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Unsichere Landmacht: Wie wurde Russland zum größten Land der Welt? | ZDFinfo Doku

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  1. Russland, das größte Land der Erde, bedeckt über [musik] 10% der gesamten Landfläche.
  2. Vom Polarmeer bis zum Kaukasus, vom Baltikum bis zum Pazifik. Eine Vielfalt an Landschaften und an Bodenschätzen.
  3. Russland ist das größte Land der Welt und hat einfach dadurch ein enormes Potenzial an Ressourcen. Doch es hat ein Problem.
  4. Russland ist eine unsichere Landmacht. Im Westen und Osten fehlen geographische Barrieren. An der 24 000 km langen Nordküste gibt es keinen ganzjährig
  5. schiffbaren Hafen. Deshalb versuchen Russlandsherrscher im Laufe der Jahrhunderte ständig ihre Grenzen zu erweitern.
  6. Geografie ist ein ganz entscheidendes Element für politische Entscheidung. Auch entscheidend, wie Staaten sich in der Geschichte ausgedehnt haben oder
  7. geschrumpft sind. Russland ist eine gewaltige Nation. Es erstreckt sich über zwei Kontinente,
  8. Europa und Asien und ist damit fast doppelt so groß wie Kanada, das zweitgrößte [musik] Land der Erde.
  9. [musik] Zwischen der Ost und Westgrenze Russlands besteht ein Zeitunterschied von 10 Stunden.
  10. Wenn die Sonne im Westen aufgeht, ist sie im Osten bereits untergegangen. Russland grenzt an 14 verschiedene Staaten und an vier Meere, das
  11. Nordpolarmeer, den Pazifik im Osten und das Schwarze und das Kaspische Meer im [musik] Südwesten.
  12. Russland ist eine Landmacht und hat kaum natürliche Grenzen. Deswegen fühlt es sich bedroht. und ist aggressiv.
  13. Mit 144 Millionen Einwohnern gilt Russland als das bevölkerungsreichste Land Europas. Doch im Durchschnitt leben nur acht
  14. Menschen auf einem Quadratkilometer. Nur im Westen gibt es Ballungsräume. Hier begünstigen Klima und Böden die Landwirtschaft.
  15. Der dünn besiedelte Osten ist dagegen geprägt von Permafrost und eisigem Klima. Die russische Tiger ist das größte
  16. zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Sein Holz ist eine der vielen Ressourcen des Landes.
  17. Doch wie hat die Geografie Land und Leute geprägt? Und welche Auswirkungen hat sie auf Politik? und Geschichte.
  18. Die Ursprünge Russlands finden sich entlang der Flüsse Wolga und Niepperen. Die Wolga ist mit etwa 3000 km der längste Fluss Europas.
  19. Sie entspringt [musik] genau wie der Dnepper in den Waldeihöhen im Nordwesten Russlands.
  20. Von dort fließen sie nach Südosten ins Kaspische und im Süden ins Schwarze Meer.
  21. Ab [musik] dem sechsten Jahrhundert siedeln slawische Stämme entlang der Flüsse.
  22. Die Böden dort eignen sich [musik] hervorragend für den Anbau von Getreide wie Weizen und Gerste.
  23. Im 8. Jahrhundert [musik] dringen schließlich skandinavische Wikinger nach Süden vor. Sie sind auf der Suche nach neuen [musik] Jagdgebieten für
  24. Pelztiere. Aus den Fällen von Zobel, Hermelin und Nert fertigen [musik] die Wikinger aber
  25. auch die ansässigen Slaven hochwertige Kleidung. Für den Verkauf wird sie über die Flüsse und Meere bis nach Byzanz und in den
  26. Orient gebracht. Die Wasserwege waren entscheidend. Sie waren die beste Art, um Waren zu
  27. transportieren und zu reisen. Viel einfacher als auf dem Landweg. [musik] Den Straßen im heutigen Sinne gab es noch nicht. Große Flüsse wie die Volga
  28. und der Nepa waren damals die Hauptverkehrswege. Während sich Wikinger und Slaven immer mehr annähern, entwickeln sich [musik]
  29. die Siedlungen an den Flüssen durch Handel zu blühenden Städten. Historische Chroniken [musik] wie die Nestor Chronik sehen hier den Ursprung
  30. für das Volk der Ruß. Die ersten Erwähnungen der Rus stammen aus westeuropäischen Textquellen aus dem
  31. 9. Jahrhundert. Aber es gibt auch arabische Quellen aus dieser Zeit, aus den 840er und 850er Jahren, die die Rus als Alruia erwähnen.
