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Rust Belt

Der Rust Belt („Rostgürtel“), früher Manufacturing Belt, ist die älteste und größte Industrieregion der USA. Er erstreckt sich im Nordosten der USA entlang …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Lage und Bedeutung
  2. 2. Aufstieg zur Industrieregion
  3. 3. Strukturkrise und Bevölkerungsverluste
  4. 4. Politische Bedeutung

Begriff, Lage und Bedeutung

Der Rust Belt („Rostgürtel“) ist die älteste und größte Industrieregion der USA. Früher hieß er Manufacturing Belt. Er liegt im Nordosten der Vereinigten Staaten entlang der Großen Seen und reicht von Chicago über Detroit, Cleveland, Cincinnati und Pittsburgh bis zu den Ausläufern der Metropolregionen Boston, Washington, D.C. und New York City.

Zum Kerngebiet gehören Teile von Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Pennsylvania, New York, insbesondere Upstate New York, und New Jersey. Teilweise wird West Virginia mit Charleston und Huntington einbezogen, das ein Zentrum des Kohlebergbaus war. Seltener zählen auch Teile von Iowa, Missouri und Wisconsin dazu. Der Name Rust Belt verweist auf den Niedergang der alten Stahlindustrie: Stillgelegte Industrieanlagen stehen sinnbildlich für „Rost“.

Die Region war bis in die frühen 1970er Jahre mit großem Abstand das wichtigste Industriegebiet der USA und eines der größten weltweit. Ihre Entwicklung und spätere Krise sind deshalb wichtig für das Verständnis des wirtschaftlichen und politischen Strukturwandels in den Vereinigten Staaten.

Aufstieg zur Industrieregion

Die Industrialisierung setzte nach der Unabhängigkeitserklärung von 1776 ein. Eine erste Manufaktur war eine 1790 von einem Einwanderer aus England gegründete Baumwollspinnerei. Danach entstanden vor allem an den Flüssen Neuenglands weitere Textilbetriebe. Die damaligen Hafenstädte der Ostküste waren wichtige Handels- und Einwanderungsorte, gehörten aber nicht zum Rust Belt: Dieser wurde vor allem von Schwerindustrie, Eisen, Kohle und Stahl geprägt.

Entscheidend für das Wachstum waren Rohstoffe und Verkehrswege. Ab 1859 begann in Titusville in Pennsylvania die Erdölförderung, die eine Grundlage der späteren Standard Oil Company bildete. Ab 1865 wurden Eisenerzvorkommen am Ohio River erschlossen; ab 1893 kamen Steinkohle- und Erzreviere in den Appalachen hinzu. Das Wachstum verlagerte sich dadurch nach Westen, besonders in das westliche Pennsylvania.

Der starke Ausbau des Eisenbahnnetzes verband Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Absatz. So entstand eine Verbundindustrie, also ein räumlich und wirtschaftlich eng verknüpftes Netz von Industriezweigen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Manufacturing Belt seine volle Größe erreicht: Chicago und Milwaukee waren Zentren der Lebensmittelindustrie, Detroit wurde Zentrum der aufkommenden Automobilindustrie und Pittsburgh Zentrum der Stahlindustrie.

Strukturkrise und Bevölkerungsverluste

Mit der Krise der 1970er Jahre ging der Manufacturing Belt in den Rust Belt über; seine wirtschaftliche Bedeutung nahm rasch ab. Anzeichen einer strukturellen Krise hatte es schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegeben, als sich ein großer Teil der Eisenerzförderung an den Oberen See verlagerte. Der eigentliche Niedergang begann in den 1960er Jahren mit der Abwanderung der Schwerindustrie in billiger produzierende Entwicklungsländer. Viele Arbeitsplätze in Bergbau und Schwerindustrie gingen verloren.

Als wachstumsstärkste Region löste der Sun Belt im Süden der USA den Manufacturing Belt ab. Die Folgen waren jedoch regional unterschiedlich. Cincinnati und Pittsburgh zogen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen an und schufen zahlreiche neue Arbeitsplätze. Detroit und Youngstown verloren dagegen seit den 1960er Jahren jeweils über 60 Prozent ihrer Bevölkerung und sind von hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität und urbanem Verfall geprägt.

Die Bevölkerungszahlen zeigen den Rückgang in vielen Städten. Detroit sank von 951.270 Einwohnern im Jahr 2000 auf 677.116 im Jahr 2015 und 639.111 im Jahr 2020; das entspricht −28,8 % von 2000 bis 2015 und weiteren −5,6 % bis 2020. Der frühere Höchststand lag 1950 bei 1.849.568. Flint verlor zwischen 2000 und 2020 von 124.943 auf 81.252 Einwohner, Youngstown von 82.026 auf 60.068 und Cleveland von 478.403 auf 372.624. Auch Chicago ging zunächst zurück, von 2.896.016 im Jahr 2000 auf 2.720.546 im Jahr 2015, stieg aber bis 2020 leicht auf 2.746.388.

Ein Vergleich mit nahen kanadischen Städten zeigt ein anderes Bild. Von 2001 bis 2021 wuchs Windsor von 208.402 auf 229.660 Einwohner, Toronto von 2.481.494 auf 2.794.356 und Niagara Falls in Ontario von 78.815 auf 94.415. Detroit und Windsor sind nur durch den Detroit River getrennt; die beiden Städte Niagara Falls in New York und Ontario durch den Niagara River.

Politische Bedeutung

Wegen der starken Prägung durch Industriearbeiter galten besonders die urbanen Zentren des Rust Belt lange als Hochburgen der Demokratischen Partei. Sie waren Teil der sogenannten Blue Wall („blaue Mauer“).

Donald Trumps Wahlsieg 2016 wurde maßgeblich damit erklärt, dass er Wähler in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin ansprach. Das Buch Shattered: Inside Hillary Clinton’s Doomed Campaign beschreibt, wie schwierig es für Hillary Clinton war, von der wirtschaftlichen Entwicklung enttäuschte Industriearbeiter mit glaubwürdigen politischen Botschaften zu motivieren. Hillbilly-Elegie, 2016 veröffentlicht, schildert das Aufwachsen von JD Vance in der Region; Vance war 2024 Trumps Running Mate.

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