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Romeo und Julia

Romeo und Julia (frühneuenglisch The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet) ist eine Tragödie von William Shakespeare.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Figuren und Ausgangskonflikt
  3. 3. Handlung der Tragödie
  4. 4. Vorlagen und Gestaltung
  5. 5. Text, Datierung und Aufführung
  6. 6. Rezeption und Adaptionen

Grundidee und Bedeutung

Romeo und Julia, frühneuenglisch The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet, ist eine Tragödie von William Shakespeare. Sie erzählt von zwei jungen Liebenden aus den verfeindeten Familien Montague und Capulet, die ihre Liebe geheim halten müssen und am Ende durch Suizid sterben. Durch ihren Tod erkennen die Familien ihre Mitschuld und versöhnen sich. Das Werk entstand vermutlich 1594–1596, wurde 1597 erstmals gedruckt und gehört zu den bekanntesten Dramen der Weltliteratur.

Die Handlung spielt im 16. Jahrhundert in Verona und Mantua und umfasst nur wenige Tage, in der Zusammenfassung etwa fünf Tage, in einer späteren Angabe etwa eine Woche. Diese kurze erzählte Zeit verstärkt den Eindruck, dass sich Liebe, Familienfehde, Gewalt, Zufälle und Missverständnisse sehr schnell zu einer Katastrophe verdichten. Romeo und Julia gelten als das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur; der Stoff wurde vielfach in Literatur, Musik, Theater, Musical und Film verarbeitet.

Figuren und Ausgangskonflikt

Im Zentrum stehen die zwei verfeindeten Familien. Zu den Capulets gehören Julia, ihre Eltern, ihre Amme, ihr Cousin Tybalt und ihr Freier Paris. Zu den Montagues gehören Romeo, seine Eltern, sein Cousin Benvolio, sein Freund Mercutio und Romeos geistlicher Mentor Bruder Lorenzo. Insgesamt treten 32 Personen und ein Chor auf; die Figurengruppen sind symmetrisch aufgebaut.

Der Grundkonflikt ist die alte Fehde zwischen Montagues und Capulets. Sie führt zu Beleidigungen und Fechtkämpfen auf offener Straße. Der Fürst von Verona versucht, die öffentliche Ordnung zu sichern, und droht nach einem erneuten Kampf mit der Todesstrafe. Romeo ist zu Beginn unglücklich in Rosalinde verliebt. Auf einem Fest der Capulets begegnet er Julia, beide verlieben sich sofort ineinander, erfahren aber erst danach, dass sie verfeindeten Familien angehören.

Handlung der Tragödie

Das Stück beginnt mit einem Prolog in Sonettform. Er kündigt an, dass die „star-crossed lovers“, also vom Unglück verfolgte Liebende, sterben und dadurch die verfeindeten Familien versöhnen werden. Im ersten Akt eskaliert zunächst der Streit der Diener und Familienanhänger. Später geht Romeo mit Benvolio und Mercutio maskiert zum Fest der Capulets. Dort verlieben sich Romeo und Julia in einem gemeinsamen Sonett. Tybalt erkennt Romeo und will kämpfen, wird aber von Capulet zurückgehalten.

Im zweiten Akt folgt die berühmte Balkonszene: Julia spricht am Fenster über ihre Liebe, Romeo hört sie, tritt hervor und gesteht ebenfalls seine Liebe. Beide verabreden die heimliche Hochzeit. Bruder Lorenzo traut sie, obwohl er Romeos schnellen Wechsel von Rosalinde zu Julia kritisch sieht. Er hofft, die Ehe könne die Familien versöhnen.

Im dritten Akt kippt die Handlung in Gewalt. Tybalt fordert Romeo heraus. Romeo lehnt ab, weil er durch die Hochzeit nun mit Tybalt verwandt ist. Mercutio kämpft stattdessen und wird tödlich verwundet, als Romeo dazwischengeht. Mercutio verflucht beide Häuser. Aus Schmerz und Wut tötet Romeo Tybalt. Der Fürst verbannt Romeo nach Mantua. Romeo und Julia verbringen noch eine Hochzeitsnacht miteinander, müssen sich aber am Morgen trennen. Gleichzeitig drängt Capulet Julia zur Heirat mit Paris und droht ihr mit Enterbung. Die Amme rät Julia nun ebenfalls zur Ehe mit Paris, worauf Julia sich an Bruder Lorenzo wendet.