  32. Der Name Rus hat seine Wurzeln im altnordischen Rus, was Rudern bedeutet. In ihren Anfängen sind die Ross nicht viel mehr als ein loser Verbund von
  33. Fürstentümern. Sie siedeln entlang [musik] des Nepa mit den Zentren Norvgorot und Kiev. Ende des neunt. Jahrhunderts schließen
  34. sie sich zum Reich der Ros zusammen. Sein Zentrum wird das strategisch günstig gelegene [musik] Kiev.
  35. Die Archäologin Charlotte Hedenerna Jonsson und ihr Team finden in Wikingergräbern immer wieder Hinweise darauf, wie sich die skandinavischen und
  36. slawischen Lebensweisen vermischt haben. Für mich waren die Ruß eher eine Kultur. Es ging weniger darum, ob man slawisch
  37. war, als darum, sich mit einer Gesellschaft oder einer kulturellen Lebensweise zu identifizieren.
  38. Vielleicht sahen sie sich weder als Skandinavier noch als Slaven, sondern als Rus, als eine Mischkultur.
  39. Auch Byzan und seiner Hauptstadt Konstantinopel üben Einfluss auf die Ruß aus. Das Großreich nimmt weite Teile der Schwarzmehküste ein und wird zum
  40. wichtigen strategischen Partner der Kiefer. [musik] Um diese Verbindung zu festigen heiratet
  41. Vladimir der Große Ende des 10. Jahrhunderts die Schwester [musik] des Byzantinischen Kaisers Basiliios des II. Die [musik] Bedingung: Vladimir und die
  42. Rus sollen sich offiziell zum Christentum bekennen. Der übernommene Glaube betrachtet [musik] die staatliche Autorität als
  43. Gott gegeben. Er erweist sich für Wladimir als wichtiges Machtinstrument und legt den Grundstein für eine enge Verflechtung
  44. von Kirche und Staat. Und die Kirche dient dem Staat sozusagen in der Kontrolle, Unterwerfung äh und äh
  45. ja Beherrschung der Bevölkerung und auch eben und in der ideologischen Unterfütterung. Nepper und Wolger werden zu natürlichen
  46. Taufbecken, in die Vladimir seine Untertanen zwingt. Die gemeinsame Religion hilft dem Herrscher die einzelnen Fürstentümer
  47. [musik] der Kiefer zu vereinen. Doch nach dem Tod Vladimi zerbricht die neu geschaffene Einheit.
  48. Während sich die Fürsten [musik] der Kieferus in den folgenden 200 Jahren bekriegen, entsteht am Rande derasischen Steppe eine Großmacht, [musik]
  49. das Mongolenreich von den Rus Tataren genannt. Mit der mongolischen Invasion bis 1240 änderte sich alles. Darum gibt es keine
  50. Kontinuität zwischen dem, was in der Wikingerzeit geschah und dem, was wir heute sehen. Die Mongolen unter Batokan unterwerfen
  51. die Kieferus und gründen das Kanat der goldenen Horde. Die folgenden zwei Jahrhunderte prägen als Zeit des Tatarenjochs in das russische
  52. Nationalbewusstsein ein. Die neuen Herrscher verlangen Tributzahlungen und besetzen wichtige Handelswege.
  53. Sie beenden damit die goldene Era der Kiefer. Diese Zeit ist bis heute politisch aufgeladen und umstritten. [musik]
  54. Russland sieht in ihr den Ursprung seiner Nation. Die Ukraine und Belarus hingegen berufen sich auf die Kiaferus als Geburtsstunde einer eigenständigen
  55. Kultur. Kontrolle über Geschichte ist immer auch Teil der Kriegsführung. Deswegen sind
  56. diese Geschichten so wichtig, weil sie in der Nestor Chronik vorkommen, wo es um die Ruß und die Kiefer Prinzen geht und alles, was
  57. danach kommt. Es handelt sich also um einen Gründungsmythos mit historischen Wurzeln.
  58. Die goldene Horde schafft neue Verhältnisse zwischen Karpaten und Ural. Im [musik] Westen hingegen verliert die geschwächte Kiefer Gebiete an Polen und
  59. Litauen. Doch im Schutz Dichter Wälder beginnt im 14. Jahrhundert schließlich der Aufstieg Moskaus.
  60. Seine Herrscher bauen die Stadt unter mongolischer Herrschaft zum Großfürstentum aus und erobern immer mehr Ländereien.
  61. Im Jahr 1480 gelingt es [musik] dem Moskauer Großfürsten Ivan dem II endgültig die Mongolen zu besiegen und das Tatarenoch abzuschütteln.
