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Sambia

Die Republik Sambia [ˈzambi̯a] (englisch Republic of Zambia [ ˈzæmbɪə]) ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika. Er grenzt an Angola, die Demokratische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung und Gesellschaft
  3. 3. Geschichtliche Entwicklung
  4. 4. Politik, Verwaltung und Menschenrechte
  5. 5. Wirtschaft, Finanzen und Verkehr
  6. 6. Kultur, Medien und Sport

Staat, Lage und Naturraum

Sambia ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika. Es grenzt an Angola, die Demokratische Republik Kongo, Tansania, Malawi, Mosambik, Simbabwe, Botswana und Namibia. Hauptstadt ist Lusaka, Amtssprache Englisch und Währung der Kwacha (ZMW). Das Land ist eine präsidentielle Republik, umfasst 752.614 km² und wurde am 24. Oktober 1964 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Es gehört weiterhin dem Commonwealth of Nations an.

Der größte Teil des Landes liegt auf wenig gegliederten Hochebenen in 1000 bis 1400 Metern Höhe. Zu den wichtigen Landschaftsräumen gehören das Bangweulubecken, das Copperbelt-Hochland, das Luapulatal, das Muchinga-Gebirge und das Luangwatal. Im Westen liegt ein flaches Sandgebiet der Kalahari. Der höchste Punkt ist der Mafinga mit 2339 Metern.

Sambia wird durch zwei große Flusssysteme geprägt: das Einzugsgebiet des Sambesi im Süden und das des Kongo im Norden. Der Sambesi entspringt in Nordsambia, bildet Teile der südlichen Grenze, fließt durch den Karibasee und bildet die bekannten Victoriafälle. Zum Kongosystem gehören unter anderem Chambeshi und Luapula. Wichtige Seen und Feuchtgebiete sind der Tanganjikasee, der Mwerusee, der Bangweulusee mit den Bangweulusümpfen sowie das Kafue-System mit den Lukangasümpfen. Zahlreiche Nationalparks, darunter Kafue, Südluangwa, Nordluangwa und Unterer Sambesi, schützen Naturgebiete.

Das durch die Höhenlage gemilderte tropische Klima hat drei Jahreszeiten: eine kühle Trockenzeit von Mai bis September mit 15 bis 27 °C, eine heiße Trockenzeit im Oktober und November mit 24 bis 32 °C sowie eine heiße, schwüle Regenzeit von Dezember bis April mit durchschnittlich 27 bis 38 °C. Savannen, besonders Miombo, sind weit verbreitet. Dürren gefährden die Landwirtschaft; 2019 fielen in der Regenzeit nur 327 mm statt der üblichen 800 bis 1000 mm Niederschlag.

Bevölkerung und Gesellschaft

Sambia hatte laut Zensus 2022 19.610.769 Einwohner; für 2023 werden 20,7 Millionen genannt. Das jährliche Wachstum lag 2023 bei 2,8 %. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2023 waren 42,0 % unter 15 Jahre und nur 1,9 % über 64 Jahre alt; das Medianalter betrug 2021 16,9 Jahre. 2022 kamen statistisch 4,2 Kinder auf eine Frau, die Lebenserwartung lag bei 61,8 Jahren. Im Jahr 2023 lebten 46 % der Bevölkerung in Städten. Die größten Städte waren 2022 Lusaka mit 2.204.059 Einwohnern, Kitwe mit 625.000 und Ndola mit 624.579.

98,1 % der Bevölkerung sind Schwarze; davon gehören 99 % zu etwa 72 bantusprachigen ethnischen Gruppen. Zu den größten Gruppen zählen Bemba (21 %), Tonga (13,6 %), Nyanja-Chewa (7,4 %), Rotse (5,7 %), Nsenga (5,3 %), Tumbuka (4,4 %) und Ngoni (4 %). Daneben leben unter anderem Menschen europäischer und indischer Herkunft sowie etwa 100.000 Chinesen im Land.

Obwohl Englisch die einzige Amtssprache ist, sprechen es nur 1,7 % als Muttersprache. Verbreitete Bantu- und Verkehrssprachen sind Bemba, das etwa 35 % sprechen, Nyanja mit 21 %, Chitonga mit 12 % und Lozi mit 6 %. Insgesamt verzeichnete die Volkszählung 2010 43 Sprachen.

Sambia ist seit einer Verfassungsänderung von 1996 als christliche Nation definiert. Laut Volkszählung 2010 waren 75,3 % protestantisch und 20,2 % römisch-katholisch. Afrikanische Religionen überschneiden sich teilweise mit dem Christentum. Muslime machten 0,5 % aus; daneben gibt es Bahai, Hindus und Buddhisten.