Im vierten Akt gibt Lorenzo Julia einen Schlaftrunk, der sie für 42 Stunden in einen todesähnlichen Zustand versetzen soll. So soll sie der Hochzeit mit Paris entgehen. Romeo soll durch einen Brief informiert werden und Julia später aus der Familiengruft holen. Julia hat Angst vor dem Plan, trinkt das Mittel aber. Am nächsten Morgen wird sie für tot gehalten und in die Gruft gebracht.

Im fünften Akt erreicht Romeos Diener Balthasar ihn in Mantua und berichtet von Julias angeblichem Tod. Der wichtige Brief Lorenzos kommt wegen einer plötzlich ausbrechenden Pest nicht an. Romeo kauft Gift und eilt zur Gruft. Dort trifft er Paris, kämpft mit ihm und tötet ihn. Danach sieht er Julia, hält sie für tot und nimmt Gift. Kurz darauf erwacht Julia, findet Romeo tot, küsst ihn und ersticht sich mit seinem Dolch. Bruder Lorenzo erklärt den Hergang. Die Familien versöhnen sich und wollen den Liebenden ein Denkmal „in pure gold“ errichten. Der Fürst schließt mit den Worten: „Denn niemals gab es ein so herbes Los / als Julias und ihres Romeos.“

Vorlagen und Gestaltung

Shakespeares wichtigste Vorlage war Arthur Brookes episches Gedicht The Tragicall Historye of Romeus and Juliet von 1562. Unklar, aber wahrscheinlich ist auch ein Einfluss von William Painters Rhomeo and Julietta von 1567. Diese Fassungen gehen über französische und italienische Bearbeitungen auf ältere Novellenstoffe zurück, besonders auf Matteo Bandellos Romeo e Giulietta von 1554 und Luigi da Portos Giuletta e Romeo um 1530. Ähnliche Motive getrennter Liebender finden sich in Stoffen wie Hero und Leander, Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde sowie Troilus und Cressida. Die Namen der verfeindeten Familien, „Montecchi e Cappelletti“, erscheinen bereits in Dantes Göttlicher Komödie.

Shakespeare übernimmt den Grundverlauf, verändert ihn aber entscheidend. Bei Brooke erstreckt sich die Geschichte über neun Monate, bei Shakespeare über wenige Tage. Dadurch wirken Zufall, Zeitdruck und Missverständnisse viel stärker. Tybalt und Paris erhalten größere Rollen. Julia ist fast noch ein Kind, was ihre Unschuld und ihr Reifen zur tragischen Heldin betont. Shakespeare entfernt die moralisierenden Erzählerkommentare Brookes und verlegt Reflexionen in die Figuren selbst.

Wichtig ist auch die Verbindung von privater Liebe und öffentlichem Konflikt. Die Familienfehde bedroht nicht nur Romeo und Julia, sondern das Gemeinwesen Veronas. Der Fürst steht für staatliche Ordnung, Bruder Lorenzo für eine geistliche Instanz. Zugleich enthält das Stück komische und derbe Elemente, besonders durch Mercutio und die Amme. Dadurch stehen Liebe, Sexualität, Spott, Gewalt und Tragik eng nebeneinander. Die Katastrophe entsteht nicht aus einem einzelnen Fehler, sondern aus Familienhass, Zeitdruck, Zufällen und Missverständnissen; in der Forschung wird das Stück daher auch als „Tragödie des Zufalls“ beschrieben.

Text, Datierung und Aufführung

Der genaue Entstehungszeitpunkt ist nicht überliefert. Sicher ist, dass das Stück spätestens 1597 existierte, weil in diesem Jahr die erste Quarto-Ausgabe erschien. Als wahrscheinlicher Entstehungszeitraum gilt heute häufig 1594–1596. Andere Datierungen, etwa 1591, wurden mit Hinweisen im Text wie dem von der Amme erwähnten Erdbeben begründet, sind aber unsicher. 1598 wurde Romeo and Juliet in Francis Meres’ Palladis Tamia als Werk Shakespeares genannt.