  62. Unter seiner Herrschaft [musik] entwickelt sich die Stadt zum Zentrum des russischen Reiches. Ivans wichtigste Aufgabe: Die Versorgung der wachsenden
  63. Bevölkerung mit Nahrung sicherstellen. Ursprünglich war das Großfürstentum Moskau ja ein relativ kleiner Raum, der darauf angewiesen war, dass er
  64. schlichtweg die Ackerfläche äh erweitert hat und man nur zwei, drei Fruchtfolgen quasi sicherstellen konnte und der Boden relativ schnell ausgelaugt war.
  65. Im Jahr 1547 lässt sich der Enkel Ivans des [musik] II zaren von Russland krönen. In der Tradition der römischen Cäsaren
  66. erklärt Iwan der I Moskau zum dritten Rom und zum Zentrum des orthodoxen Christentums.
  67. Das einstige [musik] Herrschaftsgebiet der goldenen Horde zerfällt in der Zwischenzeit in mehrere unabhängige Kanate.
  68. Die mongolischen Herrscher will der junge Zar endgültig in die Schranken weisen. Vor allem aber will er die Wolga mit ihren wichtigen Handelsrouten unter
  69. seine Kontrolle bringen. [musik] Die Kontrolle über diese Flüsse war für
  70. den Ausbau des russischen Reichs von großer Bedeutung. Deshalb ist die Eroberung des Kanats Kasan auch so wichtig.
  71. Von diesem Moment an kontrollierte Russland die Wolga als zentrale Verkehrsade.
  72. Im Sommer 152 stehen russische Truppen vor den Toren Kasans.
  73. Die Stadt ist der Schlüssel zur südlichen Wolger und den Handelswegen zum Kaspischen Meer.
  74. Nach wochenlanger Belagerung stürmen die Truppen Ivans des Vierten die Stadt mit Rammöcken und Kanonen und töten einen Großteil der Bevölkerung.
  75. Die Eroberung Kasarns hat weitreichende Folgen. Sie öffnet den Weg nach Osten in die sibirische Tiefebene.
  76. Im Norden geht diese in die Tundra über. Permafrost [musik] hält hier große Teile des Bodens ganzjährig gefroren und macht Landwirtschaft unmöglich.
  77. Im Süden locken die ausgedehnten Nadelwälder der Tiger mit ihrem Reichtum an Holz, Pelzen und Bodenschätzen.
  78. Doch Temperaturen von bis zu -40° bremsen die russische Expansion aus. Hinzu kommen Raubzüge der sibirischen Kanate.
  79. Rosal ist ein Flächenstaat, der im Prinzip als Imperium durch eine Kolonialisierung seiner angrenzenden Gebiete entstanden ist. Also, es hat
  80. eben eine riesige weite Fläche, die sehr leicht zu erobern ist, insbesondere vom vom Osten. Also, der das Trauma sozusagen
  81. des Moskauer Zahnreiches sind sind die Mongolenstürme. Ja, die die im Prinzip vom Osten kamen und riesige Territorien erobert haben.
  82. Damit sich das nicht wiederholt, sollen Ende des 16. Jahrhunderts Kosaken Gebiete im Osten erobern. Die freien Reiterverbände und Wehrbauern
  83. wollen in den Grenzgebieten unabhängig agieren, kämpfen aber auch an der Seite Russlands.
  84. [musik] Einer von ihnen ist Jamak Timojewitsch. Seine Auftraggeber, [musik] die Stroganows, gelten als eine der
  85. reichsten Kaufmannsfamilien Russlands. Für sie soll Timo Fejewitsch Sibirien erobern. [musik]
  86. Auf dem Weg zur Hauptstadt des Kanat Sibir müssen sich der Kosaken Hauptmann und seine knapp 1000 Mann mit Boten durch die Sympfe kämpfen.
  87. Doch ihre Erfahrung und ihre modernen Feuerwaffen bringen den Sieg. Mit reicher Beute kehrt Timo Fewits schließlich nach Moskau zurück.
  88. In den folgenden Jahrzehnten erobern russische Truppen, Freiheitssuchende und Abenteurer die weiten Sibiriens. Sie unterwerfen die verbliebenen Kanate
  89. ebenso wie die indigene Bevölkerung. Die erbeuteten Reichtümer finanzieren die weitere Expansion des russischen Reiches nach Osten.