Für Kinder von 7 bis 14 Jahren besteht Schulpflicht. Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei 63,3 %, bei Frauen bei 56,0 % und bei Männern bei 70,9 %. Zu den großen Gesundheitsproblemen gehören HIV/AIDS und Malaria. Die HIV-Epidemie ließ die Lebenserwartung zwischen 1990 und 2005 von 60 auf etwa 40 Jahre fallen; später erholte sie sich. Die Sterblichkeit der unter Fünfjährigen betrug 2022 55,6 je 1000 Lebendgeburten.

Geschichtliche Entwicklung

Das Gebiet Sambias war bereits in frühmenschlicher Zeit besiedelt. Frühe Bewohner waren San, die später von Bantu-Gruppen verdrängt wurden. Um das Jahr 1000 begann der Kupferbergbau. David Livingstone erreichte das Gebiet 1851. Nach Verträgen Cecil Rhodes’ mit lokalen Herrschern kam es 1890 zur britischen Kolonie Rhodesien; ab 1923 war Nordrhodesien ein britisches Protektorat. Seit etwa 1930 wurde der Kupferbergbau stark ausgebaut. Die Ungleichbehandlung schwarzer Bergarbeiter führte ab 1935 zu Streiks und zur Entstehung politischer Interessenvertretungen.

Von 1954 bis 1964 gehörte Nordrhodesien zur Föderation von Rhodesien und Njassaland. Erste Direktwahlen unter erweitertem Wahlrecht fanden am 30. Oktober 1962 statt; dabei galt erstmals das aktive und passive Frauenwahlrecht. Mit der Unabhängigkeit im Oktober 1964 wurde das allgemeine Erwachsenenwahlrecht eingeführt. Kenneth Kaunda und seine United National Independence Party (UNIP) übernahmen die Regierung. Sinkende Kupferpreise, blockierte Exportwege und zunehmende Korruption belasteten das Land. 1973 machte Kaunda Sambia zum Einparteienstaat.

Nach innerem und internationalem Druck wurden wieder mehrere Parteien zugelassen. Frederick Chiluba gewann 1991 für das Movement for Multi-Party Democracy; dies war einer der ersten friedlichen Machtwechsel durch Abwahl eines Regierungschefs in Afrika. Die Präsidentenwahl 2002 gewann Levy Mwanawasa unter laut EU-Beobachtern chaotischen und unfairen Bedingungen, während seine Wiederwahl 2006 als geordnet und frei galt. Später regierten Rupiah Banda, Michael Sata und Edgar Lungu. Unter Sata wurden Oppositionelle verfolgt und privatisierte Unternehmen teilweise wieder verstaatlicht. Lungus zunehmend autoritäre Regierungsführung fiel mit einer Wirtschaftskrise zusammen; im November 2020 wurde Sambia zahlungsunfähig. Bei der Wahl 2021 gewann Hakainde Hichilema. In seinem ersten Amtsjahr ließ er unter anderem 30.000 Lehrkräfte sowie 11.000 Krankenpfleger und Ärzte einstellen.

Politik, Verwaltung und Menschenrechte

Nach der Verfassung von 1991 ist Sambia eine Präsidialrepublik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird für fünf Jahre gewählt und darf einmal wiedergewählt werden. Hakainde Hichilema gewann die Wahl vom 12. August 2021 mit 59,4 % gegen Edgar Lungu mit 38,3 %; am 13. August 2026 wurde er laut Artikel mit 60,49 % wiedergewählt.

Die Nationalversammlung umfasst 167 Mitglieder: 156 werden in Einpersonenwahlkreisen nach relativem Mehrheitswahlrecht gewählt, acht vom Präsidenten ernannt und drei gehören ihr kraft Amtes an. Die Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Daneben vertreten 27 Angehörige ethnischer Gruppen das House of Chiefs. Das Rechtssystem orientiert sich am britischen Recht und besonders im Familienrecht auch am Stammesrecht.

Der Staat ist in zehn Provinzen und 116 Distrikte (Stand 2023) gegliedert. Darunter liegen Wahlkreise und insgesamt 1858 Wards (2021), die keine eigene Verwaltung besitzen. Traditionell sind 94 % der Landesfläche in 288 Chiefdoms unter Häuptlingen aufgeteilt; ihre Grenzen stimmen häufig nicht mit Distriktgrenzen überein.