Ein Manuskript ist nicht erhalten. Die Textüberlieferung beruht vor allem auf frühen Drucken. Die erste Quarto-Ausgabe von 1597 gilt meist als „schlechte“ Quarto-Ausgabe, vermutlich aus dem Gedächtnis von Schauspielern rekonstruiert und mit Kürzungen, Abweichungen und Fehlern. Die zweite Quarto-Ausgabe von 1599 trägt den Titel The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet und gilt als deutlich zuverlässiger; sie beruht wahrscheinlich auf einer schriftlichen Vorlage, möglicherweise einer Rohfassung von Shakespeares Manuskript. Moderne Ausgaben nutzen meist Q2 als Hauptgrundlage, ziehen aber Q1 und gelegentlich die Folio-Ausgabe von 1623 zur Klärung heran.

Die frühe Aufführungsgeschichte ist nicht vollständig belegt. Manche Forscher vermuten eine erste öffentliche Aufführung um 1595 im Theatre; auch das Curtain Theatre oder andere Spielorte sind möglich. Im elisabethanischen Theater wurden Frauenrollen von jungen Männern gespielt. Erst nach 1660 durften Frauen auf englischen Bühnen auftreten; wahrscheinlich wurde Julia 1662 erstmals von einer Frau gespielt, Mary Saunderson. Das Stück war von Anfang an sehr beliebt, wurde im 17. Jahrhundert auch auf dem europäischen Kontinent gespielt und ist 1604 in Nördlingen nachweisbar. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde es oft in bearbeiteten Fassungen gespielt, etwa mit glücklichem Ausgang oder mit einer zusätzlichen Abschiedsszene. Im 19. Jahrhundert kehrte man stärker zum Original zurück, bereinigte aber lange anzügliche Stellen. Im 20. Jahrhundert blieb Romeo und Julia eines der meistgespielten Shakespeare-Dramen.

Rezeption und Adaptionen

In der Rezeption standen besonders drei Liebesszenen im Mittelpunkt: die erste Begegnung auf dem Fest der Capulets, die Balkonszene und die Abschiedsszene nach der Hochzeitsnacht. Das allgemeine Verständnis sieht Romeo und Julia oft als Verkörperung einer überwältigenden Liebe, deren Intensität mit kurzer Dauer und tragischem Ende verbunden ist. Zugleich betont die Forschung, dass das Stück mehr ist als eine Liebestragödie: Es handelt auch von Familienfehde, öffentlicher Ordnung, Jugendgruppen, Gewalt, Sexualität, Komik und politischer Verantwortung.

Die literarische und akademische Deutung diskutierte lange, welche Art von Tragödie das Werk ist: Schicksalstragödie, Charaktertragödie oder etwas anderes. Heute wird eher angenommen, dass mehrere Formen von Tragik nebeneinanderstehen. Seit den 1980er Jahren wurden auch feministische Deutungen wichtig, besonders zur Figur Julia. Dabei wird sie teils als besonders selbstbestimmt und handlungsstark gelesen, teils wurden gegenteilige Deutungen vertreten.

Der Stoff wurde vielfach adaptiert. In der Literatur ist im deutschsprachigen Raum besonders Gottfried Kellers Romeo und Julia auf dem Dorfe von 1856 bekannt, das die Handlung in die Schweiz verlegt. In Oper und Ballett gibt es wichtige Bearbeitungen von Georg Anton Benda, Vincenzo Bellini, Charles Gounod, Heinrich Sutermeister, Hector Berlioz, Tschaikowski und Prokofjew. Im Musical wurde West Side Story von Leonard Bernstein 1957 ein Welterfolg; es verlegt den Konflikt nach New York zu den Jets und Sharks und wurde 1961 und 2021 verfilmt. Weitere Musicals sind unter anderem Roméo et Juliette von Gérard Presgurvic, Romeo & Julia – Liebe ist alles von 2023 und & Juliet von 2019.

Auch im Film wurde der Stoff häufig umgesetzt. Laut Internet Movie Database wurde Romeo und Julia 30-mal direkt nach der Shakespeare-Tragödie verfilmt; mit indirekten oder parodistischen Bezügen wären es deutlich mehr. Bedeutende Verfilmungen stammen unter anderem von George Cukor 1936, Renato Castellani 1954, Franco Zeffirelli 1968, Baz Luhrmann 1996 und Carlo Carlei 2013. Zeffirellis Film zeigte die Liebenden als sehr junge Jugendliche und wurde an Originalschauplätzen in Verona gedreht. Luhrmanns Romeo + Juliet ist eine radikal moderne Neuinterpretation in Videoclip-Ästhetik. In Verona ist außerdem die „Casa di Giulietta“ eine bekannte touristische Stätte; der berühmte Balkon wurde allerdings nachträglich für Touristen angebaut.

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