  90. Diese Ausdehnung nach Osten in der frühen Neuzeit hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Unterwerfung der Steppenvölker und damit der Schutz vor
  91. ihnen. Es geht aber auch um Ressourcen und Produktivität. Doch während Ivan sein Reich im Osten erweitern kann, zeigt sich im Westen die
  92. Schwäche der russischen Geografie. Es hat ja zwei verwundbare Stellen. Das ist der Osten, wo die Mongolen eingefallen sind und wo man dann unter
  93. dem Schrecklichen diese riesige Landfläche erobert hat. Und dann hat man sich dem europäischen Teil zugewandt. Zwischen den Karpaten im Westen und
  94. Sibirien im Osten gibt es abgesehen vom Ural keine größeren Höhenunterschiede und damit kaum geographische Grenzen.
  95. Auch die Vorherrschaft im Ostseeraum ist umkämpft. Bis in die Mitte des [musik] 16. Jahrhunderts gibt es immer wieder
  96. Konflikte, vor allem mit dem westlichen Nachbarn Liefland.
  97. Liefland umfasst damals Teile des heutigen Estlands und Lettlands sowie der Ostseeküste. Mit dem Einmarsch russischer Truppen in
  98. Liefland 1558 [musik] gerät Iwan der vier auch in Konflikt mit dessen Schutzmächten. Schweden, Polen, Litauen, Dänemark und
  99. dem deutschen Ritterorden. Für den Zugang zur Ostsee ist Ivan bereit, einen hohen Preis zu zahlen,
  100. denn dieser verspricht schnelleren und ganzjährigen Handel. Nach über 25 Jahren Krieg muss sich Ivan der Schreckliche, wie er mittlerweile
  101. genannt wird, geschlagen geben. Eines aber hat er erreicht. Russland ist auf dem Radar der [musik] europäischen Herrscher.
  102. Das wird zu [musik] Beginn des 17. Jahrhunderts zum Problem. Denn als Ivans Thronfolger Fjordor I. Ohne Nachkommen stirbt, steht das junge [musik]
  103. Zarenreich ohne Herrscher da. Während sich russische Adelsfamilien um den Thron streiten, sorgen Kriege mit Schweden und Polenlitauen [musik] im
  104. Westen für Chaos und Zerstörung. Im russischen Nationalgedächtnis hinterlässt diese Zeit der Wirren, die sogenannte [musik] Smuter, tiefe
  105. Verunsicherung und ein Gefühl der Verwundbarkeit. Das Paradoxe an der russischen Geschichte ist, dass Außenstehende
  106. Russland oft als Aggressor wahrnehmen, als räuberisch und expansionistisch. Und natürlich, wenn man auf die Landkarte schaut, hat Russland immer
  107. wieder fremde Gebiete erobert. Gleichzeitig sehen sich die Russen selbst als verwundbaren und bedrohten Stat.
  108. Erst die Krönung des ersten Zaren [musik] aus dem Geschlecht der Romanows und Friedensverträge mit Schweden und Polen [musik] Litaauen beenden Chaos.
  109. Die Romanovs werden das riesige Land für die nächsten 300 [musik] Jahre zusammenhalten.
  110. 1697 [musik] reist der 25-jährige Piotre Alexjewits Romanov durch Europa. In die Geschichtsbücher geht er als Peter der
  111. Große ein. In den werften [musik] Preußens, Lieflands und Hollands lernt er den westeuropäischen Schiffbau kennen. Er
  112. beschließt die große Vision Ivans des Vierten zu verwirklichen. Russland soll zu den imperialen Großmächten Europas aufsteigen
  113. und eine Seefahrernation [musik] werden. Dazu muss sich Russland jedoch über seine Grenzen hinweg vergrößern.
  114. Zwar gehört Russland mit über 35 000 km zu den Ländern mit den längsten Küstenlinien, doch sind die meisten Häfen aufgrund des Klimas nur wenige
  115. Monate im Jahr schiffbar. Russland hat nur begrenzten Zugang zu den Weltmeeren. Einer dieser
  116. eingeschränkten Wege führt über die Ostsee, wenn man nicht durch das Packeis der Arktis fahren will. Das ist allerdings problematisch, weil man dafür
  117. an etlichen Ländern vorbeifahren muss. Im Jahr 1700 beherrscht das Königreich Schweden die Ostsee. Doch im Bündnis mit Dänemark, Norwegen, Polen, Litauen und
  118. Sachsen erobert Peter der Große in über 20 Kriegsjahren große Teile des Ostseeraums. Um seine Position zu festigen, lässt er
  119. gleichzeitig sein Venedig des Nordens errichten, Stt Petersburg. Ab 1712 wird es mit seinem Zugang zur Ostsee zur neuen [musik] Hauptstadt des
  120. Zarenreichs. Peter bemühte sich Russland so schnell wie möglich an Europa heranzuführen und
  121. eine proeuropäische Kultur zu etablieren. Für ihn und sein Reich spielte der Zugang zum Meer in dieser Zeit eine sehr
  122. wichtige Rolle. Strategisch günstig gelegen erweist sich der Bau der neuen Hauptstadt als