Politische Indizes bewerteten Sambia 2024 als Hybridregime und „teilweise frei“. Die Menschenrechtslage galt lange als vergleichsweise positiv, verschlechterte sich jedoch unter Michael Sata und Edgar Lungu. Kritisiert wurden Festnahmen von Oppositionellen, gewaltsam aufgelöste Proteste, Druck auf Medien und zunehmende Korruption. Die Todesstrafe wurde im Dezember 2022 formell abgeschafft; zuletzt war sie 1997 vollstreckt worden. Kinderarbeit ist verbreitet: 1,2 Millionen Kinder zwischen 7 und 14 Jahren müssen arbeiten. Einvernehmliche homosexuelle Handlungen sind strafbar und können mit bis zu 14 Jahren Haft geahndet werden.

Außenpolitisch setzt Sambia auf Investitionen und Wirtschaftsbeziehungen. Es gehört unter anderem SADC, COMESA, Afrikanischer Union und Commonwealth an. Wichtige Partner sind die Nachbarstaaten, Südafrika, westliche Staaten und zunehmend China, das besonders in Bergbau und Energie investiert.

Wirtschaft, Finanzen und Verkehr

Die Wirtschaft stützt sich vor allem auf Landwirtschaft sowie den Abbau und die Verhüttung von Kupfer und Kobalt im Copperbelt. 80 % der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die jedoch nur 5 % des Bruttoinlandsprodukts erzeugt; weitere 14 % sind im Bergbau tätig. Kupfer und Kobalt lieferten 1997 mehr als 75 % der Exporteinnahmen. Wegen dieser Abhängigkeit folgen Wirtschaft und Wechselkurs stark dem Kupferpreis. Die Kupferproduktion sank von 755.000 Tonnen 1969 auf 260.000 Tonnen 1999 und stieg bis 2005 wieder auf 550.000 Tonnen.

Der Kupferpreisverfall ab den 1970er Jahren löste eine schwere Krise aus. Ab 1991 erzwangen Internationaler Währungsfonds und Weltbank Reformen, darunter Privatisierungen. Diese trafen abgelegene Gebiete teilweise hart, weil unrentable Versorgungsstrukturen verschwanden. Gleichzeitig blieb der staatliche Einfluss auf die Verteilung von Saatgut und Kunstdünger groß.

Während der COVID-19-Pandemie wurde Sambia im Oktober beziehungsweise November 2020 zahlungsunfähig. Die neue Regierung bezifferte die Verschuldung auf 31 Milliarden US-Dollar oder 115 % des BIP; 17 Milliarden US-Dollar entfielen auf ausländische Gläubiger. Am 31. August 2022 gewährte der IWF einen Kredit von 1,3 Milliarden US-Dollar. Am 23. Juni 2023 wurde mit staatlichen Gläubigern, hauptsächlich China, die Umstrukturierung von 6,3 Milliarden US-Dollar Schulden vereinbart. 2024 betrug das kaufkraftbereinigte BIP 90,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 4266 US-Dollar je Einwohner; das reale Wachstum lag bei 4,0 %, die Inflation bei 15,0 % und die Staatsverschuldung bei 115 % des BIP.

Die Zentralbank ist die Bank of Zambia; die Wertpapierbörse heißt Lusaka Stock Exchange. Seit 1976 verbinden die TAZARA-Eisenbahn, der Tanzam Highway und eine Ölpipeline Sambia mit dem tansanischen Hafen Daressalam. Außerdem kreuzen sich im Land die transafrikanischen Fernstraßen TAH 4 von Kairo über Gaborone nach Kapstadt und TAH 9 von Beira nach Lobito.

Kultur, Medien und Sport

Das verbreitetste Gericht ist Nshima mit Ndiko. Nshima ist ein Brei aus feinem weißem Maismehl; Ndiko bezeichnet unterschiedliche Soßen, beispielsweise aus Spinat, Grünkohl, Tomaten, Okra oder Erdnüssen. Aus dem Brei wird mit der rechten Hand ein kleiner Ball geformt und in die Soße getunkt. Britische Kolonialküche sowie chinesische, libanesische und italienische Restaurants prägen ebenfalls das Angebot, besonders in Lusaka und Livingstone.

Reporter ohne Grenzen sieht erkennbare Probleme für die Pressefreiheit. 2022 nutzten 31,2 % der Einwohner das Internet.

Fußball gilt als Nationalsport; außerdem sind unter anderem Boxen, Netball, Rugby Union, Cricket, Golf und Leichtathletik beliebt. 1993 starb die gesamte Fußballnationalmannschaft bei einem Flugzeugunglück während der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994. Den größten Erfolg erreichte die neu aufgebaute Mannschaft mit dem Gewinn des Afrika-Cups 2012. Die Frauen-Nationalmannschaft qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2020 und die Weltmeisterschaft 2023. Sambia besitzt seit 2003 eine eigene Cricket-Nationalmannschaft und nimmt auch an der Rugby-Union-Afrikameisterschaft teil. Special Olympics Sambia wurde 1999 gegründet.

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