, dass jemand offensichtliches Wirken Gottes dem Teufel zuschreibt. Glaubenszweifel oder Murren gegen einen als abwesend oder ungerecht empfundenen Gott gehören nicht dazu.