  123. Disaster. Schuld daran sind vor allem der sumpfige Boden und die eisigen Winter.
  124. Zntausende Leibeigene und Kriegsgefangene [musik] sterben während des Baus an Kälte, Krankheit und Hunger.
  125. Peters großes Ziel ist, Russland nach westeuropäischem Vorbild zu modernisieren. betrifft die Verwaltung und die
  126. Infrastruktur, aber auch den Aufbau neuer Industrien wie der Eisengewinnung und den [musik] Ausbau der Armee.
  127. Peter interessierte sich für westliche Spitzentechnologie, insbesondere im Bereich der Marine und des Militärs.
  128. So wurde Russland militarisiert, wie niemals zuvor. hat in der CAS bevor davon profitiert auch Katharina die Große, als sie 1762
  129. den russischen Thron besteigt. Sie führt den Traum von Zar Peter fort. Russland an der Spitze Europas.
  130. Katharina setzte sich wie kein anderer Herrscher dafür ein, Russland in eine angesehene europäische Großmacht zu verwandeln.
  131. Im Mittelpunkt standen dabei Gebietserwerbungen in Polen, in den westlichen Grenzgebieten, vor allem aber im Südosten.
  132. Dort will sie das erreichen, woran ihre Vorgänger gescheitert sind. Einen Stützpunkt für die russische Flotte. im schwarzen Meer. Der Gegner, das
  133. Osmanische Reich. 1770 kommt es vor Tscheshme in der heutigen Westtürkei zu einer
  134. folgenschweren Seeschlacht. Während eines Überraschungsangriffs versenkt ein russischer Schiffsverband einen Großteil der Osmanischen Flotte.
  135. Es ist der erste [musik] große russische Sieg zur See. In den folgenden Jahren erobert Katharina weite Teile der [musik]
  136. Schwarzmehrküste und annektiert 1783 die Krim. Die Halbinsel wird seit Jahrhunderten [musik] von Tataren bewohnt und gehört
  137. lange zum Osmanischen Reich. In der strategisch [musik] günstig gelegenen Südbucht der Halbinsel lässt die Herrscherin schließlich die
  138. Hafenstadt [musik] Sevastopol errichten. Die Krim ist geopolitisch ganz wichtig, weil sie im Prinzip der Brückenkopf in
  139. das schwarze Meer hinein ist. Wenn sie die Krim beherrschen, dann dominieren sie im Prinzip das Schwarze Meer. Das ebnet Katharina den Weg zu weiteren
  140. Gebieten im Westen. Große Teile des Untergehenden Großreichs Polen Litauen werden bis zum 18. Jahrhundert Teil [musik] des russischen
  141. Reiches. Darunter Belarus und Teile [musik] der heutigen Ukraine und Polens. Als Katharina die große 1796
  142. stirbt, hat sie Russland zu einer europäischen Großmacht gemacht. Knapp 20 Jahre später muss ich Russland den französischen Eroberer Napoleon
  143. Bonaparte erwehren. Sein Feldzug führt ihn und sein Heer 1812 bis nach Moskau, endet aber in einer Katastrophe. Bis Kriegsende verliert Napoleon mehrere
  144. Hundertetausend Soldaten durch Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der russischen Truppen. In Russland geht der siegreiche Konflikt als Krieg in [musik]
  145. die Geschichte ein. Das Zarenreich kann als Retter Europas die Neuordnung des Kontinents mitbestimmen. Doch trotz militärischer Erfolge bleibt
  146. es ein Agrarstaat. Als die Industrialisierung den europäischen Kontinent verändert, steht
  147. Russland vor einer enormen Herausforderung. Im Norden und Osten sind Holz und Pelze seit jeher die wichtigsten Handels und
  148. Exportgüter. Die Landwirtschaft konzentriert sich dagegen [musik] auf den Westen des Landes, wo die Böden besonders fruchtbar
  149. sind. Vor allem im sogenannten Schwarzeregürtel in der heutigen Ukraine wird Getreide
  150. wie Weizen und Hafer für den Export angebaut. Verantwortlich dafür sind leibeigene [musik] Bauern, die bis Ende des 19.
  151. Jahrhunderts etwa dreiviertel der Bevölkerung ausmachen. Das Problem, das Land, das Sie bewirtschaften, gehört Ihnen nicht. Ein
  152. sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg ist für sie kaum möglich. Erst [musik] mit der Agrarreform von 1861
  153. unter Alexander dem II wird die Leibeigenschaft formell abgeschafft. Doch kaum ein Bauer kann die hohen Pachtpreise für sein Land bezahlen.
  154. Viele ziehen in die Städte, um in der Industrie Arbeit zu finden. Dabei liegt ein Großteil der russischen Rohstoffe, darunter Kohle, Gold und
  155. Diamanten, unter der Erde Sibiriens. Eine Region, [musik] die trotz zahlreicher Expeditionen in den vergangenen Jahrhunderten kaum über
  156. Infrastruktur verfügt. Das soll sich ab 1891 mit dem Bau eines gigantischen Projekts ändern, der transsibirischen Eisenbahn.
  157. Mit einer Länge von über 9000 km gilt sie bis heute als längste Bahnstrecke der Welt und verbindet seit dem frühen 20. [musik]
  158. Jahrhundert die dünn besiedelten Gebiete im Osten mit Russlands Westen. Als der erste Weltkrieg über Europa hereinbricht, wird der industrielle
  159. Rückstand trotz aller Fortschritte zur Achilles Ferse. Schlechte Ausrüstung und Nachschubprobleme führen zu hohen
  160. Verlusten der russischen Truppen. Zudem verliert Russland große Gebiete im Westen. Polen, Litauen, Lettland,
  161. Estland und Finnland werden nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig. Gleichzeitig eskalieren die inneren Unruhen.
  162. Mit der Oktoberrevolution 1917 und der Ermordung von Zar Nikolaus dem I endet das russische Zarenreich. An seine Stelle tritt das kommunistische
  163. Sowjetrussland unter Lenin. Die Idee der Bolschevik war die Weltrevolution und die sollte auf ganzer
  164. Linie siegen. Überall sollten Sowjetrepubliken entstehen, aber das hat nicht funktioniert.
  165. Dann musste die Macht ergriffen werden und die rote Armee schlug nationale Widerstände mit Feuer und Schwerten nieder.
  166. Im folgenden Bürgerkrieg erobern die Bolscheviki Gebiete in der Ukraine und im Kaukasus zurück und gliern sie in die Sowjetunion ein.
  167. Von besonderer Bedeutung ist dabei Baku im heutigen Aserbaidschan. Denn dort hat man Mitte des 19. Jahrhunderts Erdöl entdeckt.
  168. Die Bolchewiik verstaatlichen rund 300 Ölgesellschaften in Baku und sichern sich so den Zugang zu dem wertvollen Treibstoff.
  169. [musik] Als Josef Stalin 1924 an die [musik] Macht kommt, setzt er ebenfalls auf Industrialisierung.
  170. Doch die Technik, um die Bodenschätze [musik] des Landes zu heben, muss er teuer importieren.
  171. Dafür erhofft sich Stalin Gewinne [musik] aus der Landwirtschaft, die er verstaatlicht und kollektiviert. Die Erträge fließen nun zuerst [musik]
  172. dem Staat zu, dann der Versorgung der Bevölkerung. Um die Industrialisierung voranzutreiben, musste Stalin die
  173. russischen Dörfer und Bauern unter seine Kontrolle bringen. Das führte zu einer schnellen, brutalen und grausamen Kollektivierung, in deren
  174. Verlauf Millionen von Bauern deportiert wurden. Die Abgaben sind vor allem in der Ukraine unerfüllbar hoch.
  175. Zwischen 1932 und 1933 verhungern [musik] dort bis zu dreieinhalb Millionen Menschen. Im Gedächtnis [musik] der Ukraine brennt
  176. sich diese Zeit als Hollowomor ein, als Tötung durch Hunger. Wer sich Stalins hartem Regime widersetzt, landet in Arbeitslagern, den
  177. sogenannten Gulaks. Millionen Menschen werden [musik] deportiert, viele von ihnen nach Sibirien.
  178. Dort müssen sie unter härtesten Bedingungen schuften und Bodenschätze abbauen.
  179. Während des großen Terrors zu Beginn der 1930er Jahre wurden die Lager und Gefängnisse immer voller. So kam man auf die Idee, die
  180. Arbeitskraft der Gefangenen im Sinne der sogenannten staatlichen Sicherheit zu nutzen. Die Sklavenarbeit begleitete das System Stalin bis zu seinem Ende, bis
  181. zur Mitte der 1950er Jahre. Während Stalins Vorgänger ihre Macht vor allem [musik] durch geographische Größe
  182. demonstrieren, erkennt er, dass im 20. Jahrhundert [musik] der Grundstein für Macht unter Russlands Erde liegt, denn hier finden sich schöpfliche
  183. Rohstoffvorkommen. Die riesige Landfläche bekommt vor allem im Osten eine neue Bedeutung.
  184. Russlands erstes Ziel war immer die strategische Tiefe. Dann kam der Handel und schließlich ging es ums Öl.
  185. Der Zugang zu Erdöl bedeutet im 20. Jahrhundert nicht nur Energiesicherheit, sondern auch militärische Stärke. Im Zweiten Weltkrieg spielt Öl neben
  186. Ideologie und Expansionsdrang eine strategische Rolle. Als Hitler 1941 die Sowjetunion überfällt, gilt sein Vormarsch nicht nur
  187. St. Petersburg, Moskau und Volgograd, sondern auch den Ölquellen von Baku. Doch wie einst Napoleon scheitert auch Hitler an Russlands Größe und Klima.
  188. Alle diese Länder kamen aus dem Westen, Schweden, Polen, Frankreich, Deutschland. Aber keiner von ihnen kam jemals wirklich über Moskau hinaus, denn
  189. der Weg ist weit und kalt. Für Russland geht der Zweite Weltkrieg [musik] als großer Vaterländischer Krieg in die
  190. Geschichte ein. Erneut präsentiert sich das [musik] Land als Retter Europas. 1945 bestimmt Stalin in der Konferenz von
  191. Jalta die Zukunft des Kontinents mit. Die Folge: Die Sowjetunion sichert sich Lettland, Litauen und Estland im Westen. Staaten wie die DDR, Polen, die
  192. Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien werden de facto zu Vasalen starten.
  193. [musik] Aus den Verbündeten des Zweiten Weltkriegs werden bald Feinde, die sich ideologisch gegenüberstehen.
  194. Der Nordatlantik Pakt kurz NATO, angeführt von den USA im Westen und der Warschauerpakt unter Führung der Sowjetunion im Osten.
  195. Kurz nach den USA zündet die Sowjetunion 1949 ihre erste Atombombe. Beide Seiten rüsten in den folgenden
  196. Jahrzehnten immer weiter auf und errichten immer mehr Militärstützpunkte an ihren Grenzen. Die sowjetischen Nachbarstaaten dienen
  197. der UDSSR dabei als Pufferzone. Der Hauptfeind ist die NATO. Ja, dadurch, dass es keine natürlichen Barrieren gibt, im Sinne eben von hohen
  198. Bergen jetzt außer im Kaukassus, ähm kann man eben nur durch Landflächen sozusagen Pufferzonen schaffen. Seit den 1960er Jahren erfüllen diese
  199. flachen Ebenen aber noch einen anderen Zweck. Sie werden für den Bau von Pipelines genutzt. Die Sowjetunion erschließt immer mehr Öl
  200. und Gasfelder, etwa im Wolger Uralgebiet und in Westsibirien. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen beginnt die starren Grenzen zwischen Ost
  201. und West aufzuweichen. Es gibt das Klischee von der Sowjetunion, die isolationistisch oder
  202. aut war und wirtschaftlich nichts mit dem Rest der Welt zu tun haben wollte. Aber das stimmt nicht. Eines der wichtigsten Ergebnisse der
  203. Suche nach internationalen Partnern war neben anderen der Pipeline Deal. Mit dem sogenannten Röhrenerdgasgeschäft gewinnt die Sowjetunion im Februar 1970
  204. die BRD [musik] als Gaskunden. Deutschland liefert die Röhren und gewährt einen Milliardenkredit [musik] für den Bau der Preinen.
  205. Im Gegenzug liefert die Sowjetunion jährlich 3 Milliarden Kubikmeter Gas. In den folgenden Jahren kommen Geschäfte mit weiteren westeuropäischen Ländern
  206. hinzu. Es ist eine Entwicklung, die den Aufstieg Russlands zum größten Gasproduzenten [musik] der Welt
  207. einleitet und es ist der Beginn einer gegenseitigen Abhängigkeit.
  208. [musik] Ohne Öl und Gas wäre Russland keine Großmacht. Russland ist, wie es gerne
  209. bezeichne, eine fossile Großmacht. Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 steht Russland nicht nur vor der Herausforderung, sich auf dem Weltmarkt
  210. zu behaupten, sondern auch seine geopolitische Rolle neu zu definieren. Zahlreiche Staaten im Westen und Süden Russlands erklären ihre Unabhängigkeit.
  211. Die strategisch wichtige Krim wird Teil der Ukraine. Das Problem Russland will Sevastopol weiterhin als Marinestützpunkt halten.
  212. Mit dem Flottenvertrag von 1997 finden beide Länder einen Kompromiss. Russland pachtet die Hafenanlagen. Die Ukraine erhält im Gegenzug Rabatte auf
  213. Erdgas. Eine Win-Win Situation bis in den 2000er Jahren immer mehr osteuropäische Staaten der NATO beitreten.
  214. Der amtierende Präsident Vladimir Putin sieht darin eine Bedrohung für Russland. Большего отдельные нормы. Да, по сути, чуть ли не вся система права одного
  215. государства, прежде всего, конечно, Соединённых Штатов, перешагнула свои национальные границы и
  216. по сути во всех сферах, и в экономике, и в политике. Russland weiß, dass es kein europäisches Reich mehr wäre, wenn die Ukraine der
  217. NATO oder der EU beitreten würde. Es wäre nur noch ein eurasisches oder asiatisches.
  218. Mit der russischen Annexion der Krim 2014 und dem Angriff auf die Ukraine 2022 versucht Putin das zu verhindern.
  219. Nach Jahren der nuklearen Abrüstung seit dem Ende des kalten Krieges droht er dem Westen mit dem Einsatz von Atomwaffen.
  220. Putin instrumentalisiert die Geschichte nicht nur, er verwandelt sie in Propaganda.
  221. In der Vergangenheit war Russland von Feinden umzingelt. Deshalb versucht er diese Länder mit verschiedenen Mitteln wieder unter
  222. seinen Einfluss zu bringen. Dieses Ziel verfolgt Putin auch mit der Suche nach Öl und Gasvorkommen im
  223. Norden. Denn mit einem Anteil von bis zu 18% am brutto Inlandsprodukt im Jahr 2024 ist der Energiesektor ein wichtiger Wirtschaftszweig.
  224. Russland ist der größte Anreinertais [musik] und verfügt über ein riesiges Territorium in dieser Region.
  225. In den 1980er [musik] Jahren einigt sich Russland mit vier weiteren Staaten darauf, die Arktis konfliktfrei [musik] zuuhalten.
  226. Die Abkommen sehen ausschließliche Wirtschaftszonen [musik] vor, die sich jeweils 200 Seemeilen ins Nordpolarmeer erstrecken.
  227. Doch die Bedingungen ändern sich, denn bisher waren die arktischen Küsten Russlands nur wenige [musik] Monate im
  228. Jahr schiffbar. Durch den Klimawandel könnten Gebiete mit unerschlossenen Rohstoffen in
  229. Zukunft ganzjährig eisfrei sein. Die reichen Ressourcen gerade im arktischen Raum ist der Grund, dass
  230. Soßland gerade die arktische Zone der russischen Föderation als nationale Ressourcenbasis betrachtet.
  231. Offiziell bezeichnet Russland die Arktis noch als [musik] Zone des Friedens, der Stabilität und Partnerschaft.
  232. Doch das Land rüstet auch auf, um seine Nordgrenze zu sichern. Mit Truppenmanövern demonstriert das russische Militär immer wieder seine
  233. Kampfbereitschaft. Wir sehen, dass zunehmend Russland in der Arktik auch aufrüstet und im Prinzip in so ein Wettbewerb auch um Einfluss,
  234. um Geopolitik, aber natürlich auch um Ressourcen in dieser Region eintritt. Die Arktis ist damit nicht nur Frühwarnsystem für den Klimawandel,
  235. sondern auch Schauplatz für den Machtkampf um Ressourcen. Russland demonstriert mit dem Krieg gegen die Ukraine, dass es an das
  236. Großreich der Sowjetunion anknüpfen will. Gleichzeitig geht es Putin um eine globale Neuordnung, in der [musik] der
  237. Westen an Macht verlieren soll. Die Karte der Welt wird sich nachhaltig verändern, wenn Russland diesen
  238. völkerrechtswidrigen Angriffskrieg umgestraft fortführen kann und ohne Sanktionen bleiben würde. Wir müssen eigentlich zu einem Zustand
  239. zurück, in dem die Unverletzlichkeit der Grenzen weiterhin gilt und andere Staaten nicht ihre Nachbarn überfallen,
  240. weil sie neoimperialistischen Gedanken nachhängen, die eigentlich der Vergangenheit angehören.
  241. Denn trotz seiner Größe und seines Reichtums an Ressourcen sieht sich Russland bis heute wegen seiner geographischen Schwachstellen bedroht.
  242. und durch die Geschichte in dieser Angst bestätigt. Die zukünftige Rolle Russlands wird auch davon abhängen, ob es weiterhin von
  243. fossilen Brennstoffen abhängig bleibt und damit von einer Wirtschaft, die sich möglicherweise zu langsam an die Zukunft anpasst.
  244. Eine Herausforderung, die sich durch die geographischen Bedingungen Russlands noch verstärkt. M.

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